SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
The Last of Us 2 · Eine emotionale Geschichte · ab 59,99 € bei gameware Exploding Kittens NSFW Edition · Das explosionsstärkste Katzen ähm Kartenspiel · ab 16,99 € bei gameware
Nubret
Level 9
XP 1.077
Eintrag: 15.06.2019

Amazon.de

  • Mark colpisce ancora - The .44 Specialist
  • BD Mediabook
Cover A
31,99 €
Cover B
31,99 €
Cover C
31,99 €
  • Joker
4K UHD/BD Steelbook
36,99 €
4K UHD/BD
31,99 €
BD Lim. Steel
29,99 €
Blu-ray
18,99 €
DVD
15,99 €
  • The Nightingale - Schrei nach Rache
Blu-ray/DVD Mediabook
26,99 €
Blu-ray
15,99 €
DVD
13,99 €

Das Boot

Herstellungsland:Deutschland (1981)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Drama, Krieg
Alternativtitel:The Boat

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,36 (50 Stimmen) Details
inhalt:
Vom Hafen in La Rochelle bricht das deutsche U-Boot U-96 auf, um im Atlantik britische Frachtschiffe zu torpedieren. Mit an Bord ist der junge Kriegsberichterstatter Werner, der bei der Mannschaft jedoch auf wenig Sympathie stößt. Nach ereignislosen, zermürbenden Tagen unter See kommt eine britische Frachterflotte in Sicht. Die Männer an Bord rüsten sich zum Angriff, übersehen aber ein wichtiges Detail: den hoch gerüsteten Geleitschutz der Frachtschiffe...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von nubret:

Wolfgang Petersens DAS BOOT ist nicht nur einer der besten deutschen Filme aller Zeiten, sondern muss auch auf internationaler Ebene bis dato als einer der bedeutendsten Antikriegs-Filme überhaupt eingestuft werden. Unter enormem technischem Aufwand und mit einem gigantischen Budget von 32 Millionen DM hat es der norddeutsche Regisseur geschafft, ein Werk für die Ewigkeit zu kreieren.

Selbst heute noch, fast vierzig Jahre nach seiner Entstehung, wirkt sein Film frisch und unverbraucht, hat weder etwas von seiner gewichtigen Aussage, noch von seiner atemberaubenden Spannung eingebüßt. Dabei ist DAS BOOT sowohl Mahnmal als auch perfekt inszeniertes Unterhaltungskino, das auch heute noch tadellos funktioniert.

Kein Wunder also, dass dieser Meilenstein Regisseur Petersen und auch dem Großteil der (damals noch weitestgehend unbekannten) Besetzung den Weg zu einer erfolgreichen, bis heute andauernden Karriere ebnete.

 

DAS BOOT basiert auf den Erlebnissen des Kriegsberichterstatters Lothar Günther Buchheim, der in seinem gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1973 seine eigenen Erfahrungen verarbeitete, die er selbst auf zwei Feindfahrten in einem U-Boot sammeln konnte. Ganze 25 Jahre hat es dann schließlich noch  gedauert, bis er seine traumatischen Erlebnisse überwunden hatte und er seine Geschichte zu Papier bringen konnte. Das äußerst präzis geschriebene Buch ist dabei historisch natürlich etwas genauer als der Film, was zu kleineren Kritikpunkten des Autors an Petersens Interpretation des Stoffes führte. Dennoch muss man diesem zugute halten, dass sein vorbildliches Bemühen um Authentizität diese minimalen Unzulänglichkeiten, die dem Zuschauer im Grunde sowieso verborgen bleiben, ohne Zweifel in der Bedeutungslosigkeit versinken lässt.

 

 

Die U96, unter Befehl eines Kapitänleutnants (Jürgen Prochnow), dessen richtigen Namen der Zuschauer nicht erfährt, erhält den Auftrag, Handelsschiffe zu torpedieren, die Großbritannien mit kriegswichtigen Gütern versorgen. Am letzten Abend an Land gibt sich die Besatzung einem wüsten Gelage in einem Bordell hin, bevor ihr Boot vom Hafen im französischen La Rochelle aus zu seiner verhängnisvollen Fahrt aufbricht.

An Bord befindet sich unter anderem der Kriegsberichterstatter Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer), dem es aufgrund seiner Unerfahrenheit anfangs nur schwerlich gelingt, von der restlichen Crew akzeptiert zu werden. Da es in den ersten Tagen der Fahrt noch keine Feindkontakte gibt, droht die Langeweile und die klaustrophobische Atmosphäre der U96 die Mannschaft zu zermürben. Die totale Isolation, das Fehlen körperlicher Nähe und das Aufeinanderprallen unterschiedlichster Einstellungspotentiale führen zudem immer wieder zu Reibereien an Bord, welche die sowieso schon unangenehme Situation für die Männer nur noch weiter verschärfen.

Doch mit dem ersten Feindkontakt ändert sich alles. Nach einem misslungenen Torpedo-Angriff auf einen Zerstörer wird das Boot massiv mit Wasserbomben attackiert. Und obwohl diese Situation noch relativ glimpflich endet, liegt noch ein langer Leidensweg vor der eingepferchten Truppe. Schwere Stürme und viele weitere brenzlige Gefechte machen das Leben an Bord zur Hölle. Wird es den Männern gelingen, den rettenden Heimathafen unbeschadet zu erreichen?

 

 

Und genau diese Frage stellt sich auch der Zuschauer, der über die gesamte Laufzeit hinweg mit diesen bedauernswerten Kerlen leidet, mitfiebert und bangt. Denn Petersen macht nicht den Fehler, seine Protagonisten als Hitlers hirnlose Vollstrecker darzustellen, so wie es die meisten Hollywood-Produktionen seit dem Ende der vierziger Jahre vorgemacht haben. Seine Figuren sind tatsächlich Menschen aus Fleisch und Blut, die genau so viel Angst haben, genau so verletzlich sind und genau so fähig sind zu lieben wie ihre vermeintlichen Feinde aus den Vereinigten Staaten oder Großbritannien. Und trotz aller Gräuel sollte man tatsächlich nicht vergessen, dass den meisten deutschen Soldaten gar keine andere Wahl blieb, als sich den wahnsinnigen Ideen dieses verbrecherischen Systems unterzuordnen.

Auf jeden Fall war diese Darstellungweise des einfachen deutschen Soldaten relativ neu (als eine der wenigen Ausnahmen sei hier Bernhard Wickis famoser DIE BRÜCKE genannt), was wiederum zu Bedenken anlässlich der Ur-Aufführung von DAS BOOT in den USA führen sollte. Und tatsächlich waren aus dem Publikum am Anfang des Filmes einige Buhrufe und Pfiffe zu vernehmen. Diese verstummten jedoch sehr schnell und wandelten sich zu begeisterten Standing-Ovations, die sogar bis nach Beendigung des Abspannes zelebriert wurden. Bis heute ist DAS BOOT der zweiterfolgreichste deutsche Film, der in den USA über die Leinwald flimmerte. Und zwar direkt nach Petersens DIE UNENDLICHE GESCHICHTE.

Aber woran liegt das?

Zum einen sei hier noch einmal die atemlose Spannung erwähnt, die sich in der beengten Ausweglosigkeit der U96 entwickelt. Hier hat  Petersen wirklich ein sehr glückliches Händchen bewiesen und ein Szenario entworfen, in dem seine Qualitäten als Thriller-Regisseur deutlich zum Vorschein kommen. Ähnlich wie Carl Schenkel mit seinem phänomenalen ABWÄRTS nutzt der Regisseur den äußerst begrenzten Handlungsschauplatz perfekt,  und wirft den Zuschauer mitten hinein in das vor überschäumenden Emotionen und sich langsam breitmachender Resignation geprägte Geschehen.

Dabei findet dieser in den allesamt glänzend dargestellten Soldaten zahlreiche Identifikationsfiguren und stellt sich dauerhaft die Frage, wie er sich wohl selbst an deren Stelle fühlen würde. Und tatsächlich sind es meiner Meinung nach die durch die Bank hervorragend ausgewählten Darsteller, die den Bärenanteil des Erfolges von DAS BOOT ausmachen. Für Schauspieler wie Heinz Hoenig, Ralph Richter, Jan Fedder und auch Martin Semmelrogge war dieser Streifen der Startschuss für eine bis heute andauernde Karriere, wobei man leider feststellen muss, dass sich nicht alle das hohe darstellerische Niveau halten konnten, das sie hier vorgelegt haben. Aber im BOOT glänzt  sogar Nuschel-Sänger Herbert Grönemeyer, der sich mit seinem eindringlichen Spiel noch nicht einmal vor damals schon renommierten Größen wie Jürgen Prochnow, Klaus Wennemann oder Otto Sander verstecken muss. Erwähnt werden sollte im Übrigen, dass dieses filmische Wahnsinnsprojekt ohne Ton abgedreht wurde und sämtliche Darsteller nicht nur die deutsche Version, sonder auch die englische Tonfassung selbst eingesprochen haben. Zudem durften sich sämtliche Mitglieder der Besatzung während der Dreharbeiten nicht mehr in der Sonne aufhalten und rasieren, um dem tatsächlichen Aussehen einer solchen möglichst nahe zu kommen. Überdies möchte ich noch erwähnen, dass Jan Fedder sich während einer Sturmszene einige Rippen brach, die Dreharbeiten aber dennoch nicht abbrach. Für mich sind das nur einige weitere Belege dafür, wieviel Herzblut von allen Beteiligten in dieses Werk eingeflossen ist.

Aber auch auf der technischen Ebene wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, um DAS BOOT zu dem Meilenstein zu machen, der er tatsächlich geworden ist. Neben unterschiedlichen verschieden großen Modellen wurde der gesamte Innenraum eines deutschen Klasse VII U-Bootes detailgetreu nachgebaut, der übrigens noch heute in den Münchner Bavaria Filmstudios besichtigt werden kann. Um einen möglichst authentischen Look zu schaffen, benutzte Kamera-Ass Jost Vacano (SUPERMARKT )  Kreiselstabilisatoren für die verwendeten Handkameras, da das Steadycam-System aufgrund des beengten Drehortes nicht verwendet werden konnte.

Klaus Doldingers geniale Filmmusik ist ein Meisterwerk für sich, und bleibt einem bis zum Lebensende im Gedächtnis haften. Auch Techno-Fritze Alex Christensen hat das 1991 erkannt, das Hauptthema modisch umgebürstet und sich sogleich für 13 Wochen Platz 1 der deutschen Single-Charts gesichert. Ein Erfolg, von dem er selbst heute noch zehrt.

Erwähnenswert ist überdies, dass einige der Hauptfiguren an damals tatsächlich existierende Personen angelehnt sind, jedoch unter anderem aus dramaturgischen Gründen leicht abgewandelt wurden. Zudem wurden mehrere Charaktere aus dem Buch zu einer Person zusammengefasst und auch fast sämtliche Dialoge neu geschrieben, was jedoch dem Realismus des Szenarios letztendlich keinesfalls geschadet hat. Lediglich bei den grandiosen Gefechtsszenen ist der Film im Gegensatz zum Buch wesentlich ausgeschmückter, was wiederum ebenfalls als klug durchdachter Schachzug zu werten ist.

Von Wolfgang Petersens Meisterwerk sind drei unterschiedliche Fassungen erschienen, wobei die ursprüngliche Kinofassung die kürzeste darstellt. Ich persönlich bevorzuge den 200 minütigen Director´s Cut, der noch zusätzliche Szenen aus der fünfstündigen TV-Fassung enthält, die im Gegensatz zu den Filmfassungen von Off-Kommentaren des jungen Leutnants Werner begleitet wird.

Völlig zurecht wurde DAS BOOT mit unzähligen Preisen geehrt und war 1983 für insgesamt 6 Oscars nominiert. Und Bernd Eichinger durfte sich über einen Porsche 911 freuen, den er von Regisseur Petersen erhielt, da er die Besuchszahlen dieses Meisterwerks höher und damit auch besser einschätzte als dieser.

 

FAZIT:

Wolfgang Petersens Opus Magnum hat einen riesigen Batzen Geld und ein ganzes Jahr Drehzeit verschlungen. Doch das alles hat sich gelohnt. DAS BOOT ist ein Film der nicht altert, eines der herausragendsten Werke des Spannungskinos, das selbst heute noch mustergültig ist. Zudem beinhaltet es eine wichtige, zutiefst menschliche Botschaft, wobei vor allem das erschütternde Finale selbst den Vernageltsten unter uns die Sinnlosigkeit eines jeden Krieges begreiflich machen sollte.

Ich hoffe, ich konnte mit meiner Besprechung diesem filmischen Monument wenigstens ansatzweise gerecht werden. Und den paar Hanseln, die es tatsächlich noch nicht gesehen haben, empfehle ich zwingend, diese Lücke umgehend zu schliessen. Zumindest ein Mal im Leben muss man DAS BOOT einfach erlebt haben.

10/10
mehr reviews vom gleichen autor
Toy
Nubret
6/10
Schizophren
Nubret
7/10
Wespennest
Nubret
9/10
American
Nubret
4/10
die neuesten reviews
City
TheMovieStar
8/10
Mother!
VelvetK
8/10
Congo
McGuinness
8/10
Art
Ghostfacelooker
Nebelmann,
Ghostfacelooker

Kommentare

15.06.2019 12:10 Uhr - sonyericssohn
1x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 19
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 7.314
Ein wahrlich monströses Meisterwerk aus deutschen Landen. In Sachen Intensivtät halbwegs erreicht von U-571 (für einer der besseren U-Boot Streifen).

Nenne den Directors Cut auf Blu mein eigen. Einfach genial !
Gut gemacht Nubi !

15.06.2019 12:15 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.077
Merci, Kollege!

Den "U-571" kenn ich gar nicht. Muss ich gleich mal abchecken..

15.06.2019 16:46 Uhr - Pete_CHtoGB
1x
User-Level von Pete_CHtoGB 1
Erfahrungspunkte von Pete_CHtoGB 5
Absolutes Meisterwerk. Bei dem nie Langeweile aufkommt. Gilt auch für deine Rezension mein Freund Nubi.

15.06.2019 17:08 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.272
Ja, du wurdest mit deinem review diesem Monument voll und ganz gerecht. Gerade letztens wieder geschaut und mit mir gerungen, ob ich die geile Blu-Ray box update, wäre das liebe Geld nicht. Aber irgendwann hole ich mir die. Der Film ist ein Gigant!

15.06.2019 17:14 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.077
Danke, Pete und Ash!

Vielleicht sollte ich mir die Box zulegen. Einer der wenigen Filme, für den sich so eine Anschaffung wirklich lohnt.

16.06.2019 20:35 Uhr - Dissection78
2x
DB-Co-Admin
User-Level von Dissection78 15
Erfahrungspunkte von Dissection78 3.903
Meisterwerk! Stimmungsvoll und kameratechnisch äußerst beklemmend inszeniert, zeigt Petersen in harten und realistischen Bildern die menschlichen Probleme und die Ängste der Besatzung. Das ist ihm wichtiger als die Schilderung militärischer Operationen. Deutlich wird aber auch, wie der Faschismus bzw. der Nationalsozialismus eine Jugend für verlogene Ideale begeistern und zur Ausführung eines verbrecherischen Krieges missbrauchen konnte.

Ich habe Petersens Fleißarbeit mehrmals gesehen: In der TV-Fassung, der Kinofassung und noch öfter im Director's Cut. Ich bin immer wieder begeistert. Die Darsteller sind mehr als überzeugend (mir bleibt hier vor allem der Nervenzusammenbruch von Obermaschinist Johann, dem 'Gespenst', gespielt von Erwin Leder, bekannt aus Gerald Kargls "Angst", in Erinnerung). Ich war übrigens mal im 'Boot' der Bavaria-Studios und kann gerade deshalb dem Kamerateam, ob der klaustrophobischen Enge, auch ohne Kamera auf den Schultern, nicht oft genug Lob aussprechen. Deine Wertung ist also auch meine Wertung :)

17.06.2019 06:13 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.077
Man dankt erneut, Dissection!

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)
© Schnittberichte.com (2020)