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The Machinist
Level 5
XP 392
Eintrag: 02.09.2019

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Liverleaf

(Originaltitel: Misumisô)
Herstellungsland:Japan (2018)
Genre:Horror, Drama, Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,67 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Die Schülerin Haruka Nozaki geht durch eine menschgemachte Hölle. Von Tokio neu in die abgelegene Kleinstadt gezogen, gilt sie an der Schule als Außenseiterin. Dies bekommt sie jeden Tag zu spüren, wenn sie den Schikanen ihrer Klassenkameraden ausgesetzt ist. Die Grenzen der Menschlichkeit verschieben sich dabei mehr und mehr ins Extreme und gipfeln schlussendlich in der fatalen Katastrophe. Als das Zuhause von Haruka in Flammen aufgeht, ihre Eltern dabei ihr Lebenverlieren und ihre kleine Schwester lebensgefährlich verletzt wird, bricht für die Schülerin eine Welt zusammen. Mit dem Wintereinbruch friert auch ihre Seele ein und sie macht sich auf, all jene zur Rechenschaft zu ziehen, die ihr und ihrer Familie Leid angetan haben. Bald schon färbt sich der Schnee blutrot...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von the machinist:

Basierend auf dem Manga Misumisou von Autor Rensuke Oshikiri entstand 2018 unter der Regie von Eisuke Naito der Film Liverleaf, ein ganz spezieller Genre-Bastard, der Teenager-Drama mit blutigem Rache-Thriller vereint. Und der ist mal wieder ein Paradebeispiel von einem sperrigen Leinwandmonstrum, das vielleicht nicht immer die richtigen Töne trifft, aber dennoch zu faszinieren weiss. Ab diesem Punkt dürfen Normalsterbliche meine Lektüre gerne abbrechen, jeder der sich allerdings von Filmen Takashi Miike's, Sion Sono's oder Kim Ki-duk's angezogen fühlt, der könnte in dieser Kritik fündig werden.

Haruka Nozaki (Anna Yamada) ist aus Tokio und lebt nun mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester in einem verschneiten Städtchen, wo sie die Schule besucht. Dort wird sie unter der Anführerin der Klasse Taeko (Rinka Otani) und auch den anderen Schülern immer wieder Opfer von Mobbing  Es sind nur noch wenige Wochen bis zur Abschlussprüfung und Harukas Eltern wollen, dass ihre Tochter bis dahin zuhause bleibt. Mitschülerin Rumi (Rena Ohtsuka), die vor dem Mädchen aus Tokio das Ziel von Mobbing-Angriffen war, soll in Taekos Auftrag Haruka dazu bringen, wieder in die Schule zu kommen. Haruka kümmert sich aber nicht darum. Sie ist jedoch sehr glücklich, als sich ihr Mitschüler Mitsuru (Hiroya Shimizu) nach ihr erkundigt, denn er ist der einzige der wirklich nett zu ihr ist. Als sie beide spazieren gehen, sieht sie bei der Rückkehr ihr Haus brennen, Mitsuru kann gerade noch Harukas schwer verletzte Schwester retten, aber die Eltern sind bereits tot. Haruka ist traumatisiert, zumal ihre Schwester im Koma liegt, geht jedoch wieder zur Schule. Die Schüler verhalten sich ihr gegenüber eigenartig und es scheint klar, dass sie etwas mit dem Brand zu tun hatten. Als sie Haruka aber weiterhin nicht in Ruhe lassen, setzt diese sich mit drastischen Mitteln zu Wehr ...

 

Das Drama um ''Liverleaf''

Ja, in Eisuke Naito's Film tun sich menschengemachte Abgründe auf. Warum ausgerechnet Haruka von den anderen Schülern als Opfer auserkoren wird ist unklar, denn selbst die anfänglich offensichtliche ''Antagonistin'' Taeko nimmt das schüchterne Mädchen aus Tokio nur als weitere Belanglosigkeit im öden Schulalltag war. Das Drehbuch zeigt ein durchaus satirisches Bild einer Schul-Hirarchie, wie sie tyrannischer kaum sein könnte, eine psychologische Höllengrube in der selbst Lehrer den abgestumpften Jugendlichen der Moderne hilflos ausgeliefert sind.

Der Grund für das Mobbing und die allgemeine Gewaltbereitschaft der Kinder geht dabei von reiner Langeweile aus, besonders eindringlich vor Augen geführt in einer Szene in der zwei Freunde im Wald mit Armbrust und Luftpistole aufgescheuchte Krähen vom Himmel schießen, denn: ''In dem verdammten Kaff passiert ja sowieso nie was Spannendes.'' 

Mit Anna Yamada in der Hauptrolle hat man eine glaubwürdige Identifikationsfigur, der man eigentlich nur wünscht, der Albtraum würde bald ein Ende nehmen. Das Schauspiel gestaltet sich insgesamt eher emotional distanziert - manche Figuren agieren regelrecht wie Roboter - und wird nur selten vom typisch japanischen Overacting durchbrochen. In Liverleaf ist Gut und Böse aber nicht gleich festgelegt, sondern darf auch mal munter variieren, wie sich im Ablauf der 114 Minuten Filmmaterial zeigt. So gewinnen alle beteiligten Akteure nach und nach neue Facetten ihrer Charakterisierung hinzu, was ebenfalls mit oftmaligen Zeitsprüngen einhergeht. Es kann also passieren, dass eine augenscheinlich unschuldige Person 20 Minuten später, auf einmal mit einer garnicht mehr so reinen Weste wie zuvor dasteht.    

 

Der Exzess in ''Liverleaf''

Abseits der Tatsache, dass Liverleaf bereits in seinem dramaturgischen Aspekt eine schonungslose, emotionale Tour de Force entfesselt, geht man im Bereich der Gewaltdarstellung gleich noch einige Nummern weiter. Wenn die Anlaufphase von etwa 40 Minuten überstanden ist, dann mutiert Haruka zu einem metaphorischen Racheengel, einer Versinnbildlichung aller Mobbing-Opfer dieser Welt, und übt aufs grausamste Vergeltung an der Schülerschaft. Die Art und Weise wie die Morde erfolgen und welche Reaktionen diese hervorrufen können, reicht dabei vom klassischen hard to watch, also realistisch und für sensible Gemüter ungeeignet, bis hin zu over the top-Gewalttaten, die in ihrer surreal anmutenden Visualisierung scheinbar 1zu1 dem Ausgangsmaterial entnommen wurden.

Dargestellt werden die zahlreichen Grobheiten dabei mittels Make-up, Kunstblut und Atrappen, aber ebenfalls durch den Gebrauch digitaler Bluteffekte. Diese wirken jederzeit sehr plastisch, da sie keinen Einfluss auf die direkte Umgebung haben, also weder auf Personen, noch Oberflächen haften. Das Blut aus dem Rechner wirkt dabei nicht zwingend billig, aber nichtsdestotrotz sehr offensichtlich. Freunden des japanischen Kinos dürften Ähnlichkeiten zu Kinji Fukasaku's Battle Royale oder Takashi Miike's Ichi the Killer dabei nicht verborgen bleiben.

Gerade wenn es dann um die leisen Töne geht, gestaltet sich Liverleaf auf psychologischer Ebene deutlich schockierender, als er vermag mithilfe seiner exzessiven Blutbäder Abscheu und Ekel zu suggerieren. Da geht das hängen bleibendes Bild, in dem Mitsuru Haruka's verbrannte Schwester aus der Häuserruine trägt, mehr an die Nieren, als ein später im Film stattfindendes Küchenmesser-Duell, in dem unglaubwürdig viele Stiche und Schnitte eingesteckt werden.

Neben vielen anderen Genre-Richtungen und Erzählsträngen handelt es sich beim Drehbuch letztendlich um die Demaskierung einer ganz schön kranken Kleinstadt, deren perverser Mikrokosmos - welchen man erst auf den zweiten Blick entdeckt - bei Filmfans für sichtlich kontroverseren Gesprächsstoff sorgen dürfte, als der unleugbar selbstzelebrierende Slasher-Part.     

 

Die Schönheit von ''Liverleaf''

Gut nur, dass der Splatter-Gehalt abgesehen von seinem offensichtlichen Zweck außerdem noch einen gelungenen Teil zur allgemeinen Poesie des Films beiträgt. Denn zur großen Überraschung entpuppt sich Liverleaf zum teils wunderschön gefilmten Netzhautschmeichler, bei dem das Hauptaugenmerk auf dem Zusammenspiel roter, weißer und schwarzer Farbtöne liegt. Bietet sich natürlich auch an, das ohnehin mengenhaft vorhandene Kunstblut in den Massen weißen Schneegestöbers zu verteilen, welche vereinzelt von den dunklen Rissen des darunter befindlichen Grundes durchzogen werden, um so ästhetisch formvollendete Bilder zu kreieren.  

Obendrein erzählt Liverleaf gleich mehrere Liebesgeschichten, die eigentlich gar keine sind, aber ohne Frage welche sein könnten, auch scheut Eisuke Naito nicht davor die Liebe als weiteren Gewaltauslöser zu missbrauchen, beziehungsweise sogar Liebe von Gewalt abhängig zu machen - oder umgekehrt.

Am Ende obsiegt nichts und niemand, nicht einmal Protagonistin Haruka, die auch nur versucht, inmitten der trostlosen Zeichnung einer kaputten Gesellschaft zu bestehen - wie ein titelgebendes ''Leberblümchen'', dessen Knospen selbst den härtesten Winter überdauern.

 

Fazit: In Liverleaf regiert der Kontrast. Aus Gewalt wird Poesie, Ablehnung gebärt Zuneigung und die reinste Liebe befindet sich in einem realitätsfernen Tanz mit auf die Spitze getriebenen Rachefantasien. Durch das ständige Wechselbad der Gefühle bleibt am Ende ein bizarrer Genre-Mix, der manchmal nicht so recht weiss, was er uns eigentlich erzählen will. Ein besonderer, wenn auch sehr seltsamer Film, wie er nur aus Japan kommen kann.

7/10
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Kommentare

02.09.2019 21:59 Uhr - dicker Hund
1x
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Mal wieder feine Schreibe und erkundenswerte Titelwahl. Die Referenzen lassen mit "Ichi" und dem "Battle" ja fast schon sabbern.
😉

02.09.2019 22:04 Uhr - Topper_Harley
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Tolles Review👌🏼
Den habe ich auch schon auf dem Radar. Da mir die eingangs erwähnten Regisseure gefallen (außer Kim Ki-duk) bin ich ziemlich gespannt. Deine Besprechung ließt sich schonmal interessant. Könnte so ein richtig seltsam-schwerer Brocken von Film werden oder ein vermurkster Mix. Mal sehen🤓

03.09.2019 08:11 Uhr - TheMovieStar
1x
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Da kann ich Topper nur zustimmen, top Review was du da verfasst hast, The Machinist. Hab den Film noch nicht gesehen, hört sich aber interessant an.

03.09.2019 09:04 Uhr - The Machinist
1x
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Danke für die Rückmeldungen.

@dicker Hund: Mögliche weitere Paralellen könnte man zu ''Suicide Club'' und ''Greatful Dead'' ziehen, ''Ichi'' ist mir auf die schnelle eingefallen, da auch in diesem ein weirder Mischmasch aus handgemachtem Gore und CGI's herrscht.

@Topper: Ja, das Teil ist echt sperrig, aber ich weiß auch nicht, irgendwie hatte er was.

Aber was muss ich da hören? Miike und Sono ja, aber Kim nein?! Du traust dich ja was!

Ist nur Spaß ;-)

@MovieStar: Ich weiß ja jetzt nicht wie erfahren du im asiatischen Extreme-Cinema-Bereich bist, ''Liverleaf'' eignet sich aber weniger für den Einstieg. Dafür empfehle ich eher die ''Dead or Alive-Reihe'', ''Audition'', sowie Park Chan-wook's ''Rache-Trilogie''.

03.09.2019 22:03 Uhr - Topper_Harley
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Von Kim habe ich vor vielen Jahren mal diesen Film gesehen, wo der Typ die fremde Frau auf der Straße küsst, obwohl sie in Begleitung ihres Freundes ist. Sie springt aber drauf an und am Ende fahren sie mit einem mobilen Puff durchs Land, er behandelt sie mies und schaut ihr bei der Arbeit zu.

Der Film hat mir zu schaffen gemacht und das vermittelte Menschenbild hat mich echt verstört, sodass ich nie mehr was von dem Typen sehen wollte🤢🤣. Ich war halt noch jung und hatte Hoffnung.😉
Vielleicht gebe ich seinen Filmen aber noch mal eine Chance. Kannst du einen empfehlen?

04.09.2019 00:08 Uhr - The Machinist
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Der Film den du gesehen hast, ist "Bad Guy", und oh ja, der ist ganz schön abgründig, zuweilen auch verwerflich. Das war echt Pech für dich, der ist nämlich einer seiner schwerst Zugänglichen.

Da Kim einer meiner Lieblingsregisseure aus Korea ist, könnte ich jetzt prinzipiell alles von ihm empfehlen, ganz besonders "Seom - Die Insel", "Pieta" und "Moebius - Die Lust, das Messer". Da diese thematisch allerdings in eine ähnliche Sparte wie "Bad Guy" schlagen, wäre dir damit wohl wenig geholfen.

Also lege ich dir an dieser Stelle seine beiden Werke "Hwal - Der Bogen", sowie "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling" ans Herz, welche vor allem durch eine eindrucksvolle Erzählweise zu gefallen wissen, ohne dabei derart aggressiv abstoßend wie oben genannte zu sein. In letzterem kommt zwar ursprünglich Tier-Snuff vor, dieser wurde in der internationalen Version des Films jedoch entfernt.

04.09.2019 19:10 Uhr - Topper_Harley
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Vielen Dank für die Tipps, aber da fällts mir wieder ein: Kim tötet ja gerne für seine Filme Tiere. Egal ob bei uns geschnitten oder nicht, ich schaue solche Filme nicht.

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