SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Elden Ring · Erhebt Euch · ab 57,99 € bei gameware Horizon Forbidden West · Eine postapokalyptische Welt · ab 74,99 € bei gameware

Evil Ed

Herstellungsland:Schweden (1995)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Komödie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,09 (43 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nachdem der verwirrte Cutter blutrünstiger Horrorfilme einen Nervenzusammenbruch bekam, wird er durch Edward Svensson ersetzen. Der hat aber nur Schnitterfahrung mit Kunstfilmen. Jetzt muß er die schlimmsten Szenen aus einigen "Splatter"-Filmen herausschneiden, damit diese nicht indiziert werden. Edward ist ein sauberer, ordentlicher und normaler Mensch. Jede Nacht arrangiert er mit behandschuhten Händen seine Stifte in einer ordentlichen Reihe auf seinem Schneidetisch. Die Stifte sind die ersten Anzeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Eine eigenartige, furchteinflößende Verwandlung geschieht mit Edwards Persönlichkeit.
Er bekommt plötzlich Wahnvorstellung und "sieht" ... entstellte Gesichter. Verstümmelte Arme und grässliche Monster lauern im Kühlschrank! Bald werden die Filme, die ihn früher abschreckten, lebenswichtig für ihn. Er ist total süchtig danach! Und Edward verwandelt sich - in den bösen Wahnsinnigen Ed... (HDMV DVD-Cover)

eine kritik von dicker hund:

Wie so oft bei abseitigen Titeln, war auch der 1995er Schwede "Evil Ed" ein Langfilmdebut, hier von Anders Jacobsson. Der mit Abstand interessanteste Aspekt seines Werkes ist die Grundidee, einen für die Zensur von Extremkino zuständigen Cutter durch den Konsum der ganzen Schocker dem Wahnsinn anheimfallen zu lassen. Dadurch kommt die herrliche Ironie zustande, ausgerechnet in einem Fun-Splatter gerade jene Persönlichkeitsstörungen zu inszenieren, die etliche pseudowissenschaftliche Beiträge insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland als wahrscheinliche Folgen der Sichtung der verpönten Genreproduktionen postuliert hatten.

Angemessen durchgeknallt gibt sich in der Hauptrolle Johan Rudebeck, der die geistige Entgleisung des Protagonisten trotz gelegentlich übertriebenen Overactings unterhaltsam mimt. Gerät sein Verstand ins Schlingern, düst die Kamera im Gefolge in bester "Tanz der Teufel"-Manier herum. Seine stärksten Momente hat der an den Originaltitel des zitierten Raimi-Klassikers angelehnte "Evil Ed", wenn zu diesen Stilmitteln auch noch maskenbildnerische Höhenflüge hinzutreten. Eine Figur in einer Zwangsjacke sieht regelrecht zum Fürchten aus, okkulte Wandlungen zu gehörnten Gestalten sorgen für angemessene Horrorschübe (5/10). 

Ganz so ernst gemeint ist das alles natürlich nicht. Ständig werden garantiert absichtlich gewählte Namen aus als jugendgefährdend gebrandmarkten Vorbildern gerufen, indem etwa der Boss "Mr. Campbell" und der ehemalige Schneideraumspezialist "McClane" genannt werden. Diverse Plakate wie zum Beispiel von "Kap der Angst" sorgen für weitere Querverweise. Das führt zwar noch nicht zu kontinuierlichem Humor (6/10), aber doch zu öfter witzigen Momenten, zumal den Akteuren nicht selten groteske Zeilen in den Mund gelegt sind.  Ob diese Momente gelungen sind, steht natürlich woanders geschrieben. Manche  Absurditäten machen sicherlich Spaß:

"Die Bibervergewaltigungsszene kommt wieder rein!"

Andere Witzeleien klingen eher anstrengend, da sie einfach zu plump geschrieben sind in den Dialogen, die ohnehin nicht gerade der Oberliga der Lyrik entstammen. Stehen sie für sich, sind sie für kleinere Längen verantwortlich, wenn etwa das Telefonat mit der Ehefrau ohne jeden (Gegen-) Schnitt heruntergesprochen oder Geknutsche in bester "defekter Plattenspieler"-Manier wiederholt ins Bild gerückt wird. Da ist man froh, dass an dem ausgelagerten, ziemlich gruseligen Arbeitsplatz-Haus in der Vorstadt bald wieder die Halluzinationen Einzug nehmen und das dort enthaltene, ein wenig zu schlicht und billig aussehende Interieur mit Übernatürlichem aufwerten, welches dem verwirrten Geist des zu dem undankbaren Job gedrängten Mannes entspringt.

"Sie sind ganz schön verändert, wissen Sie das?"

Schnipsel der beanstandeten Reihe "Loose Limps" Teil 1 bis 8, die ohne die Bevormundungsschnitte in vielen europäischen Ländern nicht exportfähig wäre, enthalten denn auch angemessen Gewalt (7/10) und Nudity (Sex 3/10). Wenn sie nun den armen Rezipienten wider Willen beschallen, entstehen dadurch in seiner Wahrnehmung heftige Paralleleindrücke, so dass ähnlich wie in "Nightmare Concert" eine ganze Reihe blutiger Effekte gezeigt werden können. In deren Umsetzung ist viel Kompetenz geflossen, die auch dem Score aus genretypischem Instrumentalgeschauer und fröhlichem A Cappella nachgesagt werden darf.

Diese kleine Filmperle (7/10 Punkten) weiß durch satte Blutstöße, zitatreiche Randnotizen, einfallsreiche Trugbilder und eine herrlich sarkastische Geschichte zu gefallen. Leider verliert sie bezüglich letzterer im Verlaufe der Spielzeit den roten Faden, den sie in einer themafremden Actionpassage zerfransen lässt. Das geringe Budget und die nicht immer gelungenen schauspielerischen Leistungen - mühsam anzusehen ist unter anderem Per Löfberg als der Nerd Nick - tragen erschwerend dazu bei, dass das riesige Potential nicht ausgeschöpft wird und dadurch noch reichlich Luft für ein Remake vorhanden wäre. Die BPjM hat den hierfür hilfreichen Spaß verstanden, indem sie vorletztes Jahr die Indizierung für desillusioniert erklärt hat. 

7/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Matrix
dicker Hund
9/10
Martyrs
dicker Hund
10/10
Manson
dicker Hund
7/10
die neuesten reviews
Million
VelvetK
9/10
Matrix
dicker Hund
9/10
Bloodthirsty
cecil b
5/10
Scream
Nightmareone
8/10
We
Dr. Kinski
8/10

Kommentare

13.06.2019 11:49 Uhr - sonyericssohn
2x
Moderator
User-Level von sonyericssohn 21
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 9.388
Das war damals einer dieser Streifen die ungefähr jeden zweiten Tag liefen. Hat Spaß gemacht........... damals.
Mir is der heute viel zu langatmig und plump. Die Effekte können sich aber noch sehen lassen.

Feine Begutachtung Edith äh Hund ;-)

13.06.2019 11:59 Uhr - Intofilms
1x
Wunderbare Rezi! Von mir noch ein Pünktchen mehr. „Evil Ed“ will einfach nur Spaß machen und das gelingt ihm ganz hervorragend. Ein Film von Horrorfilmfans für Horrorfilmfans mit wirklich tollen EFX. ;D

13.06.2019 12:15 Uhr - Mr.Tourette
2x
User-Level von Mr.Tourette 2
Erfahrungspunkte von Mr.Tourette 63
Ironie und True Story on: Als ich vor ca. 20 Jahren bei der geschnittenen Version zugegriffen habe, habe ich mich zum ersten Mal mit der FSK und dern "Leistungen" beschäftigt müssen. Seit dem wusste ich, dass in Deutschland Zensur unter dem Deckmantel des Jugendschutzes betrieben wird. Danach die ungeschnittene Version besorgt und von da an paranoid recherchiert, welche Versionen von Filmen geschnitten sind.

Ich hätte gerne einmal die Bibervergewaltigungsszene gesehen und einen Teil der "Loose Limbs" Reihe :D

Schöne Review, kann der Wertung nur zustimmen, wobei der "böse Eddie" immer einen speziellen Platz in meinem Herzen haben wird.

13.06.2019 19:22 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.125
Damals einmal gesehen und kaum noch Erinnerungen an dieses Teil. Aber ich glaube, der hat mir gefallen. Muss ich mir mal anschaffen..

13.06.2019 19:23 Uhr - The Machinist
1x
User-Level von The Machinist 8
Erfahrungspunkte von The Machinist 861
Von mir einen Punkt weniger, da der meines Erachtens auch sehr langatmig anmutet.
Als Fan der Materie kann man sich den aber gut und gerne anschauen, der hat schon seine Highlights.

Besitze selbst die Extended Version von Arrow Video.

Ansonsten, Top Rezension.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)