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Nevada Pass

(Originaltitel: Breakheart Pass)
Herstellungsland:USA (1975)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Western, Mystery
Alternativtitel:Nevada-Paß
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,20 (5 Stimmen) Details
inhalt:
Die Rocky Mountains im Jahr 1873: Ein Zug soll Truppen und Verpflegung in ein abgelegenes Fort bringen. Unter den Reisenden sind auch Marshal Pearce (Ben Johnson) und sein Gefangener, der lange gesuchte Gangster Deakin (Charles Bronson), sowie eine Reihe hochgestellter Persönlichkeiten und Offiziere. Zwei merkwürdige Todesfälle beunruhigen die Passagiere während der langen Fahrt über den verschlungenen Nevada-Pass, und als sich drei Waggons mit Soldaten wie von Geisterhand lösen und führerlos einen Abhang herunterrasen, ist klar: Ein geheimnisvoller Killer versucht, das Unternehmen zu sabotieren...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                           NEVADA PASS

Alistair MacLean (1922 – 1987) war ein Autor von Thrillern, Abenteuer – und Kriegsromanen, der auch als Drehbuchautor tätig war. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Romane Die Kanonen Von Navarone (1957) und Eisstation Zebra (1963), die erfolgreich verfilmt wurden sowie das Drehbuch zu dem Richard Burton/Clint Eastwood-Kriegsabenteuer Agenten Sterben Einsam (1967), das er später in einen Roman umwandelte. Auch der 1975 veröffentlichte Western Nevada Pass  basierte auf einem Roman des Schotten, für den er auch das Drehbuch schrieb. Inszeniert wurde die sechs Millionen Dollar teure Romanadaption von Tom Gries (1922-1977 / Der Mann Ohne Nerven, 1975). Die Hauptrolle übernahm Charles Bronson, dem ein Jahr zuvor mit Death Wish alias Ein Mann Sieht Rot der kommerzielle Durchbruch in den USA gelungen war. Neben ihm standen außerdem Ben Johnson (Die Letzte Vorstellung, 1971), Richard Crenna (Rambo, 1982), Charles Durning (Hundstage, 1975), Bill McKinney (Die Letzten Beißen Die Hunde, 1974) und Ed Lauter (Death Wish III – Der Rächer Von New York, 1985) vor der von Lucien Ballard (1904 – 1988 / The Wild Bunch – Sie Kannten Kein Gesetz, 1969) geführten Kamera. Natürlich war auch wieder Charles Bronsons Ehefrau Jill Ireland wieder mit von der Partie.

Ein Zug der Wasatch & Nevada Railroad ist auf dem Weg zu dem Armeestützpunkt Fort Humboldt, in dem Diphtherie ausgebrochen ist, um die Soldaten mit Medikamenten zu besorgen. An Bord des Zugs befinden sich neben dem üblichen Armeepersonal allerdings auch einige ungewöhnliche Fahrgäste: Der Gouverneur Richard Fairchild (Richard Crenna), Marica Scoville (Jill Ireland), die Tochter des Kommandanten von Fort Humboldt und der Betrüger und Mörder John Deakin (Charles Bronson), der von Marshal Nathan Pearce (Ben Johnson) überführt wird. Die Fahrt steht von Anfang an unter keinem guten Stern: Während eines Zwischenstopps verschwinden zwei Soldaten spurlos, die Telegraphenverbindung, mit der der Zug Kontakt zur Außenwelt hält, bricht zusammen und der Heizer stürzt von der Lok in den Tod. Scheinbar versucht ein Unbekannter, den Zug mit allen Mitteln aufzuhalten …

Nevada Pass verbindet die Genres Western und Thriller zu einer durchweg spannenden, unterhaltsamen Mixtur, wie man sie nicht gerade häufig zu sehen bekommt. Auf der einen Seite gibt es ein verschneites Setting (Auch eher selten), böse Indianer, Pferde und Duelle mit Colt und Dynamit, während Nevada Pass auf der anderen Seite ein Whodunit-Szenario bietet, das zu zwei Dritteln der Laufzeit an Bord des Zugs spielt, und trotzdem (oder gerade deshalb) niemals langweilig wird.

Wenn der Zug geentert wird, hält Nevada Pass den Zuschauer mit immer neuen Wendungen in Atem und dass das gesamte Ensemble aus Figuren besteht, die den Anschein erwecken, etwas zu verbergen, hievt die Spannungskurve ebenfalls in den oberen Bereich. Hierbei gelingt es dem bestens besetzten Cast, gute bis hervorragende Leistungen abzurufen. Besonders hervorzuheben ist hier Richard Crenna in der Rolle des kaltblütigen, nur seinem Auftrag verpflichteten Gouverneurs. Aber auch Ben Johnson, Ed Lauter und Jill Ireland können in ihren Rollen punkten, auch wenn Irelands Part der blonden Unschuld auf den ersten Blick wenig dankbar erscheint. Trotzdem kann sie mit ein paar scharfzüngigen Bemerkungen gegen die an Bord versammelte Männerriege einige Akzente setzen und sich somit zumindest ein bisschen durchsetzen. Charles Bronsons Figur in Nevada Pass umgibt zwar – wie so oft – eine geheimnisvolle Aura, aber hier variiert der Death Wish-Star sein übliches Rollenschema erfreulicherweise und gibt diesmal weder einen namenlosen Revolverhelden noch einen Vigilanten.

Dass Nevada Pass sich in den ersten beiden Dritteln als eher handlungsorientierter Thriller präsentiert, heißt nicht, dass der Film ohne Action auskommen muss … man muss halt nur ein wenig auf sie warten. So gibt es z.B. einen äußerst spannenden Zweikampf auf dem Dach des fahrenden des Zugs zu sehen und der Showdown geizt nicht mit pfeifenden Kugeln und Explosionen. Freunde der gorigen Gangart, die sich bei einem ihnen unbekannten Film zuerst nach dem Härtegrad erkundigen, seien jedoch gewarnt – der in den USA mit einem PG freigegebenen Western-Thriller kommt ohne übertriebenes Blutvergießen aus und ist (trotz einer Freigabe ab 16 Jahren bei uns) deutlich zahmer ausgefallen als viele andere Bronson-Filme der Siebziger – und Achtzigerjahre. Da die Actionszenen aber trotzdem alles andere als langweilig ausgefallen sind, fällt dies nicht ins Gewicht.

Abgerundet wird Nevada Pass von Lucien Ballards hervorragender Kamerarbeit, die sowohl den Zug und sein Inneres als auch die Landschaft atmosphärisch ins Bild setzt.

Wenn man Nevada Pass für etwas kritisieren möchte, dann dafür, dass die Indianer wieder einmal als ständig herumkreischende, gesichtslose Klischeeschurken präsentiert werden und das Szenario und einige Effekte nicht mehr ganz so taufrisch wirken wie in den Siebzigern.

Trotzdem ist Nevada Pass ein hervorragender, spannender Genremix, der zu den Highlights in Charles Bronsons filmischer Vita gehört und auch heute noch – trotz kleinerer Fehler – gut unterhält. Leider sah das US-Publikum das damals anders und strafte den Film mit einem Einspielergebnis von gerade mal zwei Millionen Dollar ab.

8-9/10

8/10
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Kommentare

28.01.2019 21:49 Uhr - NoCutsPlease
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Sehr schön, dass du mal wieder unter den Lebenden weilst, Punisher! :)
Trotz deiner teils monatelangen Pausen bist du kein bisschen eingerostet. Und bei dem Film sind wir im Grunde rundum einer Meinung.

28.01.2019 22:14 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für das Kompliment! Freut mich, dass Dir das Review gefällt und wir den Film gleich (gut) einstufen :-).

28.01.2019 22:20 Uhr - CHOLLO
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Charlie Bronson geht eigentlich immer.
Danke für die unterhaltsame wie geschmeidige Besprechung ;)

28.01.2019 22:28 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank! Wenn Charles Bronson immer geht, sei Dir dieser Film wärmstens empfohlen!

29.01.2019 01:36 Uhr - Dissection78
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Nach "Ein Fremder ohne Namen" (mit dem guten Clint) innerhalb einer Woche schon die zweite bemerkenswerte Rezension zu einem etwas ungewöhnlicheren Western. Und wie Du ganz richtig schreibst, ist dieser Bronsoner eine gelungene Mischung aus Wild-West-Story und Kriminalthriller. Wären die Härten expliziter dargestellt, ich würde ihn sogar fast schon als ausgefallenen, atypischen Proto-Slasher bezeichnen ;)

"Nevada Pass" legt dabei durchaus Wert auf eine verzwickte Handlungsstruktur, die Charakterisierung der Figuren sowie deren Spannungsverhältnisse untereinander. Einige Old-School-Actionszenen fräsen sich ins Hirn: Unter anderem der bereits von Dir angesprochene Kampf auf dem fahrenden Zug zwischen Bronson und dem ehemaligen Boxweltmeister Archie Moore. Die Stunts wurden übrigens beaufsichtigt vom legendären Yakima Canutt, der in dem Metier schon seit frühen Stummfilmzeiten aktiv war und beispielsweise an Klassikern wie John Fords "Ringo", "Vom Winde verweht", der '59er "Ben Hur"-Verfilmung (hier verantwortlich für das Pferderennen), "Rio Bravo" oder Kubricks "Spartacus" mitarbeitete.

Ach, und auch hier ist der Score von Jerry Goldsmith erstklassig und geht sofort ins Ohr!

29.01.2019 06:13 Uhr - Nubret
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Top Streifen, top Rezi!

29.01.2019 10:12 Uhr - Pratt
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Klasse Arbeit zu einem Top-Bronson, vermutlich versuchte man im Fahrwasser vom ein Jahr zuvor erschienenen 'Mord im Orient Express' mitzuschwimmen, was leider misslang, dem Film hat's nicht geschadet, tolle Bilder, knisternde Atmossphäre, klasse Stunts.

29.01.2019 11:14 Uhr - JasonXtreme
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Toller Film mit genialer Besetzungsliste, schöne Schnee-Atmo... und eine super Rezi vom ollen Frank, was will man mehr!?

29.01.2019 13:17 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Eure netten Worte!

@Dissection:
Danke für die Zusatzinfos!

@Pratt:
An den "Mord Im Orient-Express" musste ich während meiner neulichen Sichtung auch denken.

29.01.2019 19:45 Uhr - cecil b
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Du bist und bleibst eine Säule bei den Reviews. Da bröckelt nix. ;)

29.01.2019 21:56 Uhr - Punisher77
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Danke für das Kompliment!

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