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VelvetK
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Eintrag: 16.07.2019

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Apocalypse Now

Herstellungsland:USA (1979)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Krieg
Alternativtitel:Apocalypse Now: Redux
Apocalypse Now Redux

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,05 (89 Stimmen) Details
inhalt:
Auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges erhält der Militärpolizist Captain Willard einen waghalsigen Auftrag. Gemeinsam mit einer kleinen Truppe Soldaten begibt er sich in Richtung kambodschanische Grenze, um einen hochrangigen US-Militär, Colonel Kurtz, zu liquidieren. Kurtz, der sich mit einer folgsamen Einheit im Dschungel verschanzt hat, gehorcht keinerlei Militärbefehlen mehr und sorgt für Angst und Schrecken. Dem will Captain Willard nun ein Ende bereiten...
eine kritik von velvetk:

"Ich denke immer wieder, junge Regisseure sind alten Regisseuren gegenüber im Vorteil. Junge sind enthusiastisch. Das kann ein älterer auch sein, aber der jüngere hat eines voraus: Der jüngere ist einfach dümmer. Er probiert Dinge, die völlig dumm sind und ganz offensichtlich undurchführbar. Wenn ich an den Film denke und was wir versuchten, mit dem Geld was wir hatten, und dem Vertrag, den ich unterzeichnete, was dachte ich mir nur dabei?" - Francis Ford Coppola

Als "Apocalypse Now" im Oktober 2001 in der vollständigen und ausschweifenden, brillanten und formidabel restaurierten wie gänzlich neu synchronisierten Redux-Fassung in den hiesigen Kinos startete, war ich keine 16 Jahre alt und konnte mich mit ein paar Freunden ohne kleinliche Behelligung ins Kino schleusen. Zu jener Zeit war der (Anti-)Kriegsfilm wieder in aller Munde und brachiale Kaliber wie Spielbergs "Der Soldat James Ryan" rissen vor allem hinsichtlich ihrer audiovisuellen Wucht ganz neue Türen ein - da konnten soundtechnisch limitierte Filme wie "Platoon", "Full Metal Jacket" oder eben "Apocalypse Now", zumindest in der deutschen Vertonung und trotz großer inhaltlicher Stärken im Gegenzug, nicht mithalten. Doch Filmemacher Francis Ford Coppola, dessen Vorwort zum endgültigen Final Cut ein Genuss ist, ist seit Jahren an dem langfristigen Erhalt seines Gesamtwerkes dran und polierte Klassiker wie die "Pate"-Trilogie und seine schwierige "Dracula"-Verfilmung sorgfältig auf, was ihm und den zuständigen Teams hervorragend gelang. Zuerst erfuhr eben der hypnotische, sonderbar faszinierende und abseitige "Apocalypse Now" eine berauschende Generalüberholung und schon vor knapp zwanzig Jahren erstrahlte der 1979 uraufgeführte Film in einem passenden Glanz und einer hervorragenden Tonabmischung, der einen bis heute tief und der Gesellschaft abgewandt hinab zieht, in das Herz der Finsternis. Über Jahre hinweg wuchs der düstere und im Detail komplexe Film, dessen vielschichtige Bedeutung mir im Kino ob meiner jugendlichen Zufallsbegegnung zuerst nicht bewusst war. Bis heute habe ich keinen weiteren Film erwischen können, der so viel bunt zirkelnde Rauchfackeln und wabernd kreisende Farbwolken in sich und seine Protagonisten hineinfrisst und einen grell anziehenden wie betäubenden Dunst um sich und seinen Zuschauer auffährt, wie "Apocalypse Now", egal in welcher Ausgabe.

Überraschenderweise konnte ich auch Jahre später, mit der lange vor mir hergeschobenen und knapperen Kinofassung etwas anfangen, die ganz und gar nicht den Eindruck erweckt, dass sie unbeholfen oder wahlweise unfertig für sich steht - außerdem hat auch die alte Synchro, trotz eingeschränkter technischer Qualität, ihren Reiz. Noch heute mache ich gerne den zur Verfügung stehenden Zeitfaktor verantwortlich, welche der beiden Fassungen ich anschaue, obwohl ich mit dem Gedanken an eine Erfahrung mit Coppolas Meisterwerk schon immer etwas mehr Zeit veranschlagte. Wichtig ist stets, dass es draußen und rund um mich dunkel ist, endet der beste und abgründigste aller Filme im Gewand des Krieges, in seiner kraftvoll geschaffenen und letztlich gestört verendenden Hölle, mit schweren Hieben im Rausch zu Tode gerichtet. Hier kann man eigentlich gar nicht, in dieser höllisch metaphorischen Konsequenz, von einem gewöhnlichen Finale eines sehr guten Filmes sprechen, sondern vielmehr vom zelebrierten Krepieren des letzten Restes an Menschlichkeit - die philosophischen Monologe von Colonel Walter E. Kurtz (Brando) sind in ihrer verdorbenen Konfrontation mit Captain Willard (Sheen) niederschmetternd. "Apocalypse Now" ist ohnehin viel weniger ein euphorischer Kriegs- oder schwammig positionierter Antikriegsfilm im eigentlichen Sinne. Viel mehr ist das ausnehmend schöne, mürbend-meditative und oftmals betörend anwidernde Werk von Coppola ein stechendes, diffuses und völlig vereinnahmendes Horror-Drama mit außergewöhnlichen Darstellerleistungen, klopfend an der Pforte der Unterwelt. Allein die genialen Auftritte von Robert 'Napalm' Duvall oder Dennis Hopper sind schon die Aufmerksamkeit wert - in jedem Kapitel gibt es einen Star, der das Grauen in all ihrer Absurdität nachzeichnet. Dann die gut ausgefüllten Nebenrollen, besetzt von späteren Hochkarätern wie Harrison Ford oder Laurence Fishburne - großartig, teils einfühlsam und perfekt gewichtet!

Nach wie vor bilden der spät auftretende, aber allgegenwärtige Marlon Brando und Martin Sheen in der Rolle seines Lebens das finster verkrustete und grässlich flimmernde Herz von "Apocalypse Now", mit all seinen geschwärzten Äderchen, vernarbten Kammern und lebensmüden Klappen. Brando ist, in der Rolle des gesuchten Walter E. Kurtz, eine im Hintergrund verschwimmende, schwelend-verglühende und beinahe mythische Erscheinung, die, auch aufgrund Brandos viel zu kräftiger Statur, nur in schattigen und abblenden Lichtern gehüllt, poetische, dunkle und desillusionierte Wortfetzen von sich gibt. Nicht nur aufgrund seiner vielen Differenzen mit allen möglichen Filmemachern, bleibt in Brandos Präsenz in Erinnerung - er wurde nie laut, boykottierte nur immerzu sanft den Schaffensprozess zu seinen Gunsten. Brando las das zugrunde liegende Buch erst während der Dreharbeiten, zögerte und blockierte den Fortgang des Films und kam nur schwerlich, ablenkend und spät - seine wortgewandte Faulheit war legendär - in den differenzierten Stoff hinein, verinnerlichte aber irgendwann wie kein zweiter Schauspieler das, was am Ende zählt. Mir fällt nach wie vor kein weiterer Akteur dieser Zeit ein, der das hätte so intonieren können, kahlgeschoren und eigen. Der Gott, der gestürzt gehört - Wahnsinn in seiner pursten Form. Marlon Brandos Auftritt in "Apocalypse Now" ist eine aufregende und verzerrte Fügung, die kaum ein anderer Regisseur und Geldgeber zugelassen hätte. Coppola bewies ein extrem hartes Fell mit dieser überteuerten, zeitlich maßlos überzogenen und völlig aus dem Ruder gelaufenen Produktion, die in diesen Tagen so perfekt, wahnwitzig enthusiastisch und zeitlos resigniert, so ausnehmend und grauenhaft schön nachhallt - wieder und wieder schaudert es, setzen die dunklen Synthies und orchestrale Musik ein. Wer mehr darüber erfahren will, warum "Apocalypse Now" ein beinahe-Disaster wurde, sollte unbedingt die Doku "Hearts of Darkness" ansehen, die in einigen vergangenen Sets enthalten ist und wohl auch in den kommenden Komplettpaketen des Films drin sein wird.

Martin Sheens ruhig und brodelnd angelegter Captain Willard, der Brandos abtrünnige und vermeintlich krankhafte Figur zu Strecke bringen soll - so simpel ist der Plot in seinen gen Hölle schippernden Grundzügen gezeichnet -, ist Hauptdarsteller, Erzähler und die verpasst ins Leere gekippte Katharsis von "Apocalypse Now" - allein dieser vollends des Lebens abgetötete Blick in mancher Szene wäre einen Oscar wert gewesen. Von Anfang bis Ende ist Martin Sheen, nachdem Erstkandidat Harvey Keitel gefeuert wurde, mit Herz, Seele und der richtigen Temperatur dabei. Sein definierter Auftrag und die lang andauernde Reise sind so klar, so endlich und nach und nach doch fraglich, dass das Ende immer wieder in einem matschigen, blutig verrührten und ins Dunkel gehüllten Brei aller Facetten der Wahrheit bricht - der frontale Krieg und seine gespiegelten Spitzen kennen keine Sieger, nur ausgemergelte Leere, bittere und mechanische Leere. Ein virtuoser Auftritt von Sheen, der den Film über drei Stunden hinweg meisterhaft trägt und den wohl intensivsten Auftritt seiner Karriere rundet.

Nun, 18 Jahre nach meinem ersten Kontakt mit dieser Glanztat, welches in seinen Szenen mit den Franzosen bei einem für Coppola typischen Dinner großes und noch immer geltendes über den Krieg der Amerikaner aussagt, kroch ich wieder aus dem Kino. Älter und reifer, auch resignierter und leerer, eingespannt in die westliche Flucht nach Mehr. Ich sah zum zweiten Mal einen Film auf der großen Leinwand, der Jahre vor meiner Geburt die Kinos mit einer ungemütlich schwülen Hitze flutete. Der Final Cut ist, wie schon die einst modernisierte Redux-Fassung, eine imposante Augenweide. "Nie sah der Film besser aus"., heißt es oft. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Auch der pointiert prasselnde Sound besticht mit einer umschlingenden und gelungen ausbrechenden Atmosphäre - selten klangen Regen und Gewitter so realistisch. Der voluminöse Raumklang mit seiner spürbaren Direktionaliät, den wuchtigen, aber nie abgrundtief unpassenden Bässen und dieser beispiellosen Atmo mag durchaus aktuelle Filme von den Stümpfen pusten und Akzente im Spiel zwischen Auge und Ohr offenbaren - "Apocalypse Now" hat nie besser geklungen und ausgesehen, wie es so schön heißt. Alles wirkt greif- wie fühlbar. Zu keinem Zeitpunkt klingt der dystopische Film so, als entstand dieser in den späten Siebzigern des letzten Jahrhunderts. Kinetische Rupfer, brennendes Feuer, flankierende Schüsse und außer Kontrolle geratene Angriffe gen Charlie und retour. Das Team um Francis Ford Coppola trotzte allen Widrigkeiten und der Aussichtslosigkeit während einer verschwenderisch ausufernden Produktionsphase und formte damit eine schmerzvolle Krönung, welcher bis heute kein weiterer Kriegsfilm auch nur nahe kommt. "Apocalypse Now" flammt mit einer ehrfürchtigen Wirkung nach, die ganz für sich steht, fällt und fällt. Eine filmische Krone, ragend aus dem Dreck und dem vergossenen Blut, verschlungen vom endlich-urbanen Dickicht des Dschungels.

Egal ob in der sehr guten Kinofassung, des starken und gelungen verkürzten Final Cuts oder der einzig wahren Redux-Fassungen: "Apocalypse Now" gehört auf einen großen Schirm, in einen abgedunkelten Raum und durch eine leistungsstarke Anlage oder gute Kopfhörer gegossen, bis es am Herzen schabt und schneidet, flammend verendet. Ein zeitloses und waghalsiges Ereignis fern jeden Jubels. Was dachte sich Coppola nur dabei? Keine Sieger, nur diese finstere Leere. Dieses finstere Grauen.

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Kommentare

16.07.2019 13:02 Uhr - JasonXtreme
2x
DB-Helfer
User-Level von JasonXtreme 13
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.524
Noch paar Absätze wären suppi :D aber sehr schöne Rezi! Über die Fassungen scheinen wir uns ja einig zu sein

16.07.2019 14:11 Uhr - sonyericssohn
2x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 18
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 6.419
Starke Kritik !
Gebe aber Jason Recht, bau noch ein paar Absätze ein. Des Lesens wegen.
Danke ! ;-)

16.07.2019 14:27 Uhr - Knochentrocken
2x
User-Level von Knochentrocken 5
Erfahrungspunkte von Knochentrocken 413
Sehr schön!
Immer wieder ein Genuss, zu lesen, wem welche Fassung am besten gefällt. 😁
Ich bin ja auch mal gespannt, wie der neue Recut vom 3. Teil des Paten wird, wobei ich auch zugeben muss, dass ich nie ein Feind vom 3. Teil war, er allerdings wahrlich der Schwächste der Trilogie ist.

16.07.2019 14:51 Uhr - VelvetK
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User-Level von VelvetK 2
Erfahrungspunkte von VelvetK 98
Da wollte ich es dem Film wohl zu gleich tun mit der Textmasse. Ich trenne das heute Abend mal noch ein wenig auseinander :-)

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