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The Machinist
Level 5
XP 372
Eintrag: 13.05.2019

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Climax

Herstellungsland:Frankreich (2018)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama, Mystery, Musikfilm
Alternativtitel:Psyché

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,85 (20 Stimmen) Details
inhalt:
Eine Tanzgruppe quartiert sich für Proben in einem abgelegenen Übungszentrum ein. Bei der Abschlussparty mischt ein Unbekannter Drogen in die Sangría und verursacht damit einen kollektiven Höllentrip. Aus Angst wird Paranoia, aus unterschwelliger Aggression offene Gewalt, aus Zuneigung unkontrollierte Begierde. Die energetische Choreographie löst sich in Chaos auf, die Tänzer taumeln, stolpern und tanzen weiter in höchster Ekstase bis zum Morgengrauen als die Polizei eintrifft und das ganze Ausmaß entdeckt.
eine kritik von the machinist:

YOU DESPISED I STAND ALONE

YOU HATED IRREVERSIBLE

YOU LOATHED ENTER THE VOID

YOU CURSED LOVE

NOW TRY CLIMAX

 

Mit diesem unheilsschwangeren Werbeslogan kündigt enfant terrible Gaspar No'e seine neueste filmische Wahnsinnstat an. Und die hat sich ihren Titel - also einen Höhepunkt - redlich verdient!

TÄNZER         EINE PARTY            VINYL           SANGRIA

Climax beginnt mit einer quasi-dokumentarischen Vorstellung der Figuren durch einen alten Röhrenfernseher (der Film ist im Winter 1996 angesiedelt), zu dessen Seiten man sich auftürmende Vidoekasetten von Suspiria, Videodrome, Ein andalusischer Hund und vielem anderen erspähen kann, was so alles als Inspiration und Muse hergehalten haben muss. Daraufhin führt eine 24köpfige Tanzgruppe in einem Saal, gekürt von einem DJ-Pult und einer riesigen französischen Flagge eine fünf Minuten lange, als One-Shot gefilmte Choreografie auf - eine der besten Tanzszenen, die ich jemals in einem Film gesehen habe! - die man als kinetisches Vorspiel interpretieren könnte. Doch irgendetwas stimmt ganz und gar nicht! Warum benehmen sich alle auf einmal so seltsam? Es ist die Sangria! Jemand hat Drogen in die Sangria gemischt! Was als rauschendes Fest der Glückseligkeit begann, artet in einem kollektiven LSD-Höllentrip aus, an dessen Ende Schmerz, Verlangen, Paranoia, Verzweiflung, Gewalt und absolute Ekstase stehen!         

MÄDCHEN       EIN KIND         EINE FLAGGE          SANGRIA

Der immer für einen Skandal zu habende No'e, legt hier mal wieder eine sehr originelle Grundidee vor, und setzt diese auch eindrucksvoll in die Tat um, die Krönung seines bisherigen Schaffens ist Climax für mich jedoch nicht. Dafür erreicht er nicht ganz die intensive Härte des Extreme-Cinema-Meilensteins Irreversibel und schrammt auch knapp an der avantgardistischen Brillanz eines Enter the Void vorbei, welcher bislang mein persönlicher Favorit wäre. Sei's drum ein abgründig-faszinierendes Erlebnis ist der neue Film trotzdem!  

LACHEN        SCHNEE       SCHREIE           SANGRIA

Kameramann Benoit Debie (Spring Breakers), verdient großes Lob, denn es gelingt ihm eine Sangria-Bowle so unheimlich zu filmen, dass man das Gefühl hat nicht in ein Getränk, sondern in ein blutrotes Höllenportal zu blicken. Abgesehen davon verfolgt er - per schräger Kameraschwenks - unkoordiniert umhertaumelnde Charaktere durch schummrige Korridore. Eine dieser Verfolgten ist Sofia Boutella (Kingsman: The Secret Service), die mit viel körperlichem Geschick Tanz-Koordinatorin Selva gibt und in einer der manischsten Szenen des Film einen regelrecht Possession-esquen Freakout hinlegt, bei dem selbst Isabelle Adjani anerkennend nicken würde. Der Vergleich zu Andrzej Zulawskis Genre-Meisterwerk liegt nahe, denn ähnlich wie in diesem nimmt der Exzess in Climax kontinuierlich zu, bis letzten Endes nur noch ein wahnhafter Horrorfilm davon übrig bleibt.

TÄNZER       EINE PARTY      DJ DADDY      SANGRIA 

In akustischer Hinsicht muss sich Climax ebenfalls keine Blöße geben! Die Musikuntermalung besteht zu großen Teilen aus Progressive-, Techno- und Elektro-Klängen von unter anderem Soft Cell, Daft Punk und Cerrone die sich durch den gesamten Film ziehen und sich später mit markerschütternden Schreien und melancholischem Wehklagen mischen, wodurch ein pervertiertes audiovisuelles Albtraumszenario entsteht.    

EIN KORRIDOR        EIN SPIEGEL        EIN WALD        SANGRIA

Anders als im Vorgängerfilm Love, welcher meiner Meinung nach nur noch ein Hardcore-Porno in besonders kunstvollen Bildern war, spielt der Sex in Climax keine so große Rolle, wie es einem der Filmtitel suggerieren mag. Statt einem in Nahaufnahme gefilmten männlichen Schwellkörper, der sich in das Innere des weiblichen Gegenstücks ergießt, bezieht sich dieser Höhepunkt eher auf die Eskalation im Film. Climax ist eine Momentaufnahme über Menschen die gezwungenermaßen jegliche Kontrolle verlieren und dem unausweichlichen Showdown entgegen steuern, der sich mit grellrotem Farbfilter, auf dem Kopf stehender Kamera und dem Zusammenspiel von animalischer Lust (ja, es kommt schon Sex vor) und Anflügen modernen Körperhorrors, tief in die Netzhaut brennen dürfte. 

EIN MESSER      EIN SPIEGEL      BLUT       SANGRIA

Mittlerweile gilt es ja schon als Markenzeichen des Regisseurs, dass sich die Credits durch den kompletten Film ziehen, und auch da macht Climax keine Ausnahme. Neben Informationen wie Cast, Produktionsfirmen und Soundtrack, wirft man aber auch immer wieder Behauptungen wie "Das Leben ist eine kollektive Unmöglichkeit" oder "Der Tod ist eine ungewöhliche Erfahrung" an die Leinwand, welche viel Gedankenspielraum aufgrund ihrer möglichen Bedeutung offen lassen. Ganz eindeutig ist dafür, dass ausnahmslos jeder nach dem Genuss dieses rauschhaften Filmjuwels äußerst irritiert, aber eben auch wieder überaus beeindruckt zurückbleiben wird, glücklich schätzend sich in der eigenen heilen Welt zu befinden. Tja, das kriegt halt auch nur der No'e hin!

TRÄNEN      SCHNEE      FEUER      SANGRIA  

Fazit: Mit delirischen Bildern, wummernden Beats, schleudertraumatischen Kamerafahrten und Schauspiel an der Grenze zum Epilepsieanfall wird diese Tanzparty auf ewig im Kopf des Zuschauers weitergehen! Ein richtiger Gaspar No'e eben!

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Kommentare

13.05.2019 20:45 Uhr - sonyericssohn
3x
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Jetz bin ich dann doch neugierig ! Der Trailer war für mich eher ein Nasenbohrer, aber die Kritik hier juckt dann schon...

Merci der Herr !

13.05.2019 20:49 Uhr - TheRealAsh
3x
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Ganz hervorragendes und kreatives Review zu diesem Kracher, der nun wirklich mal wieder zeigt was „le cinema“ eigentlich kann👍🏻

13.05.2019 21:15 Uhr - The Machinist
4x
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Danke euch!

@sonyericssohn: Ja, tu ihn dir unbedingt mal an, allein schon für Bilder und Musik.

@Ash: Dachte mir schon, dass du als Fan von Suspiria und Mandy, den toll findest. Bin auch sehr gespannt darauf was No'e uns als Nächstes bescheren wird, auch wenns wohl noch ne Zeit auf sich warten lässt.

13.05.2019 21:19 Uhr - TheRealAsh
2x
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Anscheinend soll da ja Ende des Jahres eine Art Omnibus-Film nachfolgen mit dem Titel Psyché.

Ob das allerdings stimmt, weiß ich nicht. Freuen würds mich😅

13.05.2019 21:31 Uhr - Intofilms
3x
„Climax“ fand ich enttäuschend. So gut die erste Filmhälfte noch ist (und die ist wirklich überragend!), so anstrengend und zermürbend empfand ich dann die zweite Hälfte. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, die Sichtung nicht einfach abzubrechen. Mir war das alles too much: blaues Licht, rotes Licht, gar kein Licht, die extremen Blickwinkel der Kamera... Ich finde, man kann dieses Spielen, Herumexperimentieren mit der Optik auch entschieden übertreiben. Auch die Figuren fand ich dann nur noch nervig. Mein Fazit: Großartige Independent-Filmkunst zu Beginn, dann, ziemlich genau zur Filmmitte, werden die Credits eingeblendet, die zweite Hälfte läuft an und qualitativ geht's ab hier nur noch bergab. Sorry, gar nicht mein Film.
Die letzte wirklich gute, rundum gelungene Arbeit des Regisseurs ist meiner Meinung nach „Enter the Void“.
Sehr gute Review jedenfalls! 👍

14.05.2019 00:10 Uhr - kokoloko
2x
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Starke Review, von mir gibts für dieses Meisterwerk einen bis zwei Punkte mehr. <3

14.05.2019 16:13 Uhr - cecil b
1x
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Als großer Fan von Irreversible und Enter the Void bin ich dazu verpflichtet, auch die weiteren filmischen Extreme von Noe zu genießen. Egal, wie seltsam die sind. ;)

Review: Hab gestern Cruel Hidez angeschrieben, dass der dich mal hochstufen kann, bei den Reviews. Schon geschehen, wie ich lesen konnte. . :)

14.05.2019 18:23 Uhr - Obi Wan
2x
Nach der Enttäuschung LOVE und dem nichtssagenden CLIMAX Trailer hielt sich meine Vorfreude in Grenzen... Trotzdem muss auch der neue Noé in die Filmsammlung, ist ja klar. Bereits die Anfangsszene nimmt dich gefangen und lässt dich nicht mehr los. CLIMAX ist vielleicht kein 10 Punkte Meisterwerk - davon hat der Meister sowieso schon 3! - sondern "nur" sehr sehr gut... 9 von 10 von mir.

Nach deiner exzellenten Filmkritik bekommt man sofort Lust die Blu-ray ein zweites mal in den Player zu schmeißen...

14.05.2019 19:01 Uhr - The Machinist
2x
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Erfahrungspunkte von The Machinist 372
Auch hier vielen Dank!

@Ash: Cool, das wusste ich garnicht. Wäre schon geil, Climax hat er immerhin innerhalb von 2 Wochen gedreht.

@Intofilms: Danke für dein Lob, kann deinen Standpunkt nachvollziehen. Gaspar Noe ist eben einer dieser Regisseuere dessen Werke man nur lieben oder hassen kann, was denke ich mal, auch so von ihm beabsichtigt ist.

@kokoloko: Freut mich, dass er dir sogar noch besser als mir gefallen hat.

@Obi Wan: Ja, will ihn demnächst auch noch mal sichten, evtl. auch mal wieder die anderen Filme von Noe.

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