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Curtains - Wahn ohne Ende

(Originaltitel: Curtains)
Herstellungsland:Kanada (1983)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Krimi
Alternativtitel:Curtains....The Ultimate Nightmare
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,78 (9 Stimmen) Details
inhalt:
Sechs Schauspielerinnen versammeln sich in einer Villa, um mit ihrem Produzenten einen neuen Film zu besprechen. Der Produzent und Regisseure John Stryker ist bekannt für seine brutalen und ausgefallenen Methoden mit seinen Darstellern umzugehen.
Mit Stryker's Anwesenheit entsteht jetzt eine vorherrschend explosive und düstere Atmosphäre. Die sechs jungen Frauen erleben ein Wochenende, welches sie an den Rand des Wahnsinns treibt. Eine nach der anderen wird das Opfer mysteriöser Umstände.
eine kritik von chollo:

Regisseur und Halbzeit-Psychopath Jonathan Stryker (welch ein Name?!) versammelt eine Schar hübscher Jungschauspielerinnen, um eine von ihnen für seinen neuesten Streifen zu engagieren. Zuvor muss er aber noch sein ehemals favorisiertes und jetzt leider zu alt und lästig gewordenes Starlet in die Wüste schicken, die ebenfalls Interesse an der Rolle bekundet hat. Was funktioniert da besser als ihr eine Finte in der umliegenden Nervenheilanstalt zu stellen und sie dann kurzerhand dort schmoren zu lassen. Jetzt hat Hr. Stryker Zeit, sich voll und ganz um seine Mädels in einer abgelegenen Villa zu "kümmern". So die kurze und vielleicht nicht ganz ernst gemeinte Inhaltsangabe.

1983, also schon im Herbst der Slasherwelle, schickte der Kanadier Richard Ciupka seinen Ballon auf die Reise. Das sich der Hype um eben jenes Genre bereits zunehmend abgekühlt hatte zeigt, das nach "Curtains" nur noch wenige und mit einigen Jahren Abstand Vertreter dieser Zunft erscheinen sollten.

Ciupka ist sich dessen wohl bewusst und verfolgt bei seinem Film eine gänzlich andere Strategie als noch seine Kollegen vor wenigen Jahren. Statt einen bluttriefenden Kill an den nächsten zu reihen, stützt sich sein Output auf subtiler Gruselatmosphäre um die Gunst des Publikums zu erbeuten. Und das gelingt ihm dank visueller Kniffe erstaunlich gut. Die Attacke einer der bemitleidenswerten Frauen auf einem zugefrorenen See gehört nach diversen Quellenangaben zu einer der furchterregendsten Szenen im Horrorbereich. Naja so weit würde ich jetzt nicht ganz gehen, eine gewisse Wirkung kann mann ihr aber nicht absprechen. Überhaupt ist das manische mitunter hysterische Verhalten der Protagonisten der morbiden Stimmung dieses Film besonders zuträglich. Keine/r der handelnden Personen scheint vertrauenswürdig und mit den irren Verhalten des Killers alá Puppen auf verlassenen Straßen zu postieren, wird dem Film ein ordentliches Stück Potential in Sachen Gänsehaut zuteil.

Im Reigen der Schauspieler gibt es keine Mängel auszumachen. Das bekannteste Gesicht dürfte John Vernon ("Brannigan") bieten. Sein Spiel des extrovertierten Regisseurs der dauernd zwischen Wahnsinn und Frustration pendelt passt wie die Faust aufs Auge und fügt sich hervorragend in die fiese Geschichte hinein. Die holde Weiblichkeit wird u.a. von Samantha Eggar ("Die Brut""), Linda Thorson ("Mit Schirm, Charme und Melone"), Lynne Griffin ("Black Christmas") und Lesleh Donaldson ("Ab in die Ewigkeit") verkörpert. Allesamt agieren sie eine Spur besser als man das üblicherweise in diesem Bereich gewöhnt ist. Natürlich auch deswegen weil das gespannte Miteinander und Konkurrieren untereinander einen erheblichen Teil zur Spannung beiträgt. Und das geht nun mal nicht ohne einen gewissen Backround in Sachen Charaktergestaltung.

Für den Schnitt zuständig war Henry Richardson dessen Karriere in den 1950 Jahren mit Sachen wie "Gwangis Rache" begann und über Erzeugnisse eines "Runaway Train" führte, für den er dann auch eine Oskar-Nominierung erhielt. Hinter der Kamera stand Robert Paynter, dessen Vita sich ebenfalls mehr als sehen lassen kann. Titel wie "Chatos Land", "Kalter Hauch", "Superman 2", "American Werewolf" oder "Der kleine Horrorladen" fallen mit seinem Namen. Will sagen keine Amateure dich sich da versammelten und wirklich einiges aus dem überschaubaren Budget rausholten. Und das sieht man meiner Meinung nach der Produktion auch an, die doch sehr professionell in eben diesen Bereichen wirkt.

Was dann doch etwas stört ist die fast schon militante Verweigerung von visuellen Brutalitäten. Der Schluss mit seiner Offenbarung des Killers, dessen Verschleierung zugegebenermaßen wirklich fabelhaft funktioniert, entschädigt dann schon ein wenig. Trotzdem wäre mehr hier einfach mehr gewesen. Auch die Handlung erscheint zuweilen doch etwas sehr wirr, was dem positiven Gesamteindruck im Wege steht.

"Curtains" ist für Horror/Grusel/Slasher-Freunde durchaus eine Sichtung wert, Gorehounds und Splatterfreaks sollten aber das Weite suchen. Zum Fürchten bei Einsteigern wohl gut geeignet, für Hartgesottene dann doch ein bisschen zu wenig.

6/10
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Kommentare

06.11.2018 18:13 Uhr - Nubret
4x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.086
Fand den recht kurzweilig, oh fleißiger Chollo!

Ist zwar kein Überkracher, hat mich aber doch recht angenehm unterhalten.

Wieder mal gut besprochen!

06.11.2018 19:02 Uhr - Dissection78
3x
DB-Co-Admin
User-Level von Dissection78 15
Erfahrungspunkte von Dissection78 3.904
Du besprichst in letzter Zeit ja ein paar wirklich coole Slasher. Da sind einige meiner absoluten Lieblinge darunter. Wegen Deinem Review habe ich am Wochenende übrigens mal wieder "Blutiger Valentinstag" gesehen. Bei "Hotel zur Hölle" und "Brennende Rache" gibt's ebenfalls einen Daumen hoch. "Curtains" ist beim letzten Schauen leicht um einen Punkt auf 7 schlittschuhlaufende Serienkiller eingebrochen. Ein bisschen mehr Blut und Tempo hätten hier vermutlich nicht geschadet. Trotzdem ist das ein stimmungsvoller, überdurchschnittlicher Vertreter des Subgenres mit einigen Szenen, die sich ins Gedächtnis einbrennen.

Und ja, "Curtains" ist relativ spät rausgekommen. Zu dem Zeitpunkt fing der Slasherwelle schon langsam an, die Puste auszugehen. Der Dreh zu vorliegendem Streifen begann aber wohl bereits 1980, wurde unterbrochen, und das Projekt lag dann auf Eis, um schließlich unter Pleiten, Pech und Pannen fortgeführt zu werden. Mit ähnlichen Problemen hatten auch andere Schlitzerwerke zu kämpfen. Unter anderem fallen mir da spontan "The Final Terror" von Andrew Davis und "The House on Sorority Row" von Mark Rosman ein. Die wurden beide 1981 fertiggestellt, aber erst '83 veröffentlicht (wenn ich's richtig in Erinnerung habe).

06.11.2018 19:30 Uhr - Insanity667
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Erfahrungspunkte von Insanity667 1.641
Mich erinnert "Curtains" immer eher an einen Giallo als an einen Slasher... Er ist handwerklich stellenweise sehr sorgfältig und elegant gemacht und hat sogar ein paar Sequenzen zu bieten, die von Mario Bava oder Sergio Martino persönlich stammen könnten, ich weiß auch nicht... ^^ Das mit den Mannequins, die Ausleuchtung und die Perspektivwahl war schon sehr "Blutige Seide"-mäßig inszeniert! :) Bei mir gibt's wegen der Längen (obwohl ich mich an der Eislauf-Szene nie sattsehen konnte) diesmal "nur" 7/10 Punkte! Wieder tolle Arbeit CHOLLO! ;)

06.11.2018 22:33 Uhr - CHOLLO
2x
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Vielen Dank euch dreien.
@ Dissection
Ja hatte Lust mich mal durch meine Slasher Ecke zu graben. Eins meiner Lieblingsgenre im übrigen.

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