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Die Wilby-Verschwörung

(Originaltitel: The Wilby Conspiracy)
Herstellungsland:Großbritannien (1974)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Basierend auf einem Roman von Peter Driscoll: Der südafrikanische Anti-Apartheid-Aktivist Shack Twala (Sidney Poitier) wird nach zehnjähriger Haft völlig unerwartet von einem Gericht in Kapstadt freigesprochen. Die Freude über das Urteil währt jedoch nicht lange, denn alsbald wird er gemeinsam mit dem britischen Bergbauingenieur Jim Keogh (Michael Caine) von dem skrupellosen Major Horn (Nicol Williamson) und seinen Mannen quer durch Südafrika gejagt...
eine kritik von nocutsplease:

Was haben die Filme Millionenraub in San Francisco, Das Wiegenlied vom Totschlag, Charly und Lilien auf dem Felde gemeinsam? Bei allen Titeln saß der gebürtige New Yorker Ralph Nelson auf dem Regiestuhl und sie zählen zu dessen bekanntesten Werken. Im Vergleich dazu scheint eine aus dem Jahr 1974 stammende britische Produktion, die hierzulande auf den Namen Die Wilby-Verschwörung hört, um einiges weniger prominent zu sein. Deren inhaltliches Fundament basiert auf dem überaus empfehlenswerten Roman The Wilby Conspiracy von Peter Driscoll, dessen Handlung für das Drehbuch seitens Rod Amateau (Sunset - Dämmerung in Hollywood) und Harold Nebenzal (Kinjite - Tödliches Tabu) adaptiert wurde.


Zehn Jahre nach Nelson Mandelas Verurteilung zu lebenslanger Haft und zwei Jahre vor dem berühmten Aufstand von Soweto darf der Zuschauer den Blick nach Kapstadt richten. Dort findet gerade der Prozess gegen den politischen Häftling Shack Twala statt, der zur Überraschung sämtlicher Anwesenden mit einem Freispruch endet. Auf dem Rückweg vom Gerichtsgebäude sorgt die spontane Auseinandersetzung mit einer Polizeistreife dafür, dass er Hals über Kopf mit dem Briten Jim Keogh untertauchen muss. Twalas einzige Chance auf ein würdiges Leben in Freiheit besteht darin, sich nach Johannesburg durchzuschlagen, um dort seine alten Wegbegleiter zu kontaktieren. Allerdings ist ihm der ultranationalistische Major Horn von der Staatssicherheitsbehörde bereits dicht auf den Fersen. Die Story, welche Elemente des Thrillers, Abenteuerfilms und Dramas miteinander kombiniert, soll einerseits durch erzählerische Spannung und gut platzierte Situationskomik auf kurzweilige Art unterhalten, andererseits jedoch nachdenklich stimmen. Trotz der eindeutig zum Ausdruck gebrachten Kritik an der Apartheid wird auch das martialische Aggressionspotenzial der Unterdrückten nicht verschwiegen. Der geschickte Umgang mit diesem äußerst schwierigen Thema wertet den Plot zusätzlich auf.


In den Reihen der Schauspieler trifft man auf so manches bekannte Gesicht. Sidney Poitier (1964 Oscar als Bester Hauptdarsteller in Lilien auf dem Felde und 1959 entsprechende Nominierung für Flucht in Ketten sowie 2002 Ehrenoscar) überzeugt als Shack Twala in gewohnter Qualität auf hohem Niveau. Jene Handlungsfigur verkörpert sinnbildlich den einfachen Mann aus der indigenen Bevölkerung, der sich durch Bildung, Zielstrebigkeit und Entschlossenheit seiner Ketten entledigen möchte. An seiner Seite darf Michael Caine (1987 bzw. 2000 Oscar als Bester Nebendarsteller in Hannah und ihre Schwestern sowie Gottes Werk und Teufels Beitrag, insgesamt vier weitere Nominierungen als Bester Hauptdarsteller) die Rolle eines britischen Bergbauingenieurs übernehmen. Als Jim Keogh steht er stellvertretend für eine weiße und gut betuchte Bevölkerung, die sich aufgrund ihrer scheinbaren Privilegien gar nicht vom restriktiven System der Apartheid bedroht fühlt. Somit ist auch ihm Twalas Schicksal zunächst relativ gleichgültig, da er während des Prozesses Kreuzworträtsel in der Tageszeitung löst. Als Keogh jedoch selbst zwischen die Mahlsteine des Regimes zu geraten droht, muss er spüren, dass gegen seinesgleichen ebenfalls Maßnahmen der Unterdrückung und Einschüchterung vollzogen werden, um die alten Machtverhältnisse aufrechtzuerhalten. Des Weiteren bekleidet Primella Gee (James Bond 007 - Sag niemals nie, Stormy Monday) als Rina Van Niekirk die mit einer naiven Note versehenen Doppelfunktion von Twalas Anwältin und Keoghs Geliebter. Nicol Williamson (Excalibur, Spawn, Hamlet) bildet das antagonistische Highlight, da er in der Rolle des Major Horn sämtliche Register eines hundsgemeinen Schurken zieht, der sich selbst als edler Ritter betrachtet. Unter dem Deckmantel des loyalen Regimedieners propagiert er selbstgefällig die Überlegenheit der weißen Ethnie und erklärt die Rassentrennung als notwendige Maßnahme zum Schutz der hellhäutigen Minderheit, die einst den technischen Fortschritt in das Land brachte, während die Unfähigkeit der nativen Bevölkerung zur gesellschaftlichen Mitgestaltung doch mehr als offensichtlich sei. Darüber hinaus ist noch Rutger Hauer (The Hitcher, Blinde Wut, Der Blade Runner) in seinem ersten Film außerhalb niederländischer Gefilde mit am Start und mimt als Rinas Noch-Ehemann Blane einen selbstgefälligen Lebemann.


Die audiovisuelle Umsetzung ist von zahlreichen Stärken und vereinzelten Schwächen gekennzeichnet. Da ein Dreh an den Originalschauplätzen in Südafrika aufgrund der Sicherheitslage nicht möglich war, sorgten die facettenreiche Kulisse Kenias und die britischen Pinewood Studios für den notwendigen Ersatz. Mit John Coquillon fungierte ein Director of Photography, der anhand von Werken wie Wer Gewalt sät und Pat Garrett jagt Billy the Kid bereits bewiesen hatte, dass er ausdrucksstarke Bilder im Kasten einfangen kann. Somit fallen insbesondere die üppigen Landschaftsaufnahmen positiv ins Auge, da diese den Staub und die Hitze der Savanne spürbar vermitteln. Nichtsdestotrotz wirkt die Optik in manchen Szenen etwas altbacken, so erinnert z.B. der Blick aus dem Rückfenster fahrender Autos recht oft an den technischen Stand der frühen 60er und liegt somit unter dem Niveau, das ein paar Jahre zuvor von Filmen wie Bullitt und French Connection definiert wurde. Auf akustischer Seite wird insbesondere durch Major Horns bösartige Gestapo-Rhetorik kein Blatt vor den Mund genommen. Des Weiteren ist die seitens Stanley Myers (The Deer Hunter, Hexen hexen) komponierte Musik vorrangig durch energische Trommeln und indische Sitarklänge gekennzeichnet, was dem exotischen Flair sehr dienlich ist.


Fazit: Die Wilby-Verschwörung kann als gelungene Mischung aus abenteuerlichem Thriller und Anti-Apartheid-Drama bezeichnet werden, die zwei gut aufgelegte Hauptakteure, einen diabolischen Antagonisten und eine auf traditionellen Konzepten fußende Inszenierung bietet.

8/10
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Kommentare

27.12.2018 15:52 Uhr - dicker Hund
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Ausgefeilte Besprechung eines dieser Titel aus der Peripherie meines üblicherweise im Einsatz befindlichen Radars.

27.12.2018 16:00 Uhr - JasonXtreme
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Klingt ziemlich gut! Apartheits-Geschichten interessieren mich immer, gut besetzt gleich noch mehr. Nie von gehört bisher

27.12.2018 16:47 Uhr - Pratt
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Klasse Review, toller Film, bei der Bewertung stimmen wir auch noch überein, hast mal wieder einen relativ unbekanntes Leckerchen ausgegraben, nicht zu vergessen die Darstellung von Rijk de Gooyer, der scheinbar von der Gestapo übrig geblieben ist.

27.12.2018 17:49 Uhr - Nubret
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Vor Jahren gesehen, leider kaum noch präsent. Vielen Dank für die ansprechende Erinnerung!

27.12.2018 18:27 Uhr - NoCutsPlease
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Vielen Dank alle miteinander!

Wuff:
Die Filmwelt außerhalb des Horrorsektors ist ja bekanntermaßen so riesig, dass man schlichtweg nicht alles kennen kann.

Jason:
Der Streifen sollte dir zusagen, also gönn dir den ruhig mal!

Pratt:
Über Zweitmeinungen zu Filmen bin ich immer dankbar, vor allem wenn sie sich so gleichen (die andere 8 stammt also von dir).
Rijk de Gooyer geht hier als Horns Kompagnon wirklich gut ab. Außerhalb des niederländischen Films (z.B. "Der Soldat von Oranje") findet man ihn leider kaum, obwohl er einem ziemlich bekannt vorkommt.

Nubi:
Freut mich, dass ich Erinnerungen wecken konnte, auch wenn diese verschüttet sind.

29.12.2018 22:12 Uhr - deNiro
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Gewohnt erstklassiges Review zu einem Film der bisher an mir vorüberging. Und dank dir, weiß ich nun auch was eine "Sitar" ist;)

30.12.2018 10:54 Uhr - NoCutsPlease
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Thanks Mr. Cady!
Gemessen an den umfangreichen Filmografien von Caine und Poitier ist es eher ein Titel aus der zweiten Reihe, aber für sich gesehen dennoch ein lohnenswerter Streifen.
Seit er in den 2000ern von MGM auf DVD erschien, hat man allerdings nicht mehr viel von den Film gehört.

01.01.2019 14:30 Uhr - Dissection78
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Super, NoCutsPlease! Nelsons "Duell in Diablo" und "Das Wiegenlied vom Totschlag" gefallen mir, "Die Wilby-Verschwörung" kenne ich noch nicht. Wird also langsam mal Zeit. Vor allem, da in den 70ern ein Haufen gefälliger bis meisterhafter Politthriller entstanden sind ("Der Schakal", "Der Mackintosh-Mann", "Die Akte Odessa", "Zeuge einer Verschwörung", "Die drei Tage des Condor", "Der Marathon-Mann", "Die Unbestechlichen" mit Dustin Redford, "Der menschliche Faktor", "The Boys from Brazil"). Okay, da ist manchmal (selten) der ein oder andere mittelmäßige ("Das Domino Komplott") bis unterdurchschnittliche Streifen dabei ("Unternehmen Rosebud"), aber trotzdem: Bei den meisten Vertretern dieser Art gerate ich immer ins Schwärmen. Die schaue ich gerne, bevorzugt an einem faulen Sonn- oder Feiertag. Ich komme gerade auf den Geschmack und genehmige mir gleich mal "Die drei Tage..." ;) Danke für die gelungene Vorstellung!

Ach, und ein frohes neues Jahr wünsche ich Dir. Alles Gute! :)

01.01.2019 17:52 Uhr - NoCutsPlease
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DB-Helfer
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Herzlichen Dank, Dissection! :)
Trotz der konspirativ anmutenden Nomenklatur passt dieser Film zwar nicht ganz in das Schema der von dir genannten Politthriller aus den 70ern, aber das macht den Titel ja nicht schlechter. Des Weiteren freut es mich, Erinnerungen bei dir geweckt zu haben. Ich hoffe jedenfalls, dass die jeweiligen Sichtungen zu deiner Zufriedenheit ablaufen.
Wünsche dir und den anderen Lesern ebenfalls ein frohes neues Jahr!

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