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Flucht aus L.A.

(Originaltitel: Escape from L.A.)
Herstellungsland:USA (1996)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction,
Thriller
Alternativtitel:Klapperschlange 2, Die
John Carpenter's Escape from L.A.
Los Angeles 2013
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,94 (24 Stimmen) Details
inhalt:
Der Mann mit der Augenklappe ist zurück: Snake Plissken, genannt die "Klapperschlange". Kurt Russell und die Filmemacher John Carpenter und Debra Hill haben sich wieder zusammen getan, um jetzt in L.A.'s Big Orange genauso zu verfahren wie damals am Big Apple in "Die Klapperschlange - Flucht aus New York". Diesmal allerdings mit noch härteren, futuristischen Thrill- und Action-Parts.

Im Jahr 2013 erreicht Snake Plissken (Kurt Russell) das von einem gewaltigen Erdbeben der Stärke 9,6 zerstörte L.A. Sein Job: In der verwüsteten Stadt die gestohlenen Datenträger einer globalen Vernichtungswaffe unschädlich zumachen. Eine Wahnsinnsmission, bei der Plissken zusammen mit Freunden, Feinden und teuflischen Gegnern (u. a. Stacy Keach, Steve Buscemi, Peter Fonda, George Corraface, Cliff Robertson, Pam Grier) Los Angeles komplett aufräumt.
eine kritik von mucki1979:

Mein lieber John, mein lieber John....

 

...mit "Escape from L.A." dürftest Du, sofern man fremdsprachigen Wikipedia-Einträgen glauben will, das wohl größte Budget Deines Lebens zur Verfügung gehabt haben. Und gerade eben dies dürfte Dir hier wohl leider wohl etwas das Genick gebrochen haben, warst Du doch zumindest bis Ende der achziger Jahre dafür berühmt, aus geringsten Budgets das Bestmögliche herauszuholen. Und wie hast Du das meist geschafft? Mit einer intelligenten Story, überwiegend guten und in überschaubarer Anzahl verfügbaren Darstellern sowie einem eindringlichen Score, der über Dekaden in den Köpfen aller wahrlichen Cineasten irgendwo im Hintergrund regelmäßig mitschwingt. Und dann hattest Du plötzlich die Möglichkeit, Deinem Meisterstück "Escape from New York" aus dem Jahre 1981 einen würdigen Nachfolger mit einem vermutlichen Budget in Höhe von 50 Mio. Dollar zu spendieren! Nun, die Einspielergebnisse und die Kritiken aus der Presse indizieren leider zu deutlich, dass Dir eben dies leider nicht gelungen zu sein scheint!

 

Liebe Filmfreunde, was "Escape from L.A." betrifft, schlagen tatsächlich zwei Herzen in meiner Brust. Dies ist eigentlich auch ganz leicht erklärt, wäre das Wort "eigentlich" nicht unheimlich relativierend. Eigentlich ist es sehr leicht zu erklären, was an dem hier besprochenen Film wirklich stimmt, wenn es eigentlich nicht weniger leicht zu erklären wäre, was eben gerade nicht stimmt. Also fangen wir am Besten gleich am Anfang und etwas historisch orientiert an. "Escape from New York", bzw. hierzulande "Die Klapperschlange" ist ein weltbekanntes Meisterwerk. Eine mit überschaubarem Budget Anfang der achziger Jahre auf das Zelluloid gebannte Zukunftsvision oder gar Utopie, als Spiegel der seinerzeit bestehenden Gesellschaft. Aus Gefängnissen werden Gefängnisinseln in denen jene, welche sich den Vorstellungen der amerikanischen Politik über die Gesellschaft nicht beugen wollen, eingepfercht und sich selbst überlassen werden. Hieraus entwickelt sich ein "Mikrokosmos" in Form einer Parallelgesellschaft mit eigenen Regeln, als in sich geschlossenes und völlig konträres Spiegelbild des neo-amerikanisch-puritanischen Spießbürgertums. Wo das System der Vereinigten Staaten durch einen Präsidenten vertreten wird, vertritt eine in den Wesenszügen äußerst ähnlich veranlagte Person eben diesen "Mikrokosmos". Hierbei kommt was kommen muss, beide Welten treffen ungeplant und unfreiwillig aufeinander und der eigentliche Protagonist des Films, der geächtete "Söldner" darf die Kohlen aus dem Feuer holen. Das ganze seinerzeit dekoriert mit seinerzeit klug inszenierten Effekten und einem tollen Setting. Das "Kronjuwel" des Films stellte hierbei Kurt Russel als wortkarger "Snake Plissken" dar, der wenn er den Mund überhaupt aufmacht, sich im Sinne seiner Mission dann zumindest recht konsequent und effektiv zu äußern wusste. 

 

Tja und hinsichtlich des hier besprochenen Nachfolgers könnte ich den oberen Absatz nahezu 1:1 wiederholen. Wenn eben das berühmte Wörtchen "wenn" nicht wäre. Denn gerade hier liegt das große Problem des Films. Bis auf allenfalls marginale Anpassungen verfolgt "Escape from L.A." das gleiche Thema wie der Vorgänger, es wurde lediglich die Handlung aus New York nach Los Angeles verlegt und statt dem Präsidenten der Vereinigten Staaten selbst, ist eines seiner verlustig gegangenen Utensilien aus der "Todeszone" zu beschaffen. Damit sind sämtliche Unterschiede innerhalb der Handlung aus meiner Sicht abschließend erklärt. Dies muss zwangsläufig kein Manko darstellen, zumal diese ja eher minimalistische Story beim Vorgänger ausgezeichnet funktioniert hat. Nun mag man meinen, dass wenn schon das Budget nicht in ein Drehbuch geflossen ist, so müssten wir mit dem Nachfolger ja jedenfalls entweder gute und/oder teure Stars und/oder überzeugende Special-Effects präsentiert bekommen. Leider aber völlige Fehlanzeige. Carpenter hat sich hier auf eine Vielzahl von CGI verlassen, die bis auf wenige Ausnahmen zu Beginn des Films leider einfach nur - selbst für damalige Verhältnisse - schlecht umgesetzt wurden und somit leider auch sehr billig wirken. So billig, dass es für den Zuschauer einfach ärgerlich ist. 

 

Besonders ärgerlich wirkt dies vor dem Hintergrund dessen, dass der Film atmosphärisch richtig stark beginnt. Ein Carpenter-typisches, musikalisch untermaltes Intro mit kurzen Erläuertungen zur Handlung lässt hier den cineastischen Sabber im Mund anlaufen. Ein offensichtlich um keinen Tag seit dem Vorgänger gealterter Protagonist wird durch ein innovatives Setting geführt, wie es durch Filme wie Total Recall oder Starship Troopers nicht besser hätte umgesetzt werden können. Selbst die darstellerischen "Substitute", welche nahezu die gleichen Charaktere des Vorgängers portraitieren sollen (bspw. Stacy Keach in der gleichen Funktion wie seinerzeit Lee van Cleef), kommen wirklich authentisch rüber und das ganze macht extrem Lust auf mehr. Und dann geht das computergenerierte Augenmassaker los, um die grandiose Atmosphäre, in welche man den Zuschauer bis soeben eingeführt hat, wieder zu zerstören. Und in eben dieser Weise hangelt sich der Film leider zum Ende. Auf wirklich schöne "Aha-Effekte" in Sachen Setting und Story folgen leider auch regelmäßg "Oho-Effekte" in Sachen CGI.

 

Denkt man sich dieses Manko für kurze Zeit weg, ist der Film ein echter Knaller. Ein grandioses Setting, gepaart mit einigen tollen Seitenhieben auf das Amerika und seine Gesellschaft der neunziger Jahre, passable Actionszenen und ein Snake Plissken, der nach seiner Zeit in New York nichts verlernt hat. Ein paar humoristisch treffende "Sidekicks" in der Story und das ein oder andere Widersehen mit Kultschauspielern (Peter Fonda, Bruce Campbell, Pam Grier, Steve Buscemi, etc....) runden das ganze ab, auch wenn die Luft im zweiten Drittel etwas ausgeht und Carpenter dazu neigt, die Story ins abstruse abdriften zu lassen. Allerdings darf sich das Ganze zum wirklich starken Ende wieder fangen und der dem Regisseur im Hinterkopf schlummernde Gedanke zur bestmöglichen Abrechnung mit dem System darf in Form des Protagonisten wahr werden. In diesem Kontext setzt der Nachfolger im Vergleich zum Vorgänger glatt noch einen drauf.

 

Fazit

 

Wäre "Escape from L.A."  - wie sein Vorgänger - ein überwiegend "handgemachter" Film geworden, hätte er diesem in Nichts nachgestanden und in vielen Bereichen wirklich übertrumpfen können. Durch den hier produzierten GGI-Müll hinterlässt Carpenter aber leider deutlich zuviel verbrannte Erde, weil gerade die Story dem Vorgänger einfach zu ähnlich ist. Man hat das Gefühl, hier sollte das gut arrangierte und ebenso funktionierende Original mit vielen Effekten einfach nochmal einen gewissen "Bombast" verpasst bekommen. Das aber geht leider nach hinten los, für das vermutete Budget sind die CGI - Effekte einfach schlecht. 

 

Zudem neigt Carpenter mit ein paar wenigen anderen Einfällen innerhalb der Story hier zudem zur Übertreibung, wodurch der Film dann auch an 2-3 Stellen wiederum nicht wirklich ernst genommen werden kann und sehr sehr knapp an der Grenze zur "Persiflage" kratzt. Und dies war definitiv nicht beabsichtigt.  

 

Auch wenn ich mich über den hier produzierten Computermüll tierisch aufregen könnte, so bleiben mir nach der Sichtung dennoch etliche positive Eindrücke im Kopf. Ein wirklich geniales Setting mit toll arrangiertem Score und der für Carpenter typischerweise mitschwingenden Sozialkritik, gepaart mit einer wirklich erneut grandiosen Darstellung von Plissken durch Kurt Russell und einem starken Anfang und Ende des Films lassen mich zu einer 6.5/10 kommen, welche ich zudem aufrunden möchte. Ohne diesen produzierten CGI-Müll und teilweise leichtes Abdriften in Richtung Persiflage, stünde hier bei mir eine 9/10. 

  

Schade mein lieber John, der Film hätte sonst echt rocken können!

 

  

7/10
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Kommentare

25.02.2019 18:28 Uhr - dicker Hund
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Danke für diese zugespitzte Erinnerung, warum ich mich nach wie vor gegen diesen Titel sträube.

25.02.2019 18:41 Uhr - Mucki1979
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Immer wieder gern! :-)

26.02.2019 10:24 Uhr - Pratt
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Ja die CGI-Effekte sind teilweise misslungen, aber mir macht der Film dennoch Spaß und allein Kurt Russell als Snake reicht für drei Filme aus, für den übrigens schon mal 15 MiIllionen vom Budget abgezogen wurden. Einige der Stars sind hier kaum zu erkennen (Pam Grier, Bruce Campbell) und Steve Buscemi nervt etwas, aber ich mochte den schon damals im Kino schon geanauso wie heute 9/10. Und hohes Budget muss nicht gleich gute Effekte bedeuten siehe z. B. Skyscraper.

26.02.2019 15:32 Uhr - Punisher77
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Schöne Kritik ... mir geht es ähnlich wie Dir. Der Film hat durchaus Stärken, aber auch Schwächen, und die liegen meiner Meinung nach nicht nur im CGI begründet. So habe ich mir vom Sequel etwas mehr als ein Quasi-Remake versprochen, und dass man den Zweikampf aus dem ersten Teil durch ein Körbewerfen ersetzt hat, finde ich ausgesprochen lahm. Dafür war der Schluss wieder gut.

26.02.2019 17:49 Uhr - Mucki1979
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Danke Punisher.

Eben das meine ich. Die Basketballszene war eine der Szenen, in denen ich an Persiflage des Originals denken musste.

Leider leider, zuviel verschenktes Potenzial.

26.02.2019 21:51 Uhr - Tom Cody
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Cooles Review zu einem Film, der trotz eklatanter Schwächen immer noch irgendwie Spaß macht ("Wir machen's nach den Bangkok-Regeln: Keiner zieht, bevor die Dose den Boden berührt!").

Die Basketball-Szene ist ziemlicher Mist und tendiert wirklich mehr zur Parodie. Und ja, was die durchwachsenen bis miesen CGI-Effekte angeht, muss ich dir ebenfalls hundertprozentig Recht geben.

Das beste Musikstück im Film ist dann auch prompt nicht vom Meister selbst, sondern dem großartigen Dick Dale:
https://youtu.be/4oa18UvUTPU

26.02.2019 22:44 Uhr - Mucki1979
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Tom Cody,


besten Dank für die differenzierte Bewertung! Denn selbst mit den bekannten Schwächen, ist der Film zehn mal besser, als andere Ergüsse! ;-)

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