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Nackt und zerfleischt

(Originaltitel: Cannibal Holocaust)
Herstellungsland:Italien, Kolumbien (1980)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:Nackt und Zerfleischt - Ruggero Deodato's Cannibal Holocaust
Ruggero Deodato's Cannibal Holocaust
Cannibal Massaker
Cannibale Omega
Holocausto Canibal
Jungle Holocaust
Letzten Kannibalen, Die
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,75 (170 Stimmen) Details
inhalt:
Ein TV-Reporterteam hat sich in die "Grüne Hölle" gewagt, um möglichst sensationelle Bilder von den dort lebenden Kannibalenstämmen einzufangen. Ihre Expedition wird zu einer Abfolge schreckerregender tödlicher Erlebnisse, in deren Verlauf die Team-Mitglieder sich zu Brutalitäten hinreißen lassen, die den Eingeborenen nicht nachstehen. Schließlich kommt es zu einer letzten Auseinandersetzung zwischen den Eindringlingen und den Indios...
eine kritik von chollo:

Zwischen Anfang der Siebziger bis Mitte/ Ende der Achtziger drückte sich irgendwo zwischen Splatter- Gore- und Exploitation ein weiteres Genre in die Filmlandschaft. Und zwar der Kannibalenfilm. Mit Produktionen überwiegend aus dem sonnigen Italien stammend ist dort auch der Ursprung dieser Gattung zu finden. Trash Papst Umberto Lenzi ("Lebendig gefressen"; "Zorro gegen Maciste") erschuf dort 1972 den Knaller "Mondo Cannibale". Mit überschaubaren Budget realisiert erfreute sich dieses Potpourri unerwarteter Beliebtheit beim Publikum und ebnete so eben jenen Weg zu besagtem Subgenre. Unter den Rund 20 Filmen dieser Sparte können aber freilich nur die wenigsten überzeugen. Einer davon ist evtl noch der direkte Nachfolger zu Lenzi's Smash Hit mit der kraftvollen deutsche Übersetzung: "Mondo Cannibale 2: Der Vogelmensch". Dieser war abermals sehr erfolgreich und verhalf dem damals noch recht unbekannten 38 jährigen Regisseur Ruggero Deodato zu einer sagen wir mal annehmbaren Karriere. Denn Deodato war es auch der knapp 3 Jahre später, was einer Vielzahl von Aussagen der Fans des Genres angeht, den Zelluloid'schen Höhepunkt in dieser Sparte abliefern sollte: "Cannibal Holocaust" oder "Nackt und Zerfleischt"

Deodatos Werk sieht sich in den Augen des Regisseurs und der Beteiligten gern als sozialkritischer Kommentar entgegen der vermeintlich kultivierten Gesellschaft. Der intelligente Stadtmensch der sich seinerseits gegenüber dem primitiven Ureinwohner selbst als eine wilde Bestie offenbart, und moralische wie ethische Werte gnadenlos vermissen lässt. Eingebettet in ein gutes Drehbuch, mit diversen Spielereien in der Kameraführung versehen und mit guten Maskenbildnern ausgestattet, klappt dieser Rechtfertigungsversuch doch mitunter sehr gut.

Die Geschehnisse in "Cannibal Holocaust" werden aus 2 Blickwinkeln erzählt. Einmal aus der Sicht der sensationsgierigen Dokumentarfilmer Alan; Faye; Jack und Mark, und zum anderen aus der Sicht von Harold Monroe der sich nebst ortskundiger Begleitung später auf die Suche nach dem mittlerweile verschwundenen Trupp begibt. Nach dem Harold und sein Anhang es schafft sich den Ureinwohnern anzunähern, erfahren diese durch die Übergabe verschollen geglaubten Filmmarterials, was sich wirklich im Dschungel abgespielt hat.

Deodatos inszenatorische Erzählweise ist dabei interessant, da die Ereignisse teilweise Parallel wiedergegeben werden. Found Footage Aufnahmen der sich als regelrechte Terroristen entpuppenden Dokumentarfilmer wechseln mit Einstellungen der Nachforschungen durch Hr. Monroe und Konsorten. Diese Erzählstruktur birgt einen relativ hohen Spannungsbogen und lässt den Zuschauer gerne am Ball bleiben. Vor allem da es auch an Einschüben exzessiver Gewalt gegen Menschen nicht mangelt. Unterstrichen durch die teils fast hypnotisch wirkenden Klänge von Riz Ortolani und der sich ständig in Bewegung befindlichen Handkameras, verfehlen solche Szenen dann auch nicht ihre Wirkung. Auf handwerklicher Seite gibt es also kaum etwas zu bemängeln.

Auch die Maskenbildner bzw. FX Künstler haben bei dem Gezeigten ihr volles Talent zeigen können. Die gepfählte Frau, fast schon Sinnbildlich mit "Cannibal Holocaust" verbunden und geradezu auf jeder Veröffentlichung dieses Werks als Bild zu finden, wirkt auch heute noch sehr überzeugend. Andere Gewalttaten wie das Abschneiden eines Penis, die brutale Vergewaltigung einer Frau oder eine Enthauptung entfalten sich nicht weniger schockierend. Tatsächlich wirkten diese sogar so echt, das Deodato beinahe von einem italienischen Gericht zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, da diese glaubten Zeuge echter Verbrechen geworden zu sein. Von solch einer Publicity kann ein Genrefilm heutiger Tage wohl nur Träumen. Was in meinen Augen aber wahrlich ein Verbrechen darstellt ist der Tiersnuff. Besonders die Ausweidung einer Schildkröte ist dabei besonders Ekelhaft und Verabscheuungswürdig geraten. Solche Einlagen hätte man sich, wie auch in anderen Beiträgen dieses Genres, einfach nur sparen können. Erklärungsversuche wie das im Nachhinein getätigte Statement, die Tiere wären ohnehin für den Verzehr geschlachtet wurden, zünden bei mir nicht. Selbst dem unbedarftesten Betrachter sollte auffallen, dass diese Lebewesen Qualen leiden. Solche Handlungen sind nicht nur unnötig, sie sind schier unerträglich.

Robert Kerman, seines Zeichens Pornodarsteller in ca. 100 Produktionen, hatte neben diesem dann auch noch anderweitige Auftritte im Kannibalen Genre so z.B. in "Lebendig gefressen" oder " Die Rache der Kannibalen". Sein schauspielerisches Talent ist zwar überschaubar, doch agiert er hier recht solide und kann auch als Sympathieträger herhalten. Auf der anderen Seite liefert uns Carl Gabriel York ("Mein Vater- Mein Freund"; "Die Killerhand") mit dem unmoralischen Alan Yates den passenden Gegenpart. Ebenfalls Solide und als Anti- Empathie- Person sogar noch ein Stück weit besser als sein positiver Gegenpol. Inwieweit man das "Spiel" der Ureinwohner werten kann mag ich nicht zu beurteilen, weshalb ich davon auch die Finger lasse.

"Cannibal Holocaust" darf sich ohne jegliche Vorbehalte als König in seinem Genre verstanden wissen. Gute Arbeit vor und hinter der Kamera verpassen der doch intelligenter als nötig geratenen Handlung den nötigen Schliff um auf der Leinwand beziehungsweise dem Bildschirm zu überzeugen. Auch die Gore- oder Splatterfreunde dürfen sich hier ruhig mal einfinden, da im Gegensatz zu anderen Filmen dieses Jahrzehnts die prekäre Zensurgeschichte zumindest teilweise gerechtfertigt ist. Die Beschlagnahme in Deutschland bis zum heutigen Tage überspannt den Bogen aber wieder etwas, für ein erwachsenes Publikum welches sich für diese Art der Unterhaltung entscheidet, sollte der Beitrag ohne Umwege zugänglich gemacht werden.

8/10
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Kommentare

21.08.2019 17:22 Uhr - Kaiser Soze
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Gutes Review, sehr ausführlich beschrieben und mit netten Verweisen und Details! Da gefallen mir Deine Ausführungen somit weit besser, als der besprochene Film :-D
Nach dessen Sichtung ich für mich das Kannibalengerne vergangener Jahrzehnte ad acta gelegt habe, da ich damit noch weniger anfangen kann, als mit (S)Exploitationsfilmen, aber das ist bekanntlich Geschmackssache.

21.08.2019 18:54 Uhr - McGuinness
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Sehr ausführliche und informative Rezension, doch ich muss gestehen, dass ich diesen bisher immer umgangen bin und das ehrlich gesagt einzig und allein wegen dem Tiersnuff.
Der Film ist bestimmt nicht schlecht und dieses Genre wäre auch durchaus interessant für mich, aber auch wenn durch mein nicht Ansehen wollen des Films kein Tier wieder lebendig wird, so spare ich mir diesen halt doch aufgrund der beschriebenen Tatsache.

21.08.2019 19:03 Uhr - sonyericssohn
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Gut geschrieben. Zum Film selbst kann ich nichts sagen, weil ich solche Dinger meide.

21.08.2019 19:04 Uhr - Fratze
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Klasse Besprechung eines großartigen Films. Bei mir gab's nur einfachen Punktabzug für Tiersnuff, da ich m.E. als jemand, der den Film trotzdem gesehen hat und auch noch sehr schätzt, nicht allzu sehr mit dem moralischen Zeigefinger wedeln sollte. Ist aber natürlich nur meine Ansicht.

... wüsste aber trotzdem gerne, wer diese 35 Ignoranten sind, die den mit 1/10 abgewatscht haben. Also grundsätzlich ja jedem seine Meinung, aber 'ne 1 ist doch echt ganz schön hart oO


@Mc & sony: Konsequente Einstellung 👍

21.08.2019 22:22 Uhr - CHOLLO
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Vielen Dank liebe Kollegen!!

@ McGuinness
Gute Einstellung! Bei mir siegte die Neugier, obwohl ich nach Sichtung dann schon negativ überrascht war wie explizit der Tiersnuff hier ausgewalzt wurde.

21.08.2019 23:49 Uhr - Fulgento
Toll umschrieben.
Eigentlich genialer Film, der zeigt, dass die wahren Monster nicht die Kannibalen sind....mit dieser Thematik und dem Found Footage war Deodato Lichtjahre seiner Zeit vorraus.

Eigentlich genial...tja....aber!..... die schon angesprochenen Tierszenen stossen auch mir sauer auf und sind unnötig.
Spezialeffekte schön und gut, aber sobald echtes Leben gefährdet wird, nur um des Zeigens Willen, hörts auf bei mir.
Trotzdem sollte man den wenigstens 1 mal gesehen haben.

Obwohl ich bei der Wertung hin und hergerissen bin.
Von der Thematik her glatte 10.
Aber wegen dem Tiersnuff 7,5-8 Matschkugeln.

22.08.2019 01:00 Uhr - CHOLLO
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Danke Fulgento!
Schön mal wieder was von dir zu hören!
Beim Tiersnuff scheinen wir uns ja alle einig zu sein:)

22.08.2019 01:32 Uhr - FordFairlane
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Man merkt schon das Deodato sich sehr viel Mühe bei der Inszenierung gegeben hat und jeder der etwas anderes sagt, für den ist solch ein Film nicht. Im Studium bei uns auf der Medienakademie vor ein paar Jahren wurde dieser Film zu dem als Kind des Found Footage Genres genannt.

Deine Kritik finde ich gut und trifft genau die Sicht eines leidenschaftlichen Filmfans, der solche Film trotz Gewalt nicht gleich verteufelt, sondern es immer als ganzes sieht. Die meisten schreien nämlich immer rum wegen den Tiertötungsszenen in solchen Filmen, fressen aber selber um die 50 Kg Fleisch im Jahr

22.08.2019 07:46 Uhr - CHOLLO
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Dank auch dir FordFairlane!
Studium an der Medienakademie?! Klingt ja interessant..

22.08.2019 07:48 Uhr - TheMovieStar
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21.08.2019 19:04 Uhr schrieb Fratze

... wüsste aber trotzdem gerne, wer diese 35 Ignoranten sind, die den mit 1/10 abgewatscht haben. Also grundsätzlich ja jedem seine Meinung, aber 'ne 1 ist doch echt ganz schön hart oO


Das sind eben alles Leute, die mit der Art von Film (Kanibalenfilm) mal gar nichts anfangen können, die das was sie sehen als krank und pervers einstufen und sagen wir es mal so das Kanibalengenre allgemein ist nicht unbedingt Mainstream tauglich. Ich habe den Film in den 90ern mal gesehen und konnte damals relativ wenig damit anfangen, eine aktuelle Bewertung kann ich daher nicht geben.

@Chollo: Gutes Review schön geschrieben, auch ein Leser, der den Film noch nicht gesehen hat kann sich dank deines Textes gut informieren.

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