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TheRealAsh
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XP 1.189
Eintrag: 03.07.2019

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Friendly Beast

(Originaltitel: O Animal Cordial)
Herstellungsland:Brasilien (2017)
Genre:Horror, Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (1 Stimme) Details
inhalt:
Der Alltag im La Barca: Die Küche träumt von besserer Bezahlung, die Kellnerin von einem besseren Leben und der Besitzer vom großen Durchbruch, den er nur noch eine gute Kritik weit entfernt wähnt. In 30 Minuten ist Feierabend, die letzten Gäste nerven, seine Frau beschimpft ihn am Telefon und das Küchenpersonal probt den Aufstand. So weit, so gut. Das ganz normale Chaos eben. Bis zwei Vermummte mit Waffe das Lokal stürmen. Panik führt zu Wut, es kommt zum Handgemenge und endet in einem Blutbad. Aber dann eskaliert die Situation…
eine kritik von therealash:

Bildstörung hat es mal wieder geschafft und uns einen Outsider-Leckerbissen aus Brasilien mitgebracht, der uns die Regisseurin Gabriela Amaral hierzulande vorstellt und in der wie immer hochklassigen Veröffentlichung neben dem Main-Feature ihre beiden Kurzfilme "Die streichelnde Hand" (2012), sowie "Statue!" beschert. Ist der eine Kurzfilm wohl eine der deprimierendsten Kindergeburtstage, die ich je gesehen habe, bei der nicht mal der Tanzbär seinen Spaß hat, so ist der andere wohl eines der schrecklichsten Babysittings, das einem den Kinderwunsch kräftig vergrätzt.

Kommen wir aber zur Main-Attraction namens "O Animal Cordial", das ich eher mit "Oh, geliebtes Tier" übersetzt hätte, statt mit der "freundlichen Bestie". Wie dem auch sei gibt es wie schon in den Kurzfilmen ein depressives und desperates Grundsettting, bei dem man wie zuvor schon sagen kann, dass es wohl einen der schrecklichsten Restaurantbesuche erzählt, den man sich vorstellen kann.

Im Möchtegern-Feinschmecker-Restaurant La Barca läuft nicht alles so, wie es soll. Besitzer Inácio gelingt der Durchbruch nicht, Küchenchef Djair hätte lieber ein eigenes Restaurant und das restliche Personal, wie auch Kellnerin Sara, sind nicht gerade begeistert von ihren Jobs. Wenn dann die verwöhnten Gäste noch unzufrieden sind und alles besser wissen, kann einem schon Mal der Kragen platzen. Als zwei bewaffnete Männer das La Barca überfallen, eskaliert die Situation und Psyche wie Logik geraten in eine Abwärtsspirale, die nur noch mit Gewalt und dem Versuch einer archaischen Rückkehr des Menschen in animalische Gefilde beantwortet werden kann.

Vorneweg muss gesagt werden, dass es sich wie für obiges Label meist üblich nicht um einen puren Gore-Reißer handelt, sondern um einen transgressiven und damit Grenzen auslotenden Arthouse-Schocker, welcher mehrere inhaltliche Ebenen neben dem oberflächlich Gezeigten behandelt. Regisseurin Amaral zeigt uns hinter einer Fassade der scheinbaren Genusskultur, in welcher der Herkunftsort des Weines wichtiger ist, als seine Qualität, sowohl eine sozialkritische Dimension, für die Sara stellvertretend steht, über eine Knecht- und Herrscher-Mentalität zwischen Inácio und Djair, wie auch eine triebhafte und urtümliche Frage nach dem menschlichen Sein als Kultur- und Naturwesen.

Und ja, es gibt ordentlich Blut, Schmodder und Ekel, dass man sich neben der eher philosophischen Frage des geliebten Tieres, das man selbst oft gerne wäre, wenn einem der Chef mal wieder allzu kritisch und ungerecht kommt, auch gut unterhalten fühlen kann. Amarals Autorinnenkino ist beinahe makellos und verspricht noch so einiges mehr für die Zukunft hoffentlich nicht nur des brasilianischen Kinos. Die Schauspieler agieren auf hohem Niveau und prägen den Film  mit ihrer eindringlichen Präsenz zwischen Wildheit und Würde wie Luciana Paes oder Murilo Bénicio nachhaltig. Besonders sticht der 80er-Jahre-Synthie-Wave-Soundtrack von Rafael Cavalcanti hervor, der auf der mit 300 Stück limitierten Special Edition ebenfalls beinhaltet ist und sich unbedingt lohnt.

Als Warnung sei ausgesprochen, dass es am Ende ein Stück weit nicht ganz logisch vor sich geht, aber dies scheint intendiert und driftet denn auch schon etwas in die artifiziellen Gefilde von Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber von Peter Greenaway ab. 

Gabriela Amaral sollte man definitiv im Auge behalten und es bleibt zu hoffen, dass ihr letzter Film A Sombra do Pai ("Im Schatten des Vaters") hierzulande ebenfalls veröffentlicht wird, da er verspricht, eine der schrecklichsten Vater-Tochter-Beziehungen zu erzählen, wie mir jetzt schon vorschwant.

Fazit: O Animal Cordial ist ein kleiner, fieser und bissiger Independent-Würger, welcher die Frage der Trennlinie zwischen Mensch und Tier blutig und tödlich beantwortet.

Animalisch!

8/10
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Kommentare

03.07.2019 18:36 Uhr - DriesVanHegen
1x
User-Level von DriesVanHegen 5
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Die Kurzfilme muss ich mir noch unbedingt noch ansehen, genau wie das Booklet genauer in Augenschein nehmen.
Der Film selbst ist mit Sicherheit polarisierend, hat mich irgendwie relativ an THE EYES OF MY MOTHER erinnert. Wie du richtig anmerkst, bringt Bildstörung ja lieber subtil verstörend-anrüchiges auf den Markt und so denke ich. Es würde mich also nicht wundern, wenn sich hier viele auf die falsche Fährte locken lassen und mehr von dem Ultrabrutalem erwarten.
FRIENDLY BEAST beherrscht aber eher die leisen Töne und verstört auf viel tieferen Ebenen als mit (auch) offenkundig gelebter Grausamkeit.

03.07.2019 22:06 Uhr - dicker Hund
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Super geschriebener Aperitif für ein anscheinend entdeckenswertes Filmerlebnismenü.

04.07.2019 20:03 Uhr - Nubret
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Da schau ich auch mal rein.

Besonders hat mir natürlich Deine Formulierung mit dem Wein gefallen. Und einmal mehr ist mir bewusst geworden, in welch einem Paradies ich leben darf.

Danke für die schöne Rezi und die erhellenden Worte!

04.07.2019 21:32 Uhr - TheRealAsh
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Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.189
Tu das, der ist was für dich;-)

Ach ja, ich bin ja mittlerweile auch völliger Fan und besuche das Paradies nebenan regelmäßig. Ein wunderbarer Wein!

05.07.2019 06:28 Uhr - Nubret
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Für Tipps und Anregungen für den nächsten Wochenendtrip stehe ich natürlich gerne zur Verfügung!

05.07.2019 23:34 Uhr - Topper_Harley
1x
User-Level von Topper_Harley 4
Erfahrungspunkte von Topper_Harley 204
Sehr schönes Review👌🏼 Klasse formuliert und anschaulich ohne zu spoilern👌🏼👌🏼
Den werde ich demnächst schauen, danke für diesen besonderen Filmtipp👊🏼

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