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Nightmare Detective

(Originaltitel: Akumu tantei)
Herstellungsland:Japan (2006)
Genre:Horror, Fantasy, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,50 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Die junge Polizistin Keiko ermittelt in zwei mysteriösen Todesfällen. Beide Leichen werden bestialisch ermordet in ihren Betten aufgefunden. Zunächst sieht alles nach Selbstmord aus, bis Keiko einen bizarren Zusammenhang zwischen den Toten herausfindet: Beide wählten kurz vor ihrem grausamen Ende die Zahl "0" auf ihren Mobiltelefonen. Als Keiko einen Unbekannten mit dem mysteriösem Namen "Nightmare Detective" aufspürt, wittert sie eine Spur. Doch damit begibt sie sich selbst in tödliche Gefahr, denn Träume kann niemand kontrollieren...
eine kritik von the machinist:

Nightmare Detective

Tsukamoto goes Mainstream.

 

Unheimlich identische Todesfälle rufen die Polizei auf den Plan. Zwei Leichen wurden verstümmelt in ihren Betten gefunden, doch nichts deutet auf Fremdeinwirkung hin. Doch auch Suizid hält die junge Ermittlerin Keiko (Hitomi) für ausgeschlossen, beide Opfer hatten zuvor auf ihren Mobiltelefonen ein Gespräch mit dem mysteriösen ''0'' (Shin'ya Tsukamoto) geführt. Die Ehefrau eines der Opfer ist davon überzeugt, dass ihr Mann in seinem Traum ermordet wurde. Keiko engagiert den sogenannten ''Nightmare Detective'' Kagenuma (Ryuhei Matsuda), der angeblich in die Träume anderer Menschen eindringen kann. Sie selbst will ''0'' in ihrem Traum in eine Falle locken, also kontaktiert sie diesen und gesteht ihm, gemeinsam mit ihm sterben zu wollen...  

Regie in diesem J-Horror von 2006 führte nicht etwa The Grudge-Macher Takashi Shimizu, sondern der gefeierte Experimentalfilm-Avantgardist Shin'ya Tsukamoto, den man vor allem durch Zelluloid-Monstrositäten wie Tetsuo: The Iron Man und Tokyo Fist kennt. Mit Nightmare Detective beschreitet er für seine Verhältnisse ungewohntes Terrain, denn der ist durch und durch ein stringent geschriebener Mystery-Thriller mit stark ausgeprägtem Horror-Anteil und somit ein überraschend konventioneller Vertreter in der irren Filmografie seines Schöpfers.

Das mag dem geneigten Fan im ersten Moment vielleicht sauer aufstoßen, stellt sich aber als garnicht so schlimm heraus. Denn obwohl Nightmare Detective mit einem rudimentären Drehbuch aufwartet, in dem ausnahmsweise mal mehr als zwanzig Sätze gesprochen werden, findet sich innerhalb dessen ausreichend Tsukamoto-DNA - in Form von wilden Shaky Cams und wahnhaften Bilderräuschen - die Tetsuo-Jünger versöhnlich stimmen sollte. Inszenatorisch kann man Nightmare Detective am ehesten noch mit Tsukamotos Hiruko the Goblin vergleichen. In beiden Filmen fällt die Prämisse reichlich durchgeknallt aus, doch der aufmerksame Zuschauer wird keine Probleme haben, dem routinierten Plot zu folgen.

Diesen verfolgt man in Nightmare Detective auch wirklich gerne, ist dessen Handlung doch recht spannend geraten. Angelehnt an japanische Horror-Klassiker wie Pulse oder Ringu (der in einer Szene sogar auf's Korn genommen wird), ohne dabei sonderlich viel mit Geistern zu tun zu haben, inspiriert man sich doch immer wieder von westlichen Genre-Einflüssen. Der Serienkiller ''0'', der in den Träumen seiner Opfer zuschlägt, ist etwa ganz offensichtlich ein Nippon-Pendant zu Freddy Krüger aus der unzähligen Nightmare on Elm Street-Reihe. Ähnlich energiegeladen wie Robert Englund seine kultige Pizzafresse verkörpert, mimt Shin'ya Tsukamoto seinen Antagonisten mal wieder höchstselbst, und das mit einem schon regelrecht angsteinflößenden Enthusiasmus.    

Zusammen mit J-Pop Sternchen Hitomi (hier in ihrem Schauspieldebüt), lässt er Ryuhei Matsuda, der ja eigentlich die Titelfigur spielt, links liegen. Ohnehin ist der depressive Weinerling von Held definitiv Geschmackssache, und hat wegen zu kurzer Screentime eigentlich auch keine Möglichkeit etwas daran zu ändern. Andererseits kann man darin schon wieder einen genialen Kniff Tsukamotos sehen, wenn man denn so möchte, und die Idee eines differenzierten Titelhelden, der überhaupt keine Lust hat ein solcher zu sein, durchaus interessant finden. Darüber hinaus scheint man Masanobu Ando (Battle Royale, Sakuran - Wilde Kirschblüte) völlig vergessen zu haben und speist den fantastischen Jungdarsteller mit einer simplen Nebenrolle als Polizisten-Sidekick ab.

Jenseits seiner illustren Darstellerriege ist Nightmare Detective ein unübersehbarer gesellschaftlicher Kommentar Tsukamotos auf die überdurchschnittlich hohe Selbstmordrate Japans. Zu diesem Zweck entwirft er seinen Film auch in den von ihm gewohnten farbgedimmten Bildern einer gefühlskalten Welt, bestehend aus schummrigen U-Bahn-Schächten und tristen Betonbauten. Die Menschen haben sich voneinander entfremdet, Kontakte werden nur noch aus der Entfernung über Telefon oder Computer geführt, symbolische Hoffnungsschimmer in Form von grünen Parkanlagen, wie es sie in Tokio ja auch gibt, existieren im Film nicht.

Passend zum Thema bleibt die hin und wieder stattfindende Gewalt entsprechend ungeschönt. Spezialeffekte-Veteran Takashi Oda darf sich insbesondere im Finale mit Blutkapseln und professionellen Creature-FX austoben, von letzterem kann man aufgrund der Überhand nehmenden Wackelkamera jedoch nicht sonderlich viel erkennen. Hervorzuheben wäre obendrein die Set-Gestaltung der zunehmend surrealer werdenden Träume in den letzten Filmminuten, wobei diese zwar ob des schmalen Produktionsbudgets entsprechend minimalistisch ausfallen, denen ihr atmosphärischer Reiz aber genauso wenig abzusprechen ist. In seiner Auflösung mag der Showdown dann vielleicht etwas plump sein, doch für mich funktioniert dieser, insbesondere in Kombination aus Tsukamotos visueller Dampfhammer-Methode und Stammkomponist Chu Ishikawas akustischem Industrial-Glanzstück ''Blindly'', das mir auch gerade eben noch in den Ohren wummert.        

 

Fazit: Ob nun für beinharte Tsukamoto-Fans der ersten Stunde, oder allgemein Freunde fernöstlicher Horror-Kost. Für beide Seiten ist der Nightmare Detective eine kleine, aber feine Bereicherung.

7/10
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Kommentare

31.05.2020 14:45 Uhr - dicker Hund
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Trotz des nicht gänzlich überzeugt formulierten Credos bleibt der für mich interessant. Die Ausführungen zum Subtext lesen sich besonders inspirierend.

31.05.2020 14:53 Uhr - The Machinist
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Lass dich nicht von mir täuschen, ist ein toller Film. ;-)
Abzüge in der B-Note muss ich in den meisten meiner Besprechungen einräumen. Ich meine, was ist schon DER perfekte Film? Also, außer vielleicht ''The Machinist''. :)

01.06.2020 00:55 Uhr - Laughing Vampire
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DB-Helfer
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Uff, "Akumu tantei", einer der wenigen Filme, die ich nach zehn Minuten bereits abbrechen mußte. Tsukamoto ist einfach so ein Fall für mich. Ich liebe die ersten beiden "Tetsuo"-Filme wirklich, aber fast alles, was danach kam (und weiterhin kommt), langweilt mich einfach zu Tode. Das ist absolut individuell, aber es beginnt nur schon bei der matschigen Digital-Optik, die bei mir einfach keine Atmosphäre aufkommen läßt, und gerade japanische Filme aus der zweiten Hälfte der Nullerjahre sind da einfach ganz schlimm. Da ich diesen Film und seine Fortsetzung allerdings weiterhin rumliegen habe, werde ich dem Alptraumdetektiv vielleicht doch noch eine weitere Chance geben. Tolle Kritik wie immer!

01.06.2020 12:54 Uhr - The Machinist
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Da überraschst du mich jetzt aber Laughing Vampire.
Wobei ich deine Einwände gegenüber der Optik nachvollziehen kann. Gerade in ''Fires on the Plain'' (Kriegsfilm) und ''Killing'' (Samuraifilm) von ihm, war dieser digitale Look eher befremdlich. Bei ''Kotoko'' hingegen dann schon wieder sehr passend. Muss gestehen, dass ich mich mit der Zeit daran gewöhnt habe - kenne halt auch sooo viel von dem Gedöns. Der erste ''Tetsuo'' wäre allerdings auch mein Favorit, an eine Kritik zu dem habe ich mich noch nicht rangetraut, aber über Shin'ya Tsukamotos Filme werde ich sicher noch einiges schreiben.
Das seine Filme oft ermattend und eher anstrengend sein sollen, das hängt finde ich immer ganz von der eigenen Stimmung ab, bzw. ist ja auch so von ihm beabsichtigt. Ist für mich in etwa der selbe Deal wie bei Lars von Trier oder Gaspar No'e.

Danke für dein Lob.

01.06.2020 13:00 Uhr - Chímaira
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Wie auch unser lachender Vampir finde ich Tetsuo I und II sehr sehenswert. Für fernöstliche Filme bin ich immer zu haben. Tsukamoto kam bis jetzt immer etwas zu kurz. Werde ich nachholen. Danke für den Einblick!
31.05.2020 14:53 Uhr schrieb The Machinist
Ich meine, was ist schon DER perfekte Film? Also, außer vielleicht ''The Machinist''. :)

Dann wird es doch mal Zeit, dass eine Kritik zu diesem folgt. Würde mich nämlich sehr interessieren :)

01.06.2020 13:17 Uhr - The Machinist
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Mich auch Chimaira, da kannst du dir gewiss sein.
Nur muss ich gestehen, dass allein der Gedanke mich schon abschreckt, dem Film nicht gerecht zu werden. Irgendwann bestimmt mal, aber in absehbarer Zeit wird das nichts. Schuld und Sühne über mich... ;-)

Freut mich jedenfalls wenn ich Lust auf ''Nightmare Detective'' machen konnte.

01.06.2020 22:41 Uhr - Cabal666
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User-Level von Cabal666 8
Erfahrungspunkte von Cabal666 806
Schöne Kritik, Machinist!
Ich muss leider zugeben, dass "Nightmare Detective" und seine Fortsetzung wohl die Tsukamoto-Filme sind, die mich am wenigsten interessieren. Die Trailer und das Bildmaterial, das ich dazu kenne, wirken auf mich wie weichgespülte Versionen seiner vorherigen Filme für Teenies. Aber dein Text hat mich jetzt doch neugierig gemacht. Irgendwann werd ich mir den "nightmare Detective" mit Sicherheit noch geben.

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