SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Borderlands 3 · Eine Achterbahnfahrt voller Wahnsinn! · ab 59,99 € bei gameware Dying Light 2 uncut PS4 · Der Nachfolger des Zombie-Krachers. Mehr Blut! · ab 59,99 € bei gameware
dicker Hund
Level 13
XP 2.956
Eintrag: 14.04.2019

Amazon.de

  • Dragged Across Concrete
Blu-ray
13,99 €
DVD
12,37 €
Prime Video
13,99 €
  • Never Grow Old
Blu-ray
15,89 €
DVD
13,99 €
Prime Video
11,99 €
  • Scarface
  • Limited 4K UHD/BD 3-Disc Sammler-Edition mit Statue
  • 79,99 €
  • Domino - A Story of Revenge
Blu-ray
15,99 €
DVD
13,79 €
Prime Video
11,99 €
  • Brightburn: Son of Darkness
BD Steelbook
24,99 €
4K UHD/BD
34,99 €
Blu-ray
17,49 €
DVD
15,99 €
prime video
16,99 €

Lebendig gefressen

(Originaltitel: Mangiati Vivi)
Herstellungsland:Italien (1980)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Abenteuer, Horror, Splatter
Alternativtitel:Dschungel der Kannibalen
Eaten Alive
Eaten Alive by the Cannibals!
Eaten Alive from the Cannibals

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,35 (55 Stimmen) Details
inhalt:
In New York kommt es zu mehreren mysteriösen Todesfällen. Der Täter, ein geheimnisvoller Indio, kann schließlich gefasst werden, stirbt aber, bevor man die Hintergründe der Taten aufklären kann. In seinem Gepäck findet man einen Film, der Szenen aus den Riten einer dunklen Sekte zeigt. Auf den Aufnahmen sieht man auch eine junge Frau, die als vermisst gilt. Der Abenteurer Mark soll im Auftrag des FBIs und mit der Schwester der vermissten jungen Frau eine Expedition in den dichten Dschungel Neu-Guineas leiten. Dort will man auf die Spur der geheimnisvollen Sekte kommen. Doch die Wildnis steckt voller Gefahren und die Sektenanhänger sind gefährlicher, als man zunächst geglaubt hatte. Außerdem jagen und durchstreifen menschenfressende Eingeborene den Dschungel. So überschlagen sich die Ereignisse und es stellt sich schnell die Frage, ob die Expeditionsmitglieder die grüne Hölle je wieder lebendig verlassen können.
eine kritik von dicker hund:

Der italienische Regisseur Umberto Lenzi ist eine der tragenden Säulen des Kannibalenfilms, steckt doch er hinter "Mondo Cannibale", der "Rache der Kannibalen" und dem hier besprochenen "Lebendig gefressen". Bedenkt man, wie klein dieses Subgenre und wie groß der Aufwand ist, an Locations wie dem vorliegenden Dschungel Sri Lankas entlang schlackigen Gewässers und dichten Bewuchses zu drehen, kann eine solche Aufzählung schon als Auszeichnung verstanden werden.

Das gilt natürlich nur für Konsumenten, die ihre Neugiernasen nicht aus der untersten Schublade herausbekommen und sich für Edelschund begeistern können. Die Geschichte ist nämlich nur ein loses Gerüst, um die ganzen Geschmacklosigkeiten auf den Weg zu bringen. Bluttriefende Menschenfresserei steht da selbstredend an erster Stelle, wobei allerdings nur eine einzige der deftigen Goreszenen ein Original darstellt. Je ein weiteres Highlight antropophager Leckerbissen hat Lenzi mit einer gewissen Dreistigkeit aus seinem oben erwähnten 1972er Pionier, dessen Fortsetzung "Ultimo Mondo Cannibale" von Ruggero Deodato und der "weißen Göttin der Kannibalen" von Sergio Martino  entnommen, wobei es sich hier nicht einmal um das einzige stock footage handelt, da auch diverse Naturaufnahmen mehr oder weniger gelungen in die Szenerie eingeflochten wurden. Einschließlich des mal wieder reichlich vorhandenen und noch überflüssigeren Tiersnuffs mangelt es daher nicht an drastischer Gewalt (7/10), wohl aber an Eigenkreationen. 

Höchst individuell dagegen ist die vollkommen hemmungslose Kundgabe von gleich füllhornweise kredenzten Unkorrektheiten. Die für das Herstellungsland Italien anno 1980 ja schon fast obligatorische Misogynie ist da nur der Anfang. Hauptdarstellerin Janet Agren aus "Ein Zombie hing am Glockenseil" darf in ausgelassener Regelmäßigkeit schlapp machen, wie blonde Tussis das eben so tun, bis ein Macker ihr zur Seite springt. Ständig muss sie wie ein angeschossenes Reh betroffen in die Kamera schauen, wenn mal wieder einer der zahllosen Gegenschnitte von ekligen oder grausamen Ereignissen mit einem furchtsamen Blick zu quittieren ist. Dem unwiderstehlichen Charme ihres Begleiters Mark (Robert Kerman, frisch gestählt aus "Nackt und zerfleischt" gleich herübergehüpft in seine nächste Rolle) hat sie wenig entgegenzusetzen:

"Neugier: Dein Name ist Weib!"

Nun noch eine Vergewaltigung durch Indios mit dem angeschlossenen titelgebendem Hobby betrachtet, ordnungsgemäß geohrfeigt durch den Vietnam-Veteranen (noch so ein Klischee) und schon ist die Zeit reif für Geschlechtsverkehr im Off. Umberto Lenzi weiß also mindestens so gut wie Lucio Fulci, was Frauen Lust macht. Nun ja, Spaß beiseite, für das weibliche Geschlecht ist der Streifen einigermaßen unzumutbar. Aber es gibt ja noch das andere, und das kann hier feiern. Denn das Hauptaushängeschild dieses Exploiters ist überhaupt nicht der oberflächlich gehaltene Horror (5/10), der nur vordergründig seine Zuordnung bestimmt. Es ist Sex (6/10)! Nicht nur das blonde Protagonistinnenpüppchen darf sich nackig mit goldener Farbe einreiben lassen, auch ihre natürlich ebenfalls schutzlose und daher zu rettende Schwester Diana (Paola Senatore aus "Emanuelle in America") sowie deren Freundin (Me Me Lai, zwei mal "Mondo Cannibale") dürfen in einer softpornogerechten Aufmachung herumlaufen - oder diese gleich weglassen. Wenn schließlich noch ein schmieriges Bumsknatterritual vollzogen wird, lacht das pink-schwarze Herz.

Aber die damit einhergehende Frauenfeindlichkeit steht eben nicht alleine. Die holprigen Dialoge triefen daneben nur so vor - in der Produktion womöglich nicht einmal bemerkten - rassistischen Kuriositäten, die dank der stark vertretenen unfreiwilligen Komik (Humor 3/10) des "Mangiati Vivi" (Originaltitel) weniger abstoßen, als eher kopfschüttelnd schmunzeln lassen. Dass die an lebenden Mitmenschen knabbernden Eingeborenen nur aus Strubbelhaar, Lendenschurz und einer Prise "Ugha-ugha!" bestehen, ist der Kenner dieser Gefilde ja schon gewohnt.

"Es sind primitive Wesen, deren Hauptnahrung Menschenfleisch ist."

Die polizeilichen Ermittlungen zu den Morden in New York setzen dem Ganzen mit ihrer Täterbeschreibung aber die Krone auf:

"Das einzige, was wir von ihm sagen können, ist, dass er einer asiatischen Rasse angehört."

So nuscheln sich die Synchronsprecher ihre Sätzchen zurecht, bis Ivan Rassimov (noch so jemand aus "Mondo Cannibale") dann als Sektenführer Jonas mit Elan overacten und Bibelzitate vor sich herblubbern kann, um dem inzwischen vielzitierten Treiben der suizidalen Splitter-Religion "People's Temple" seine Ehre zu erweisen. Damit parodiert er sein zur Entstehungszeit gerade berüchtigt gewordenes Vorbild Jim Jones mit einprägsamer Note, während der Score mit seinem überrepräsentierten easy listening oftmals mehr an der Erotik als an den ohnehin kaum vorhandenen Spannungsansätzen orientiert ist.

"Eaten Alive!" ist der vielleicht schundigste Kannibalenmumpitz überhaupt, handwerklich bis an die Grenze zur Unverschämtheit zusammengeschustert, schauspielerisch grenzwertig, reich an Fettnäpfchen aus diversen -ismen und ... strunzdumm. Dadurch ist sein Unterhaltungswert für diejenigen, die genau so etwas suchen, aber schwer in Ordnung (6/10 Punkten). Die grüne Hölle lässt ihre Brust-Früchtchen zum besten Italo-Gedudel vor sich hinreifen, das Blut spritzt zwischendrin zu gellenden Schmerzensschreien - und der Zuschauer staunt nicht schlecht. Für die Zensurbehörden war das zur damaligen Zeit selbst in einer völlig entstellten Torsofassung noch zu viel des Guten, so dass der mit passenderweise miserablem Englisch alternativbetitelte "Eaten alive from the Cannibals" nach wie vor beschlagnahmt ist. In diesem Sinne: Guten Appetit!

6/10
mehr reviews vom gleichen autor
Flower
dicker Hund
7/10
Fliege,
dicker Hund
8/10
Flesh
dicker Hund
4/10
die neuesten reviews
Wanted
sonyericssohn
8/10
Green
CHOLLO
4/10
Flower
dicker Hund
7/10
Terminator
Kaiser Soze
10/10
Schlitzer,
CHOLLO
6/10

Kommentare

14.04.2019 08:46 Uhr - sonyericssohn
2x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 18
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 6.429
Noch nie gesehen. Und das wird sich so schnell nicht ändern. Kritik wie gewohnt schick.

14.04.2019 11:13 Uhr - Nubret
2x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.077
Super Kritik!

Ich mag den eigentlich ganz gerne. 6-7 auch von mir.

14.04.2019 19:26 Uhr - Dissection78
2x
DB-Co-Admin
User-Level von Dissection78 15
Erfahrungspunkte von Dissection78 3.898
Auch diesen Stoff hast Du wieder schön süffig verarbeitet. Nur bei dem "vielleicht schundigsten Kannibalenmumpitz überhaupt" erhebe ich - "Vielleicht"-Einschränkung hin oder her - Einspruch. Da lurchen die fürchterlichen Franco-Fisimatenten "Jungfrau unter Kannibalen" und "Mondo Cannibale 3" sowie der Indonesien-Heuler "Der Todesschrei der Kannibalen" tatsächlich noch einige Kilometer unter dem filmtechnischen Keller herum, der "Lebendig gefressen" sein mag. Punkttechnisch simmer jedoch gleichauf, Mr. Hund 👍

PS:
Robert Kerman ist übrigens leider Ende letzten Jahres verstorben.

14.04.2019 20:27 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 13
Erfahrungspunkte von dicker Hund 2.956
Besten Dank!

@Dissection
In Sachen Inkorrektheit und Schmuddelsex ist der hier meine persönliche Schundkrone. Dass qualitativ noch Luft nach unten ist, möchte ich angesichts der von Dir genannten Franco-Heuler gar nicht leugnen. "Todesschrei" habe ich noch nicht gesehen, erwarte von diesem aber Schlimmes im Sinne des von mir bereits verrissenen "Cannibal Terror"...

🙂

15.04.2019 22:57 Uhr - Nick Toxic
1x
User-Level von Nick Toxic 1
Erfahrungspunkte von Nick Toxic 26
@dicker Hund:
also wenn Du den schon Käse fandest, dann guck "Zombies unter Kannibalen".
Allein der Todessturz ist wohl der Beste (gemeint ist damit sauschlecht) der Filmgeschichte xD

Zu dem Streifen hier selber: die Rezi trifft es auf den Punkt, aber ich mag die Agren voll doll und deswegen hat der Streifen eh ein Stein bei mir im Brett^^

16.04.2019 12:56 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 13
Erfahrungspunkte von dicker Hund 2.956
"Zombi Holocaust" hat bei mir ebenfalls 6 Punkte abgeräumt, wie man hier nachlesen kann;-)

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)
Impressum Datenschutz Nutzungsbedingungen Team Kontakt / Werben Mithelfen
© Schnittberichte.com (2019)