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Necron
Level 4
XP 254
Eintrag: 14.12.2018

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Vollblüter

(Originaltitel: Thoroughbreds)
Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Komödie, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Thoroughbred

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (5 Stimmen) Details
inhalt:
In einem noblen Wohnviertel treffen sich die einstigen Sandkastenfreundinnen Lily und Amanda wieder, nachdem sie sich vor Jahren zerstritten haben. Lily gehört der Oberschicht an, besucht ein exklusives Internat und hat einen begehrten Praktikumsplatz ergattert. Auch Amanda ist sehr intelligent, und weiß sich jederzeit zu behaupten – doch ihr Eigensinn stempelt sie als Außenseiterin ab. Als die Freundschaft der beiden eigentlich völlig unterschiedlichen Mädchen immer intensiver wird, inspirieren sie sich gegenseitig dazu, ihre unheilvollen Charaktereigenschaften auszuleben. Um ihre diabolischen Pläne auszuführen, engagieren sie den Kleinganoven Tim: Mit seiner Hilfe wollen sie Lilys aufdringlichen Stiefvater aus dem Weg räumen.
eine kritik von necron:

"Vollblüter" aus dem Jahr 2017 stellt das Regiedebüt von Cory Finley da, welcher auch gleichzeitig das Drehbuch verfasst hat. Desweiteren basiert der gesamte Film auf einem Theaterstück von Finley, was man dem Film deutlich anmerkt, dazu aber später noch mehr. Soviel vorab, "Vollblüter" ist die Überraschung des Jahres für mich und wäre nach Stand heute der Film den ich an erster Stelle jedem empfehlen würde, der fragt, ohne auch nur den Anflug eines Zweifels. Vereinfacht betrachtet haben wir hier ein aus mehreren Layern bestehendes Kammerstück, das sich konsequent sämtlichen Genre Konventionen verweigert und das auf eine Art und Weise, die es meiner Meinung nach einmalig machen.

Die Story besteht grob umrissen aus den beiden Hauptdarstellerinnen Amanda, gespielt von Olivia Cooke (Ready Player One) und Lily, gespielt von Anya Taylor-Joy (The Witch), wobei Amanda keine Gefühle hat und Lily im Gegensatz dazu geradezu von ihren Gefühlen überflutet wird. Beide beschließen zusammen den schmierigen Kleinkriminellen Tim, gespielt von Anton Yelchin (The Green Room) anzuheuern, um den verhassten Stiefvater von Lily umzubringen. Eine traurige Anmerkung an dieser Stelle. Dies ist Anton Yelchin letzter Film gewesen, bevor er in 2016 leider bei einem Unfall verstorben ist. Yelchin, wenn auch hier "nur" ein Nebendarsteller, so liefert er doch eine mehr als überzeugende Darstellung eines schmierigen, wie gleichzeitig verunsicherten, kleinen Großmauls ab, mit meistens mehr Hirngespinsten, anstatt Hirn. Einfach herrlich.

So, nachdem die Formalitäten fürs erste geklärt wären, kommen wir jetzt zu den Aspekten des Films, die ihn meiner Meinung nach zu einem Meisterwerk machen. Die beiden Hauptdarstellerinnen sind dabei ganz weit vorne mit dabei. Olivia Cooke spielt die gefühllose Amanda dermaßen facettenreich, das es für den Zuschauer quasi unmöglich ist, nicht doch mit ihrem Charakter mitzufiebern. Kontrolliert, beobachtend und im Zweifelsfall entschlossen Handelnd. Dabei trotz aller Gefühlslosigkeit doch irgendwie das Herz am rechten Fleck, trotz einiger teils extremer Ansichten. Anya Taylor-Joy setzt mit ihrer Version der Lily den quasi Gegenpart dazu, mit unterdrückten Gefühlen, die wenn diese an die Oberfläche brechen, in chaotischen Situationen gipfeln können. Dabei unentschlossen, verunsichert, manchmal wütend und aufbrausend, dann wieder künstlich kontrolliert, spöttisch, verachtend, von oben herab. Beide Schauspielerinnen reichern ihre Figuren dabei mit kleinsten Nuancen an Blicken und Gesten an, das es eine Freude ist diesen Charakteren beiwohnen zu können. Die Dialoge sind dabei messerscharf geschrieben, direkt, irritierend, teilweise verletzend, wie herausfordernd und immer mit Hintergedanken versetzt.

An diesem Punkt bietet sich eine Überleitung zu der oberflächlich betrachtet einfachen Rahmenhandlung an, welche aber durch die ambivalenten Darsteller und eine Vielzahl von inszenatorischen Kniffen zu weitaus mehr wird. Anders als von Hollywood Kost ansonsten gewohnt, macht dieser Indie dem Zuschauer das Leben nicht extra leichter, sondern fordert aktiv die volle Aufmerksamkeit ein. Manche Szenen werden nur ganz dezent angedeutet, Sätze werden nicht mehr vollendet. Wenn mit aller Ruhe der Welt von einer Szene in diesem Stück, zur nächsten Szene übergangen wird, werden nicht immer alle dafür nötigen Informationen mit dem Zuschauer geteilt. Auch die Inszenierung von Stimmung und Gewalt folgt dabei einem ähnlichen Muster. Untermalt von stark reduzierter Trommel- und Streichmusik wird bei musikalischer Untermalung ein zuerst harmonisch, ruhiger Klangteppisch gewebt, bis dieser dann immer wieder von disharmonischen Tönen durchbrochen wird. Unter der Oberfläche brodelt es, wie bei den beiden Hauptdarstellerinnen. Ausbrechen ist in diesem Kontext ein Thema das immer wieder über den Film hinweg auf unterschiedlichste Wege aufgegriffen wird. Und bei der Gewalt wird die eigentliche blutige Darstellung bewusst ausgelassen, dafür ein nur schwer zu ertragender, unheilvoller Schrecken in sich anbahnenden Szenen kreiert, wo man als Zuschauer den Atem anhält. Katastrophen die man unterbewusst schon angefangen hat zu akzeptieren, als unausweichliche Konstante, aber man möchte dennoch nicht das es auch geschieht. Die erste Minute des Film ist dafür bereits stellvertretend und lässt den Zuschauer vom Start weg bereits mit einem Kloß im Hals in dieses Drama starten.

Desweiteren ist jede einzelne Szene ein Hochglanzgemälde aus der Welt der Reichen und Schönen.  Jede einzelne Einstellung ist dermaßen pedantisch gewählt, das es einem Respekt abnötigt, denn wir sprechen hier weiterhin über das Debüt von Finley. Jeder einzelne Charakter hat in diesen Szenen seinen zugewiesenen Platz und die Kamera hat zu jedem Zeitpunkt immer die perfekte Perspektive auf die Charaktere (Kameramann ist Lyle Vincent, der bereits bei "A Girl Walks Home Alone" gezeigt hat was er zu leisten Imstande ist). Und so wird mit einem fast schwere- wie zeitlosen Gefühl der Zuschauer von Szene zu Szene geführt, die Charaktere und Story entwickeln sich dabei Schicht für Schicht. Gut und Böse gibt es in dieser Welt zu keinem Moment, nur tragische Figuren, wo jede mit ihren Mitteln versucht sich zu behaupten. Im Fall von den sehr gegensätzlichen Mädchen Amanda und Lily bedeutet das eine Vielzahl von Iterationsstufen, sowohl das Verhältnis betreffend indem sie zueinander stehen, wie der eigenen Bereitschaft Grenzen (bereits Grenzen zur Psychopathie?) zu überschreiten. Man kann gar nicht anders und verfolgt gebannt, was einem dieser Thriller der kein Thriller ist, da zu präsentieren vermag. Auf Humor wird auf der einen Seite so gezielt verzichtet, wie bisweilen dennoch der Zuschauer über einige arg skurrile Szenen loslachen muss. Alles dabei völlig ungezwungen und nie aufgesetzt wirkend. Auch bleibt ein wenig Platz für unterschwellige Gesellschaftskritik, aber dafür muss man dann schon sehr genau die Ohren spitzen.

Am Ende angekommen, ist man beeindruckt, aber wovon, das ist eine gute Frage. Das Ende ist so ambivalent wie der ganze Film und ob das jetzt ein schönes oder hässliches Ende ist, wer gewonnen und wer verloren hat, das bleibt Ansichtssache. Diese Fragen kann sich schlussendlich nur jeder für sich selbst beantworten. Für mich ist dieser Film reinste Poesie, so leicht und unbefangen, dabei gleichzeitig unerbittlich und endgültig. Die unheimliche Faszination noch rational erklären zu wollen, die von diesem Werk ausgeht, nahezu unmöglich. Immer noch schwer beeindruckt und ohne einen Ansatzpunkt für einen noch so kleinen Mangel, bleibt mir nichts anderes übrig, als die vollen 10/10 bösartigen Freudentränen zu zücken.

 

P.S.

Den Titel "Vollblüter" kann man als Metapher auf die Hauptdarstellerinnen verstehen und weniger bezogen auf deren Pferde. Der äußerliche Schein immer nur mit größter Vorsicht zu genießen, was sich so auch in diversen Szenen des Film widerspiegelt. Nichts muss so sein, wie es auf den ersten Blick erscheint.

10/10
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Kommentare

14.12.2018 21:50 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 14
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.083
Ehrgeizig formulierte Vorstellung eines möglichen Geheimtipps.

😀

Tante Edith spielt Trommel- und Streichmusik.

15.12.2018 08:09 Uhr - Necron
1x
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 254
Cool, dank dir :)

Das mit Tante Edith habe ich gleich mal korrigiert...

15.12.2018 11:40 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.077
Super geschrieben!

Meine Neugierde ist ebenfalls geweckt. Eine rundum gelungene Besprechung, würde ich sagen!

15.12.2018 18:40 Uhr - Necron
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 254
Freut mich das ich mit dieser Review auch bei dir die Neugierde wecken konnte :)

21.12.2018 01:09 Uhr - kokoloko
1x
User-Level von kokoloko 10
Erfahrungspunkte von kokoloko 1.439
Klingt absolut fantastisch und hat meine Mutter sich witzigerweise sowieso schon zu Weihnachten gewünscht, also liegt der wohl bald nicht ganz uneigennützig unterm Tannenbaum :D Super Review!

21.12.2018 16:43 Uhr - Necron
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 254
Na da kann ich euch beiden ja nur noch viel Spaß wünschen. Ich bin mir sicher ihr kommt da voll auf eure Kosten :)

Ich selber bin weiterhin so begeistert von diesem Meisterwerk, das ich es mir alle 2-3 Tage immer wieder angucken muss. ;)

26.12.2018 01:47 Uhr - spobob13
Ich meine nicht, das der Film ein Meisterwerk ist, aber trotzdem ein sehr guter unkonventioneller Streifen, der sich vom langweiligen Mainsteam abhebt.

Zumindest tausendfach besser als der x-te X-Men oder sonstwas hunderte Mio. teure Marvel Heldengeschisse Film.

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