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8MM - Acht Millimeter

Originaltitel: 8MM

Herstellungsland:USA, Deutschland (1999)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,07 (99 Stimmen) Details
inhalt:
Es scheint nur ein Routinefall zu sein, der den ehrgeizigen Privatdetektiv Tom Welles (Nicolas Cage) auf seiner Karriereleiter weiter nach oben bringen wird: Er soll für eine reiche Witwe die Herkunft und Echtheit einer kleinen Rolle Acht-Millimeter-Films recherchieren, den sie im Tresor entdeckt hat. Im Film ist zu sehen, wie eine junge Frau zu Tode gefoltert wird. Die Spur führt in die Hardcore-Porno-Szene, eine dunkle Hölle, in der Toms grauenvollste Vorstellungen Wirklichkeit werden...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                           8MM - Acht Millimeter

Der Snuff-Film (von „to snuff someone out“ = jemanden auslöschen) ist ein moderner Mythos. Unter diesem Begriff versteht man einen Film, der die reale Tötung eines Menschen zu Unterhaltungszwecken präsentiert. Der Begriff geht zurück auf den Film Snuff (1976), von dem gerüchteweise behauptet wurde, dass der Film den echten Mord an einer Darstellerin zeige, was aber später widerlegt wurde. Danach geriet Ruggero Deodatos Cannibal Holocaust (1979) in die Schlagzeilen, da dem Regisseur vorgeworfen wurde, er habe für seinen Film nicht nur Tiere, sondern auch Menschen getötet, was vor Gericht ebenfalls widerlegt wurde. Seitdem halten sich immer wieder Gerüchte über Snuff-Filme, u.a. befeuert durch Aussagen von amerikanischen Polizisten.  Außerdem rief z.B. Charlie Sheen (Two And A Half Men, 2003-2011) die Polizei, weil er glaubte, der von ihm gesehene Spielfilm Flowers Of Flesh And Blood (1985) zeige einen echten Mord. Und während es Tiersnuff (z.B. im bereits erwähnten Cannibal Holocaust) gibt, soll  bis heute keinen echter Snuff-Film existieren. Pseudodokumentationen wie Gesichter Des Todes (1978) oder im Internet verfügbare Hinrichtungs – bzw. Enthauptungsvideos fallen nicht unter den Begriff Snuff, da dieser Begriff einen realen Mord zu Unterhaltungszwecken bezeichnet, und damit keine Morde zu dokumentarischen, bzw. propagandistischen Absichten gemeint sind. Nichtsdestotrotz beflügelt das Thema Filmemacher auf aller Welt – so zeichnete der Mörder in Peeping Tom – Augen Der Angst (1960) seine Morde auf, während der italienische Regisseur Joe D´ Amato (Man Eeater – Der Menschenfresser, 1980) in seinen Sexploitation-Film Black Emanuelle – Stunden Wilder Lust (1976) eine angebliche Snuff-Szene einbaute, deren Echtheit durch ein „Making-of“ demontiert wurde. Aber sogar in deutsche TV-Serien (Wolffs Revier – Der Tod Ist Ein Spezialeffekt, 2000) ist das Thema angekommen. Einer der besten und spannendsten Beiträge zum Thema Snuff-Film ist Joel Schmachers (Falling Down – Ein Ganz Normaler Tag, 1993) 8 MM– Acht Millimeter (1999).

Dem Film liegt ein Drehbuch von Andrew Kevin Walker (Sleepy Hollow, 1999) zugrunde. Allerdings war Walkers Version für einen Hollywoodfilm, der immerhin ein Budget von 40 Millionen Dollar hatte, zu düster, weshalb er das Projekt vorzeitig verließ, während sein Skript von Joel Schumacher und Nicholas Kazan (Auf Kurze Distanz, 1986) umgeschrieben wurde. Die Hauptrolle des Films, der ursprünglich von David Fincher (Sieben, 1995) inszeniert werden sollte, ging an Nicolas Cage (Leaving Las Vegas, 1995). Die zweite Hauptrolle bekam der damalige Jungschauspieler Joaquin Phoenix (A Beautiful Day, 2017), der heute zu den profiliertesten Charakterdarstellern Hollywoods gehört. Weitere Rollen gingen an James Gandolfini (1961-2013 / Die Sopranos, 1999-2007), Peter Stormare (Dancer In The Dark, 2000), Anthony Heald (Das Schweigen Der Lämmer, 1991) und Catherine Keener (Being John Malkovich, 2000). In einer Szene des in u.a. New York, Florida und Kalifornien gedrehten Films ist der spätere The Walking Dead-Star Norman Reedus zu sehen.

Tom Welles (Nicolas Cage) ist nicht nur glücklich verheiratet und seit kurzem stolzer Vater einer Tochter, sondern auch Privatdetektiv. Sein Renommee´ist so groß, dass ihn Mrs. Christian (Myra Carter – Der Liebesbrief, 1998), die Witwe eines millionenschweren Industriebosses, engagiert. Sie hat im Arbeitszimmer ihres verstorbenen Mannes einen Super-8-Films gefunden, der die grausame Ermordung eines jungen Mädchens zeigt. Mrs. Christian will wissen, ob der Mord echt ist, weshalb Welles Ermittlungen aufnimmt, die bis nach Hollywood führen …

Bevor man sich 8MM – Acht Millimeter ansieht, sollte man sich auf zwei Dinge einstellen. Erstens: Schumachers Auseinandersetzung mit dem Thema Snuff ist kein leicht verdaulicher Samstagabendfilm, nach dessen Sichtung man locker `ne Partie Billard spielt oder `ne Pizza essen geht. Zweitens: Obwohl der Film ab 18 Jahren freigegeben ist, bekommt man keine blutspritzende Gewaltorgie zu sehen; 8 MM bietet nur so viel Blut wie nötig und das reicht völlig aus, um den Zuschauer zu fesseln, bzw. (wenn es sich bei den Zuschauern um zartbesaitete Gemüter handelt) zu erschrecken oder zu schockieren.

8 MM ist vor allem ein hervorragender Thriller, der seine Spannung besonders aus seinem Plot, seiner Thematik und seinem Milieu bezieht. Wie sich der von Nicolas Cage gespielte Privatdetektiv Tom Welles über eine Vermisstenkartei nach Hollywood vorarbeitet und in immer gefährlichere Kreise vordringt, ist hochspannend anzusehen, dramaturgisch hervorragend gemacht und steuert auf ein unter die Haut gehendes Finale zu. Aber Welles´ Spurensuche, wie man sie seit den klassischen Detektivfilmen aus der goldenen Ära Hollywoods kennt, ist nicht der einzige Aspekt, der den Zuschauer zu fesseln, bzw. zu beunruhigen mag.

Es ist das Thema des Films, das für zusätzliches Unbehagen sorgt. 8 MM suggeriert dem Zuschauer, dass es da draußen Menschen gibt, die so sensationslüstern sind, dass sie Unsummen für ein Video hinlegen würden, in dem menschliches Leben ausgelöscht wird … und dass es Menschen gibt, die so geldgierig sind, dass sie diesen Wunsch auch erfüllen. Eine schreckliche Vorstellung. Dabei begeht der Film nicht den Fehler, sich in ausgewalzten Mord – und Gewaltszenen zu ergehen. Die Filmschnipsel, die man vom Corpus Delicti zu sehen bekommt, sowie Welles´/Cages Reaktionen auf das Video sind bereits genug und auch die übrigen gezeigten Videoausschnitte (z.B. von anderen Sado-Maso-Videoclips) zeigen genug, um zu beunruhigen, aber nicht genug, um sich nicht dem Vorwurf der Exploitation auszusetzen, was aber auch an den vorab vorgenommenen Kürzungen liegen könnte, die nötig waren, um ein R-Rating zu bekommen. Trotzdem ist 8 MM alles andere als kinderzimmertauglich.

Und dieses Unangenehme, Schreckliche wird von Regisseur Joel Schumacher und Kameramann Robert Christopher Elswit (James Bond 007 – Der Morgen Stirbt Nie, 1997) in adäquat düstere Bilder transformiert. 8 MM spielt in dunklen, schmierigen Hinterhof-Videomärkten, zwielichten Casting-Büros und abgelegenen Häusern. Selbst Welles´ Einfamilienhaus – eigentlich ein Rückzugsort und Hort des Friedens – wirkt (entgegen heutiger Hollywood-Konventionen) eher abweisend.

8 MM wird aber auch durch eine hervorragende Besetzung veredelt. Auch wenn er es im letzten Filmdrittel dann und wann ein wenig übertreibt, liefert Nicolas Cage eine gute schauspielerische Leistung. Getreu des im Film geäußerten Mottos „Wenn Du Dich mit dem Teufel einlässt, verändert sich nicht der Teufel. Der Teufel verändert Dich!“ werden wir Zeuge, wie sich der anfangs absolut integre Welles immer tiefer im Snuff-Filmsumpf verfängt und dabei eine beunruhigende Wandlung vollzieht.

Unterstützt wird Cage von einem hervorragend aufgelegten Joaquin Phoenix, der in der Rolle des cleveren Sexshop-Kassierers Max California regelrecht aufgeht und im Verbund mit Nicolas Cage für ein bisschen Buddy Movie-Flair sorgt, was den Film ein wenig auflockert. James Gandolfini repräsentiert durch die überzeugende Darstellung des schmierigen „Casting-Agenten“ Eddie Poole die Figuren, mit denen sich Cage als Welles während seiner Ermittlungen ständig herumschlagen muss...Menschen, die keinerlei Moral mehr folgen, sondern nur größtmöglichen Profit vor Augen haben.

Aber auch wenn sie nur am Rande auftauchen, hinterlassen auch die Darstellerinnen der Frauenrollen einen bleibenden Eindruck. So wirkt Catherine Keener in der Rolle der Ehefrau, die Welles den Rücken stärkt, durch dessen sich änderndes Verhalten aber immer mehr verstört wird, absolut authentisch. Gleiches gilt für Myra Carter, die in ihrer Rolle der Witwe auf der Suche nach der Wahrheit nicht weniger glaubwürdig wirkt.

Und obwohl 8MM ein weit überdurchschnittlicher Thriller ist und seine Wirkung auch nach mehrmaliger Sichtung nicht einbüßt, weist er aber auch Schwächen auf, die man nicht einfach so beiseite wischen kann. Sein sozialkritischer Aspekt (= Millionäre ergötzen sich an Snuff-Filmen, weil sie es sich leisten können) wirkt etwas aufgesetzt und leitet eine klischeehafte Rache-Nebenhandlung ein, die im Vergleich zum Rest des Films arg konventionell wirkt. Außerdem wirkt Peter Stormare in seiner Rolle als Dino Velvet zu cartoonesk und überzeugend, als dass er in seiner Rolle wirklich bedrohlich rüberkommen könnte. Das gelingt Chris Bauer (True Blood, 2008-2014) in seiner Schurkenrolle deutlich besser, da er seiner Figur ein wesentlich glaubwürdigeres Gesicht verleiht. Auch Anthony Heald wirkt in seiner Unsympathen-Rolle deutlich glaubwürdiger.

Trotzdem ist 8MM – Acht Millimeter ein hervorragender, spannender Thriller mit einer unangenehmen Thematik, die weitgehend adäquat umgesetzt wurde und mit einer dichten Atmosphäre und brillanten Darstellern aufwarten kann.

8-9/10

 

8/10
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Kommentare

02.03.2019 04:13 Uhr - CHOLLO
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Super Vorstellung dieses äußerst gelungenen Thriller's.
Ich wünschte Schumacher eigentlich noch einen Abschiedserfolg im Stile seines "Flatliners"/ "Nicht Auflegen"/ "Falling Down"- Drives. Aber ich glaube seine Zeiten liegen hinter ihm.

02.03.2019 06:40 Uhr - dicker Hund
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Mir war der bei der Erstsichtung zu wenig exploitativ und zu mainstreamgerecht. Vermutlich würde mich das bei einem Rewatch weniger stören. Schmackhafte Rezi jedenfalls!

02.03.2019 07:24 Uhr - Nubret
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Gelungener Thriller, tolle Rezi. Der richtige Start ins Wochenende!

02.03.2019 10:51 Uhr - Insanity667
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Erstklassige Vorstellung, da gibt es nix zu meckern Herr Castle! Ich fand damals schon, dass sich der Film mit dieser etwas aufgesetzten Selbstjustizthematik keinen großen Gefallen getan hat. Es passt halt von der Umsetzung her nicht so wirklich zu den sonst eher düsteren Schwerpunkten, die anfangs gesetzt wurden... Allerdings war's wohl wichtig für die Charakterentwicklung und hat sicher auch ein bisschen zur Mainstreamtauglichkeit beigetragen. Heute würde das vielleicht ein wenig anders aussehen. Auf jeden Fall muss ich mir "8MM" mal wieder ansehen! :)

02.03.2019 12:45 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Eure netten Kommentare!

02.03.2019 22:44 Uhr - Laughing Vampire
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Extrem guter Thriller. Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum der Film damals bei der Kritik so schlecht wegkam... Düster, spannend und intelligent genug, um sich danach noch den Kopf darüber zu zerbrechen. Gelungene Kritik!

04.03.2019 01:14 Uhr - Punisher77
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Dankeschön :-)!

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