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Young Adult

Herstellungsland:USA (2011)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Komödie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Einst war Mavis Gary (Charlize Theron) das begehrteste Mädchen der gesamten Highschool. Alle Jungs waren verrückt nach ihr, die Welt stand ihr offen. Jetzt ist sie 37 Jahre alt. Und steht vor einem Trümmerhaufen: Sie ist frisch geschieden, die Jugendbuchreihe, die sie als Ghostwriterin verfasst, soll eingestellt werden, sie trinkt eindeutig zu viel, das Leben zieht an ihr vorbei. Bis sie erfährt, dass Buddy Slade (Patrick Wilson), ihre große Jugendliebe von damals, Vater geworden ist. Mavis weiß, was sie zu tun hat: Sie will ihn aus seinem spießigen Familienleben befreien und endlich das Leben mit ihm leben, das sie sich immer an seiner Seite erträumt hat. Doch die Rückkehr in ihre Vergangenheit erweist sich als viel schwieriger als gedacht. Verständnis wird ihr ausgerechnet von ihrem ehemaligen Klassenkameraden Matt (PAtton Oswalt) entgegen gebracht, ein wenig attraktiver Außenseiter, der die Vergangenheit ebenfalls nicht abschütteln kann. Doch kein noch so guter Rat kann Mavis von ihrem Plan abbringen, Buddys Liebe zurückzuerobern... (Paramount Pictures)

eine kritik von schobi:
Mavis Gary (Charlize Theron) ist 37 und lebt als geschiedener Single in einem Apartment-Turm in Minneapolis mit ihrem kleinen Hund. Bei dem Versuch mal wieder ein paar Zeilen für eine Young Adult-Buchreihe zu tippen, für die sie als Ghostwriterin arbeitet, erhält sie von ihrer Ex-Highschool-Liebe Buddy Slade (Patrick Wilson) eine Rund-mail, die von dessen jungen Vaterglück kündet. Kurzerhand beschließt Mavis Buddy aus seiner in ihren Augen nur scheinbar glücklichen Ehe zu befreien und ein neues Leben mit ihm zu beginnen, da sie offensichtlich für einander bestimmt sind. Unter einem Vorwand fährt sie zurück in ihre alte Heimat und versucht Buddy für sich zurück zu gewinnen...

Das gewöhnliche Publikum wird es sicher nicht leicht haben mit Young Adult, den der Film ist alles andere als die leichtfüßige Beziehungs-Komödie, auf die man dem Trailer nach schließen mag. Aber auch Anhänger Ivan Reitman's bisherigem Schaffen sollte man den Film nicht bedenkenlos empfehlen. Mit dem satirischen Biss oder der frivolen Spritzigkeit eines "Thank You for Smoking" oder "Juno" hat Young Adult wenig zu tun. Eine Art Weiterentwicklung des Stils von "Up in the Air", der schon mehr Charakterstudie als Komödie war, scheint in diesem Fall schon zutreffender. Reitman geht aber noch einen Schritt weiter und präsentiert mit Mavis Gary einen Unsympath von Hauptfigur, wie man ihn schon lange nicht mehr gesehen hat. Einst ihrem Provinznest entflohen, um die große Welt zu erobern, steht sie vor einem mehr oder weniger kaputten Leben, ist aber die letzte, die das zu erkennen vermag. Mavis flüchtet sich in ihre Teenie-Romane, wo sie die Wünsche ihres alter Ego Kendal Strickland stellvertretend in Erfüllung gehen lässt. Ihre Jugend und Schönheit versucht sie mit Haarteilen, regelmäßiger Maniküre und viel Make-Up aufrecht zu erhalten, während ihr Ess- und Trinkverhalten von selbstzerstörersichen Zügen geprägt ist. Mitmenschen gegenüber ist ihr Verhalten von einer Kälte und Gleichgültigkeit geprägt, dass es dem Zuschauer auch beim besten Willen schwer gelingen will, Sympathien für diese Egomanin aufzubringen.
Dass der Film dennoch funktioniert, liegt zu einem an Charlize Theron, die den Charakter der Mavis trotz ihrer innerlichen Hässlichkeit vielschichtig und absolut glaubhaft verkörpert und es versteht die im inneren kaputte Seele des Charakters zu transportieren - absolut Oscar-würdig. Zum anderen ist Young Adult exzellent geschrieben und bietet mit dem einst zum Krüppel geprügelten Ex-Klassenkamerad Matt Freehauf (überrascht: Patton Oswalt, Spence aus "King of Queens") ein interessantes Gegenüber für Mavis auf, wodurch einige hochkarätige Dialoge entstehen.
Im Verlauf des Films finden auch die Akteure immer deutlichere Worte für das Geschehen, wobei sich seitens Mavis ein immer deutlicheres Verklären der Realität heraus kristallisiert, was auf der Baby-Party von Buddy und seiner Frau schließlich zum Eklat führt. Dieser markiert aber nicht den Schlusspunkt der Geschichte, sondern Reitmann hängt noch einen kongenialen Dialog zwischen der Schwester von Matt und Mavis an, in dem sich deren Persönlichkeitsstörung noch einmal festigt und gleichzeitig auf wunderbare Weise zeigt, dass der Mensch leider dazu neigt, sein Glück auf Dinge zu projizieren, die er nicht besitzt.

Fazit: Etwas Zynismus und etwas schwarzer Humor - es gibt ein wenig zu schmunzeln, aber Young Adult ist keine Komödie, auch nicht wirklich eine Tragikkomödie, viel mehr eine von subtiler Bitterkeit geprägte Charakterstudie einer Frau, die den Halt im Leben verloren hat und verzweifelt ihr Glück erzwingen will - genial verkörpert von einer bemerkenswert wandelbaren Charlize Theron. Mit seiner vierten Regie-Arbeit demonstriert Ivan Reitman seine Klasse und streckt dem gängigen Hollywood-Kino samt seiner Klischees und Genre-Zwängen stilvoll den Mittelfinger entgegen.
8/10
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