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Nubret
Level 9
XP 1.049
Eintrag: 03.05.2019

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Bübchen

Herstellungsland:Deutschland (1968)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama
Alternativtitel:Kleine Vampir, Der
Little Vampire

Bewertung unserer Besucher:
Note: 10,00 (1 Stimme) Details
eine kritik von nubret:

Eine graue Vorstadthölle nahe der Metropole Hamburg. Man schreibt das Jahr 1968. Die goldenen Zeiten des Wirtschaftswunders neigen sich ihrem Ende zu, die scharenweise durch die Straßen tollenden Kinder zeugen vom Babyboom der vergangenen Jahre. Doch der Alltag ist trostlos.

So auch für den kleinen Achim (Sascha Urchs), der mit seinen Eltern (Sieghardt Rupp/Edith Volkmann) und seiner einjährigen Schwester Kathrinchen in einem kleinen Haus wohnt. Zwischen ihm und seiner Familie findet kaum eine Kommunikation statt. Der malochende Vater und auch die Mutter sind dem Alkohol sehr zugetan. Man vergnügt sich daher lieber mit den ebenso gestrickten Freunden, als sich  mit den Kindern abzugeben. Der in sich gekehrte Junge ist oft alleine auf einem Schrottplatz unterwegs, von dem er allerlei ausgediente Utensilien per Bollerwagen mit nach Hause nimmt. Damit baut er sich in seinem Zimmer seine eigene kleine Welt.

Als die Eltern eines Tages eine Karnevals-Veranstaltung besuchen, wird Monika (Renate Roland), die Tochter eines befreundeten Paares, als Babysitter engagiert. Der langsam flügge werdende Teenager trifft sich jedoch mit seinem heimlichen Freund, weshalb Achim und Kathrinchen bald alleine zu Hause sitzen.

Der gelangweilte Junge trägt seine Schwester nach draußen, spielt mit ihr und macht danach ein paar Fotos. Irgendwann nimmt er eine Plastiktüte und zieht sie dem Mädchen über den Kopf. Das Kind erstickt. Mit seinem Bollerwagen, verborgen unter einem Berg Gerümpel, transportiert er sein Opfer zum Schrottplatz. Dort versteckt er Kathrinchens Leiche im Kofferraum eines Autowracks.

Nach der Rückkehr der Eltern spielt Achim den Ahnungslosen. Eine fieberhafte Suche nach dem Mädchen beginnt. Sogleich verdächtig erscheint Otto (Jürgen Jung), der Freund von Monika. Denn um ihre Beziehung zu verheimlichen leugnet diese, an jenem verhängnisvollen Nachmittag mit ihrem Liebhaber zusammen gewesen zu sein. Aber auch Achim gerät bald ins Raster des Kriminalkommissars (Ulrich Beiger).

Doch es ist der Vater, der schließlich hinter das schreckliche Geheimnis kommt. Obwohl ihn die Tat schockiert, fasst er einen Entschluss, der fast so ungeheuerlich ist wie die Tötung selbst.

 

Roland Klicks erster Langfilm ist wahrlich ein harter Brocken, den man nur schwer verdauen kann. Allein schon die Thematik selbst sorgte ihrerzeit für einen Sturm der Entrüstung, aber BÜBCHEN geht noch einen Schritt weiter. Denn der Zuschauer erfährt bis zum Ende nicht, warum der Junge seine Schwester getötet hat. War es Eifersucht, ein Hilfeschrei, oder ist Achim einfach nur abgrundtief böse? Oder war es gar nur ein Unfall, weil der unbedarfte Junge nicht wusste, was passiert, wenn man jemandem eine Plastiktüte über den Kopf zieht? Immerhin waren diese zu jener Zeit noch relativ neu. All diese Fragen werden bewusst nicht beantwortet, was natürlich für das damalige Publikum völlig unverständlich und auch unentschuldbar war. Aber auch für die heutigen Betrachter ist diese Ungewissheit quälend, nahezu unerträglich.

Ebenso bedrückend ist die  teilnahmslose Suche der Eltern nach Kathrinchen, die trotz dem ungewissen Schicksal ihres Kindes ihren Alltag fast unverändert fortführen. Man hat den Eindruck, die ganze Situation sei ihnen sogar peinlich, wobei man mühevoll versucht, die langsam bröckelnde Fassade der intakten Familie aufrecht zu erhalten. Da wundert es kaum noch, daß die Frage, wer denn nun Schuld an Kathrinchens Verschwinden sei, plötzlich wesentlich bedeutungsvoller erscheint als die Frage nach dem Schicksal des Mädchens an sich.

Besonders gut gelungen ist Klick der Blick auf das Arbeitermilieu der späten Sechziger, geprägt von Spießertum, Genusssucht und sozialer Kälte. Seinen Figuren lässt er dabei genug  Raum, um auch für das Publikum greifbar zu erscheinen.

Besonders erwähnenwert ist indes die Leistung des kleinen Sascha Urchs, die beeindruckender fast nicht sein kann. Er verkörpert den in sich gekehrten, fast schon mysteriös wirkenden Jungen derart gekonnt, daß es einem zeitweise einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Irgendwie erinnert er mich in seiner stillen Art, und auch optisch, an den kleinen Danny aus THE SHINING. Wer weiß, vielleicht hatte selbst Kubrick damals das Glück, diesen ziemlich in Vergessenheit geratenen Film sehen zu dürfen.

Des Weitern überzeugt vor allem Sieghart Rupp als trunksüchtiger Vater, der krampfhaft versucht, sein wackliges Familienkonstrukt zusammenzuhalten. Nett anzusehen ist auch die quirlige Renate Roland als Monika, die für ihre Leistung das Filmband in Gold als beste Nebendarstellerin erhielt.

Verhoeven-Kameramann Robert van Ackeren steuerte die passenden Bilder bei, die den Zuschauer in eine trostlose, herzlos anmutende Vorstadttristesse entführen und der düsteren Grundstimmung durchaus dienlich sind. Die gelungene, aber äußerst dezente musikalische Untermalung, von Klick selbst beigesteuert, bewegt sich die gesamte Laufzeit über im Hintergrund und wird passenderweise nur sehr minimalistisch eingesetzt.

Erwähnt werden sollte außerdem noch, daß die Innenaufnahmen des Films in Roland Klicks Elternhaus entstanden sind. Selbige wurden mit 20.000 DM auf Weltreise geschickt und das Haus drehortgerecht umfunktioniert. Nicht jedoch, ohne es vor der Rückkehr der alten Klicks wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.

Mit BÜBCHEN ist Roland Klick jedenfalls ein Film gelungen, der auch heute noch nachhaltig verstört und den Zuschauer noch lange beschäftigt. Die quälende Frage nach dem Warum? bleibt dabei für den Zuschauer und die beteiligten Charaktere unbeantwortet. Aber genau das macht diesen Film so einzigartig. Klick verurteilt nicht, Klick versucht nicht, das Handeln seiner Figuren zu erklären. Er folgt ihnen schweigend und kommentarlos, und überlässt jegliche Interpretation seinem schockierten Publikum. Und so etwas wie vordergründige Spannungseffekte und billige Sensationsmache hat er dabei natürlich nicht nötig. Ein Film, der einen frösteln macht.

 

 

Von mir ganz klar die Höchstwertung.

 

10/10
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Kommentare

03.05.2019 22:07 Uhr - sonyericssohn
2x
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User-Level von sonyericssohn 18
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 6.004
Tja, jetz hab ich's begriffen: So viele Filme kennt man dann doch ned wie gedenkt.
Interessant präsentiert. Ob's nun mein Beuteschema bedient lass ich mal dahingestellt...

Gute Arbeit Nubi !

03.05.2019 22:19 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.049
Danke, lieber Sony!

Kenne zwar vieles, habe aber auch noch die ein oder andere Lücke zu schließen. Dieser hier ist wirklich sehr speziell und hat mit Unterhaltungskino recht wenig zu tun. Dennoch (oder gerade deswegen?) hat er mich regelrecht umgehauen.

04.05.2019 00:03 Uhr - Punisher77
2x
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 13
Erfahrungspunkte von Punisher77 2.996
Der Film ist wohl in der Tat ein harter Brocken, aber gerade deswegen scheint der Film interessant zu sein. Was mein Interesse zusätzlich steigert, ist die Teilnahme von Siehardt Rupp, den ich aus Italowestern wie "Für Eine Handvoll Dollar" kenne. Danke für den in ein tolles Review verpackten Tipp!

04.05.2019 00:11 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.049
Gern geschehen, Puni! Sieghardt Rupp find ich auch klasse. Und der Film ist tatsächlich nicht leicht zu verdauen. Aber genau das ist auch seine Essenz.

04.05.2019 01:19 Uhr - Intofilms
1x
Ich sehe hier tatsächlich gewisse Parallelen zu Michael Myers und „Hallowen“: die unzuverlässige, weil mit ganz anderen Dingen beschäftigte Babysitterin, der Knabe, der zum Schwestermörder wird und dessen Beweggründe völlig im Dunkeln liegen, und natürlich Karneval/Halloween, an dem das Grauen sich ereignet...
Würde mir wahrscheinlich auch sehr gut gefallen, genau wie „Supermarkt“. Hervorragende Vorstellungen, many thanks again! ;D
PS:
Ich hab‘s ja so mit Titeln. Und „Bübchen“ ist einfach total klasse. Dahinter kann sich ja nur Schreckliches verbergen...

04.05.2019 01:43 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.049
Da hast Du recht, Into. Ich denke, daß auch Du von diesem Teil gehörig durchgeschüttelt wirst..

04.05.2019 07:05 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 13
Erfahrungspunkte von dicker Hund 2.739
Hört sich ein wenig wie "Benny's Video" an. Könnte mir "gefallen". Für die Rezi brauche ich da keine Anführungszeichen.


04.05.2019 08:57 Uhr - The Machinist
1x
User-Level von The Machinist 3
Erfahrungspunkte von The Machinist 190
Vor ein paar Tagen gesehen, dass der auf Blu-ray kommt. Wer weiß, vielleicht riskier ich mal einen Blick.

04.05.2019 09:04 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.133
Danke für die delektable Review, die mir ja unmissverständlich zeigt, dass ich mir den hole, dank dir!!!

04.05.2019 11:04 Uhr - Nubret
2x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.049
Danke, Freunde!

@dicker Hund: Von "gefallen" kann tatsächlich keine Rede sein. Aber Deinen Geschmack könnte er durchaus treffen.

@The Machinist+TheRealAsh: Schön, daß ich Euer Interesse wecken konnte. Aber seid gewarnt! Klicks Film ist weder schön, noch unterhaltsam im eigentlichen Sinne. Vielmehr ist er eine unangenehme Erfahrung, die nur für den aufgeschlossenen Filmfreund geeignet ist.

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