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Das As der Asse

(Originaltitel: L'As des As)
Herstellungsland:Frankreich, Deutschland (1982)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action, Komödie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,40 (5 Stimmen) Details
inhalt:
Jean-Paul Belmondo als Jo Cavalier mit dem Spitznamen As der Asse trifft seinen Ex-Gegner Gunther von Beckmann anläßlich der Olympiade in Berlin 1936 wieder. Längst schon entstand aus heftigen Luft- und Faustkämpfen eine herzliche Freundschaft. Da begegnet Jo Cavalier einem zehnjährigen jüdischen Jungen, dessen Familie spurlos verschwunden ist. Verrückte Abenteuer beginnen und die deutsch-französische Freundschaft bewährt sich in den katastrophalsten Situationen.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                     DAS AS DER ASSE

Nachdem Jean-Paul Belmondo das Publikum mit dem Actionthriller Der Profi (1981) in einer ernsthaften Rolle begeistert und allein in Frankreich über fünf Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt hatte, wandte er sich in Das As Der Asse (1982) wieder einer komödiantischen Rolle zu. In Das As Der Asse spielte Belmondo einen ehemaligen Fliegerhelden des Ersten Weltkriegs und Boxtrainer, der sich im Jahr 1936 eines jüdischen Jungens annimmt. Was zunächst wie ein Drama klingt, wird unter der Regie von Gérard Oury (1919-2006 / Die Abenteuer Des Rabbi Jacob, 1973 – der Film behandelt ebenfalls ein sensibles Thema) zu einer turbulenten Actionkomödie, die zum Teil etwas übertrieben ist, aber dennoch Raum für ruhige Zwischentöne lässt.

Das Drehbuch stammt von Oury und Danièle Thompson (Die Abenteuer Des Rabbi Jacob, 1973). Neben Belmondo standen Marie-France Pisier (1944 – 2011, Der Körper Meines Feindes, 1975), Rachid Ferrache (Ticket Ins Chaos, 1983), Frank Hoffmann (Derrick – Nachtstreife, 1987) und Günter Meisner (1926-1994, Charlie Und Die Schokoladenfabrik, 1971) vor der Kamera. Der Film wurde komplett in Deutschland gedreht, u.a. in Bad Tölz und Bayern.

Jo Cavalier (Jean-Paul Belmondo) war im Ersten Weltkrieg ein gefeierter Kampfflieger und trainiert im Jahr 1936 die französische Olympiamannschaft im Boxen. Währenddessen begegnet Cavalier dem zehnjährigen Juden Simon Rosenblum (Rachid Ferrache), der auf der Flucht vor den Nazis ist. Cavalier nimmt sich seiner an, will aber dabei seinen olympischen Wettbewerb nicht aus den Augen verlieren. Als hilfreich soll sich bei Cavaliers Vorhaben dessen ehemaliger deutscher Gegner Gunther von Beckman (Frank Hoffmann) erweisen …

Eine Komödie vor dem Hintergrund der NS-Zeit, der Olympiade von 1936 und der Judenverfolgung in Deutschland zu drehen, ist ein mehr als heikles Unterfangen. Trotzdem ist Das As Der Asse – wahrscheinlich dank der an Die Abenteuer Des Rabbi Jacob beteiligten Personen – ein gelungener Film geworden, der keine Scheu vor diesen Themen hat.

So finden sich durchaus kritische Aspekte in Das As Der Asse, die den Film von dem Gros vergleichbarer Schenkelklopferkomödien abheben. So mag Belmondo als Jo Cavalier zwar ein fröhlicher Geselle sein und reihenweise Nazis verprügeln, wie z.B. während der Schlägerei in einer Buchhandlung. So humorig die Szene (z.B. mit dem „Heil Hitler“ brüllenden Gebiss) auch angelegt sein mag – in ihr wird mit der Nennung zahlreicher verbotener Autoren auch verdeutlicht, wie die Nazis ihre Vorstellungen von Kunst und Kultur durchsetzten. Und auch die Szene, in der Simon Rosenblums Pass von einem Nazi-Schergen kontrolliert wird und dieser voller Abscheu das Wort „Jude“ ausspricht, ist auch nach mehrmaligem Ansehen immer noch furchteinflößend.

Aber trotzdem bewahrt die deutsch-französische Co-Produktion – ähnlich wie Die Abenteuer Des Rabbi Jacob – das richtige Maß zwischen Kritik und Unterhaltungsfilm. Der 1982er Belmondo-Film ist kein Film im Stil von Das Leben Ist Schön (1997), sondern vor allem eine humorvolle, packende und abenteuerliche Actionkomödie, die die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft vor einem tragischen historischen Hintergrund erzählt. Und das tut Das As Der Asse wirklich gut.

Und diese Freundschaft wird von zwei glänzend aufspielenden Darstellern getragen. Jean-Paul Belmondo spielt hier einmal mehr einen Typen, den man gern als Kumpel/Freund/(Paten-)Onkel hätte – zuverlässig, kernig, schlagkräftig und immer mit einem lockeren Spruch auf den Lippen. Als Jo Cavalier gibt Belmondo hier den idealen Beschützer. Mit Rachid Ferrache verfügt Cavalier/Belmondo aber auch über einen idealen (Schauspiel)Partner. Viele Schauspieler im Kindesalter werden von Zuschauern als nervig angesehen, aber auf Ferrache trifft dies nicht zu, da er schon im zarten Alter von zehn Jahren durchaus über schauspielerisches Talent verfügte und im Verbund mit „Bebel“ ein wirklich interessantes Duo bildet.

Aber auch die Leistungen einiger Nebendarsteller sind erwähnenswert. So spielt Frank Hoffmann als Gunther von Beckman Belmondos leidgeprüften wie loyalen Freund aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Und auch die Freundschaft dieser beiden Figuren ist interessant und ein weiterer Grund, der für eine Sichtung von Das As Der Asse spricht. Wie sich die beiden während des Ersten Weltkriegs begegnen, ist höchst amüsant, aber wenn sich Franzose und Deutscher während der NS-Diktatur wieder begegnen, schleichen sich durchaus ernsthafte Zwischentöne in den Film ein. Auf die Frage, was da in seinem Land geschehe, erwidert Hoffmann als von Beckman, dass er sich einerseits nicht mit dem Regime identifiziere, andererseits aber auch nicht aus seiner Haut könne und Deutschland nicht verlassen wolle. Ein weiteres Indiz dafür, dass Das As Der Asse bei aller Komik und Action auch ernsthaftere Nuancen aufweist. Aber auch Marie-France Pisier überzeugt in der Rolle der Gaby Delcourt, auch wenn sie zu Beginn des Films zum Ziel von Cavaliers Spott wird.

Seitdem Jean-Paul Belmondo den komödiantischen Actionfilm für sich entdeckt und ein Faible für selbst ausgeführte Stunts entwickelt hat, liegt das Hauptaugenmerk vieler Belmondo-Fans auf der Action des jeweiligen Films, und von der hat Das As Der Asse reichlich zu bieten. Neben dem bereits erwähnten Kampf in der Buchhandlung gibt es z.B. noch eine rasante Verfolgungsjagd und einen Flugzeugstunt, bei dem einem auch nach mehrmaligem Ansehen noch schwindelig werden kann. Und auch der Humor kommt nicht zu kurz, wobei es sicherlich auch der Synchronisation durch Rainer Brandt zu verdanken ist, dass „Bebel“ der eine oder andere flapsige Spruch über die Lippen geht. Aber selbst wenn dem so ist: dem Unterhaltungswert des Films tut dies keinen Abbruch, im Gegenteil.

Allerdings ist der Humor des Films nicht immer treffsicher, was z.B. die Hitler-Parodie des Films angeht. Einerseits ist es recht witzig, wenn Günter Meisner als Hitler in das Zimmer hineinplatzt, in dem sich Cavalier einen Boxkampf anhört und dieser erkennen muss, wo er gelandet ist, andererseits ist die Idee, Meisner auch Hitlers Halbschwester Angela spielen zu lassen, ziemlich albern und misslungen, zumal diese im Jahr 1936, in dem Das As Der Asse spielt, zwischenzeitlich mit Hitler gebrochen und den Berghof von Berchtesgaden verlassen hatte und nach Dresden gezogen war. Aber auch davon abgesehen hat es bessere Hitler-Parodien gegeben und in Bezug auf diese kommt Das As Der Asse dann doch manchmal etwas zu grobschlächtig daher.

Das As Der Asse ist (trotz der schwierigen Thematik und auch wenn nicht jeder Witz zündet) eine äußerst unterhaltsame Actionkomödie mit blendend aufgelegten Darstellern, einer Fülle von gelungenen Gags und lockeren Sprüchen und einer Reihe spektakulärer Actionszenen. Eine Mischung, die auch heute noch dazu geeignet ist, die Langeweile eines verregneten Sonntagnachmittags zu vertreiben und zu den besten Belmondo-Filmen der Achtzigerjahre zählt. Auch an den Kinokassen war das As Der Asse ein großer Erfolg, der 40 Millionen Francs eingespielt haben soll.

8-9/10

8/10
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Kommentare

24.10.2019 23:10 Uhr - Kable Tillman
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Ich muss hierbei ehrlicherweise gestehen, dass ich den Film noch nie gesehen habe. Aber dein wie immer genauso umfangreiches wie aufschlussreiches Review hat Lust darauf gemacht, das zu ändern. Danke dafür :)

25.10.2019 07:54 Uhr - TheMovieStar
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Hab den leider auch noch nicht gesehen, mein Lieblings Belmondo war immer der Profi, die anderen Werke habe ich jetzt so nicht verfolgt. Aber wie Kable schon schreibt, Top Review das einem diesen Film wirklich auch ein kleines bisschen schmackhaft macht. Wenn ich den irgendwo mal sehe, vielleicht kaufe ich mir dann die DVD und schaue ihn mir an.

25.10.2019 11:55 Uhr - JasonXtreme
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Mein Vater war und ist großer Fan von Bebel, daher sah ich die als Kind rauf und runter - der Rezi kann ich mich nur anschließen!

25.10.2019 12:32 Uhr - Der Dicke
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Mich überrascht immer, wie wenig bekannt der Film in Deutschland ist, zumal er hier gedreht wurde. In Frankreich kennt den jeder.

Der Hauptkritikpunkt war schon 1982, dass der Film unausgegoren daherkommt, und sich die richtige Balance zwischen Komik und Tragik insgesamt nicht so recht einstellen will. Die letzten 20, 30 Minuten - die Review deutete ja bereits darauf hin - sind für meine Begriffe viel zu klamaukig geraten, was in diesem Fall nicht der Brandt-Synchro geschuldet ist; die französische Version hat das gleiche Problem.

Was die Szenen mit dem Bär betrifft, so stimmen diese heute eher traurig, als dass sie Lacher hervorrufen. (Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht.)

Die erste Stunde des Films hingegen kann sich locker mit allem messen, das das Vater-Tochter-Gespann Oury/Thompson geschrieben und in Szene gesetzt hat, einschließlich der Komödien, die sie mit Louis de Funès gedreht haben.

8 von 10 Punkten halte auch ich für genau richtig. Chapeau!

25.10.2019 16:35 Uhr - Pratt
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Tolles Review, toller Film, Belmondo geht (fast) immer!!!

25.10.2019 17:29 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Eure netten Kommentare.
Wer den Film noch nicht gesehen hat ...immer ran, es lohnt sich! Zwar gefallen mir z.B. "Der Profi" oder "Angst Über Der Stadt" besser, aber trotzdem ist "Das As Der Asse" eine gelungene Actionkomödie.

26.10.2019 13:41 Uhr - Ghostfacelooker
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Stimmt Belmondo geht fast immer, zumindest deutlich öfter in seinen ab 1980er Filmen, davor lieber die mit Delon^^^^^^^^^^

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