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TheRealAsh
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Eintrag: 25.05.2019

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John Wick: Kapitel 3

(Originaltitel: John Wick 3: Parabellum)
Herstellungsland:USA, Marokko (2019)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Krimi, Thriller
Alternativtitel:John Wick 3
John Wick: Chapter Three
John Wick: Kapitel Drei

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,74 (23 Stimmen) Details
inhalt:
Auftragskiller und Sportwagen-Liebhaber John Wick macht sich bereit für den Krieg. Nach seinem Regelbruch in JOHN WICK: KAPITEL 2 ist ein Kopfgeld von 14 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Wick ist zum Abschuss freigegeben, was gnadenlose Kopfgeldjäger auf den Plan ruft. Er verlor zwar jegliche Privilegien der Geheimgesellschaft, hat als Ausgestoßener aber einen entscheidenden Vorteil: Es gibt keine Regeln!
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

ANGRIFF AUF DIE PATRIARCHALE ORDNUNG

 

Der 3. Teil des sich mittlerweile zum Franchise gemauserten John Wick gibt sich als Action-Film im Gewande eines Mystery-Thrillers, der oberflächlich die Geschichte des Hitman John Wick erzählt, der sich eigentlich zur Ruhe setzte und heiratete. Da seine Frau allerdings an einer schweren Krankheit verstirbt, gerät er aus ein paar irrwitzigen Absichtlichkeiten, die einen gestohlenen Fort Mustang und einen ermordeten Hund beinhalten, wieder in den Sog des Verbrechens, das in der hiesigen fiktiven Welt nicht nur mafiös, sondern schon fast großstaatlich und sogar weltweit verkammert erscheint und in dem es klare Regeln gibt, die natürlich unser Held bricht, sonst wäre er ja kein richtiger Held.

Apropos Held: John Wick ist kein gewöhnlicher Held, sondern eher ein metaphysischer Superheld, der von seinen Gegnern oder Gefolgsleuten gerne als "Schwarzer Mann" betitelt wird, oder auch "Baba Yaga", da John wohl russischstämmig ist oder aus Weißrussland kommt. Die Welt, in der wir uns hier also befinden, ist alles andere als real, sondern es gibt satte Action, die eigentlich auf keine Kuhhaut geht und mehr mit Comic-Action zu tun hat.

Idee und Regie stammen von Chad Stahelski, der vom Grundberuf auch Stuntman ist, ebenso wie David Leitch, der mit seinem weiblichen John Wick Atomic Blonde in eine ähnliche Kerbe schlägt und in einem anscheinenden Crossover zwischen diesen beiden Charakteren die fiktive Welt in naher Zukunft erweitert. Hinzu kommt ein ebenfalls angekündigtes Spin-off namens Ballerina, von dem wir - wie ich vermute - die Protagonistin im 3. Teil schon kennen lernen. Abgerundet wird dieses hiermit wirklich breit werdende Franchise mit der ebenfalls angekündigten Serie The Continental, in der es um die New Yorker Dependence einer weltweiten Hotelkette geht, die als fast heiliger Rückzugsort für die Hitmen und Hitwomen gilt, in deren Mauern niemand getötet werden darf. Ob diese Filme kommen, steht noch in den Sternen, aber mit dem Erfolg und Erzählpotentail von Teil 3 darf man gespannt sein. Ein 4. Teil John Wick wurde schon bestätigt und ist bereits inhärent in Teil 3 eingeflochten mit einem immerwährenden to be continued...

Kommen wir zu meiner obig genannten These, dass es sich in diesem oberflächlichen Action-Geballer um einen Angriff auf die patriarchale Ordnung handelt. Das Patriarchat bedeutet die väterliche und männliche Gesellschaftsordnung und deren Machtstrukturen, Regeln, Ordnungen, Normen (etc.), nach denen nicht nur unsere Welt lange Zeit und nach wie vor funktioniert, sondern auch die kriminell-mafiöse Organisation in John Wick. Wo der Ursprung dieser Strukturen in der Filmwelt liegt, das bleibt noch im Unklaren, in Teil 3 führt man uns jedenfalls schon jenseits einer sogenannten "Kammer" nach Marroko, wo es durchaus religiös wird.

Hauptprämisse des 3. Teils ist diese, dass der- oder dienjenige, welche gegen diese patriarchalen Werte des Dienens und Erhaltens verstoßen, exkommuniziert werden und quasi vogelfrei zum Abschuss freigegeben sind - natürlich mit einer entsprechenden monetär lohnenswerten Kaution. Und dieser jemand, der gegen die patriarchale Ordnung verstößt ist unser Metaheld John Wick, der auf heiligem Hotel-Boden einen Mord begangen hat, der gesühnt werden muss, sogar von oberrichterlicher Stelle angeordnet.

Warum aber hat John gegen das väterliche Gesetz verstoßen? Dies beantwortet der 3. Teil zwar noch nicht, aber er zeigt uns, dass hinter dem Gesetz immer noch andere Werte liegen, die da wären: Freundschaft, Identität und vor allem Liebe. Der etwas ins Lächerliche gezogene Grund für die bisherigen Filme, dass es eigentlich nur darum geht, dass ein Hitman durchdreht, weil jemand seinen Hund getötet hat und sein Auto gestohlen, ist nämlich tatsächlich wichtig. Im Auto finden wir sicher ein begehrenswertes Objekt männlicher (wie mittlerweile auch weiblicher) Identität und im Hund finden wir nicht nur die Tierliebe, sondern vor allem die Liebe zu einem Lebewesen, das in erster Linie schützenswert ist und sein sollte. Damit ähnelt es sicher auch einem Kind. Im Hintergrund liegt dann die Liebe des Mannes zu seiner Frau, die nicht ermordet wird, sondern an einer Krankheit stirbt und die der Hinterlassene nicht in einem ewigen Rachefeldzug ähnlich wie Charles Bronson in der Death-Wish-Reihe wiederholen kann, sondern den metaphyischen Helden eher vor die Krise einer Theodizee-Idee stellt, warum es ein (im übrigen männlicher) Gott zulassen kann, dass jemand stirbt, obwohl er oder sie unschuldig ist.

Ich denke, dass es genau um das Spannungsverhältnis zwischen Schuld und Unschuld geht, das in den Filmen um John Wick bisher abgehandelt wird, welches als Haupttriebkraft gegen das organisierte und eben nicht unschuldige Verbrechen gestellt wird. Denn John Wick und seine wirklichen Freunde wie der Bowery King (wie immer super inkorpiert von Morpheus Laurence Fishburne aus der Matrix), Winston (gespielt von Odin Einauge Ian McShane aus American Gods) oder auch Sofia (prägnant gespielt von Catwoman Halle Berry) und noch einige andere stellen die Freundschaft über die Gesetze der "Kammer" und damit der patriarchalen Ordnung.

Besonders bitter wird dies, wenn Hauptgegenspieler Zero (kongenial von Crying Freeman Mark Dacascos verkörpert) gegenüber John seine Ehrerbietung macht und ihm ob seines Tötungstalents und seiner Kampfkunst offenbart, dass sie eigentlich Freunde sein könnten, wenn er nicht den Auftrag hätte, John Wick zu töten. Dass John Wick dafür nur ein müdes Lächeln hat und sagt, dass er mit Zero nichts gemeinsam hat, kann Zero nicht nachvollziehen. Denn für John existieren jenseits der patriarchalen Ordnung noch andere Werte, die er für kein Geld der Welt aufgeben wird, auch wenn er kurzzeitig wieder zu ihr zurückzukehren scheint. Besonders schön zeigt sich das in der Schlüsselszene und dem Turningpoint des Films, nachdem wiedermal jemand einen Hund töten will und letztlich der patriarchalen Ordnung endgültig der Krieg erklärt wird.

Nun denn, genug gesagt, John Wick: Kapitel 3 ist ein hervorragender Meta-Action-Film, der das Ballett-Thema nicht nur im Tanz thematisiert, sondern auch und vor allem in den superb choreographierten Kampfszenen und visuell einen Schritt jenseits macht, zu dem, was sonst so im Action-Kino gezeigt wird. Gerade der finale Kampf zwischen John und Zero ist wie eine Mischung aus dem "Raum der Wünsche" aus Andrei Tarkowskis Stalker (eine Anspielung findet sich im Film) und Bruce Lees unvollendetem Trotzdem-Meisterwerk Game of Death in der Pagode. Soweit zumindest meine Assoziationen.

Wenn uns John Wick etwas lehrt, dann ist es die Bestätigung für andere Werte jenseits von Vaterland und Gesetz einzustehen, Werte, die auf einem humanistischen Weltbild basieren, das der Auftragskiller John Wick freilich in diesem Beruf nie wird umsetzen können.

Also bleibt auf ewig nur die Flucht?

9/10
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Kommentare

25.05.2019 20:47 Uhr - The Machinist
2x
User-Level von The Machinist 4
Erfahrungspunkte von The Machinist 284
Hervorragende Kritik mit sehr interessanten Vergleichen.

War heute selbst im Kino und muss sagen dass John Wick 3 für mich nicht nur der beste Teil der Reihe, sondern auch einer der kinetischsten Actionfilme ist, die ich seit The Raid gesehen habe. Yayan Ruhian und Cecelia Arif Rahman waren ja passenderweise auch dabei.

Ebenfalls 9/10 von mir.

25.05.2019 22:39 Uhr - Intofilms
1x
Großartige Arbeit, Ashley. Vielen Dank für diese unüberhörbare Empfehlung! ;D

25.05.2019 23:03 Uhr - BFG97
2x
Moderator
User-Level von BFG97 12
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Ich komme gerade aus dem Kino und gerade erst wieder zu Atem, als ich deine geniale Review zu diesem hervorragenden Actionfilm sehe und selbstverständlich sofort lese^^
Ich kann dir in jedem einzelnen Punkt zustimmen und vergebe ebenfalls die 9 Punkte für einen Film, der es schafft, dass man für knapp 2 Stunden die reale Welt vergisst und dafür in eine überraschend tiefgründige und komplexe Geschichte hineingezogen wird, die mit einigen der prägnantesten Szenen der jüngeren Actiongeschichte aufwartet.

26.05.2019 00:22 Uhr - TheRealAsh
1x
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Dank euch!

26.05.2019 10:52 Uhr - Lukas
1x
Schön geschriebene Kritik mit sehr interessanten! Ich persönlich muss mir den Film noch zu Gemüte führen, wobei mir mein Bauchgefühl sagt, dass du da etwas mehr Meta-Ebene drin siehst, als Stahelski tatsächlich bewusst eingebaut hat. ;-)

26.05.2019 12:05 Uhr - Nubret
2x
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Werd ich mir auch noch ansehen. Wie könnte man nach so einer Besprechung auch widerstehen?

27.05.2019 08:55 Uhr - wuv03
1x
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Holy cow...
da verbeuge ich mich doch glatt vor deiner Filmbesprechung. Tatsächlich habe ich so einige Querverweise und Interpretationen so nicht wahrgenommen. Jetzt wo du sie schreibst, ist das aber alles mehr als nur einen Gedanken wert.

Puh, da stinkt meine Rezi ja richtig ab. ;)
Danke für deinen Text.

27.05.2019 17:08 Uhr - TheRealAsh
1x
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Ach komm, lass doch solche Vergleiche, aber danke für die Blumen;-) Je mehr hochgradige Reviews, desto besser, finde ich. Aber ich muss schon sagen, dass ich es nicht verstehen kann, wie jemand die Story von John Wick als dünn bezeichnen kann. Ich denke ja, dass die Jungs von Anfang an einen Plan verfolgten, der aufgrund des Erfolgs eben aufgeht. Bin definitiv gespannt wie es mit dem SPOILER Bowery King SPOILER weitergeht...

31.05.2019 23:33 Uhr - Topper_Harley
1x
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(jetzt wo meine Fertig ist kann ich endlich die anderen Lesen😄)
Super schöne Rezi. Komplex und doch easy zu lesen.

Cool, dass du eine Metaebene für dich entdeckt hast und diese sehr verständlich und nachvollziehbar ausformulierst.
Den wichtigen Aspekt der Liebe, der allen einen Spiegel vorhällt die im ersten noch dachten "ach ist doch nur ein Hund" finde ich sehr gut herausgearbeitet, im Film wie in deiner Rezi.
Wieso John keine Ähnlichkeit zwischen sich und Zero sieht habe ich auch genauso verstanden wie du und fand die Szene einfach fantastisch.

01.06.2019 08:42 Uhr - TheRealAsh
1x
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dank dir und schön, dass du meinen Interpretationen auch zustimmst :-D

03.06.2019 20:24 Uhr - RedArrow
1x
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Erfahrungspunkte von RedArrow 63
Da hat sich aber jemand Mühe bein Verfassen gegeben. Ich werde nur das Gefühl nicht los, dass deine Rezi wesentlich tiefgründiger ist als der besprochene Titel selbst.
Interessant auch, dass du die Action von diesem Action - Overkiller nur am Rande erwähnst, was keinesfalls als Kritik gemeint ist.

Toller Text!

05.06.2019 05:34 Uhr - Batsi
1x
03.06.2019 20:24 Uhr schrieb RedArrow
Da hat sich aber jemand Mühe bein Verfassen gegeben. Ich werde nur das Gefühl nicht los, dass deine Rezi wesentlich tiefgründiger ist als der besprochene Titel selbst.
Interessant auch, dass du die Action von diesem Action - Overkiller nur am Rande erwähnst, was keinesfalls als Kritik gemeint ist.

Toller Text!


So ging es mir auch.
Und zur eigentlichen Action sollte man auch nicht viel sagen.
Denn an den genialen Erstling kommt in puncto Action weder Teil 2 noch Teil 3 ran.

05.06.2019 22:25 Uhr - TheRealAsh
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Dank euch :D

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