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Trapped - Die tödliche Falle

(Originaltitel: Trapped)
Herstellungsland:Kanada, USA (1982)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,25 (4 Stimmen) Details
inhalt:
In einem entlegenen und verarmten Walddorf leben die Bewohner mehr oder weniger nach ihren eigenen Regeln. Hier beherrscht der skrupellose Henry Chatwill (Henry Silva) den Alltag der Menschen. Als dieser eines Tages seine Frau, bei der es sich gleichzeitig um die hiesige Dorfschönheit handelt, mit einem Mitarbeiter der Wohlfahrtsbehörde im Bett erwischt, geht er zornentbrannt auf beide los. Während Chatwill die Frau verprügelt, versuchen ein paar Dorfbewohner dem Mann zur Flucht zu verhelfen. Dies misslingt jedoch und er wird von Chatwill sowie dessen engsten Vertrauten gefangen genommen, gefoltert und schließlich erbarmunglos durch die umliegenden Wäldern gejagt, in denen zurzeit Roger Michaels (Nicholas Campbell) mit drei Freunden von der Southeastern Tennessee State University zeltet...
eine kritik von nocutsplease:

Der kanadische Regisseur William Fruet hat sich mit Filmen wie Bluthunde, Killer Party und Spasms zwar nie in die Nähe oscarreifer Sphären begeben, dafür aber mit diesen Titeln einen Platz in der Hall of Fame der BPjM gesichert. Dies gilt auch für den bereits 1980 produzierten, aber erst 1982 veröffentlichten Backwood-Thriller Trapped, der - wie die soeben genannten Streifen - hierzulande ganze 25 Jahre auf dem Index verweilen durfte.


Angesichts der Beteiligung eines Drehbuchautors wie John Beaird, der auch die Skripte zu den Slashern Blutiger Valentinstag und Ab in die Ewigkeit verfasst hat, scheint der Grundstein für eine solide und spannende Story von Anfang an gelegt zu sein. Dementsprechend macht der Zuschauer recht schnell die Bekanntschaft mit Henry Chatwill, dem rücksichtslosen Oberhaupt eines heruntergekommenen Walddorfes, der eines schönen Tages seine hübsche Frau beim Sex mit einem Angestellten der Wohlfahrt erwischt und diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen kann. Im Rahmen von Chatwills brutaler Rache kreuzen sich dessen Wege mit denen des Studenten Roger, der mit ein paar Freunden unweit des Dorfes campiert. Nach einer zügigen Exposition der Hauptakteure verläuft der Plot zunächst sehr packend, allerdings hängt der Mittelteil in puncto Storytelling und Atmosphäre etwas durch. Dafür haut dann das letzte Viertel der Laufzeit von gut eineinhalb Stunden noch einmal ordentlich auf den Putz. 


Nun bedient sich nicht nur die Handlung einem zweckdienlichen Raster, sondern auch die Charakterzeichnung. Nicholas Campbell (Dead Zone, Die Brut, Die Brücke von Arnheim) spielt Roger, der zu Beginn des Films noch an der  Southeastern Tennessee State University darüber philosophiert, dass es keinerlei Situation geben könne, in der die Tötung einer anderen Person gerechtfertigt wäre, und sich wenige Stunden später in einem erbitterten Kampf auf Leben und Tod wiederfindet. Obwohl niemand von Rogers Begleitern als sonderlich prominent bezeichnet werden kann, füllen alle ihre Rolle auf einem ordentlichen Niveau aus. Henry Silva (Nico, Code of Silence, Botschafter der Angst) bildet als Henry Chatwill zweifellos das mimische Highlight, denn so diabolisch, impulsiv und gewissenlos wie er diesen äußerst unangenehmen Zeitgenossen verkörpert, könnte man locker glauben, es hier mit einem echten Psychopathen zu tun zu haben. Letztendlich wertet seine sehenswerte Performance den Streifen in der Gesamtheit enorm auf. Die übrigen Dorfbewohner sind je nach Individuum zwischen ruraler Einfachheit und inzestuös anmutender Debilität einzuordnen. Insbesondere die Vertreter der letztgenannten Kategorie sorgen mit ihrem teils tollpatschigen Verhalten und der Personifizierung einer ganzen Reihe von Hillbilly-Klischees für die eine oder andere Dosis unfreiwillige Komik.


Der Blick auf die optische Umsetzung offenbart recht schnell, dass bei Trapped kein unerfahrener Amateur hinter der Kamera operierte, sondern Mark Irwin, der u.a. für die Cronenberg-Klassiker Die Brut, Scanners, Videodrome und Die Fliege als Director of Photography fungierte. Die Postkartenidylle der herbstlichen Wälder von Georgia kontrastiert mit der schmuddeligen Verkommenheit des rustikalen Dorfes und der Boshaftigkeit seiner Bewohner. Anhand von feurigen Spezialeffekten und einigen Abrissaktivitäten erklärt sich gegen Ende auch, wohin das Budget von zwei Millionen US-Dollar zum größten Teil geflossen sein dürfte. Allzu viele blutige Details sollte man nicht erwarten, wenngleich der empfundene Härtegrad durch die rücksichtslose Haudraufmentalität der Rednecks und natürlich aufgrund des allgegenwärtigen Selbstjustizthemas nicht ganz ohne ist. Des Weiteren sorgen die unverhüllte Nacktheit von Chatwills Frau und einer anderen vollbusigen Schönheit für eine würzige Portion Sleaze. Auf akustischer Seite wird der Score von Eric Robertson (Spasms) von einem locker-flockigen Countrystil dominiert, begleitet jedoch auch die spannungsgeladenen Passagen auf eine angemessene Art.


Fazit: Gemessen an den Gepflogenheiten eines zünftigen B-Movies aus den 80er Jahren kann Trapped als gelungener und sehenswerter Vertreter des Backwood-Thrillers eingeordnet werden. Die üblichen Schwächen des Genres sind zwar erkennbar vorhanden, allerdings überwiegen in der Gesamtheit eindeutig die positiven Aspekte. Außerdem zeigt sich hier wieder einmal, was allein die Präsenz eines kompetenten Schurkendarstellers so alles ausgleichen kann.

8/10
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Kommentare

22.11.2018 08:25 Uhr - dicker Hund
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Mal wieder spitzenmäßig formuliert!

"Trapped" könnte mir durchaus zusagen.

22.11.2018 08:38 Uhr - JasonXtreme
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Einer der wenigen Backwooder den ich nie gesehen habe - das sollte sich dank der gelungenen Rezi wohl mal ändern! Immerhin liebe ich das Genre seit ich als Kind mal Deliverance gesehen habe einfach in all seinen Facetten

22.11.2018 11:33 Uhr - Insanity667
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Na in so einem toll vorgestellten Hinterwald wäre ich auch gerne mal "trapped", vor allem wegen der Beteiligung des Autoren zweier meiner Lieblingsslasher. Der Titel ist mir zwar (eben wegen Bearid, leider viel zu früh verstorben) bekannt, allerdings habe ich ihm bisher noch keine große Beachtung geschenkt. Deswegen: Danke für den Tipp bzw. die Erinnerung! :)

22.11.2018 13:05 Uhr - NoCutsPlease
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Vielen Dank miteinander!
Schön, dass ihr mit am Start seid! :)

Wuff:
Ja, der könnte was für dich sein, allerdings hat die deutsche Synchro einen gewissen Trashfaktor (passend zur Ära der VHS-Klopper).

Jason:
Das ist quasi die Haudrauf-B-Version von "Deliverance". Gönn dir den ruhig mal!

Insanity:
Ohne Silvas geniale Performance wäre es ein reiner 7/10-Titel.
Bei Gefallen der anderen Werke aus Beairds Feder machst du hiermit aber wirklich nichts falsch.

22.11.2018 18:52 Uhr - Nubret
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Righty, right, Mr. NoCuts!

Tolle Besprechung, aber der Film hat bei mir nie so richtig gezündet, obwohl er beileibe nicht schlecht ist. Aber Silva ist natürlich wieder echt klasse. Bin da so bei 6-7.

22.11.2018 20:58 Uhr - NoCutsPlease
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Merci beaucoup, Monsieur Nubret! :)

Aus der nostalgischen Erinnerung heraus hätte ich "Trapped" sogar noch ein Stück besser bewertet, bei der erneuten Sichtung vor ein paar Wochen haben sich dann hingegen schon ein paar Schwächen offenbart. Somit habe ich dann erst zwischen 7 und 8 geschwankt, mich wegen Silvas genialer Psychoshow dann aber zur höheren Punktzahl entschieden.
Ich kann jedoch gut verstehen, wenn man den Film eher im gehobenen Mittelmaß verortet.

22.11.2018 21:37 Uhr - Horace Pinker
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Du hast es echt drauf geniale und aussagekräftige Reviews zu Geheimtipps zu verfassen NCP! In diesem Fall waren mir vor der Lektüre weder Werk noch Regisseur ein Begriff jetzt wurde aber mein Interesse geweckt und sobald ich die Zeit finde werde ich mir durch Sichtung eine eigene Meinung bilden.

22.11.2018 22:13 Uhr - NoCutsPlease
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Thanks a lot, H.P.!
Fruet ist natürlich kein Carpenter oder Craven und hat auch das eine oder andere Mal eher unterdurchschnitliche Kost abgeliefert.
"Trapped" dürfte dir jedenfalls durchaus zusagen und natürlich bin ich sehr auf deine Meinung gespannt!

23.11.2018 09:23 Uhr - Dissection78
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Siehste mal! Von Fruet kenne ich nur "Death Weekend", "Search and Destroy", "Killer Party" und "Blue Monkey" (alias "Insect"). Dieser Filmemacher hat ja so einige, zumindest auf dem Papier interessante, Low-Budget-Schinken auf dem Kerbholz. Dein Rezensionsobjekt ist mir auch nur vom Titel her bekannt. Damit müsste ich mich vielleicht - wie mit so manch anderem Fruet-Werk - mal näher beschäftigen :)

23.11.2018 13:27 Uhr - Ghostfacelooker
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Das einzig nicht mal negativ zu nennende Attribut, daß mir je bei dir auffiel Bro ist, daß du (speziell MIR) durch deine Titel, die ja nie (oder äußerst selten) unter 8 bewertet werden, immer den Mund und die Augen wässrig machst, wodurch ich das ein oder andere Mal enttäuscht wurde.

Aber das zeichnet hier die GUTEN AUTOREN im Unterschied zu anderen (mir) aus, sie schaffen es eine anregende Vision dessen zu kreieren, was man gern sehen würde.

23.11.2018 20:23 Uhr - NoCutsPlease
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Danke vielmals für das weitere Feedback!

Dissection:
"Killer Party" hast du ja schon eine Rezension spendiert. "Trapped" könnte dir zusagen, da du dich mit ruppiger B-Ware aus den 80ern gut arrangieren kannst (zumindest ist das mein Eindruck von dir).

Ghost:
Ja, es gibt leider keine Geschmacksgarantie bzw. Versicherungsschutz vor Enttäuschungen. Manchmal sehen wir denselben Film am jeweils gegenüberliegenden Ende der Skala. Das Entscheidende ist für mich aber immer die textliche Begründung und weniger die (schnöde) Punktzahl - und natürlich, dass die Lektüre Spaß gemacht hat.
Nebenbei: Insbesondere bei deinen 10/10-Titeln schaffst du es auch immer, eine anregende Version zu kreieren.

23.11.2018 21:27 Uhr - TheRealAsh
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Auch der hier ist mir völlig unbekannt und von dir mit dem gehörigen verve formidabel vorgestellt. Nachdem mir What the waters left behind als backwoodaufguss für heute wieder richtig gut gefallen hat, könnte ich auch den hier mal antesten! Eine wahrlich verführerische Falle.

PS: die von dir verfasste Inhaltsangabe ist übrigens auch köstlich;-d

24.11.2018 09:21 Uhr - NoCutsPlease
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Muchas gracias! :)
Da du ja selbst seit den frühen 80ern in der Waldhütte gegen Dämonen kämpfst, müsste dir dieser kleine und fiese Backwood-Reißer gefallen.
Hier ist der Bösewicht ganz klar das Highlight des Films und so etwas finde ich immer reizvoll.

"What the Waters Left Behind" ist mir bislang noch nicht unter die Augen gekommen, allerdings scheint der ja im Allgemeinen verdammt gut anzukommen - und Argentinien ist ohnehin ein wahnsinnig interessantes Land.

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