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Punisher77
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Eintrag: 10.09.2019

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Steiner - Das Eiserne Kreuz

(Originaltitel: Cross of Iron)
Herstellungsland:Deutschland, Großbritannien (1977)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Krieg
Alternativtitel:Croix de fer

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,55 (30 Stimmen) Details
inhalt:
Russland 1943: Mitten in den Wirren eines Rückzugs treffen zwei unterschiedliche Charaktere aufeinander. Der kampferfahrene Feldwebel Steiner, der nicht mehr an einen Sieg glaubt, und der fanatische Hauptmann Stransky, dessen ganzer Ehrgeiz nur dem Eisernen Kreuz gilt. Die Feindschaft zwischen den beiden wächst sich zu einem hasserfüllten Privatkrieg aus. Stransky lässt Steiners Kolonne hinter der russischen Front ins Verderben laufen.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                           STEINER - DAS EISERNE KREUZ

Willi Heinrich (1920-2005) war von 1940-1945 Soldat im Zweiten Weltkrieg und kämpfte im Osten. Nach dem Krieg begann er – neben seiner Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter – mit dem Schreiben. Sein Debutroman, Das Geduldige Fleisch, in dem Heinrich seine Erlebnisse an der Ostfront verarbeitete und die Figur des Unteroffiziers Steiner erschuf, wurde ein internationaler Bestseller, der zum Startschuss einer erfolgreichen Schriftstellerkarriere wurde. 1976 wurde das Buch unter dem Titel Steiner – Das Eiserne Kreuz verfilmt.

Die treibende Kraft hinter der Literaturverfilmung war der deutsche Filmproduzent Wolf C. Hartwig (1919-2017), der u.a. für die Schulmädchenreport-Reihe (13 Teile von 1970 bis 1980) verantwortlich war. Der Streifen ist eine Co-Produktion zwischen Deutschland und Großbritannien und erhielt ein Budget von vier Millionen Dollar. Dieses Budget erlaubte es Hartwig, mit James Coburn (1928-2002 / Todesmelodie, 1971), Maximilian Schell (1930-2014 / Das Urteil Von Nürnberg, 1962), James Mason (1909-1984 / 20.000 Meilen Unter Dem Meer, 1954), David Warner (Das Omen, 1976), Klaus Löwitsch (1936-2002 / Die Ehe Der Maria Braun, 1979) und Senta Berger (Der Scharlachrote Buchstabe, 1973) eine beachtliche Besetzung anzuheuern. Um Steiner – Das Eiserne Kreuz noch mehr Prestige zu verleihen, wollte Hartwig einen bekannten Hollywoodregisseur engagieren. Seine Wahl fiel auf Sam Peckinpah (1925-1984), der einerseits mit Filmen wie The Wild Bunch – Sie Kannten Kein Gesetz (1969), Wer Gewalt Sät (1971) oder Getaway (1972) einige echte (Action-)Filmklassiker in seiner Vita hat, andererseits aber auch mit seinen filmischen (und mitunter sehr gewalttätigen) Filmvisionen aneckte und als schwierig galt… auch wegen seines exzessiven Alkohol – und Drogenkonsums. Und so verwunderte es nicht, dass die Dreharbeiten in Westdeutschland und Jugoslawien alles andere als reibungslos verliefen. Hartwig und Peckinpah gerieten regelmäßig aneinander, der Regisseur überzog das Budget um zwei Millionen Dollar (u.a. weil er mit den jugoslawischen Crewmitgliedern nicht zufrieden war und deshalb immer mehr Hollywood-Personal anheuerte) und kippte täglich vier Flaschen Schnaps. Trotzdem wurde der Film dann doch noch halbwegs fristgerecht fertig.

1943: Die deutsche Wehrmacht befindet sich auf dem Rückzug vor der Roten Armee. Trotz der aussichtslosen, verlustreichen Lage hat sich Hauptmann Stransky (Maximilian Schell), ein preußischer Adeliger, an die Ostfront versetzen lassen, da er besessen davon ist, sich das Eiserne Kreuz zu verdienen. Hier trifft Stransky auf den erfahrenen Frontsoldaten und Unteroffizier Steiner (James Coburn); ihre Beziehung zueinander kann man man nur als  „Feindschaft auf den ersten Blick“ bezeichnen. Und doch benötigt Stransky Steiners Fürsprache, um an das Eiserne Kreuz zu kommen. Als dieser sich weigert und sich herausstellt, dass Stransky das Eiserne Kreuz unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erlangen wollte, fasst dieser einen perfiden Plan, um seinen Widersacher für immer loszuwerden…

Während Steiner – Das Eiserne Kreuz in den USA wenig erfolgreich war, ließ er in Deutschland die Kinokassen klingeln und wurde mit der Goldenen Leinwand für drei Millionen Kinobesucher innerhalb von 18 Monaten ausgezeichnet. Von der Kritik wurde der Film kontrovers aufgenommen und es ist teilweise nicht leicht, den Streifen einzuordnen.

Ist Steiner – Das Eiserne Kreuz ein Antikriegsfilm, eine Abrechnung mit dem Wahnsinn des Kriegs am Beispiel der Rückzugsgefechte der Wehrmacht, oder werden diese zu einem knallig bunten Western trivialisiert, in dem der Krieg eher ein Charakter forderndes Abenteuer ist? Zwischen diesen Polen bewegte sich die Kritik an Steiner – Das Eiserne Kreuz.

Steiner – Das Eiserne Kreuz zeigt die Geschichte einer Feindschaft zwischen zwei Männern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können und in einer schier aussichtslosen Lage aufeinandertreffen. Und diese Geschichte spielt sich im Rahmen des Zweiten Weltkriegs ab. Nicht mehr, nicht weniger, und sie hätte womöglich auch in einem anderen Krieg funktioniert. Steiner – Das Eiserne Kreuz ist keine genaue Rekonstruktion historischer Ereignisse und ist auch keine Abrechnung mit Diktaturen, wie es der deutsche Trailer ebenfalls nahelegt. Und auch wenn dem Film – z.B. aufgrund der typischen Sam Peckinpah-Stilmittel wie der Choreographie von Feuergefechten und der Zeitlupensequenzen – teilweise Kriegsverherrlichung vorgeworfen wurde, zeigt er auch unübersehbar kritische Ansätze. Diese finden in zwar kurzen und stillen, aber dafür umso einprägsameren Momenten statt. In einer Sequenz walzt ein LKW über die Leiche eines schon länger im Schlamm liegenden Soldaten hinweg. Ein anderes Bild zeigt eine Leiche, die in einem Fluss liegt, wobei Blut das Wasser rot färbt. Und auch die Kriegsversehrten während Steiners Genesungsurlaub zeigen auf ziemlich erschreckende Art, wie furchtbar Krieg ist. Und auch beim Abspann, der u.a. Fotos von einem (wahrscheinlich) SS-Mann zeigt, der junge, wahrscheinlich sogar minderjährige Delinquenten aufhängt, habe ich – in Verbindung mit dem Zitat von Bertolt Brecht – jedes Mal einen Kloß im Hals.

Man kann also zusammenfassend festhalten, dass Steiner – Das Eiserne Kreuz kein „richtiger“ Antikriegsfilm ist, sondern den Zweiten Weltkrieg nutzt, um den Konflikt zwischen zwei Individuen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld darzustellen und dabei durchaus das Hauptaugenmerk auf Spannung und Schauwerte zu legen. Trotzdem verfügt er über eine Reihe von Momenten, die zeigen, dass Steiner – Das Eiserne Kreuz Krieg nicht verherrlichen will, sondern dessen Konsequenzen drastisch darstellen wollen.

Da bereits von dem Konflikt zweier Individuen die Rede war, wird es Zeit, auf die größte Stärke dieses sehenswerten Films einzugehen. Steiner – Das Eiserne Kreuz wäre nur die Hälfte wert, stünden nicht James Coburn und Maximilian Schell auf der Besetzungsliste. Coburn brilliert in der Rolle des Unteroffiziers und späteren Feldwebels Steiner. Er wirkt in seiner Rolle tatsächlich wie jemand, der den Krieg von Anfang an mitgemacht und die Zusammenhänge und Konsequenzen erkannt hat; und obwohl Coburn als Steiner zeigt, wie desillusioniert und kriegsmüde er ist, kann er doch nicht anders, als wieder in den Krieg zu ziehen, obwohl ihm die von der bildhübschen Senta Berger wundervoll gespielte Krankenschwester Eva möglicherweise einen Ausweg anbietet. Diese Ambivalenz macht die Figur Steiner noch interessanter. Doch so gut James Coburn in seiner Rolle ist – Maximilian Scheller ist noch ein wenig besser. In der Rolle des Stransky gehört er zweifelsohne zu den größten Filmschurken der Siebzigerjahre. Auch wenn es sich für den mittlerweile verstorbenen Charakterdarsteller vielleicht nicht gerade schmeichelhaft anhört: er bringt die Skrupellosigkeit und Feigheit der Figur perfekt rüber. Schell reißt jede Szene, in der er auftaucht, an sich – ein besonderes Kabinettstück ist die Szene, in der er Triebig (Roger Fritz – Mädchen Mit Gewalt, 1970) der Homosexualität „überführt“. Allein wegen Coburn und Schell sollte man Steiner – Das Eiserne Kreuz gesehen haben.

Aber auch die Nebendarsteller machen Steiner – Das Eiserne Kreuz sehenswert. So bleibt, trotz anderer großer internationaler Namen, vor allem Klaus Löwitsch als Steiners treuster Kumpan im Gedächtnis. Aber auch Senta Berger in der Rolle der Krankenschwester macht ihre Sache sehr gut. Obwohl ihre Rolle eher einem Gastauftritt entspricht und die zigfach ausgezeichnete österreichisch-deutsche Darstellerin den Film nicht sonderlich mag, gelingt es ihr, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Gleiches gilt für David Warner als zynischer Adjutant und dessen Befehlshaber, gespielt von James Mason. Mason zeigt eine besondere schauspielerische Leistung als Regimentskommandeur Oberst Brandt, der die Sinnlosigkeit des Kriegs erkannt hat und zu Steiner hält, was zu einer besonders bewegenden Szene führen soll.

Aber auch in den weiteren, kleineren Nebenrollen ist Steiner – Das Eiserne Kreuz bestens besetzt. Als Beispiele seien hier Michael Nowka (Des Doktors Dilemma, 1977) und Burkhard Driest (Son Of Hitler, 1978) genannt. Nowka spielt den neu eingesetzten Schützen Dietz mit der erforderlichen Naivität, und Driest wirkt dermaßen kumpelhaft, dass man sofort glaubt, an seiner Seite einen Weltkrieg unbeschadet überstehen zu können.

Neben der Figurengestaltung liegt das Hauptaugenmerk bei Peckinpah-Filmen auf den Actionszenen. Und auch hier zieht Peckinpah alle Register seines Könnens, und um zu zeigen, dass Krieg kein Kinderspiel ist, geizt er hier nicht mit Grausamkeiten. Peckinpahs Zeitlupenstudien entpuppen sich nicht als Gewaltverherrlichung, sondern zeigen das genaue Gegenteil, wenn z.B. einem von Kugeln getroffenen Soldaten (für einen Sekundenbruchteil) die Eingeweide herausquillen; überhaupt wird hier nicht mit Kunstblut gespart. Damit einhergehend, zeugen die Actionszenen von einer enormen Wucht und Intensität, wie sie in den Siebzigerjahren nur selten zu sehen war und deshalb viele andere (Actionfilm)Regisseure beeinflusste. Besonders der Showdown ist hervorragend gelungen und dürfte keinen Zuschauer unberührt zurücklassen, zumal Steiner – Das Eiserne Kreuz über ein ungewöhnliches, aber trotzdem prägnantes und in Erinnerung bleibendes Ende verfügt.

Steiner – Das Eiserne Kreuz weist aber auch Schwächen auf. So brilliert der Film, wenn sich Steiner und Stransky bekriegen. Doch ab der zweiten Hälfte des Films gerät der Konflikt zwischen Steiner und Stransky immer mehr in den Hintergrund und Peckinpahs WK2-Film wird mehr zu einem Streifen, in dem sich eine Einheit durch Feindesland kämpfen muss, was durchaus nicht uninteressant, aber trotzdem weniger aufregend und unpersönlicher ist als die direkt ausgetragenen Konfrontationen zwischen Steiner und Stransky.

Unterm Strich ist Steiner – Das Eiserne Kreuz vielleicht nicht Sam Peckinpahs größter Geniestreich (The Wild Bunch - Sie Kannten Kein Gesetz gefällt mir z.B. etwas besser...), aber trotzdem ein hervorragender, actiongeladener Kriegsfilm mit überdurchschnittlichen schauspielerischen Leistungen und durchaus kritischen Untertönen.

8-9/10

 

 

9/10
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Kommentare

11.09.2019 14:59 Uhr - wuv03
2x
User-Level von wuv03 2
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Danke für deine umfassende Rezension. Sehr flüssig und gut zu lesen und auch deine Hintergrundinfos sind interessant. Toller Text. :)

11.09.2019 19:31 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.247
Sehr schöne Rezi, bei der ich voll zustimmen kann. Muss ich unbedingt mal wieder sehen und vor allem updaten. Ich gehe davon aus, dass du die Blu-ray hast, lohnt sich die?

11.09.2019 22:42 Uhr - Punisher77
2x
DB-Helfer
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Vielen Dank, Leute :-).

Ja, ich hab die Blu Ray. Bin eigentlich gut zufrieden, auch wegen des Bonusmaterials. Allerdings habe ich das Gefühl, dass der deutsche Ton an ein paar Stellen asynchron ist. Oder es liegt an schlechter Synchro. Den Kauf für 10 Euro habe ich aber trotzdem nicht bereut.

11.09.2019 22:53 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.050
Ganz tolle Arbeit, Punisher!
Du hast den Ton des Films hervorragend getroffen und lieferst dazu jede Menge interessanter Hintergrundinformationen. Leserherz, was willst du mehr!?
Darüber hinaus finde ich es natürlich auch schön, dass meine über drei Jahre alte Kritik jetzt nicht mehr so allein hier steht.

11.09.2019 23:15 Uhr - Punisher77
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DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.157
Vielen Dank, NoCutsPlease,

bin beim Stöbern auf Dein Review gestoßen und hab´ das zum Anlass genommen, mir den Film noch einmal anzusehen.

13.09.2019 11:06 Uhr - Draven273
2x
Leider viel zu lange her, dass ich diesen Film gesehen habe und doch.... ist mir das Ende immer im Kopf geblieben. Für mich einer der besseren Filme aus dieser Zeit und mit dieser Thematik. Interessante kleinere Rollen die Du ja auch schon beschrieben hast und eigentlich ein Film der durchaus regelmäßig mal in den Player wandern kann. Wozu Du mich nun auch quasi angestiftet hast :) Der wird am Wochenende doch gleich mal wieder angeschaut. Vielen Dank für diese wirklich schön zu lesende Review.

13.09.2019 15:06 Uhr - Punisher77
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DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Punisher77 3.157
Vielen Dank für den netten Kommentar und viel Spaß bei der neuen Sichtung :-).

15.09.2019 11:32 Uhr - leichenwurm
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DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von leichenwurm 420
Wow... da kann man noch was lernen ;-) ! Sehr informative Kritik, die mit mir bisher unbekannten Fakten glänzt. Obwohl ich den Film mag hat er bei mir bisher noch nicht den Sprung auf ein digitales Medium geschafft... ich hab den noch als TV- Aufnahme auf VHS. Selbsterklärend ist die letzte Sichtung meinerseits schon einige Jährchen her. Wenn ich mir dein herausragendes Review aber so ansehe, da ist dringend ein Update notwendig. Ganz tolles Review Punisher !

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