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Raging Fury

Originaltitel: Hell High

Herstellungsland:USA (1986)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,20 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der eiskalte Hauch des Schreckens

Eine junge amerikanische High School - Lehrerin wird von ihren Schülern bis aufs Blut gequält. Ihre Rache ist grausam und gnadenlos, denn sie verbirgt ein teuflisches Geheimnis ... (Splendid VHS-Cover)

eine kritik von cecil b:

 

Verdammt! Wieso ist RAGING FURY noch nicht ungeschnitten auf deutscher Sprache erschienen? Dieser Horrorfilm verbindet die Grundsätze eines Slashers und des Giallo, geht in Richtung Rape and Revenge, und vermischt dabei zum Teil durchaus effektiv makaberen Humor mit heftiger Dramatik. Trash trifft auf bittere Härte, Klischees auf Sinn und Verstand. Es handelt sich um die einzige Regie-Arbeit von David Grossman, die er großenteils auch selbst produzierte, und für die er zusammen mit einem eher unbekannten Schreiber auch das Drehbuch schrieb.

 

 

Dass die Klischees und die Figuren bewusst überzeichnet sind, und Ironie dabei ihren Platz hat, steht eher zwischen den Zeilen. Raging Fury bleibt dem Standard eines Slashers treu, indem ein blutiger Anfang den Spannungsbogen in die Gänge leiten soll. Ein Mädchen im rosa Kleidchen, ein Püppchen in der Hand, und mit einem Lied auf den Lippen. Eine unangenehme Erfahrung, in Bezug auf Sexualität, und dann eine Szene, die auch aufgrund ihrer Härte und Kuriosität dafür sorgen kann, dass die Augen aufgerissen werden, und sich die Mundwinkel in den oberen Bereich ziehen. Herrlich makaber. Der 'geübte' Horrorfan kann aber vorhersehen, wie die Folgen des Traumas ihren Lauf nehmen. Aber wie das geschieht, das ist entscheidend. RAGING FURY ist zwar eine Art Exploitationsfilm, aber der Horror verlässt das langweilige Prinzip vieler Slasherfilme, nur durch Effekthascherei zu unterhalten. Zum Beispiel sind die bedeutenden Figuren im Endeffekt nicht eindimensional.

Die Knallchargen der Highschool entsprechen so einigen Klischees, vorerst auch die wichtigsten Figuren im Teenageralter, mehr oder weniger Punks, die fast an DIE KLASSE VON 1984 erinnern. Smiler ist deutlich adipös, er schnabuliert gern, neckt andere Schüler, und, wie es der Name schon sagt, er grinst fast immer. Ihm wird das Lachen noch vergehen. Jason Brill (Office Killer) spielt seine Rolle treffend, hohe Erwartungen kann man da aber nicht haben. Dickens ist ein sehr provokanter, bedrohlicher, gefährlicher und chauvinistischer Arsch, der sich einen Spaß daraus macht, mit Regeln zu brechen. Ihm wird das Lachen noch vergehen. Christopher Styker (Welcome Back, Kotter, schon 1987 an AIDS gestorben) spielt den Rebellen wirklich gut, weil es ihm gut gelingt, auch leise die Verletzlichkeit des Widerlings zu zeigen. Queenie ist selbstbewusst genug, um auch 'ihren Kerlen' die Grenzen zu setzen, und sie ist kein Arsch. Der jungen Frau wird das Lachen noch vergehen. Diese Figur, hart und zart, habe ich Millie Prezioso (Disco Fever) durchgehend abgenommen. Jon-Jon war ein wichtiges Mitglied des Highschool--Football-Mannschaft, wird aber aus der Gemeinschaft der 'coolen' Normalos ausgeschlossen, als er nicht mehr mitspielt. Ein gefundenes Fressen für Dickens, der den neuen Außenseiter unter seine Fittiche nimmt, und weiß, diesen zu desozialisieren. Jon-Jon hat aber ein eigentlich eher ruhiges Wesen, er ist ein lieber Kerl, der es gar nicht so böse meint. Christopher Cousins (2 Auszeichnungen für Caretakers) spielt den naiven Jüngling, der mit der Zeit darauf erprobt wird, ob er ein Rückgrat hat, verdammt gut. Maximal Jon-Jon kann als Identifikationsfigur funktionieren, wobei er dabei dann doch etwas zu naiv, dämlich und leicht zu beeinflussen ist, als dass man sich in ihm wiederfinden möchte. Es ist aber nicht so, dass einem dadurch das Schicksal der Figuren kaltlässt. Auch wenn das Verhalten einiger Figuren deutlich als böse gekennzeichnet wird, werden auch Gründe für deren Handeln angeschnitten. Hinter dem rebellischen Verhalten versteckt sich oft ein geringes Selbstbewusstsein, oder eine Hilflosigkeit. Und es gibt noch einen weiteren Punkt, der Raging Fury inhaltlich interessant macht. Der psychosexuelle Anteil, der beim Slasher und dem Giallo ja oft eine große Rolle spielt.

Wie so üblich, sind die jungen Männer fast alle notgeil und sexistisch, nur Jon-Jon macht dabei eine Ausnahme. Das psychosexuelle Trauma der Lehrerin, wird mit dem meist sexuell orientierten Verhalten zwischen den jungen Männern und Frauen in Verbindung gebracht, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann beide Seiten heftig aufeinander prallen. Die sexuellen Intentionen und Perspektiven gehen in entgegengesetzte Richtungen, und werden dann brutal miteinander konfrontiert. Die Idee, dass die Teens dabei in den Mittelpunkt gestellt werden, und die Lehrerin, die sie angehen werden, aus deren Sicht vorgestellt wird, hat ihren Reiz. Miss Brooke Storm ist eine äußerst gut aussehende Frau, und man kann sich fast darüber ärgern, wie platt sie von den Teens sexualisiert wird. Aber, der Zuschauer wird so praktisch dazu gezwungen, diese Figur zu sexualisieren, wodurch er sich geradezu erwischt fühlen kann, wenn der Horror mit Frau Storm losgeht. Ihre Figur wird allerdings wirklich mit simpelster Psychologie dargestellt, das muss man schon sagen. Abwegig ist diese jedoch nicht. Maureen Mooney (TV-Darstellerin, z. B. The Doctors) kann als überfordertes Mauerblümchen recht gut agieren, wenn es ihr ans Leder geht, und sie dann im Gegenzug die Messer wetzt, dann spielt sie mit einer erschreckenden Energie.

Man wird Zeuge von einer tragischen Entwicklung, die da zwischen den Teens und der Lehrerin stattfindet. Die persönlichen Dramen beider Seiten werden losgelöst, und die Position, die die Figuren in der Gesellschaft haben, werden mit einem Schlag zerschlagen. Unwiderruflich. Peu à peu wird ein Inferno entfesselt, das von niemanden mehr aufzuhalten ist. Wobei in Raging Fury nicht immer klar zu definieren ist, wer die Schuld an dem grausamen menschlichen Versagen hat.

Eigentlich hat RAGING FURY die besten Voraussetzungen, um aus üblichen Horrorklischees mehr zu machen, als es den meisten Filmen dieser Art bisher gelungen ist. Drama und schwarzer Humor unterhalten gut, bis es dann im letzten Teil des Films recht heftig wird. Aber, wen muss man dafür lynchen, dass gerade in diesem Teil unglaubwürdige, unrealistische, und nur für die Metaphorik künstlich erdachte Szenen ärgern? Warum? Die Metaphorik ergibt Sinn, wie bei einem Dario Argento, aber ein paar Szenen funzen nicht, und ein Teen verhält sich in einer Szene zu doof! Schade, dass dies dann auch das Ende madig macht, das doch eigentlich so herrlich böse differenziert ist. Also, die Story ist gut, der dramaturgische Aufbau ist wirkungsvoll, aber das Drehbuch hat unverzeihliche Schwächen. Der Horror ist vor allem durch die Dramatik spannend, aber, der lebt ja auch von der Darstellung des Grauen.

Der poppige Synthesizer-Punkrock ist für jeden akzeptabel, der sich auf Filme aus den Achtzigern einlassen kann, aber so ein schöner Horror-Punk, wie er in Return of the Living Dead zu hören ist, der ist in RAGING FURY eher weniger im Programm. Dafür können äußerst düstere, langgezogene Klänge, mit Gothik-Industriel-Touch im richtigen Moment eine schön bedrohliche Atmosphäre aufbauen. Die musikalische Begleitung stammt von Chris Hyam Hart ( Stephen Kings Regiedeabüt Maximum Overdrive) und Rich Macar (auch Maximum Overdrive, John Wick).  Grossman konnte mit der Hilfe von Kameramann Steven Fierberg (ASC Award für Attila) immer funktionelle Perspektiven dafür finden, die Teens in der Highschool oder ganze Schwärme von Backfischen auf dem Footballspiel-Feld einzufangen. Die relevanten Beziehungen, die die Figuren zueinander haben, oder brenzlige zwischenmenschliche Situationen, werden durch die Halbtotale so nah am Mann dargestellt, dass es einem hier und da schon mulmig werden kann. Der Horrorfan wird sich natürlich wohlfühlen, wenn Abläufe in die Sümpfe verlegt werden, die auch in der Nacht mit einer soliden Beleuchtung eine schön undurchsichtige Dunkelheit darstellen. Das Schilff, das dort weit ausgebreitet ist, hätte allerdings noch mehr Potenzial für einen schwer übersichtlichen Schauplatz gehabt. Die Schnitte von Greg Sheldon (Queen Rock Montreal & Live Aid) und Claire Simpson (Der ewige Gärtner) lassen die verschiedenen Perspektiven nicht unbedingt immer harmonisch ineinander fließen, aber manchmal sind die Einstellungen gerade dadurch wirksam, weil dann auch narrativ ein Wechsel stattfindet, der explosiv sein soll, und nicht subtil. Das dargestellte Trauma der Lehrerin wird sinnvoll für diese Figur einschneidend, für den Zuschauer durch plötzliche Einspieler wirksam, als Horror eingesetzt. Wenn Frau Storm so richtig wütend ist, wird die sportliche, durch eine gute Choreographie geleitete, Lehrerin, mal zu einem wieselflinken, gefährlichen 'Tier'. In manchen Szenen wird sie von dem Boden aus fokussiert, ihr Blick ist dann wahnsinnig aggressiv. Aber, gerade die wichtigsten und eigentlich besten Szenen, die das Kunstblut fließen lassen, haben dann die bereits benannten Schwächen, inhaltlich, oder auch inszenatorisch. Ein finaler Kampf ist nicht nur schlecht geschnitten, er verläuft unglaubwürdig, und anatomisch hätte da das Kunstblut in rauen Mengen fließen müssen. Trotzdem, keine dumme Szene, sie erinnert wirklich an Dario Argentos teilweise metaphorischen Metzeleien, und kann in diesem Sinne überzeugen. Etwas Action gibt es auch, durch Verfolgungsjagden mit schnellen Reifen. Nicht übel, das kleine Spektakel, was da auf dem Asphalt stattfindet.

 

 

RAGING FURY ist ein Horrorfilm den ich Fans empfehle. Die Ideen sind aus bekannten Vorgängern zusammengeklaubt, aber sie sind gut durchdacht zusammengefügt. Der Film hebt sich ein wenig von dem typischen Horror seiner Zeit ab, da das Drama und die Figurenzeichnung nicht unerheblich sind, wodurch die Dramatik auch den Horror untermauert. Inszenatorisch wird das Meiste richtig gemacht. Verdammt schade ist es da, dass narrativ und dramaturgisch bedeutende Szenen manchmal unklug oder unglaubwürdig verlaufen, und dann auch mal die Fähigkeit von Regisseur Grossman Pause hat. Einer dieser Filme, bei dem man schreiben kann: Was hätte das werden können (Grrr!) ! Ich bleibe allerdings dabei, dass es sich lohnt, RAGING FURY zu gucken, und ich will ich will ich will diese kleine Horror-Perle mit Potenzial ungeschnitten auf deutscher Sprache haben!

 

 

7/10
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Kommentare

22.05.2019 21:05 Uhr - sonyericssohn
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Erfahrungspunkte von sonyericssohn 9.653
Hm, also wenn ich das Cover als einziges nehme, würde das Teil vermutlich mit Schmackes an mir vorbeirauschen. Das geschriebene, deine Feder, lässt mich hinterherrufen "Komm zurück !"

Ich halte mal meine müden Augen offen. Merci !

22.05.2019 21:30 Uhr - cecil b
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Ein kreativer und erfreulicher Kommentar, sony. :)

Das Cover macht mehr Spaß, als die anderen von diesem Film! Der ist trashig wie das Cover, aber auch nicht dumm, und gar nicht ohne, fand ich.

Hab ja mal gelesen, dass manches gerne mal gefeiert wird. Hab gerade gesehen, dass dies meine Review NR. 500 ist. https://www.youtube.com/watch?v=ee4MAleAIIw

22.05.2019 21:43 Uhr - TheRealAsh
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Herzlichen Glückwunsch zum 500sten!

Das leichtbekleidete Mädchen auf dem Cover reicht mir nun auch weniger, aber deine Review mit dem poppigen Synthie-Punkrock und dem Tipp für Argento-Fans in Light-Variante reizt mich dann doch für eine Sichtung.

Keep on rockin!

22.05.2019 21:45 Uhr - dicker Hund
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Herzlichen Glückwunsch zum 500. Jubiläum auch von mir!

Würdige Rezi zu tollem Anlass.

Vielleicht gibt es ja bald eine deutsche VÖ als Geschenk - aus Dankbarkeit für diese feierliche Hervorhebung eines Films aus den hinteren Reihen...

22.05.2019 21:49 Uhr - cecil b
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Moderator
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Erfahrungspunkte von cecil b 7.239
FROI! Danke, dicker Hund und TheRealAsh!

Und Morgen versuche ich mir die Zeit zu nehmen, Lektüren der letzten Tage zu lesen.

24.05.2019 06:15 Uhr - Nubret
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Von mir auch alles Gute!

Schöne Kritik zu einem Film, der mich jetzt wirklich brennend interessiert. Danke, Sir!

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