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Hatred

Herstellungsland:Polen (2015)
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,18 (11 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Hatred ist das kontrovers diskutierte Top Down Action Game von Entwickler Destructive Creations. Darin übernimmt man die Rolle des Antagonisten, der es sich zum Ziel gesetzt hat so viele Menschen wie möglich zu töten. Dazu nutzt er diverse Waffen und Fahrzeuge. Indem er seine Opfer regelrecht exekutiert hält er sich selbst am Leben. ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von fratze:

Kennen Sie das? Sie fühlen sich unausgeglichen? Verbittert? Frustriert? Und alles nur, weil Sie mal wieder grundlos wütend auf alles und jeden sind? Das muss nicht sein, denn jetzt gibt es "Amoklauf"! Verabreichen Sie einfach eine selbst zu ermessende Dosis Blei einer frei zu wählenden Anzahl von Mitmenschen, und schon fühlen Sie sich besser.

Sollte die Wirkung nicht dem gewünschten Ergebnis entsprechen, bitte wiederholen...

 

2014 brachte das polnische Entwicklerstudio Destructive Creations das Game "Hatred" über die Entwickler-Plattform Steam Greenlight raus. Nach einem Rauswurf wegen der enthaltenen Amok-Thematik und einer einen Tag später erfolgten Wiederaufnahme mitsamt persönlicher Entschuldigung von Valve-CEO Gabe Newell höchstselbst wurde es schließlich 2015 exklusiv auf der Hauptplattform von Steam veröffentlicht. In den USA erhielt das Game als zweites überhaupt ein AO-Rating wegen Gewaltdarstellungen und Sprache (Anm.: das andere war zuvor "Manhunt 2"), in Deutschland wurde ihm ein Geolock verpasst und später seitens der BPjM auf Liste D (Anm.: die Liste-B-Entsprechung  für Online-Medien statt physischer Träger) einkassiert. Kontrovers, kontrovers... könnte man meinen.

Faktisch ist "Hatred" nichts anderes als ein "Postal"-Rip-Off: Perspektive (isometrisch), Steuerung (WASD), humorlose Gewalt, Exekutionen - alles genau wie im ersten Teil des Running-With-Scissors-Franchise. Bis auf die lange Mähne hat sogar der namenlose, amoklaufende Psychopath in seinem Trenchcoat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Postal Dude und bringt sogar ähnliche Sprüche. Der einzige deutlich augenfällige Unterschied ist die Schwarzweiß-Grafik (Anm.: bis auf Bluteffekte), die mit Filmkorn-Optik angereichert wurde. Natürlich gelangte die Kunde des Klons irgendwann auch zu RWS, welches daraufhin diesem quasi den Ritterschlag verpasste: In der Steam-Version von "Postal 2" findet sich seit Ankündigung des Makeover-Titels "Postal Redux" (2016) ein Easter Egg, in dem man mittels VR-Brille in die Zukunft reist und besagtes Makeover des ersten Teils kaufen kann. Der Verkäufer behauptet dabei: "Hatred is way better." Spoiler-Alarm: Er lügt!

Fangen wir daher also gleich an mit dem größten Minuspunkt: Die Steuerung, schon in "Postal" eine Zumutung bzw. in "Postal Redux" völlig antiquiert, aber immerhin flüssiger als im Original, ist gelinde gesagt katastrophal. Wie kann man heutzutage bloß ein Spiel in isometrischer Ansicht mit WASD-Steuerung designen? Aufgrund der Perspektive läuft der Psycho auf der Map nämlich nur geradeaus, wenn man W und D gleichzeitig drückt, bzw. je nachdem in welche Richtung man will, muss man halt je zwei Tasten betätigen. Auf offenem Gelände mag das noch recht intuitiv funktionieren, in Gebäuden hingegen ist das total nervig. Will man dann etwa noch gleichzeitig springen, muss man nicht etwa shooter-üblich auf [LEER] tippen - nein, man muss mit [Strg] auf das Hindernis zusprinten, dann springt der Killer automatisch. Zum Sprinten braucht man allerdings erstmal genug Platz, der innerhalb eines Gebäudes auch nicht immer gegeben ist. Auch hat man dann spätestens an solch einer Stelle einen Knoten in den Fingern.

Der zweite große Minuspunkt ist die nicht vorhandene Story. Es gibt kein wirkliches Ziel,  lediglich in jedem Level kleine Extra-Aufgaben, etwa eine bestimmte Anzahl Cops zu töten o.ä., ansonsten muss man halt nur so lange alles umnieten, was einem vor die Flinte läuft, bis man vor der Polizei fliehen muss. Belohnungen gibt es dabei für eine möglichst hohe Anzahl an Mitmenschen, derer man sich gewaltsam entledigt. Zu diesem Zweck verfügt man über verschiedenerlei Schuss- und Stichwaffen sowie Granaten - also im Grunde über den üblichen Fundus an Tötungswerkzeugen. Große Innovationen sind hier nicht auszumachen, das einzige was ein wenig heraussticht, sind die Exekutionen, durch die man übrigens sein Leben wieder auffüllen kann.

Damit dann zur Grafik: Die isometrische Perspektive lässt nicht viel Spielraum für große Quantensprünge in Sachen Charaktere oder Leveldesign, weil man einfach viel zu weit weg vom zentrierten Protagonisten und dem Geschehen direkt um ihn herum ist. Die Exekutionen zoomen dann sehr nah heran, machen aber auch eher einen etwas verschwommenen Eindruck und bieten zudem nichts, was man nicht schon besser und/oder heftiger in anderen Games gesehen hätte. Die Schwarzweiß-Optik sowie auch die Filmkorn-Effekte sollen dem Spiel wohl eine Art klassischen Touch verleihen und natürlich möglichst düster wirken. Tatsächlich sieht es aber ein wenig so aus, als wäre den Programmierern eine farbige Umgebung zu aufwendig zu designen gewesen. Es muss ja nicht alles quietschbunt und comic-artig sein wie in anderen isometrischen 3rd-Person-Games Marke "Torchlight" oder "Diablo 3", aber auch andere Games mit düsterer Atmosphäre kommen doch heute üblicherweise in Farbe raus. Da wird dann halt abgedunkelt, mit Licht und Schatten gespielt o.ä. Dass die Entwickler sich für diese Spar-Variante entschieden haben, spricht (Anm.: m.E.) nicht gerade für Können oder Einfallsreichtum.

Somit lebt dieses Game im Grunde einzig und allein von der im Vorfeld der eigentlichen Veröffentlichung forcierten Kontroverse. Ja genau, dass diese Kontroverse von den Entwicklern gelenkt wurde, sei hier einfach mal unterstellt, denn: Das Game wurde genau so angekündigt, wie es dann auch wahrgenommen wurde, nämlich als spielbare Gewaltverherrlichung. Laut den Entwicklern sollte das Spiel keinen tieferen Sinn haben, es sei nicht satirisch gemeint, es sei lediglich ein stumpfer Massenmordsimulator (Anm.: Dieser Darstellung widerspricht zwar das Intro des Games geringfügig, wenn der Killer uns ganz "Sieben"-like darüber aufklärt, dass es nicht wichtig ist, wer er ist, jedoch sehr wohl was er tun wird - was sich allerdings nachfolgend wie dargelegt nicht bewahrheitet). Behauptet wurde in dem Zusammenhang auch, sich mit "Hatred" gegen den p.c.-verseuchten Gaming-Mainstream stellen zu wollen. Ein übriges tat das Auftreten von Destructive-Creations-CEO Jarosław Zieliński, der auf einem Online-Foto ein Rechtsrock-Shirt trug, Kontakte zu rechten und nationalistischen Gruppierungen pflegte und sich selbst in einem Interview als nationalistisch bzw. islamophob bezeichnete (Anm.: Natürlich könnte man hinterfragen, ob dieserlei Gebaren nicht ebenfalls zum Provokationskalkül gehörte - k.A.). Zu letzterem passend brachte Destructive Creations dann auch als zweites Game nach "Hatred" den Islamisten-Nest-Shooter "IS Defense" heraus.

 

Fazit:

Ein ziemlich eintöniger, eindimensionaler, schlecht steuerbarer und im Endeffekt langweiliger "Postal"-Klon, der nicht mal in seiner Gewaltdarstellung besonders herausragt und dessen auf Teufel komm raus gewollte Kontroverse nicht wirklich funktioniert. Der ach so p.c.-verseuchte Gaming-Mainstream, den Destructive Creations postuliert und gegen den man sich hier zur Wehr setzen will, strotzt ja auch heute noch vor Klischees, Stereotypen und Schwarz-Weiß-Malerei, so dass im Grunde kaum ein Game als zu 100% politisch korrekt durchgehen kann, wobei v.a. Diskriminierung und Sexismus im Speziellen keine Seltenheit sind. In dem Sinne, dass die meisten Spiele mit positiven Helden und eindeutigen Feindbildern besetzt sind bzw. dass es deutlich seltener spielbare Antagonistenfiguren gibt, mag man "Hatred" vielleicht noch so eben eine Berechtigung zugestehen, aber das wäre dann schon eine Auslegung mit sehr viel gutem Willen. Selbst wenn man keinerlei Ansprüche an ein Spiel hegt außer stumpfes Gemetzel, wäre dieser Titel vermutlich nur zweite Wahl, da man ohne weiteres was besseres findet. Und da RWS die Amok-Kontroverse schon 17 Jahre zuvor mit dem ersten "Postal"-Titel vorwegnahm und anschließend zu einer bissigen Gesellschaftssatire ausbaute, läuft die Provokation hier letztlich ins Leere. Abschließendes Urteil: Spielt lieber "Postal", das ist "way better" - just my 2 cents!

2/10
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Kommentare

08.04.2021 00:47 Uhr - Dissection78
1x
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Also, ich kenne mich im Game-Metier überhaupt nicht aus, aber gerade zu "Hatred" habe ich eine kleine Ergänzung beizusteuern, die zum Gebaren von Jarosław Zieliński passt: Der Frontmann der Black Metaller Infernal War (Pseudonym: Herr Warcrimer) schrieb die Story und die Dialoge zu "Hatred". Diese Truppe provoziert ja auch sehr gerne (ich weiß nicht wirklich, ob's Provokation oder tatsächliche Weltanschauung ist) und wurde und wird extrem kontrovers aufgenommen.

08.04.2021 07:56 Uhr - dicker Hund
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Da ich Konsolenpads gewöhnt bin, spiele ich eh schon nicht gerne am PC. Die von Dir beschriebene Steuerung würde meine Vorurteile wahrscheinlich zementieren.

Jedenfalls danke für diesen unterhaltsamen Verriss!

08.04.2021 14:31 Uhr - Fratze
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Danke für euer Feedback 😁

@Dissection: Das war mir tatsächlich noch nicht bekannt, danke für die Ergänzung. "Infernal War" grad mal gegoogelt, das scheinen ja durchaus ein paar Herzchen zu sein 😝
Allerdings... hätte ich jetzt auch nicht unbedingt erwartet, dass für diese "Story"/"Dialoge" tatsächlich extra ein "Autor" bemüht wurde oO

@Hund: Gern geschehen ^^
Zum Thema PC vs. Konsole: Ich bevorzuge immer noch PC, auch wenn wir seit Weihnachten eine Switch besitzen. Die meisten PC-Versionen unterstützen da ja inzwischen auch Controller-Steuerung... evtl. gilt das auch für "Hatred", müsste ich jetzt nachgucken, vielleicht ließe sich das Spiel so auch besser steuern... dann wäre meine Kritik am Gameplay vielleicht sogar hinfällig. Ändert aber m.E. nix an der sonstigen Belanglosigkeit dieses Titels. Frage mich auch, woher der die vielen 10-Punkte-Votes hat...

08.04.2021 21:07 Uhr - DriesVanHegen
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Bin bisher glaube nicht über das zweite Kapitel (Kanalisation) hinausgekommen bzw. stehe am Anfang des Zugs.
Ab und zu überkommt mich mal die stumpfe Lust, auf die m. E. doch recht stilsichere (in diesem Kontext gewagt, ich weiß) Präsentation, aber dann ist die Lust nach einer Viertel Stunde auch verpufft. Der S/W-Look holt zumindest mich ab und die teils zerstörbare Umgebung bzw. die Feuer- und Physikeffekte sind schon ganz ansehnlich, im ansonsten tristen Spiel.
Die maue Steuerung und Kamera- bzw. Übersichtsprobleme kann man übrigens mit diversen Ego-Perspektive-Mods umgehen.

08.04.2021 21:19 Uhr - Fratze
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@Dries: Auch dir nochmal danke ^^

Viel weiter bin ich auch nicht gekommen, hat einfach nix packendes gehabt für mich. Mods: Interessant, aber ist mir persönlich dann ehrlich gesagt auch zu mühselig, wenn ich ein Game erst zurechtbasteln muss, damit es mir anschließend nur eventuell gefällt. Vielleicht, wenn ich mal sonst nix zu tun hab.

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