SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Böses Zombie-Spiel PS4 aus AT · Hol dir den Klassiker ohne Zollprobleme · ab 19,99 € bei gameware Wolfenstein Youngblood · Internationale Version mit Symbolik · ab 39,99 € bei gameware
VelvetK
Level 2
XP 98
Eintrag: 18.07.2019

Amazon.de

  • Shining
4K UHD/BD Steelbook
39,99 €
4K UHD/BD
29,99 €
  • Red Heat
4K UHD/BD Steelbook
39,99 €
Blu-ray
14,99 €
DVD
12,99 €
  • Godzilla II: King of the Monsters
4K UHD/BD
30,99 €
BD 3D
25,99 €
Blu-ray
18,99 €
DVD
15,99 €
4K UHD Limited Steelbook
35,99 €
  • Chernobyl
Blu-ray/DVD Mediabook
22,99 €
Blu-ray
17,89 €
DVD
15,89 €
  • Der Schwanz des Skorpions
Blu-ray LE
15,99 €
Blu-ray
18,99 €

Für ein paar Dollar mehr

(Originaltitel: Per Qualche Dollaro in Più)
Herstellungsland:Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien (1965)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Western
Alternativtitel:...et pour quelques dollars de plus
For a Few Dollars More
La Muerte tenía un precio
Por unos cuantos dólares más
Por unos pocos dólares más

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,98 (45 Stimmen) Details
inhalt:
Für ein paar Dollar mehr:

Eastwood kehrt zurück als wortkarger Fremder namens Monco in Leones "Dollar-Nachfolger": Um sich das Kopfgeld für die Bande des skrupellosen Banditen El Indio (Gian Maria Volonté) zu sichern, hecken er und sein Konkurrent Mortimer (Lee van Cleef) den Plan aus, Monco in die Höhle des Löwen einzuschleusen. Doch Mortimer verschweigt, dass er auch noch eine ganz persönliche Rechnung mit El Indio offen hat ...
eine kritik von velvetk:

Für mich sind alle drei Filme der sogenannten Dollar-Trilogie von Sergio Leone jedes Mal wieder ein unvergleichliches Erlebnis und vielleicht ist es diese lose miteinander verbundene und imponierende Filmreihe, welche für die einsame Insel absolut ausreichend wäre. Egal welchen Film ich auch um den Mann ohne Namen einlege, sie werden nie langweilig. Ich kann mich nie richtig entscheiden, welchen ich am meisten mag, denn diese Initialzündung des Italowesterns gehört einfach zusammen. Ich denke, dass "Zwei glorreiche Halunken" mit einem Fünkchen Abstand zu "Für ein paar Dollar mehr" der beste Film dieser spielerisch stilprägenden Reihe und auch von Leone selbst ist - nach diesem fulminanten Dreier erreichte Leone nie wieder diese ungestüme, aufmüpfige und innovative Leichtigkeit und verlor auch für Filme wie "Es war einmal in Amerika" und "Spiel mir das Lied vom Tod" an Humor, was man Leone im Kontext dieser späteren Werke auch nicht verübeln kann. Der Genre definierende Einstand "Für eine Handvoll Dollar" hat ebenfalls seine ganz eigenen Reize, diesen genialen Vorspann, der an die ersten "James Bond"-Filme erinnert, und ist vermutlich die stärkste Variation des Romans "Rote Ernte", noch vor "Last Man Standing" von Walter Hill oder "Yojimbo, der Leibwächter" von Akira Kurosawa, der Leone um ein paar Dollar erleichterte, als er feststellte, dass "Für eine Handvoll Dollar" ein finanziell erfolgreiches Remake seines "Yojimbo" ist. Zudem gefällt die knackige Laufzeit und das Wissen, mit wie wenig Geld hier erstaunliches geleistet wurde. "Für eine paar Dollar mehr" kommt dem epischen Überklassiker und der vor Spannung berstenden Krönung von 1966 am nächsten und steht bei mir nur aufgrund der weniger ausgefeilten Epik des Finales auf dem zweiten Platz - man wünscht sich regelrecht, dass auch "Für ein paar Dollar mehr" die Zeit am Ende des überwachten Duells ins Unendliche zu denen vermag. "Für ein paar Dollar mehr" ist - mit der grandiosen und tiefgründigen Hauptrollengewichtung Van Cleefs - der zweitbeste Film der Reihe mit dem zweitbesten Finale im ganzen Genre.

In jedem körnigen Frame spürt man den großen Erfolg und den wohlwollenden Zuspruch des schon sehr guten Vorgängers und Leone wie auch Morricone perfektionierten hier erstmals ihren unverwechselbaren, treibenden und märchenhaften Style, der den Western in seinen Grundzügen ganz neu - und zwar weit weg von Amerika - wiederbelebte. "Für ein paar Dollar mehr" hat die wohl eigenständigste und stringenteste Geschichte der Dollar-Trilogie. Nach dem letzten Schusswechsel offenbart "Für ein paar Dollar mehr" einen der besten Twists der ganzen Filmgeschichte. Mortimers knappe Motivation wirft ein ganz neues Licht auf die Geschehnisse - immer wieder Gänsehaut. "Für ein paar Dollar mehr" tritt für 130 Minuten niemals schräg zur Seite, was man "Zwei glorreiche Halunken" durchaus vorwerfen könnte, und bleibt immer an seinen drei Hauptprotagonisten und der motivierenden Story um eine persönliche Rechnung, die noch aussteht. "Für ein paar Dollar mehr" spinnt sich langsam und atmosphärisch wie kein Trittbrettfahrer jener Epoche empor und ist auch viel humorvoller als die anderen Teile. Eine Vorstufe des im Nachfolger perfektionierten Il Triellos. "Für ein paar Dollar mehr" gibt dem skrupellosen Antagonisten El Indio (Gian Maria Volonté), Colonel Douglas Mortimer (Lee Van Cleef) und dem Mann ohne Namen, der in jedem der Filme aber dennoch irgendeinen Namen trägt, eine unvergessliche Sternstunde im Genre des europäischen Westerns. Hier nennt sich Clint Eastwoods rauchender und ikonisch gekleideter Cowboy übrigens Monco.

Neu im Mainstreamkino war es, dass eine Figur, El Indio, Marihuana konsumiert, was im Sinne der Geschichte und der Tragik mehrere Figuren von großer Bedeutung ist. El Indio gehört zu den am besten geschriebenen und gespielten Bösewichten der gesamten Westernhistorie und einige Rückblenden, deren Style Leone später in "Todesmelodie" wieder aufgriff, falten sich bis zum finalen Duell zwischen ihm und Mortimer zu einem geduldigen Ganzen auf. Volonté, der hier wirklich alles gibt, beeindruckt in seinen vielen Szenen, in denen man nie so richtig weiß, wie er gleich reagieren wird. Zwischen manisch depressiven Verhaltensweisen und irren Gewaltausbrüchen, die Volonté immer mit herzhaften Gelächter abfeiert, und klärend verbissenen Momenten, bleibt seine Figur in der von ihm selbst zerstörten Vergangenheit betäubt verhaftet, was auch von Ennio Morricone mit einem sanft tragischen Glockenspiel aus einer kleinen Spieluhr untermalt wird. Eine Spieluhr, die auch Van Cleefs Charakter Mortimer gewissenhaft antreibt. Leone wollte unbedingt Lee Van Cleef und sein kantiges Antlitz als quasi-Buddy für Eastwood und spielte, nachdem er über Jahre hinweg eher ein Statist in Hollywood war, auch umgehend mit. Seine Präsenz und diese Stimme - das war genau die Rolle, die ihn weltberühmt gemacht hat. Nebenbei spielt Van Cleef mal ganz locker einen gewissen Klaus Kinski, der hier dennoch seinen typisch unverwechselbaren Eindruck hinterlässt, buchstäblich an die Wand. Quentin Tarantino führte Jahre später diese Art des Castings, genau den richtigen Schauspieler für die richtige Rolle zu besetzen, fort. Eastwoods qualmender Fremder verkommt im Gesamten vielleicht nur zu einer besseren Nebenfigur, was daran liegt, dass "Für ein paar Dollar mehr" klar Mortimers Geschichte ist, aber dennoch spielt Eastwood die vormals etablierten Trademarks cool, unnahbar und knallhart aus und punktet neben dem sicher und markant auftretenden Lee Van Cleef mit ein paar sehr ironischen One-Linern, die seine spätere Karriere sicher maßgeblich beeinflussten - selten klang ein "Bravo" so verdammt cool wie hier, wahlweise von Eastwood selbst oder dessen deutschen Stammsprecher Klaus Kindler gesprochen. Überhaupt ist so ziemlich alles am zweiten Film größer, versierter und besser als im schon grandiosen Vorgänger. Genauso sieht ein staubiges, dreckiges und genüsslich grinsendes Stück cineastische Leidenschaft für nur ein paar Dollar mehr aus, lässt man einen begnadeten, nonkonformen und visionären Filmemacher wie Sergio Leone von der Leine.

600.000 Dollar, also dreimal so viel wie beim Vorgänger, stellte man Leone zur Verfügung und jeden investierten Dollar on top sieht und hört man. Schon das exzellente Sonddesign, mit seinen fetzigen und hallenden Schüssen oder den vom Score losgelösten Pfiffen, ähnlich wie in einem frechen Cartoon, irritieren - dieser Italowestern ist und bleibt ein Ausrufezeichen, das noch heute das Maß aller Dinge ist. In filmischer Hinsicht war Leone hier in voller Blüte und seine Reife in allen Belangen ein Triumph, den er so, nach dieser Trilogie, nie wieder reproduzieren konnte. Es gibt jede Menge mehr Wortwitz und bessere Dialoge als im Vorgänger - auch Autor Luciano Vincenzoni schöpfte aus dem Kassenerfolg und lieferte hier einige der besten Zeilen und Wirrungen seiner Karriere ab. Die Sets und Kostüme sind stimmiger und auch der Cast viel prominenter und vielfältiger. Amerikaner, Spanier, Italiener und Deutsche in Haupt- und Nebenrollen, zig Statisten aus ganz Europa - Leone wählte sehr sorgfältig die richtigen Gesichter im wahrsten Sinne des Wortes aus, denn auch die extremen Nahaufnahmen und unterhaltsamen Spielchen mit der gedehnten filmischen Zeit, welche nichts mehr mit dem Realitätsanspruch anderer Western gemein hat, sind viel ausgeprägter, atemberaubender und intensiver. Leone und Morricone treten kontinuierlich auf's Gas und steigern sich bis zum tragisch epischen Finale, das eben nur vom Nachfolger in einer grenzenlos scheinenden Geste getoppt worden ist.

Der immer klasse platzierte Humor in Verbindung mit den charismatischen Halunken Monco und Mortimer, erzeugt eine herrliche Chemie, die es nach dem alleinigen Feldzug von Eastwood im Vorgänger gebraucht hat. Es sind alle Szenen zwischen den zuerst widerwilligen Partnern Van Cleef und Eastwood, zum Beispiel die geniale Pseudoschießerei zum Kennenlernen, die einmalig im Genre sind. Minutenlang ballern sich die beiden zielsicheren Kopfgeldjäger ihre Hüte von den Köpfen. Testosterongeladener Respekt. Einfach so fliegen bei Nacht die Hüte und ein paar knallende Schüsse gen Himmel, nur um dann einen fruchtbaren Packt zu schließen, um El Indio zur Strecke zu bringen. Morricones zahlreiche, unterschiedliche, neuartige und bis heute einzigartige Musikthemen setzen dem Ganzen dann ein Häubchen auf, dass es abseits dieser Trilogie - in Spiel, Regie, Bild und Musik - nie wieder gegeben hat. Das dramaturgische Selbstbewusstsein dieses überragenden Westerns, die etlichen und liebevoll ausgearbeiteten Details, entfalten sich immer weiter und "Für ein paar Dollar mehr" könnte sich, auf lange Sicht, als mein persönlicher Liebling unter den Filmen Leones herauskristallisieren, welcher keine Langeweile aufkommen lässt. Beim korrigieren dieser Zeilen stellte ich aber fest, als nur so nebenbei "Für eine Handvoll Dollar" lief, dass ich im Zweifelsfall wohl doch "Ene mene muh" spielen müsste, um mich vollends festzulegen.

Erwähnenswert sind die gelungenen und im Pack erhältlichen HD-Scheiben der ersten beiden Dollar-Filme, die, so gut es eben ging, ansprechend restauriert worden sind. Die Bildqualität der beiden Filme ist dem Alter entsprechend sehr gut geraten, scharf und nur von wenigen Makeln wie Kratzern oder Flackern behaftet. Farben, Kontrast und Laufruhe sind für fast sechzigjährige Billigproduktionen beachtenswert und nachgefiltert wurde da augenscheinlich auch nix. Ein Herz für Filmkorn. Diese Filme sehen aktuell womöglich besser aus, als damals im Kino. Anbieter Universum Film verpasste es nicht und hat neben dem englischen O-Ton beide deutsche Synchronfassungen der Dollar-Filme auf die Discs gepackt. Ich bleibe nach einigen Versuchen mit der etwas markigeren und angeblich lustigeren Synchro von Rainer Brandt aus dem Jahre 1978, doch lieber bei der sehr viel leiseren, rauschenden, aber auch passender klingenden Originalvertonung aus den Sechzigern. Neben der audiovisuellen Wohltat sind die Discs auch gut mit Extras bestückt. Fast vier Stunden an gehaltvollen Interviews, kleineren Dokus, Werbematerialien und untertitelten Audiokommentaren stehen zur Verfügung. Vor allem die Anekdoten und Anmerkungen von Christopher Frayling sind spitze und informativ - wer über's Filmemachen wirklich etwas erfahren will, ist hier ganz richtig. Ein strahlendes Paket, das nur eine Handvoll Dollar, äh Euro gekostet hat.

Ene mene muh...und drinne bist du...

10/10
mehr reviews vom gleichen autor
Achteinhalb
VelvetK
10/10
Papillon
VelvetK
6/10
die neuesten reviews

Kommentare

18.07.2019 23:57 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.189
Sehr toll geschrieben und ich liebe auch diesen 2. Teil über alle Maßen. Muss ich tatsächlich demnächst wieder mal alle schauen. Und ja, auch ich habe ein Herz für Filmkorn;-)

Schön ausgedrückt!

19.07.2019 01:21 Uhr - Knochentrocken
1x
User-Level von Knochentrocken 5
Erfahrungspunkte von Knochentrocken 413
18.07.2019 23:57 Uhr schrieb TheRealAsh

Und ja, auch ich habe ein Herz für Filmkorn;-)

Schön ausgedrückt!



Nicht nur ihr! Als ich die BD von Scarface damals gekauft und dann gesehen habe. Einfach geil!

Ps.: jau, echt geil geschrieben und der Film... auch ein Klassiker!

19.07.2019 06:49 Uhr - VelvetK
1x
User-Level von VelvetK 2
Erfahrungspunkte von VelvetK 98
Danke! Egal in welcher Verfassung und egal zu welcher Tageszeit - die Dollar-Filme gehen immer!

19.07.2019 09:29 Uhr - Chímaira
User-Level von Chímaira 11
Erfahrungspunkte von Chímaira 1.653
Francis, bist du es? ;)

19.07.2019 10:02 Uhr - VelvetK
User-Level von VelvetK 2
Erfahrungspunkte von VelvetK 98
Nein, ich denke nicht. Wer auch immer Francis sein soll :-)

19.07.2019 16:36 Uhr - Der Dicke
User-Level von Der Dicke 5
Erfahrungspunkte von Der Dicke 376
A propos Christopher Frayling: Wer sein Buch "Once upon a time in Italy" noch nicht gelesen bzw. bestellt hat, wäre gut beraten, dies zu tun. Das kommt bei mir seit über 10 Jahren alle paar Monate aus dem Regal.

19.07.2019 18:51 Uhr - VelvetK
User-Level von VelvetK 2
Erfahrungspunkte von VelvetK 98
Scheint es aber nur in Englisch zu geben @Der Dicke? Reizvoll wäre das allerdings.

21.07.2019 15:39 Uhr - Chímaira
User-Level von Chímaira 11
Erfahrungspunkte von Chímaira 1.653
19.07.2019 10:02 Uhr schrieb VelvetK
Nein, ich denke nicht. Wer auch immer Francis sein soll :-)

Na FrancisYorkMorgan :D

22.07.2019 20:18 Uhr - VelvetK
User-Level von VelvetK 2
Erfahrungspunkte von VelvetK 98
Ach der. Von dem habe ich schon viel gehört. Allerdings denke ich nicht, dass man noch einmal etwas von ihm zu lesen bekommen wird.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)
Impressum Datenschutz Nutzungsbedingungen Team Kontakt / Werben Mithelfen
© Schnittberichte.com (2019)