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First Love

(Originaltitel: Hatsukoi)
Herstellungsland:Japan, Großbritannien (2019)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,25 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Nachwuchsboxer Leo (Masataka Kubota) schlendert nachts ziellos durch die Straßen Tokios. Vor Kurzem wurde bei ihm ein tödlicher Hirntumor diagnostiziert, er selbst hat daraufhin jeglichen Lebenswillen verloren. Das ändert sich jedoch schlagartig, als ihm die junge Prostituierte Monica (Sakurako Konishi), die von einem korrupten Cop (Nao Ohmori) verfolgt wird, über den Weg läuft. Der bislang sehr egoistische Leo beschließt einmal in seinem, nunmehr sehr kurzen Leben jemand anderem zur Seite zu stehen und findet sich bald in im bleihaltigen Treiben zwischen Yakuza, Triaden und der örtlichen Polizei wieder.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von the machinist:

Vorspiel: Eine Anekdote über Takashi Miike.

Es ist mal wieder so weit. Takashi Miike hat einen neuen Film gemacht. Den Einhundertdritten! Nun ja, genau genommen ist das eine Lüge.

Seit 1991 ist Takashi Miike jetzt im Filmgeschäft und hat seitdem sage und schreibe über einhundert Regiearbeiten hervorgebracht. Regiearbeiten wohlgemerkt, nicht Filme. Dazu zählen also auch das Theaterstück The Demon Pond, oder Episoden der TV-Serie Idol x Warrior: Miracle Tunes! und ebenso der Kurzfilm Zuiketsu gensô - Tonkararin yume densetsu. Zieht man diese und noch einige weitere Nebenproduktion ab, kommt der gute Takashi auf etwa neunzig Spielfilme, was zugegeben auch schon eindrucksvoll genug ist. Damit will ich an dieser Stelle Miike keine billige Eigenwerbung vorwerfen - ''100 Filme'' klingt halt nach einer runden Sache -, sondern dies als bloße Feststellung stehen lassen, bevor es ans Eingemachte geht.

Nach seinem Regiedebüt Lady Hunter: Prelude to Murder (welchen er allerdings erst nach seinem zweiten Spielfilm Eyecatch Junction veröffentlichte), erarbeitete sich Miike mit vorrangig im Yakuza-Genre angesiedelten Filmen, etwa Shinjuku Triad Society oder Rainy Dog, sehr schnell einen Titel als einer der ambitioniertesten Regisseure Japans. Der internationale Kultstatus folgte, als er mit der kontroversen Romanverfilmung Audition (den ich nebenbei für seinen besten Film halte) mit Ryo Ishibashi und Eihi Shiina, Ende der Neunziger für Aufsehen sorgte. Darauf folgten unter anderem der grandiose Yakuza-Actioner Dead or Alive, sowie die bis heute umstrittene Manga-Adaption Ichi the Killer, die aufgrund ihrer Gewaltdarstellung in mehreren Ländern verboten wurde.

Dabei beließ es Takashi Miike natürlich nicht und so wildert er bis zum heutigen Tage in einem Genre nach dem anderen. Heraus kam Hervorragendes, etwa der Samurai-Film 13 Assassins, oder der bitterböße School-Shooting-Streifen Lesson of the Evil, Enttäuschendes, wie der skurrile aber langweilige Gozu und der gescheiterte Tokusatsu-Tribut Zebraman, oder wunderbar Obskures, wie es das Martial-Arts-Musical For Love's Sake, die spleenige Videospiel-Verfilmung Ace Attorney und das WTF-volle Weltuntergangs-Milieu-Spektakel Yakuza Apocalypse beweisen.

Bekanntlich sind aber aller guten Dinge Hundertdrei, womit wir letztendlich bei Miikes neuester Regiearbeit First Love angelangt wären. In diesem Sinne...

 

''I don't think about the audience, I don't think about what makes them happy, because there's no way for me to know. To try to think of what makes for entertainment is a very japanese thing. The people who think like this are old-fashioned. They think of the audience as a mass, but in fact every person in the audience is different. So entertainment for everyone doesn't exist.''

- Takashi Miike

 

 

 

First Love

Du vergisst niemals deine erste Liebe.

 

Nachwuchsboxer Leo (Masataka Kubota) schlendert nachts ziellos durch die Straßen Tokios. Vor Kurzem wurde bei ihm ein tödlicher Hirntumor diagnostiziert, er selbst hat daraufhin jeglichen Lebenswillen verloren. Das ändert sich jedoch schlagartig, als ihm die junge Prostituierte Monica (Sakurako Konishi), die von einem korrupten Cop (Nao Ohmori) verfolgt wird, über den Weg läuft. Der bislang sehr egoistische Leo beschließt einmal in seinem, nunmehr sehr kurzen Leben jemand anderem zur Seite zu stehen und findet sich bald in im bleihaltigen Treiben zwischen Yakuza, Triaden und der örtlichen Polizei wieder...

Im Gegensatz zu seinen beiden letzten Filmen, JoJo's Bizarre Adventure: Diamond is Unbreakable - Chapter 1 und Laplace's Witch, fühlt sich First Love mit seiner Yakuza-Thematik angenehm altmodisch an, fast so als wolle Miike bewusst ''back to the roots'' in die guten alten Neunziger. Das gelingt ihm soweit auch recht stimmungsvoll, wobei sich die Atmosphäre des Films, der komplett in einer Nacht spielt, mit schummrigen Einkaufsvierteln voller Neonreklamen eigentlich von selbst funktioniert.

Dabei nimmt man sich außreichend Zeit, die Hauptfiguren aller Seiten gebührend vorzustellen. Neben Masataka Kubota (High & Low, Tokyo Ghoul) und Sakurako Konichi (Mio on the Shore) als Leo und Monica - die eigentlich Yuri heißt -, deren schauspielerische Leistungen seltsam auf Sparflamme kochen müssen, sticht insbesondere Shota Sometanis (Parasyte, Himizu) Kleinganove Kase aus der breiten Masse von Charakter-Mimen heraus. Sometani ist sicherlich das Highlight des gesamten Films, stolpert seine Figur doch von einem Fettnäpfchen ins nächste, was zumeist tödliche Konsequenzen nach sich zieht. Außerdem ist er es, der den von Miike gewohnten willkürlichen Humor mit sich bringt und spätestens im letzten Filmdrittel nur noch als eine Art wandelnder Running Gag von Nutzen ist. Davon hätte ich gerne mehr gesehen. Denn sosehr Miike versucht seinen Film mit Wortwitz und wilder Didgeridoo-Jazz-Hardrock-Musik - die Assoziationen zum Planet Terror-Soundtrack wachruft - zu spicken, kommt irgendwie kein richtiger Flow auf.

Seinem Ichi the Killer Nao Ohmori hat Miike eine kleine Rolle als Polizist Otomo zuteil werden lassen, außerdem lässt Seiyo Uchino als alteingesessener Yakuza-Boss Gondo ab und an seine starren Gesichtszüge erblicken.  Trotzdem gehören die meisten der prägnanten Namen zu einem wenig genutzten Darsteller-Ausschuss in einem laschen Drehbuch. Für einen knapp zweistündigen Film ist der Plot einfach zu simpel, über lange Zeit viel zu unspannend präsentiert und obwohl so etwas wie eine Liebesgeschichte erzählt werden soll, lassen die Hauptfiguren einen ziemlich kalt. Das seltsame Pacing, welches vielen von Miikes Filmen innewohnt, wird ihm hier mitunter zum Verhängnis, was nicht bedeutet, dass First Love nun besonders langweilig geworden ist, aber eben sehr unaufgeregt, sehr gewöhnlich. Zu gewöhnlich für die Verhältnisse eines Regisseurs, von dem man es gewohnt ist, dass er, ähnlich einem Quentin Tarantino, oftmals auf reine Eskalationen hinarbeitet.

Hin und wieder blizt dieser bekannte Miike-Wahsinn dann aber doch durch. Wenn Yuri aufgrund von Entzugserscheinungen, ihren nur in Unterhose durch die Nacht tanzenden Vater halluziniert, was im krassen Kontrast zu ihrer traurigen Hintergrundgeschichte steht, dann ist das wortwörtlich ''Verstörend aber lustig.''.

Getreu dem Motto ''Go out with a bang!'' kommt es auch in First Love zum unausweichlichen Blutvergießen - hier in einem Baumarkt - in dem, der bereits im Trailer versprochene Gonzo-Style befriedigend eingelöst wird, und in dem unter anderem ein Einarmiger als Pumpgun-Experte seinen großen Auftritt hat und auch Kokain eine Rolle spielt. Auch der besinnliche Ausklang gefällt, werden hier doch vorher aufgegriffene Charakter-Beziehungen bedächtig aber stimmig zu ihrem Ende gebracht.     

First Love mit dem inhaltlich verwandten True Romance gleichzusetzen kommt für mich nicht in Frage, denn so kompetent inszeniert wie die Tony Scotts Thriller-Spritztour ist dieser mit Sicherheit nicht. Auch bleibt man um Längen hinter den energiegeladenen Bildern von Ryuhei Kitamuras epischem LoveDeath. Aber dennoch sollten Fans des Filmemachers First Love nicht missen und alternativ ist das Werk ein ziemlich guter Einstiegsfilm in Takashi Miikes noch lange nicht endende Karriere-Oddysey. Seine Einhundertvierte (Segment Beautiful im Episodenfilm That Moment, My Heart Cried) hat er nämlich auch schon wieder im Kasten... 

 

Fazit: Takashi Miike verpasst es in seiner 103. Regiearbeit den großartigen Cast sinnvoll einzusetzen. Infolgedessen geht das Drehbuch selten so ab wie man es wohl gerne hätte, auch wenn sich innerhalb davon genug humoristische Untertöne und cineastische Blutbäder finden, die den geneigten Fan gut unterhalten dürften. Damit ist First Love also kein wirklich misslungener Film, aber ein ziemlich austauschbarer im allumfassenden Genre-Kanon seines Regisseurs.

6/10
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Kommentare

29.05.2020 16:32 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.696
Man merkt deiner Schreibe an das Miike einer deiner Favoriten ist. Jedoch scheinen wir vom Fazit des Films oder im Kontext dessen gleicher Meinung zu sein

29.05.2020 17:12 Uhr - The Machinist
User-Level von The Machinist 7
Erfahrungspunkte von The Machinist 670
Ja, er ist einer meiner Lieblingsregisseure.
Und ebenfalls ja, ich bin mit dir einer Meinung. Zwar gefiel mir ''First Love'' im Großen und Ganzen und ist von der Machart alles andere als schlecht, von einem Miike erwarte ich dann aber schon noch etwas mehr.

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