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dicker Hund
Level 14
XP 3.276
Eintrag: 18.07.2019

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Der Fan

Herstellungsland:Deutschland (1982)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Drama

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,83 (12 Stimmen) Details
inhalt:
Die 17jährige Simone hat sich unsterblich in den Popstar "R" verliebt, ihr ganzes Leben wird nur von den Gedanken an ihn bestimmt. Schließlich lernt sie ihn tatsächlich kennen und beginnt eine Affäre mit dem Star. In einem Strudel aus Liebe, Leidenschaft und Verlangen glaubt Simone bald, ihr großer Traum von der wahren Liebe mit "R" könnte Wirklichkeit werden. Als sie feststellt, dass ihr vergötterter Liebhaber kein Interesse an einer langfristigen Beziehung hat, bricht für sie eine Welt zusammen. Plötzlich vermischt sich ihre Liebe mit tödlichem Hass und sie begeht eine unglaublich grausame Tat - ihr wahnhafter Besitzanspruch eskaliert in Mord und Kannibalismus.
eine kritik von dicker hund:

Eckhart Schmidts "Der Fan" darf als Sonderling des deutschen Films aus der Feder des "Sandmann"-Regisseurs bezeichnet werden, als Erotik-Psychodrama mit Kannibalismuskomponente oder einfach als gehobene Sexploitation. Die obige Inhaltsangabe spoilt den Plot mit einer fast schon unverschämten Selbstverständlichkeit, womit sie sich in Covergestaltung und Marketing lückenlos einfügt. Eine weniger dreiste und zugleich ausreichende Variante würde sich so lesen:

Simone hat sich in den Interpreten "R" verguckt, ist ein Fan und eine Verehrerin zugleich. Die Jugendliche schreibt ihm Liebesbriefe, träumt von ihm, schwänzt die Schule und reißt letztendlich von zu Hause aus, um ihren Schwarm am besten persönlich nahe sein zu können. Doch der Wunsch nach Begegnung mit dem coolen Aufreißer könnte nicht das Ende, sondern erst der Anfang ihrer Alpträume sein.

Den Namen der Protagonistin bekommt man erst in der 24. Minute zu hören. Zuvor redet sie als Stimme im Off, wobei sie ihre Gefühle und Gedanken verlautbart, die auf den Sänger verengt sind. Ihre Welt besteht aus wenigen schönen Spitzen wie dem Ulmer Münster und vielem müden Grau, bestehend aus regnerischen Straßen und belanglosem Alltag. Dieser ereignisarmen Trostlosigkeit setzt das Studio mit seiner kreativen Ausstattung etwas entgegen, ebenso die wie eine Kunstgalerie gestaltete Wohnung, die mit schwarzen, weißen und roten Tüchern zur räumlichen Reichskriegsflagge umgewidmet erscheint. Da klingt der simple, aber eingängige Elektropop wie ein Sirenengesang, der die entrückte Faszination der leicht zu beeindruckenden Simone perfekt macht. Gar nicht so viel anders, nur mit umgedrehtem Vorzeichen geht es dem Objekt der Begierde, das von seinem gespiegelten Selbst genauso eingenommen ist.

Als Mitglied der Band "Rheingold" überzeugt der Darsteller des "R" Bodo Steiger auch schauspielerisch. Er strahlt eine widerwärtige Arroganz aus, die er mit überheblichen Gesten, emotionslosem Ausdruck und imperativer Sprache akzentuiert. Hauptdarstellerin Désirée Nosbusch gelingt ihrerseits der soziopathische Trance als Gegenstück. Das damals 17 Jahre alte Sternchen ist nach rund einer Stunde in einer ausgiebigen Softsexszene (5/10) mit dem seinerzeit 33 Jahre alten NDWler zu sehen, welche als das große Highlight des Werkes bezeichnet werden kann. Im Finale folgen dann inhaltlich derbe, aber nur mit wenigen Tropfen Kunstblut inszenierte Gewalt- und Schockszenen (4 und 6/10), die das unangenehme und doch erkundenswerte Seherlebnis abrunden. 

So gekonnt sich das jetzt liest, darf von den Mängeln nicht geschwiegen werden. Die erste Stunde ist sagenhaft träge erzählt, wobei manche Passagen regelrecht peinlich berühren. Die illusionären Abschnitte in milchiger Verfremdung gehen ja noch in Ordnung. Doch insbesondere das Gerangel der fernverführten Schülerin mit dem Briefträger (Klaus Münster, "Chain Reaction") oder ihrem Vater (Jonas Vischer) ist unfassbar mies choreografiert. Und wer sich fragt, wo die Talente der Effekttechnik während des späten Goreversuches waren, sei auf die Frisur der schwelgenden Stalkerin verwiesen, die auch nach mehrtägiger Landstreicherei wie frisch gewaschen und gestyled aussieht. Diese Mühe war für den Schambereich der beiden Paarungsaffinen mal wieder zu viel verlangt, denn da ist ganz in der Tradition der vorherigen Dekade der ungestutzte Nos-Busch beheimatet. Nun ja, wer's mag, kann sich den einzigen lustigen Spruch zu eigen machen (Humor 2/10):

"Wenn er so weitermacht, kann er bald mit seinem Pimmel senden."

Die Empörungskultur darüber, dass dafür eine zur Drehzeit 17 Jahre alte Schauspielerin die Hüllen fallen ließ, soll hier unkommentiert bleiben. Bis 2003 war "Der Fan" indiziert, ist inzwischen aber mit einer FSK 18 zu haben. Den Auftakt muss man durchhalten, dann entfaltet diese kleine Filmperle (7/10 Punkten) aber ihr Bouquet. Denn hinter dem skandalösen Schall und Rauch verbirgt sich eine Reflektion über die Verführung durch die Macht. Im unbefriedigenden Trott durch die bürgerlichen Institutionen verspricht die Stärke des konstruierten Übermenschen die Erlösung seiner Anhänger. Bei einer solchen Deutung hat der Streifen etwas Zeitloses an sich, das die angesprochene Setgestaltung mit ihrer Farbwahl nicht mehr wie einen Zufall aussehen lässt. Ob dergleichen zur Sichtung motiviert, hängt allerdings noch stärker als sonst vom persönlichen Geschmack ab. Das Resultat funktioniert nämlich nur als diffuse Mischung, nicht aber als reine Form von Drama, Horror oder Erotik. 

7/10
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Kommentare

18.07.2019 19:30 Uhr - The Machinist
1x
User-Level von The Machinist 5
Erfahrungspunkte von The Machinist 430
Alter, beim ''ungestutzten Nos-Busch'' hab ich mich nicht mehr eingekriegt. ;-)

Jedenfalls eine ganz starke Kritik zu einem Film, der von mir eine ähnliche Wertung bekommen würde. Ist schon ein komisch anmutender, deutscher Genre-Bastard, aber irgendwie hat der auch was.

18.07.2019 22:03 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.272
Sehr schön geschrieben und das mit den "wenigen schönen Spitzen bis auf das Ulmer Münster" ist mal wieder eine Meisterleistung.

19.07.2019 20:00 Uhr - Dissection78
1x
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von Dissection78 3.899
Vortrefflich beschrieben! Ist ein schräger Film, aber ich mochte den damals. Über zwanzig Jahre nicht gesehen, hat er sich bei mir trotzdem bis heute im Gedächtnis festgesetzt. Das ist viel mehr als es der Großteil aktueller deutscher Kinoproduktionen zu schaffen vermag, die mir persönlich einfach zu flach und austauschbar sind und beim Abspann bereits vergessen.

Auch auf eine digitale Variante von Eckhart Schmidts ein Jahr nach "Der Fan" entstandenem "Das Gold der Liebe" würde ich mich übrigens freuen. Der lief Anfang der 90er mal auf einem Privatsender (Pro7?), ist aber, jedenfalls soweit ich weiß, sonst nirgendwo erschienen (nur auf VHS). Der ist noch sperriger, bizarrer und experimenteller und hat mir auf seine abseitige Art ebenfalls gefallen.

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