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Pentegrin
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XP 84
Eintrag: 18.06.2019

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Gladiator

Herstellungsland:USA, Großbritannien (2000)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Drama, Historie
Alternativtitel:The Gladiators

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,60 (99 Stimmen) Details
inhalt:
Im antiken Rom schreibt man das Jahr 180 nach Christus. Der siegreiche General Maximus ist der Liebling des Kaisers Marcus Aurelius, und der Herrscher will den mutigen Kriegsherren sogar zu seinem Nachfolger bestimmen. Seinem eigenen Sohn Commodus, der sich mit Vorliebe an grausamen Gladiatorenkämpfen ergötzt, traut der Kaiser das schwierige Amt nicht zu. Als der machtbesessene Commodus das erfährt, tötet er seinen Vater und lässt sich selbst zum Caesaren krönen. Er verstößt Maximus vom Hof und befiehlt seinen Tod. Maximus gelingt die Flucht, und er kann sich in seine Heimat durchschlagen, wo er nach Jahren blutiger Schlachten endlich seine Frau und seinen Sohn wiedersehen will. Doch Commodus Schergen kamen ihm zuvor und töteten seine Familie. Maximus selbst wird festgenommen und als Sklave verkauft. In einer Gladiatorenschule lernt er die grausame Kunst des Schwertkampfs, um schließlich als Gladiator nach Rom zurückzukehren. Er bleibt unerkannt und wird schnell zum Liebling der Massen. Allein der Wille zur Rache gibt ihm die Kraft, in der Arena Tag für Tag sein Leben aufs Spiel zu setzen. Der ungeschlagene Kämpfer kennt nur ein Ziel: Den Tod des Kaisers und seiner Familie zu rächen!
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von pentegrin:

Achtung: Bevor die eigentliche, aber sicherlich eigentümliche, Review beginnt, hier der Hinweis auf massive Spoiler. Wer den Film noch nicht kennt, sollte das hier nicht lesen!


Die Lichter gehen aus, endlich. Seit über einem Jahr weiß ich von diesem Ereignis, seit einem halben besitze ich Karten und schon seit meiner ersten Sichtung dieses Filmes freue ich mich auf ein derartiges Event: "Gladiator" im Konzert. Der Film auf einer riesigen Leinwand, dazu die Musik von einem Orchester gespielt, etwas so einmaliges, dass man es unbedingt erleben muss. Am 25. Mai fahre ich daher einmal quer durch Deutschland, nach München, und begebe mich in die dortige Philharmonie. Ich erinnere mich, damals, 2015, saß ich nur ein paar Plätze weiter zu "Der Herr der Ringe: Die zwei Türme", ebenso ein unvergessliches Erlebnis.
Und nun "Gladiator". Als ich ihn das erste Mal sah, wurde er sofort einer meiner Lieblingsfilme und ist zudem auch heute noch einer der großartigsten Streifen aller Zeiten. Mitschuld daran trägt wohl auch der grandiose Soundtrack von Hans Zimmer (und Lisa Gerrard), den ich sogar schon vor dem Film selbst kannte. Ungefähr zwei Monate zuvor war ich bei einem Konzert in meiner Heimatstadt, welches sich seiner unglaublichen Musik widmete, sodass ich schon eine Ahnung zu haben glaube, wie sich das in München wohl anfühlen muss. Weit gefehlt.


Das erste Bild erscheint und Lied Nummer Eins beginnt, "Progeny". Schon jetzt fühlt sich alles anders als erwartet an, es ist viel, viel lauter und unglaublich durchdringend. Sehr schön ist, wie mir erneut auffällt, dass die Firmenlogos im Look des kommenden Filmes gehalten sind und die filmeigene Musik alles überstrahlt. Der einleitende geschichtliche Kontext nimmt einen sofort mit in den Film und wickelt die geniale Geschichte in ein historisches Gewand, welches ihr mehr Bodenständigkeit verpasst. Der folgende Übergang zu der charakteristischen Hand-im-Feld Szene geschieht sowohl bildlich als auch musikalisch unglaublich eindrucksvoll, besonders letzteres leitet einen perfekt durch den Film, wie mir im Verlauf des Selbigen auch immer wieder bewusst wird. Ein interessantes Detail, welches mir in dem Moment ebenso wieder in den Kopf kommt, ist das die angesprochene Szene auf Idee von Hans Zimmer entstand. Er überredete den Regisseur, Ridley Scott, dazu, diese Sequenz einzubauen und schrieb zusammen mit Lisa Gerrard den Soundtrack, noch bevor das Drehbuch verfilmt wurde. Und gerade deshalb schafft es die Musik auch, den Zuschauer so eindrucksvoll abzuholen, was mir bei der Veranstaltung nur noch mehr auffiel.

Ich bekomme jedes Mal eine extreme Gänsehaut, wenn ich die ersten 60 Sekunden von "The Battle" höre - und dann beginnt die Schlacht. Als ich das Gefühl explodierender Ohren überwunden habe, fällt mir auf, wie wenig ich beim normalen Schauen tatsächlich an Details dahingehend jedes Mal wahrgenommen oder wie viel ich wieder vergessen habe: dass die Musik perfekt auf das Laden der Katapulte passt, wie bildlich überwältigend die folgende Konfrontation ist und wie perfekt alle Elemente harmonieren. Die Kampfabfolge ist so gefilmt, als würde man selbst mittendrin sein, die wuchtigen Soundeffekte verstärken dies um ein Vielfaches und die teils brutalen Bilder verpassen dem Geschehen die nötige Intensität. Die Szene, in der Maximus (Russel Crowe) fast einen seiner Kameraden ersticht, zeigt in einfacher aber unumstößlich wirkungsvollen Art die Grausamkeit des Krieges, der Leichenberg am Ende, kombiniert mit dieser Musik, setzt dem ordentlich nach.
Das beste Musikstück folgt allerdings erst danach, wenn Maximus im Lager auf Lucilla (Connie Nielsen) trifft. Sie und ihr Bruder Commodus (Joaquin Phoenix) werden zuvor in der Kutsche eingeführt und erscheinen beide mehr oder weniger interessant, Marcus Aurelius (Richard Harris) tut mir hingegen ziemlich leid. Erneut stelle ich fest, was für einen einzigartigen Zugang der Film zu seinen Figuren aufbaut und wie sehr man all ihre Entscheidungen aus ihrer Sicht nachvollziehen kann, was die erwähnte Szene im Lager umso wirkungsvoller macht. Aber, um auf das angesprochene Lied, "Earth", zurückzukommen, erst in München bemerke ich erneut, welche traurige Kraft und passende Schönheit ihm doch innewohnt. Weiterhin bemerke ich neben diesem auch wieder, wie genial Dialog und Stimmung damit zusammenwirken.
Bei der Szene, in der Commodus von seinem Vater erfährt, dass er nicht Kaiser wird und erklärt, wie bedeutend ihm doch etwas Vaterliebe gewesen wäre, leide ich jedes Mal aufs Neue mit ihm mit. Seine meisterlich geschriebenen Worte:

"Du hast mir einmal geschrieben und die vier größten Tugenden aufgelistet. Weisheit, Stärke, Gerechtigkeit und Mäßigung. Als ich das las, wusste ich, dass ich keine davon hab‘. Aber ich habe andere Tugenden, Vater. Zum Beispiel Ehrgeiz. Er ist, wenn er zu großen Taten anspornt, eine Tugend. Einfallsreichtum, Mut, vielleicht nicht auf dem Schlachtfeld, aber es gibt viele Formen des Mutes. Ergebenheit, meiner Familie gegenüber und Dir. Aber keine meiner Tugenden stand auf deiner Liste. Damals kam es mir so vor, als wolltest du mich nicht als Sohn. (…) Die Götter habe ich um Rat gefragt, wie ich Dich wohl zufrieden stellen könnte, damit Du stolz auf mich bist. Eine Umarmung, ein freundliches Wort ... nur eine einzige Umarmung von Dir, Vater, hätte für tausend Jahre die Sonne in meinem Herzen scheinen lassen. Was hasst du nur so an mir? Ich wollte doch nur immer Deine Erwartungen erfüllen, Caesar, Vater!

mit dem genialen Schauspiel von Joaquin Phoenix sind unfassbar bewegend und geben der Figur eine perfekte Diversität. Der Ehrgeizmonolog ist schlicht ergreifend und gibt seinen Charakter so treffend wieder, dass jeder bildliche Charakterhintergrund unnötig wird. Die Musik, "Patricide", bringt dies so eindrucksvoll auf den Punkt, dass allein das Lied mehr Gefühl ausdrückt, als irgendwelche Bilder es je könnten. Und das er dann seinen Vater umbringt, durch all die Enttäuschung, ist tragisch und - aus seiner Sicht - konsequent zugleich.

Das Problem ist nur, dass er sich mit seinen nachfolgenden Handlungen einen erbitterten Feind schafft. Denn nachdem Maximus ihm nachvollziebahrerweise die Treue verwehrt, will er ihn hinrichten lassen und schickt Mörder zu dessen Familie. Dabei kämpfte dieser doch nur, um seine Frau und seinen Sohn in Spanien endlich wieder in die Arme schließen zu können - und dafür wird er auch weiterhin kämpfen. Genau genommen ist "Gladiator" eigentlich eine traurige Rachestory, die an tragischen Verwicklungen kaum zu überbieten ist. Als Maximus seine tote Familie findet, bemerke ich dies erst wieder richtig, wobei mich das oscarprämierte Schauspiel von Russel Crowe an dieser Stelle jedes Mal erneut unglaublich rührt.
Als er dann von den Sklavenhändlern gefunden und verarztet wird, sind nicht nur die Landschaftsaufnahmen wunderschön, nein, auch das Lied "To Zucchabar" ist unglaublich melancholisch und passt perfekt zur momentanen Stimmung. Das nachfolgende Musikstück "Caravan in the Desert", welches mir während der Veranstaltung erstmals richtig auffällt, ist gar nicht bei dem offiziellen Soundtrack dabei - warum weiß ich nicht. In Zucchabar angekommen nehme ich plötzlich wieder Szenen und Elemente wahr, die ich bis dahin immer übersah. Es stimmt also wirklich, was man sagt: man nimmt Filme bei solch andersartigen Ereignissen auch völlig anders wahr.
Während Maximus sich auf seinen ersten Kampf als Gladiator vorbereitet, kommt Commodus in Rom an, mit epischer Musik begleitet und zum ersten Mal bemerke ich, dass er dabei teils vom Volk beschimpft wird. Die kommenden Szenen über die Politik in Rom sind zwar vereinfacht, aber dadurch zugänglicher und nichtsdestotrotz interessant dargestellt. Die Senatoren stehen dem frischen Kaiser aber mehr im Weg, als ihm zu helfen, sein Plan ist, sich dem Volk mit Spielen anzunähern und den Senat währenddessen abzuschaffen. Ein intelligenter Schritt, der genial zeigt, wie Rom damals funktionierte: Panem et Circensis (Brot & Spiele).

Maximus' erster Gladiatorenkampf ist ein weiterer optischer und musikalischer Höhepunkt im Film, stimmungstechnisch und choreografisch genial sowie ordentlich brutal und intensiv. Seine Wucht entlädt sich nämlich nicht nur über die Bildsprache, sondern auch über die schneller werdende Melodie ("The Might of Rome“), wie mir plötzlich auffällt. Der Respekt vor Maximus in Zucchabar wächst, sodass er folgend einen weiteren Solokampf absolviert. Besonders herausragend ist dabei, wie er die damalige Gesellschaft und ihren Blutdurst verhöhnt, was mit dem Lied "Strengh and Honor“ eindrucksvoll unterstrichen wird. Das Bild endet, das Orchester spielt sein gänsehautverursachendes Musikstück noch weiter – Pause.


In der Unterbrechung habe ich das Bedürfnis, keinen Ton zu sagen. Zu gefangen nimmt mich "Gladiator", zu sehr schwirren mir noch diese wundervollen Melodien durch den Kopf. Dass ich es doch tue, liegt daran, dass man über das eben Gesehene einfach reden muss, denn alles andere würde dessen Qualität nicht gerecht werden.
Als die Lichter wieder ausgehen und das Orchester mit seinem kleinen Einspiel beginnt, schließe ich kurz die Augen und bereite mich auf das Kommende vor.
'Wo war der Film stehen geblieben? Ah ja, gleich machen sich Maximus und seine Gruppe auf den Weg nach Rom. Da fällt mir ein,  gleich kommt diese unglaubliche Actionszene im Kolosseum! Na da bin ich mal gespannt.'


Nun verlagert sich die Handlung vollständig nach Rom und Maximus muss unter den Augen des Kaisers, den er absichtlich nicht grüßt, im Kolosseum kämpfen. Die Gruppe der Sklaven stellt dabei die Barbaren Karthagos dar, die von Wagen mit Klingen an den Rädern eingekreist werden. Währenddessen versucht der ehemalige Legionär seine Verbündeten zu einer Einheit zusammenzuschließen, um eine Chance gegen die überlegenen Angreifer zu haben. Ich merke, ich bin, trotz dass ich den Film schon sehr oft gesehen habe, ziemlich aufgeregt. Der Grund ist, dass dies eine der spektakulärsten, atemberaubendsten und spannendsten Actionsequenzen aller Zeiten ist. Mit beeindruckenden Bildern, hohen Geschwindigkeiten zu Pferde und blutigen Treffern mit Waffen aller Art ist die Szene unglaublich überwältigend.
Und dann kommt er, Maximus Monolog, der mir einen gewaltigen Schauer über den Rücken jagt:

"Mein Name ist Maximus Decimus Meridius, Kommandeur der Truppen des Nordens, Tribun der spanischen Legion, treuer Diener des wahren Imperators Marcus Aurelius.
Vater eines ermordeten Sohnes, Ehemann einer ermordeten Frau ...
und ich werde mich dafür rächen, in diesem Leben oder im nächsten.
"

Dazu das epische Bild, wie die Prätorianer die Schwerter ziehen, bereit Maximus zu ermorden, das Volk ihn aber als Held verehrt, kombiniert mit der noch epischeren Musik ("Barbarian Horde") und Commodus' Gesicht, als er merkt, nichts gegen seinen Feind tun zu können. Ein Sklave wird mächtiger als der Herrscher über Rom, eine beindruckende Ironie.

Im Folgenden widmet sich der Film dann einer anderen Facette des römischen Reichs. Denn Commodus muss Maximus loswerden, kann ihn aber selbstverständlich nicht einfach umbringen, zu groß ist sein Wunsch nach Liebe im Volk. Das Ersuchen nach mehr als geschwisterlicher Liebe zu seiner Schwester bleibt derweil unerhört. Diese spinnt hinter seinem Rücken Intrigen, um sich seiner Tyrannei zu erwehren und versucht Maximus zu einem Pakt mit Senator Gracchus (Derek Jacobi) zu überreden, was ersterer aber ablehnt.
Maximus wird derweil wieder in die Arena geschickt und muss gegen einen unfairen Feind sein Leben verteidigen. Nicht nur ein legendärer Kämpfer steht ihm gegenüber, auch Tiger werden gezielt eingesetzt, sodass er kaum eine Chance hat. Ein recht langer Kampf, hervorragend choreografiert und spannend mit anzusehen. Dass Maximus seinen Gegner verschont, um Commodus zu trotzen, ist eine konsequente und triumphierende Szene, die die kleinen Probleme in dieser komplexen Welt unglaublich treffend auf den Punkt bringt. Zwar klingt der Ausruf:

"Maximus, Maximus der Barmherzige!"

zunächst verächtlich, wird dann aber doch von tosendem Jubel begleitet und auch Commodus achtet seine Entscheidung. Umso wirkungsvoller ist daher der folgende Triumphzug Maximus', der Hoffnungsschimmer, als ihm sein ehemaliger Diener Cicero (Tommy Flanagan) begegnet und er sich doch dazu entschließt, Lucillas Angebot anzunehmen.
Das Treffen mit Gracchus verläuft zu aller Beteiligten Zufriedenheit und der Staatsstreich wird vorbereitet. Doch ich würde "Gladiator" nicht so lieben, wenn er ein Happy-End hätte, wie mir plötzlich bewusst wird. Denn ab hier geht alles im Film herrlich schief, wodurch er durchgängig spannend und unberechenbar bleibt. Mit einem genial gewählten Vergleich:

"Ich habe unlängst von einer Seeschlange gehört, die eine ungewöhnliche Methode hat, ihre Beute anzulocken. Dabei legt sie sich auf den Meeresgrund als wäre sie verwundet. Dann kommen ihre Feinde und sie bleibt dennoch still liegen. Diese knabbern sie an, Stück für Stück, doch unsere Seeschlange bleibt regungslos."

verkehrt sich Maximus' Plan in eine Falle, Commodus lässt die Senatoren töten oder einsperren und Maximus Sklavenfreunde angreifen. Lucilla spricht ein letztes Mal (naja, nicht wirklich) mit dem Gladiator, unterrichtet ihn davon, dass ihr Bruder wohl über alles im Bilde ist und das Vorhaben gescheitert ist. Eine erwärmende Szene. Die Musik spielt eine traurige Version der Melodie von "Honor Him" (zu finden in "Earth") und eine gewisse Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Doch Maximus versucht es trotzdem, erfolglos. Sein Fluchthelfer Cicero wird umgebracht und Lucilla muss vor Commodus treten, der sie bedroht und seine Handlungen als Gnade darstellt. Ganz im Stile von Maximus Barmherzigkeit, wie er glaubt - der Rückschluss war mir zwar bewusst gewesen, fällt mir aber erst jetzt richtig auf.
Voller Wut schreit Commodus seine Schwester an:

"Bin ich nicht Barmherzig? BIN ICH NICHT BARMHERZIG?"

und erneut wundere ich mich darüber, dass es für Joaquin Phoenix bei der Oscarnominierung für den besten Nebendarsteller blieb. Denn es ist ein perfektes Stück Schauspielkunst, was er darbietet, ohne jeden Zweifel.

Auch im Folgenden wendet sich nichts zum Guten. Commodus will Maximus nun, da er wieder die Oberhand hat, ein für alle Mal loswerden und inszeniert einen Kampf mit ihm im Kolosseum, um als Sieger und Held vor seinem Volk dazustehen. Aber sein Kontrahent hat mehrfach bewiesen, wozu er fähig ist, sodass der Kaiser Angst vor ihm hat. Heimtückisch sticht er ihm in den Rücken und lässt die Wunde verbergen, eine Szene, die mir immer wieder - ob ihrer Ungerechtigkeit - unangenehm ist.
Unter epischer Musik ("Am I not Merciful") begeben sich die Gegner in die Arena, während Blumen in die Luft geworfen werden und die Prätorianer eine Reihe um den Kampfplatz schließen - ein weiterer Gänsehautmoment. Und dann beginnt er, der schicksalshafte, letzte Kampf, den keiner der beiden überleben wird. Die Musik verstummt, die Menge verstummt, meine Gedanken verstummen, nur das Aufeinandertreffen der Klingen ist zu hören. Mit wechselhaften Kameraeinstellungen, mal näher und mal weiter gefasst, wird die spektakuläre Choreografie illustriert, bei der Maximus seinem Feind das Schwert aus der Hand schlagen kann. Commodus Bitten nach Unterstützung seitens seiner Garde wird ignoriert, zu empört sind sie über sein unfaires Handeln vor dem Kampf.
Doch dessen Wirkung verfehlt es nicht, Maximus ist am Ende seiner Kräfte und kann dem soeben gezogenen Messer seines Kontrahenten nur gerade noch so entgehen. Mehr noch, er schafft es die Angriffe zu blocken und drückt Commodus die Klinge unaufhaltsam in den Hals. Ein Moment voller Genugtuung, der jedoch nicht lange währt, denn kurz darauf fällt auch Maximus zu Boden. Seine Rache zehrte sinnbildlich sein Leben auf, er hat Rom gerettet und sich selbst unfreiwillig geopfert, ein bittersüßes Ende. Noch im Sterben begegnet er seiner Familie, für die er gelebt, gekämpft und getötet hat, wieder. Auch das Bild der Hand im Getreide, welches sich wie Heimat anfühlt, findet sich in Maximus Visionen. Diesmal spiegelverkehrt, was seinen Weg ins Jenseits veranschaulicht. Passend trägt die begleitende Musik den Titel "Elysium", ein wundervoll getragenes Lied.

"Ist Rom das Leben eines guten Mannes wert? Wir glaubten es einmal. (...)
Er war ein Soldat Roms. Ehrt ihn.
"

Zum ersten Mal bin ich bei seinem Tod den Tränen nahe. Die schönste und charakteristischste Melodie aus "Gladiator" ertönt, "Honor Him", während ein jeder herbeigestürzt kommt, um nach Maximus zu sehen. Nur für den toten Kaiser interessiert sich niemand, denn Rom wird wohl jetzt wieder eine Republik werden und die verbliebenen Freunde des eben verstorbenen Helden sind nun frei.


Der Abspann rollt, begleitet weiterhin von dem grandiosen Soundtrack und als die Lichter wieder angehen, sage ich diesmal wirklich nichts, zumindest für die nächsten fünfzehn Minuten.

 

10 von 10 Punkten.

10/10
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Kommentare

18.06.2019 22:17 Uhr - Lukas
2x
Oha, da hat sich ja jemand richtig viel Mühe gegeben, Respekt!
Ich persönlich halte Gladiator allerdings für einen der meist überschätztesten Filme. Gerade das Ende ertrinkt in unerträglichem Kitsch und Pathos, dass es kaum auszuhalten ist.

18.06.2019 22:40 Uhr - Pentegrin
2x
User-Level von Pentegrin 2
Erfahrungspunkte von Pentegrin 84
Vielen lieben Dank für das Lesen und das Lob, lieber Lukas!
Schade, dass Dir der Film nicht so gefällt, aber Geschmäcker sind zum Glück verschieden. :)

18.06.2019 23:52 Uhr - TheRealAsh
3x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.189
"I have come to reclaim Rome... !!!" :-D

Wow, Peri, da hast du dich aber reingehängt und ein super Review geschrieben, das mir super gefallen hat, zu lesen.

Zimmer und Gerrard sind super, da hab ich damals angefangen Zimmer gut zu finden, da ich vorher Dead Can Dance schon toll fand;-)

Und zum Film ist nichts hinzuzufügen außer: Epic!

Weiter so!

19.06.2019 00:09 Uhr - Mucki1979
1x
User-Level von Mucki1979 5
Erfahrungspunkte von Mucki1979 399
Hut ab, vor dieser offensichtlich emotionalen Fleißarbeit!

Der Film ist trotz gewisser Unzulänglichleiten immer noch so toll, wie vor beinahe 20 Jahren. Russel Crowe's Glanzrolle, neben Phoenix! Ich schließe mich Ash an, "Epic" trifft es auf den Punkt!

19.06.2019 00:11 Uhr - Pentegrin
1x
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Erfahrungspunkte von Pentegrin 84
Herzlichen Dank auch Dir, lieber Ash, freut mich riesig! :)
Ja, der gute Hans ist ein toller Komponist, ich liebe seine Werke.

Werde ich tun! :p

19.06.2019 00:14 Uhr - Pentegrin
1x
User-Level von Pentegrin 2
Erfahrungspunkte von Pentegrin 84
Ebenso an dich, lieber Mucki, unendlichen Dank! :)

Obwohl ich gelesen habe, dass Crowe sich nicht so glanzvoll am Set benommen haben soll. ^^

19.06.2019 00:56 Uhr - Mucki1979
1x
User-Level von Mucki1979 5
Erfahrungspunkte von Mucki1979 399
Er ist halt charismatisch und daher die beste Wahl für Maximus.

Den Vogel abgeschossen hat doch vielmehr Oliver Reed, der auf Malta besoffen in der Bar tot vom Stuhl fiel, bevor Ridley Scott fertig wurde! ;-)

19.06.2019 01:27 Uhr - Pentegrin
1x
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Erfahrungspunkte von Pentegrin 84
Stimmt, er hat es ja auch hervorragend gemacht.

Ja, sicher eine wirkungsvolle, aber recht endgültige Kündigungsmethode. :p

19.06.2019 08:32 Uhr - Draven273
3x
Wow....da merkt man Dir deine Freude für den Film an. Super. Hab erst schon gedacht oh Gott das soll ich alles lesen? War dann aber das genaue Gegenteil, nämlich wirklich super. Tolle Review. Einer der Filme die ich auch heute immer mal wieder in den Player schiebe und den ich mir bei einer Sondervorstellung im Kino auch gerne nochmal anschauen würde. Toll beschrieben, Dein Herzblut für diesen Film ist zu merken. Und ich kann Dir in den Punkten nur zustimmen, obwohl ich den trotzdem etwas niedriger bewertet hätte, was aber den Film für meinen Geschmack nicht schmälern würde. Hat mir sehr viel Spaß gemacht und hiermit ein herzliches Dankeschön lieber Peregrin Tuk :)

19.06.2019 10:01 Uhr - Pentegrin
2x
User-Level von Pentegrin 2
Erfahrungspunkte von Pentegrin 84
Das Dankeschön kann ich nur zurück geben! Vielen lieben Dank für diesen Kommentar, freut mich riesig, dass Dir meine Review so sehr gefallen hat. Ja, ziemlich lang ist sie tatsächlich, aber wenn das beim Lesen nicht auffiel, bin ich begeistert. :)
Schön, dass Dir der Film auch so sehr gefällt! Danke für's Lesen und für das Lob, macht mich glücklich. :)

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