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Ekel

(Originaltitel: Repulsion)
Herstellungsland:Großbritannien (1967)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Répulsion
Wstret
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,75 (16 Stimmen) Details
inhalt:
Die junge Londonerin Carol, von Beruf Maniküre, fühlt sich in einer von Männern dominierten Welt hilflos, von den Menschen angewidert und bedroht. Als ihre Schwester verreist und sie allein lässt, gerät sie immer stärker in den Bann ihrer Paranoia und Wahnvorstellungen. Die psychische Hölle ihrer Angst und der Ekel gegenüber dem männlichen Geschlecht lässt sie schließlich zur Mörderin werden...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von le samouraï:

Repulsion -  The journey into a broke mind.

 

Nach dem Erfolg des Dramas Das Messer im Wasser  (1962) drehte Roman Polanski seinen ersten englischsprachigen Film Repulsion (1965) im Alter von 31 Jahren. Mit einem geringen Budget von 300 000 Dollar sollte dieser lediglich als Sprungbrett für weitere Projekte dienen. Heute zählt er zu den großen Meisterwerken des psychologischen Horrorfilms - zusammen mit den Nachfolgern Rosemary's Baby und Der Mieter.

Die junge Belgierin Carole Ledoux (Catherine Deneuve) lebt mit ihrer Schwester Hélène (Yvonne Furneaux, Das süße Leben) in einem Londoner Apartment. Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist Carole sehr in sich gekehrt und sensibel. Annäherungsversuche von Männern wehrt sie voller Scheu ab. Als Hélène und ihr Liebhaber Michael (Ian Hendry) für längere Zeit verreisen wollen, verschanzt sich die Blondine in der Wohnung und verliert den Kontakt zur Realität.

Repulsion - eigentlich englisch für "Abneigung" - durchforstet die Welt einer seelisch gebrochenen Catherine Deneuve. Durch die subjektive Perspektive wird der Zuschauer zunehmend in ihre verzerrte Wahrnehmung eingebunden. Polanski macht daraus kein kritisches Sozialdrama, die Story dient vielmehr als Nährboden für eine mit Horroreffekten ausgestattete Inszenierung. Die Wohnung spiegelt bald ihre eigene Psyche wider: die Raumstruktur verändert sich willkürlich, Wände zerbersten krachend, alltägliche Geräusche treten überlaut - hyperrealistisch - in Erscheinung und ein Kaninchen wird seinem Verwesungsprozess überlassen. Dabei sind ihre weit aufgerissenen Augen oft im Fokus: es ist ihr persönlicher Verfall, ihr Abgrund, in den wir gezwungen sind zu blicken. A journey into a broke mind. 

Kameramann Gilbert Taylor (Dr. Strangelove, Star Wars) fängt jene hypnotischen Bilder brillant ein. Die S/W-Dramaturgie arbeitet mit expressiver Lichtsetzung, extremen Weitwinkeln und Close-ups, was stilistisch klar am Deutschen Expressionismus orientiert ist. Gleichzeitig vermittelt Polanski damit Paranoia, das Gefühl von Enge und Isolation. Das Apartment selbst wird zu einem organischen Monstrum, wenn Arme durch die Wände greifen, Carole angreifen und sexuelle Übergriffe stattfinden. Alles nur Imagination? Eine Projektion traumatischer Angsterlebnisse? Diese Fragen hält Polanski offen, zumal die Bilder eine klare Sprache sprechen. Dessen ungeachtet, die abwechslungsreiche Formenfreiheit und -vielfalt machen Repulsion noch immer enorm effektiv und zu einem klaren Leitbild für Filmstudenten.

Ekel setzte außerdem eine Tradition im Horrorfilm fort, bei der eine fremdartige weibliche Hauptfigur im Mittelpunkt steht. Die Rollen sind bewusst oder unbewusst als Widerstand gegen männliche Vormachtstellung zu lesen. Beispiele hierfür sind:

1. Isabelle Adjani in Possession (1981) von Andrzej Żuławski.

2. Charlotte Gainsbourg in Antichrist (2009) von Lars von Trier.

3. Scarlett Johansson in Under the Skin (2013) von Jonathan Glazer.

 

Fazit:  Ein psychologisches Porträt Catherine Deneuves als auch ein kunstvoll stilisierter Horror-Thriller, der Opfer- und Täterperspektive zugleich einnimmt.

 

9/10
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Kommentare

14.11.2018 20:35 Uhr - NoCutsPlease
4x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 23
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.120
Überaus kompetent und wortgewandt auf den Punkt gebracht!
Von mir gibt es für "Ekel" auch 9/10 weit aufgerissene Augen. Ganz makellos ist der Film zwar nicht, aber dennoch ein mitreißender Horrortrip in expressionistischer Optik.

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