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Blutiger Valentinstag

(Originaltitel: My Bloody Valentine)
Herstellungsland:USA (1981)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Splatter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,59 (80 Stimmen) Details
inhalt:
Vor zwanzig Jahren starben bei einem Unglück neun Minenarbeiter. Am Valentinstag! Verursacht wurde die Katastrophe durch Aufseher, die ihren Posten verließen, um am jährlichen Valentinstag-Tanz teilzunehmen. Der einzige Überlebende, Harry Warden, musste nach diesem traumatischen Erlebnis in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen werden. Am Jahrestag der Katastrophe kehrte er zurück, um blutige Rache zu nehmen. Das liegt jetzt neunzehn Jahre zurück. Die Erinnerung daran ist verblasst. Das Liebespaar T.J. (Paul Kelman) und Sarah (Lori Hallier) sowie deren Freund Axel (Neil Affleck) gehören zu der Gruppe von Bewohnern, die voller Elan eine Valentinstag-Party organisieren. Doch dann taucht eine seltsame Schachtel auf. Gefüllt mit Süßigkeiten, einer ominösen Nachricht und einem blutigen Herzen. Noch bevor die Nacht zu Ende ist, schlägt das Grauen erneut zu und zu und zu und...
eine kritik von chollo:

Spätestens 1978 wurde mit John Carpenter's Stilprägendem Meilenstein "Halloween" die Essensglocke bei den US- Amerikanern geläutet. Von da an war klar, das das später so genannte Slashergenre, seinen Platz auf der großen Leinwand und vor allem beim Publikum gefunden hatte. Das diese Produkte zu Zeiten von "Peeping Tom"; "Fright" oder "Bay of Blood" von diversen Kritikern gerne kleingeredet oder als Nischenprodukte abgetan wurden, war zum Leidwesen derer nun nicht mehr möglich. Bekanntermaßen gehört nämlich eben dieses Genre nicht gerade zu den Freunden anerkannter oder selbsternannter Film-"Experten". Ganz anders als z.B. sein großer Bruder der "Giallo", der wiederum von Mr. Bava zu Beginn der sechziger Jahre in's Leben gerufen wurde.

1981, praktisch im Eruptionsjahr der Schlitzerwelle, brachten auch die Kanadier ihren Beitrag an den Start. Ausgestattet mit einem Budget von 2,3 Millionen Kanadischen Dollar und einer Schar von mehr oder minder begabten Laienschauspielern machte sich Regisseur George Mihalka daran, auch etwas vom üppigen Kuchen der Nachbarn abzugreifen.

Das es sich bereits zu diesem Zeitpunkt nicht gerade um ein leichtes Unterfangen handelte, zeigt die schier unglaubliche Menge die damals schon über das gierige Publikum hernieder prasselte. "Freitag der 13"; "Halloween 2"; "The Prowler"; "The Burning"; "Prom Night"; " Maniac" oder " Terror Train" sind nur einige der bekannteren Vertreter. Die Verantwortlichen von " My Bloody Valentine" standen nun vor der anspruchsvollen Aufgabe, ihren Output in der Schwarte mit markanten Eckpunkten in Sachen Location, Story und Charaktere in dem schon überdehnten Genre zu versehen, um zumindest Ansatzweise bei der schon gesättigten Zuschauerschaft Eindruck zu schinden. Dem oder Der Meuchelnden da nur eine neue Maske aufzusetzen und sie oder ihn durch ein ruhiges Vorstädtchen stampfen zu lassen, würde da bei weitem nicht reichen. Das war wohl auch den Beteiligten klar.

Und da hätten wir schon den ersten Pluspunkt dieses Werks. Den Handlungsort sprichwörtlich unter Tage zu verlegen und das dazugehörige Klientel in's Geschehen mit einzubeziehen, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung mit Filmgeschichtlicher Distanz als genialer Schachzug. Das sich die Location durch ihre natürlichen Gegebenheiten als perfekter Ort für schweißtreibende Verfolgungsjagden im schummrigen Zwielicht auszeichnet, zeigen die stimmungsvoll in Szene gesetzten Streifzüge der Protagonisten durch und über deren Arbeitsplatz. Wenn dann noch die Bedrohung mit dem Spitzhacke- schwingenden (Gas) Maskenmann dazu kommt, werden auch bei erfahrenen Liebhabern die Beine langsam unruhig. Schön zu sehen etwa gegen Ende, als auf den Güterloren nochmal ein gutes Stück Tempo drauf gepackt wird. Das bei den Dreharbeiten eine echte stillgelegte Miene, statt für diese Budget üblich eine stümperhaft zusammengeschusterte Kulisse zum Einsatz kam, erweist der Atmosphäre und Authentizität einen unglaublichen Bärendienst. Freilich ist hier jeder Gang standesgemäß entweder im flackerndem Licht oder wabernden Rauchschwarten gehalten, doch ist das hier eher dem Charme denn dem Klischee zuträglich. Alles in allem soll dieser Ort einfach Unbehagen auslösen, was er meines Erachtens auch zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Üblich für solch eine Örtlichkeit sollte auch das Repertoire an zweckentfremdenden Gebrauchsgegenständen hier eigentlich unerschöpflich sein, was der Film aber leider nur teilweise ausnutzt. Das tut den hier gezeigten Brutalitäten aber beileibe keinen Abbruch.

Denn hier liegt der zweite Pluspunkt. Das man durch den Einsatz von ordentlich Blut und Gekröse auch das größte Logikloch stopfen oder die dünnste Geschichte aufbuttern kann, ist nicht erst seit den achtziger Jahren bekannt. Ist aber spätestens seit der Slasherwelle eben dieses Jahrzehnts probates Mittel in Sachen "Aufwertung". Und in diesem Bereich gehen die Verantwortlichen von "My Bloody Valentine" ganz klar auf Nummer sicher. Gehört das Schlitzerfilmchen schon in der üblichen R-Rated/ Kinofassung zu den härteren Vertretern seiner Zeit und Zunft, darf sich die Unrated Fassung fraglos die Spitze mit einigen wenigen teilen. Pralinen-Schachteln mit viel Herzblut, Rentner im Schleudergang, Streicheleinheiten mit der Nagelpistole und Wasserrohr mit Konterfei der Liebsten. Hier bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Bei diesem Thema also nicht den geringsten Grund zur Beschwerde.

Anders sieht es da schon bei dem oben genannten Laienschauspiel aus. Mir ist schon klar das wir es bei Zelluloid dieser Art nicht mit Akteuren aus Lee Strasbergs Actors Studio zutun bekommen. Ein bisschen mehr Engagement auf Seiten der Darsteller hätte aber wohl jeder Nase gut getan. Mag es am mangelnden Talent oder Lampenfieber bei den "ersten Malen" vor der großen Kamera gelegen haben, ankreiden muss man es dem Film in jedem Fall. Da wundert es natürlich auch nicht, das Namen wie Lori Hallier (Final Girl); Paul Kelman (Final Boy) oder eben Neil Affleck (Sicko) nicht in die Annalen der Schauspielkunst eingegangen sind. Zumal diese blassen Barden dann noch in Form einer verkorksten Dreiecksbeziehung in ein Heer aus gesichtslosen Opfern geworfen werden, um ein Schlachtfest nach Schema F abzufeuern. Etwas mehr Tiefgang in den Charakteren oder die ein oder andere Abzweigung in Sachen Handlungsverlauf hätte Gewiss nicht nachteilig gewirkt.

Doch man sollte auch nicht vergessen wo genau man sich hier befindet. "My Bloody Valentine" ist ein Slasher der ersten Garnitur. Alles was solch einer bieten sollte sind grausam kreative Morde, gruseliges Gekreische und unterhaltsame Kurzweiligkeit. All das erfüllt unser Kanadischer Halloween mit Bravour. Für alle mit Hang zum Slasher Sektor ohnehin Pflichtprogramm, ist er auch für die allgemeine Kundschaft der etwas groberen Unterhaltung durchaus einen Blick wert. Das liegt vor allem daran das es sich hier nicht um eine Mogelpackung mit reißerischem Titel handelt, sondern man wirklich was geboten bekommt. Was ihn von seinen Kollegen wie etwa der Schlaftablette "Prom Night" deutlich unterscheidet.

7/10
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Kommentare

02.11.2018 12:36 Uhr - Intofilms
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In meinen Augen durchaus so etwas wie der perfekte Slasher: originell gewählter Schauplatz (ganz wichtig!), pralle Atmosphäre, grausige Morde, traumatisierter, irrer Killer, dessen Identität erst ganz am Schluss aufgedeckt wird. Die Schauspielerleistungen würde ich für Slasher-Verhältnisse sogar als überdurchschnittlich bezeichnen. In einem Punkt freilich weicht dieses Musterbeispiel unbegreiflicherweise von der Norm ab: es kam anschließend zu keinem Sequel. Und das will mir einfach nicht einleuchten. Wenigstens eine Fortsetzung wäre da locker drin gewesen...! Immerhin gibt es ein schönes Remake.

„Prom Night“: Habe ich erst sehr spät gesehen und finde ich ebenfalls großartig. Die relative Handlungsarmut ist freilich nicht jedermanns Sache. Ich musste mich da allerdings wirklich nicht langweilen und hatte auch im langen Mittelteil durchaus noch Spaß. Die Geschmäcker... - Schöne Rezi, CHOLLO! ;))

02.11.2018 13:31 Uhr - CHOLLO
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Danke Into
Prom Night war mir einfach der Gewaltgrad zu lasch. Wahrscheinlich liegt das daran das ich den auch relativ spät gesehen habe und dadurch schon ein bisschen was gewöhnt war. Aber wie du schon sagst..Geschmäcker halt ;)

02.11.2018 14:30 Uhr - Nubret
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Schöne Besprechung!

Den Film mag ich auch sehr gerne. Blutig, kurzweilig und atmosphärisch. Selbst die Darsteller finde ich für so einen Streifen relativ gut.

Cool, mal wieder von Dir zu lesen!

02.11.2018 15:58 Uhr - cecil b
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Ich halte diesen Film für überbewertet, im Gegensatz zu deinen lesenswerten Reviews, Chollo! :)

02.11.2018 18:37 Uhr - CHOLLO
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Vielen lieben Dank ihr beiden für die geschmeidigen Worte :)

02.11.2018 19:05 Uhr - Dissection78
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Also, ich finde sogar, der Film ist von der Mainstreampresse eher unterbewertet, wenn man beispielsweise sieht, dass er in der Vergangenheit immer eine Daumen-runter-Bewertung von TVS erhalten hat. In meinen Augen ist das sogar einer der besten Slasher überhaupt. Spannend, atmosphärisch extrem dicht, härtere Goreszenen als in diversen "Halloween"- und "Freitag der 13."-Epigonen (wobei ich da noch nicht mal sooo viel Wert drauf lege, da mir auch die entschärfte Version gefällt), und die Schauspieler sind für einen Schlitzerstreifen sogar preisverdächtig. Einer meiner Lieblinge in dem Subgenre, dem ich eher noch ein Pünktchen mehr vergebe als Du :)

02.11.2018 19:22 Uhr - CHOLLO
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Sind wir ja fast einer Meinung Dissection. Bis auf die Schauspieler Leistung ;)

02.11.2018 19:45 Uhr - JasonXtreme
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02.11.2018 19:05 Uhr schrieb Dissection78
Also, ich finde sogar, der Film ist von der Mainstreampresse eher unterbewertet, wenn man beispielsweise sieht, dass er in der Vergangenheit immer eine Daumen-runter-Bewertung von TVS erhalten hat. In meinen Augen ist das sogar einer der besten Slasher überhaupt. Spannend, atmosphärisch extrem dicht, härtere Goreszenen als in diversen "Halloween"- und "Freitag der 13."-Epigonen (wobei ich da noch nicht mal sooo viel Wert drauf lege, da mir auch die entschärfte Version gefällt), und die Schauspieler sind für einen Schlitzerstreifen sogar preisverdächtig. Einer meiner Lieblinge in dem Subgenre, dem ich eher noch ein Pünktchen mehr vergebe als Du :)


dito! Ich liebe den einfach. Gute Rezi, Punkte kriegt er von mir mehr

02.11.2018 20:03 Uhr - CHOLLO
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Thx Jason :)

03.11.2018 09:52 Uhr - TheRealAsh
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Sehr gute Einführung und insgesamt super Review. Den hier mag ich auch sehr gerne und würde ähnlich meinen Vorrednern höher punkten, aber so what;-)

Das Remake fand ich leider furchtbar bescheiden, aber vielleicht sollte ich das mal wieder anschauen. Auch tolles Review im übrigen!

03.11.2018 15:23 Uhr - Insanity667
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Ganz tolle Arbeit CHOLLO! Ich glaube, du hast einen Fan dazugewonnen! ^^
Zum Film selbst bleibt mir eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass ich dir in allen Punkten zustimme! 8/10 auch von mir! Ich bin übrigens auch der Meinung, dass "My Bloody Valentine" einer der besten des Genres ist und vor allem überzeugt, dass es in diesem Falle gut war, keine Fortsetzung zu bringen. (Sorry Into...!)

Viele richtig gute Slasher bzw. Horrorfilme, die sich von den Genrekonventionen nicht haben knebeln lassen, hatten auch keine Fortsetzung, was irgendwie nach 11 Halloweens, 8 (oder 9???) Hellraisern, 7 Albträumen und 11 unglücklichen Freitagen auch mal ganz angenehm ist. Spontan fallen mir da die von dir ebenfalls genannten "The Prowler" und "The Burning" oder aber auch "Ab in die Ewigkeit", "Angst" und "Curtains" ein. :)

03.11.2018 17:39 Uhr - CHOLLO
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Danke Ash!!
Und Insanity bei deinem Lob kriegt man ja fast weiche Knie, vielen lieben Dank:)

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