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VelvetK
Level 1
XP 21
Eintrag: 10.07.2019

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Brubaker

Herstellungsland:USA (1980)
Genre:Action, Drama

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Harry Brubaker geht seinen neuen Job anders an als gedacht.
Er stellt sich auf die gleiche Stufe wie seine "Klienten". Brubaker ist der neue Direktor eines Gefängnisses.
Als aber seine Deckung auffliegt und er immer tiefer in Korruption und Verbrechen in der Anstalt hineingezogen wird entbrennt ein gnadenloser Kampf ums Überleben....
eine kritik von velvetk:

"Mr. Brubaker, ich hab Sie genau beobachtet seit Sie zu uns gekommen sind. Und mir ist klar geworden, dass Sie ein verdammt merkwürdiger Mensch sind. Und ich weiß immer noch nicht genau, ob Sie ne gute Sache sind oder ne miese."

So einen Kerl wie Henry Brubaker (Robert Redford) hätte ich auch gerne als Boss. Ein integrer Idealist, bei dem es wirklich lohnt, aufzuschauen und den es so noch in keinem Gefängnisfilm gegeben hat. Zumindest habe ich noch kein so außergewöhnliches und - ja, merkwürdiges - Knastdrama gesehen, wie "Brubaker" aus dem Jahr 1980. Der Film von Regisseur Stuart Rosenberg und Autor W. D. Richter lehnt sich an das aufopferungsvolle Wirken von Thomas Murton an, der seit den späten 1960ern menschenverachtende Missstände und grausame Methoden in zwei Gefängnissen zu reformieren versuchte und dabei, als er sich gegen die staatliche Obrigkeit auflehnte, seine eigene Freiheit riskierte. Murton beriet die Macher von "Brubaker" und diese Zusammenkunft gebar eine ganz andere Perspektive auf den zeitgenössischen Gefängnisfilm. Henry Brubaker lässt sich als Häftling getarnt in das zum Teil von den Inhaftierten geleitete Wakefield-Gefängnis einschleusen, um den korrupten, unhygienischen und von Gewalt geprägten Alltag ungefiltert am eigenen Leib zu verspüren. Nach dem er sich in einer waghalsigen und zuerst unglaubwürdigen Aktion als neuer Direktor zu erkennen gibt - ich dachte zunächst, der Film scherzt -, beginnt Henry Brubakers kraftraubender Kampf gegen veraltete Strukturen, unmenschliche Unterkünfte und fördert totgeschwiegene Grausamkeiten zu Tage.

"Wir wollen eins völlig klarstellen: Ich bin überzeugt, dass die meisten von euch hierher gehören und im Grunde genommen habt ihr keinerlei Achtung vor anderen Menschen oder vor euch selbst."

"Brubaker" ist wirklich mal was anderes und gibt sich zunächst ganz dem Prozess der Beobachtung einer damals (wie heute?) verfehlten Resozialisierung hin, die im besten Fall wohl innerhalb solcher Mauern beginnt. Die Häftlinge jener Zeit hatten kaum rosige Aussichten und manche Seele war sogar um Jahre länger in Haft, als es auf dem Papier stand. Doch abseits von Brubaker scheint zuerst keiner daran interessiert zu sein, ein Mindestmaß an Menschlichkeit zu wahren und Brubaker macht sich nicht nur innerhalb seines Gefängnisses Feinde. Mit fortwährender Laufzeit verlagern sich die Geschehnisse immer mehr an die einseitig debattierenden Tische einiger Staatsbediensteter und fauler Oberschichtler, die nichts von Brubakers Ideen hören wollen und auf ihren ganz eigenen Gewinn mit dem Geschäft der Inhaftierten aus sind. Dabei ragt der 130 Minuten lange und Mut zehrende Trip für eine bessere Welt für alle Menschen wirklich heraus, weil "Brubaker" wenig emotionalisiert und es damit bis zum erlösenden Finale vermeidet, auf einer nöligen Stelle zu treten. "Brubaker" romantisiert nichts, ist bei weitem nicht so brutal wie viele Filme hinter Gittern und setzt sich auch weniger bis gar nicht mit dem sehr beliebten Thema einer Flucht auseinander - hier bleibt man immer am Geschehen und es verwundert, dass sich ein Gefängnisdirektor wie Brubaker unter den Gefangenen bewegt. "Brubaker" ist eine Studie über das Zusammenleben und dessen Strukturen. Dieser aufmerksame und anfangs unterhaltsame Film ist stets an einem lösungsorientierten und humanistischen Licht interessiert und kann auch als Metapher außerhalb schwedischer Gardienen gewertet werden. Wie Henry Brubaker immer wieder auf negativ wie positiv herausstechende Gefangene, Wärter und auch Politiker ehrlich und unverblümt eingeht, ist beispiellos und fast schon märchenhaft. Und ja, dann geht Brubaker, hervorragend von Robert Redford gespielt, in die Vollen und zieht mit zeitlos reflektierenden Momenten und Zeilen alle Register. "Brubaker" mag als lupenreiner und aussichtsloser Knastfilm losgehen, wird dann aber wie aus einem Guss zu einem respektvollen Underdog-Drama mit starken Argumenten für die Rechte eines jeden Menschen. Letztlich - und absolut passend - wird Rosenbergs Film zu einer ganz großen Nummer politscher Sphären. Ich war überrascht, als ich sah, dass "Brubaker" nur für den Drehbuch-Oscar nominiert war - die Konkurrenz im Filmjahr 1980 war aber auch sehr stark.

"Und darum machen wir sie zu Gefangenen des Staates. Das bedeutet wir übernehmen die Verantwortung für sie, sind verpflichtet sie zu ernähren, zu kleiden und sie ärztlich zu betreuen. Und nicht sie zu quälen, sie verhungern zu lassen, und nicht sie zu demütigen."

"Brubaker" spitzt sich bis zum Ende hin spannend und interessant zu und bietet eine schneidende Schärfe in seinen Dialogen und seinen Gedanken, die in den letzten 40 Jahren nichts von ihrer Strahlkraft verloren haben. In einem Gespräch zwischen Henry und Lillian Gray (Jane Alexander) kommt der Film auf den Punkt: "Es genügt nicht die Dinge nur innerhalb des Gefängnisses funktionieren zu lassen. Das eigentliche Problem ist hier draußen." Eine wirklich ergiebige und achtungsvolle Quelle hinsichtlich der Würde des Menschen. Die Tatsachen sprechen für sich, was auch im Abspann nochmals zur Geltung kommt. Der echte Brubaker, also Thomas Murton, konnte tatsächlich etwas bewirken. Neben den inhaltlichen Stärken, ist Rosenbergs Film sehr gut inszeniert. Die drückende und dreckige Atmosphäre zu Beginn des Films ist audiovisuell klasse eingefangen, genau wie der klar positionierte Wandel zum rauen Politkrimi - hier möchte ich es nicht verpassen, das verwendete Bildmaster die Blu-Ray zu loben. Der vierzig Jahre alte Film kommt absolut sauber, natürlich und kontraststark daher und wurde auch nicht des stimmigen Filmkorns beraubt. 

"Ihr Job ist es einzig und allein auf die Leute zu hören, die Gehalt bezahlen."
"Nein, mein Job ist es ein Gefängnis zu reformieren."
"Anschließend will aber niemand etwas davon hören, dass die Steuern erhöht werden, damit Mörder und Frauenschänder besser betreut werden können. Diese Farm hat niemanden einen Cent gekostet, bis Sie sie in die Finger bekamen."

Neben Robert Redford, der im gleichen Jahr den Regie-Oscar für "Eine ganz normale Familie" gewann, überzeugen die Nebendarsteller mit passenden Auftritten, auch wenn nur wenig abseits von Henry Brubaker erzählt wird. Alles in allem ein sehr stimmungsvoller und nachdenklicher Film, der auch den Humor nicht vergisst. Wie Henry Brubaker eine Ratte in seiner Unterkunft mit einem Revolver jagen will, ist urkomisch. Im Knast hat man offensichtlich viel Zeit zum Nachdenken. Und zwar auf allen Seiten. Ein merkwürdiger Film, aber auch ein sehr guter.

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Kommentare

11.07.2019 10:06 Uhr - Chímaira
1x
User-Level von Chímaira 11
Erfahrungspunkte von Chímaira 1.627
Ein mir gänzlich unbekannter Film. Danke für die Vorstellung :)

Hin und wieder hatte ich das Gefühl, diesen Schreibstil bereits häufiger gelesen zu haben. Warst Du bereits unter einem anderen Usernamen aktiv?

11.07.2019 11:40 Uhr - sonyericssohn
1x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 18
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 6.253
Grandioser Gefängniskracher mit einem ebenso grandiosen Redford ! ...und überraschenden Härten !

Passende Kritik

11.07.2019 11:47 Uhr - VelvetK
2x
User-Level von VelvetK 1
Erfahrungspunkte von VelvetK 21
Danke, Chimaira. Wenn du Gefängnisfilme magst, wird dir der bestimmt gefallen. Und danke auch für das Lob des über die Jahre zusammen geklauten Schreibstils wirklich guter und professioneller Autoren, der dir bekannt vorkommt :-)

@sonyericssohn

Hab deinen knappen Text gestern gesehen und auch mitbekommen, dass du den Film damals hier eingetragen hast. Der lohnt wirklich sehr!

11.07.2019 12:19 Uhr - sonyericssohn
1x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 18
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 6.253
Ja, der Text von vor hundert Jahren :-D
Ich müsste einige meiner alten Teile mal einer Erfrischungskur unterziehen...

11.07.2019 12:30 Uhr - VelvetK
1x
User-Level von VelvetK 1
Erfahrungspunkte von VelvetK 21
Aller Anfang ist eben ein Anfang :-)

11.07.2019 12:32 Uhr - sonyericssohn
1x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 18
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 6.253
Oder so... ;-)

11.07.2019 13:15 Uhr - Chímaira
1x
User-Level von Chímaira 11
Erfahrungspunkte von Chímaira 1.627
11.07.2019 11:47 Uhr schrieb VelvetK
Danke, Chimaira. Wenn du Gefängnisfilme magst, wird dir der bestimmt gefallen. Und danke auch für das Lob des über die Jahre zusammen geklauten Schreibstils wirklich guter und professioneller Autoren, der dir bekannt vorkommt :-)

Also mein letzter Gefängnisfilm war wohl "Haus der Peitschen", der mich jetzt nicht ganz überzeugen konnte 🤷‍♂️

Von Klauen habe ich doch nichts gesagt ;P

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