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Poltergeist II - Die andere Seite

(Originaltitel: Poltergeist II: The Other Side)
Herstellungsland:USA (1986)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Poltergeist 2
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,09 (23 Stimmen) Details
inhalt:
Vier Jahre ist es her, dass Familie Freelings Haus von Poltergeistern heimgesucht und schließlich zerstört wurde. Ihre Erinnerungen an die schrecklichen Ereignisse sind längst verwischt. Doch die Ruhe ist trügerisch. Eines Nachts brauen sich seltsame Wolken über ihrem neuen Zuhause zusammen und erneut dringen böse Mächte in ihr Leben ein. Der zweite Teil des Kino-Hits stürzt die Familie Freelings in eine neue Dimension des Schreckens.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von chollo:

Laut einigen Angaben der Beteiligten und der Mehrheit an Stimmen nach der Testvorführung, soll die ursprüngliche Version von "Poltergeist 2" wohl katastrophal gewesen sein. Die Geldgeber kürzten diesen "Director's Cut" nicht nur um satte 40 Minuten, es wurden auch noch umfangreiche Nachdrehs angeordnet. Zu guter letzt wurde auch verantwortlicher Regisseur Brian Gibson ("Nicht Schuldig") vom Endschnitt ausgeschlossen. Dieses ganze Procedere erinnert doch sehr an die Vorgehensweise bei Teil 1 und dessen Regisseurs Tobe Hooper, auch wenn man dort etwas dezenter zu Werke gegangen ist.

Ob diese Nachbearbeitung nun wirklich von Nöten waren und sie den Film letztendlich gerettet haben wie so mancher behauptet, kann heute nur noch schwer nachgeprüft werden. Kontinuitätsfehler und ein etwas wirres Gesamtbild hat es bei Teil 2 aber in jedem Fall hinterlassen. Was ist in dem Jahr zwischen den Ereignissen aus Teil 1 und 2 passiert? Warum wird das Verschwinden einer der Töchter der Familie nicht ausreichend oder plausibel geklärt? Warum umgibt sich Tangina, das Medium aus Teil 1, nun mit Spirituellen Persönlichkeiten wie dem Indianer Taylor? Viele Fragen und keine Antworten. Stattdessen findet man sich als Zuschauer direkt zu Anfang mit Tangina und eben diesem Indianer an einer Ausgrabungsstätte wieder, bei der von beiden wieder eine bösartige Präsenz wahrgenommen wird. Diesmal von einem Reverend Kane, der an seinen gläubigen Jüngern etwas schreckliches verübt haben muss.

Was dem Film zugute kommt ist die erneute Verpflichtung des gesamten Haupt- Casts. JoBeth Williams, Craig T. Nelson, Heather O'Rourke, Oliver Robins und Zelda Rubinstein. Nur Domenique Dunne als dritte der Freelings Kinder fehlt, da sie tragischerweise nach Beendigung der Dreharbeiten von Teil 1 durch ihren damaligen Freund ums Leben kam. Doch mach den Erlebnissen aus "Poltergeist", scheint nicht nur in Steve Freeling's Schnapsflasche der Wurm drin zu sein. Ihr einst so sympathisches Miteinander will nicht mehr so recht funktionieren. Natürlich könnte man diesen Umstand mit der Dramaturgie begründen, weil seitdem ja viel mit der Familie passiert ist. Ich schiebe es aber eher auf ein schwaches Drehbuch, die deutlich schwächere Inszenierung und die konfuse Nachbearbeitung dass das alles nicht mehr so glaubwürdig rüberkommt. Mit Julian Beck, Maler/ Regisseur/ Poet in Personal Union, versuchten die Macher dem Bösen nun ein menschliches Antlitz zu geben. Dieser Versuch glückt unter anderem deshalb, da Beck schon seit langen an Magenkrebs erkrankt war und sich dies in seiner Optik auch nicht mehr verbergen ließ. Sein schauspielerisches Talent besorgt dann den Rest und wirkt in Kombination einfach furchteinflößend. Besonders der erste Besuch von Reverend Kane bei der Familie Freeling glänzt da durch Beck's Charisma und die von ihm erzeugte Atmosphäre. Beck starb dann auch noch während den Dreharbeiten zu "Poltergeist 2", der Film profitiert aber in jedem Fall von seiner Mitwirkung. Weniger positiv hingegen wirkt die Figur Taylor, dargestellt von Will Sampson ("Einer flog über das Kuckucksnest"), für dieses Sequel. Das liegt aber weniger an Sampson's Talent, als vielmehr an dem Versuch der Macher mit seiner Figur der Geschichte mehr Tiefgang und Mystik zu geben. Sampson als Taylor steht aber meist da wie bestellt und nicht abgeholt und darf bei seinen Höhepunkten ein Lagerfeuer beschwören, meist aber neben Tangina nur dumm aus der Wäsche gucken. Zelda Rubinstein als Tangina Barrons hat mir schon im ersten Teil nicht gefallen, da sie mit ihrem schrulligen und in diesem Teil zusätzlich noch Oberschullehrer- mäßigen Auftreten sogar noch mehr Screentime erhält, fällt bei mir auch dieser Punkt in den Minusbereich.

Schon mit Julian Beck als Reverend Kane haben die Verantwortlichen versucht, dem Bösen eine physische Figur zu geben. Dieses Vorhaben setzten sie dann auch mit dem Arrangement von H.R. Giger ("Alien") bei dem Dämon in die Tat um. Seinen großen Auftritt hat dieser wenn er durch Steve Freeling sprichwörtlich erbrochen wird. Und Giger's Entwurf, umgesetzt durch den Effekte Spezialist Richard Edlund, darf sich durchaus sehen lassen. Eine wirklich "nette" Kreatur wurde hier auf Zelluloid gebannt. Was die Personifizierung des Bösen angeht wurde hier durch Beck, sowie dem Design durch Giger und der Umsetzung von Endlund durchaus abgeliefert.

Was man von Brian Gibson als Regisseur nicht wirklich behaupten kann. Zu zäh wirkt hier vieles bevor es so richtig in Fahrt kommt. Auch die bedrohliche Stimmung geht im Vergleich zu Hooper/ Spielberg etwas flöten. Schöner Einfall zum Beispiel als Carol Anne durch das Spielzeugtelefon Kontakt zu ihrer verstorbenen Oma aufnimmt, die Gegenüberstellung zur ähnlich gelagerten Szene aus Teil 1 mit der flimmernden Mattscheibe hält sie aber nicht stand. Dafür wirkt sie mitunter einfach zu dilettantisch umgesetzt. Gibson und seine Beteiligten fehlt vielleicht einfach die Finesse oder das Talent, den Zuschauer ähnlich in den Bann ihres Films zu ziehen als es Hooper/ Spielberg noch bei Teil 1 geglückt ist. Ein probates Mittel in diesem Genre ist dann die Erhöhung des Gewaltpegels, was Gibson und seinem Genius Richard Edlund auch durchaus gelingt. Unterstützt durch die versierte Kameraführung eines Andrew Laszlo ("The Warriors"; "Rambo"), kommt dann doch noch Stimmung auf, die dem Original aber in keinster Weise ihr Weihwässerchen reichen kann.

Besonders ärgerlich bzw. dümmlich ist in meinen Augen das Finale geraten. Um den ruhelosen Seelen um Reverend Kane endlich Frieden zu geben, mischt nicht nur Indianer Taylor mit seinen mystischen Kräften mit, auch die geliebte Großmutter von Carol Anne darf aus dem Jenseits mit eingreifen. Jenes ist optisch und mit der passenden musikalischen Untermalung derartig überhöht dargestellt, dass es schon fast an unfreiwilliger Komik grenzt. Dieser Einfall gerade zum Ende hin beraubt den Film einen großen Teil seiner Ernsthaftigkeit und stößt die schon eher spärlich und leidlich geratene, hauptsächlich durch einen Schauspieler und einzelnen Effekten getragene, Atmosphäre von "Poltergeist 2" vor den Kopf. Etwas weniger wäre hier deutlich mehr gewesen.

Alles in allem haben wir es hier mit einer professionellen Studioproduktion zu tun. Durch die daraus entstehenden Vorzüge konnte man abermals Könner ihres Fachs, z.B. Jerry Goldsmith mit der Musik- Richard Endlund bei den Effekten- H.R. Giger mit den Entwürfen und Andrew Laszlo bei der Kameraarbeit, sowie die gesamte Schauspielerriege aus Teil 1 verpflichten. Diesem Personal- Luxus zum trotz ist "Poltergeist 2" nur ein schlappes, in seinem Pacing mitunter ermüdendes Sequel geworden. Kein schlechter Film, doch in seiner Gesamtheit auch nicht mehr als ein solider Nachschuss. Ein Jahr nach den Dreharbeiten starb Will Sampson, als zweiter Beteiligter von "Poltergeist 2" neben Julian Beck, was das Feuer um den vermeintlichen Fluch der "Poltergeist"- Filmreihe weiter befeuerte.

7/10
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Kommentare

13.02.2019 17:28 Uhr - Ghostfacelooker
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Gruslig gut zu lesen. Die Szene mit "Gott sitzt (oder war es lebt) in seinem heiligen Tempel" jagte mir damals oft schreckliche Gänsehaut über den Rücken

13.02.2019 17:48 Uhr - Mucki1979
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Sehr fein zu lesen Chollo, wie von Dir gewohnt.

Mich hatte Teil 2 nicht so geflasht, da konnte ich dem 3. Teil tatsächlich wieder mehr abgewinnen, da ich Tom Skerrit gern sehe.

13.02.2019 20:44 Uhr - sonyericssohn
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Da muss ich Ghost zustimmen. Der Singsang des Typen zusammen mit seinem Grinsen im Totenschädel ähnlichem Gesicht erzeugte immer ne grobe Gänsehaut.
Auch wenn der zweite Teil nicht den Bumms des Ersten halten kann funzt er dennoch. Über den Dritten jedoch breite ich den Mantel des Schweigens.

14.02.2019 08:39 Uhr - Dissection78
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Super getroffen, CHOLLO!

Auch der zweite Teil des Familien-Horrorepos hält den Zuschauer dank der hervorragenden Effekte weitgehend bei Laune. Ein gestalterischer Höhepunkt sind natürlich die Entwürfe von H. R. Giger (siehe das ausgekotzte Wurmwesen), obwohl der Meister mit dem Endergebnis überhaupt nicht zufrieden war.

Doch wie im ersten Teil stören mich die zuckrigen, peinlich-pathetischen Schwulstszenen, die einen entweder die Augen verdrehen, vor Fremdscham erröten, die Hände vorm Gesicht zusammenschlagen, ob ihrer unfreiwilligen Komik laut auflachen oder kotzen lassen... beziehungsweise je nach Kondition alles zusammen. Das ist dann wirklich nur knapp über schleimigem Seifenopernniveau, manchmal gar darunter - sorry, aber sowas wie die Omma im Finale, nee... das ist einfach nicht mein Pott Tee :'(

Pluspunkte: Die Darsteller sind gut, vor allem Julian Beck. Bei dem Mann läuft's mir selbst heute noch eiskalt den Rücken runter ("Gott lebt in seinem heil'gen Temmm-pel"). Aaaah! Der hätte die nervige Zelda von mir aus gerne für immer mit in seine Höhle schleifen dürfen. Jerry Goldsmiths Musik ist fein, Andrew Laszlos Kameraführung gekonnt, die Effekte habe ich bereits gelobt. Das hievt den Streifen knapp über Durchschnitt und ergibt 6 regurgitierte Würmli-Ekelmonster. Würgs!

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