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Blut an den Lippen

Originaltitel: Les Lèvres Rouges

Herstellungsland:Belgien, Frankreich (1971)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama
Alternativtitel:Blut auf den Lippen
Solo für einen Vampir
Blood on the Lips
Children of the Night
Daughters of Darkness
Promise of Red Lips, The
Red Lips, The
Redness of the Lips, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,94 (17 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Stephan und Valerie sind auf der Hochzeitsreise. Da sie ihr Schiff verpassen, übernachten sie in einem einsamen Hotel in Ostende. Dort machen sie die schicksalhafte Bekanntschaft mit einem merkwürdigen, exzentrischen Pärchen: Die ungarische Gräfin Bathory und ihre devote Begleiterin Hona Harczy, Stephan fällt der bezaubernden Ilona zum Opfer, ohne zu wissen, dass sie ein Vampir ist. Unterdessen kümmert sich die Gräfin um die schöne Valerie, um sie auf Ilonas Nachfolge vorzubereiten. Als Stephan die Situation erkennt, ist es für beide zu spät (Eyecatcher)

eine kritik von le samouraï:

 

Blut an den Lippen / Les lèvres rouges

Traumlandschaften und sinnliche Performance

 

"You must have a secret. Every woman would sell her soul to stay young."

 

Diese fast vergessene Perle des europäischen Midnight Cinema erstrahlt wieder in neuem Glanz auf der Veröffentlichung des geschätzten Labels Bildstörung. Harry Kümels (Malpertuis) ungewöhnlicher Beitrag zum Horrorgenre ist eine Mélange aus Vampir- und Kunstfilm der beginnenden 1970er. Dabei legt er den Mythos um die berüchtigte ungarische Gräfin Elisabeth Báthory neu aus, welche im Blut von Jungfrauen gebadet haben soll, um ihr jugendliches Aussehen zu bewahren.

Das frisch vermählte Paar Stefan (John Karlen) und Valerie (Danielle Ouimet) muss auf der Durchreise nach England im belgischen Ostende nächtigen. Das luxuriöse Hotel am Strand ist menschenleer, nur der deutsche Portier Pierre (Paul Esser) ist während der Nachsaison anwesend. In der Nacht ihrer Ankunft erscheint die geheimnisvolle Gräfin Báthory (Delphine Seyrig) in Begleitung ihrer Sekretärin Ilona (Andrea Rau) und bittet um eine Suite. Dass das junge Paar am morgigen Tag schon abreisen möchte, bedauert die Lady zutiefst  ...

Ein traumartiger Streifzug durch belgische Vampirerotik. In unwiderstehlichen Farben. Da die 1970er-Jahre ohnehin für künstlerische Freiheiten und Experimentierfreude aufstrebender Filmemacher ein perfektes Arbeitsfeld boten, kann man in Blut an den Lippen (1) Schauwerte wie Sex und Gewalt in wohldosierter Freizügigkeit bewundern. Vor allem eine Szene unter der Dusche, die in ihrer Montage eine interessante Abwandlung zum ikonischen Mord aus Psycho (1960) darstellt, ist fantastisch arrangiert - inklusive Nahaufnahme des leblosen Auges. 

Mehr als alles andere aber muss Harry Kümel für eine unnachahmliche Atmosphäre gelobt werden. Unheilvolle Bilderfolgen - tosendes Gewitter und Blitze - beschwören ein performatives Spektakel herauf. Die übernatürliche Aura könnte direkt aus einem Gemälde von René Magritte entsprungen sein; die Zooms auf den Strand bei Nacht, rote Überblendungen wie bei Lynch (2) und natürlich die eleganten Outfits von Seyrig (nur abends!). Hier erinnert sie merklich an die Mode der Goldenen Zwanziger oder Stilikone Marlene Dietrich. 

Außerdem unterstreichen sinnliche Schauplätze das traumähnliche Ambiente: der Kurztrip in die "Wasserstadt" Brügge sowie der Fund einer blutleeren Frauenleiche z.B. haben etwas von Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don't look now, 1973). Das verlassene Grand Hotel mit seinen geräumigen Esssälen, Korridoren und symmetrischer Anordnung ruft möglicherweise Assoziationen zu Kubricks Romanadaption Shining (The Shining, 1980) hervor.

Der erlesene Cast wird von der Grande Dame des französischen Autorenfilms, Delphine Seyrig, angeführt. Am bekanntesten sind ihre Rollen in Alain Resnais' Letztes Jahr in Marienbad (1961) und Luis Buñuels Satire Der diskrete Charme der Bourgeoisie (1972). Die deutsche Andrea Rau war ein gefragtes Model der 60er und hat auch hier eine sehr erotische Ausstrahlung als devote Dienerin/Begleiterin. Dass der Film dramaturgisch von nur sehr wenigen Figuren getragen wird, zeugt von seiner intensiven Charakter-dynamik der Liebeswirrung und emotionalen Kälte.

Einer der optisch reizvollsten Genrefilme, denen man begegnen wird. Ebenso gehen Klang und Rhythmus eine verführerische Symbiose ein. Die progressive elektronische Musik von François de Roubaix (Le Samouraï, 1967), die mal melancholisch, mal drängend in den Vordergrund tritt, fängt diese Stimmung hervorragend ein.

______________________

1  Der englische Titel heißt interessanterweise "Daughters of Darkness" und spielt dabei auf die im Film dezent ausgelebte Homosexualität sowie den klassischen Vampir-Mythos - Sonnenlicht tötet - an.

2  Wild At Heart (1990) und Twin Peaks - Fire Walk With Me (1992).

 

8/10
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Kommentare

31.07.2019 19:19 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 10
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.399
Oh Mann, ich will mir den schon so lange kaufen, vergesse es aber immer wieder. Danke für die hervorragend vorgestellte Erinnerung!

01.08.2019 03:14 Uhr - Dissection78
1x
DB-Co-Admin
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Hervorragend! Den Streifen mag ich ebenfalls sehr. Der hat eine einzigartig eigenartige Aura. "Les Lèvres Rouges" schaue ich alleine schon wegen Delphine Seyrigs Stimme fast immer im Original - wie übrigens auch den 1973er "Der Schakal", in dem sie eine wichtige Nebenrolle spielt.

01.08.2019 11:42 Uhr - Intofilms
1x
Ja, ein ganz starker Film, sehr stimmungsvoll, stylisch, sinnlich und sexy. Erinnert mich immer ein wenig an Tony Scotts (später entstandenen) "The Hunger", weil dort ja auch so eine ganz besondere, eigentümliche Stimmung vorherrscht. Für "Blut an den Lippen" wünsche ich mir schon lange eine standesgemäße Arrow-VÖ (die Blu-ray-Ausgabe von Bildstörung ist natürlich auch gut): brandneue 4K-Restaurierung vom OCN, neues Artwork von Gilles Vranckx und ein ausführlicher Audiokommentar von Kat Ellinger und Samm Deighan, den derzeit amtierenden Daughters of Darkness... - Hervorragende Review! ;)

01.08.2019 14:08 Uhr - le Samouraï
3x
User-Level von le Samouraï 3
Erfahrungspunkte von le Samouraï 104
Danke fürs Lesen und die zusätzlichen Bemerkungen. :)
I appreciate it.
"The Hunger" von Tony Scott ist indes ein guter Vergleich, der auch oft gezogen wird, wobei dieser hier ein klarer Favorit ist.


01.08.2019 20:29 Uhr - sonyericssohn
2x
Moderator
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Ihr kennt Filme.... Wahnsinn... :-D
Fein geschrieben. Auch mit den Fußnoten ne schöne Idee. Ob der Film für mich was ist lass ich mal aussen vor.

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