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Eintrag: 08.09.2019

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Tool

Musikvideos




eine kritik von therealash:

Das Gute an einem Review zu einem Musik-Album ist zuallererst einmal, dass man eigentlich keine Spoilerwarnung setzen muss, da sich - um es etwas poetischer auszudrücken - die Blume der Musik erst langsam ausbreitet und für jeden neu und anders erschließt.

Solche psychoaktiven Blumen hat die aus Los Angeles stammende Prog-Rock-Prä-Post-Metal-Alternative-Ambient-Grunge-Kraut-Band TOOL seit jeher in den von Van Gogh abgeschnittenen Ohren gepflanzt, die bei einem David Lynch ameisenbevölkert direkt zurück zum Surrealismus eines Salvador Dalí führten und wieder zurück.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1990 verfolgt diese sehr homogene Gruppe unter Sänger Maynard James Keenan, Gitarrist und Verpackungs- wie Videokünstler Adam Jones, Schlagwerker Danny Carey, den Bassisten Paul D'Admour (bis 1995) und nachfolgend Justin Chancellor (ab 1995) für Furore im sonischen Bereich zwischen Rhythmus, Brachialität, Zurückhaltung, Konkordanz, Dissonanz und vollkommener Perfektion.

TOOL ist kontrovers, pervers und vor allem völlig ins Jenseits gerichtet, außerhalb dieser Welt, innerhalb der Psyche und weit, weit entfernt in den Enden der Parabel, wo sich Soma und Psyche, Körper und Geist, der Lord und Satan zu einem Stelldichein treffen, um es mal wieder gehörig krachen zu lassen, wenn die Apokalypse längst eingetreten ist und die fahlen Reiter nicht nur die Californication mit Tidal Waves beschwören (siehe "Ænima" und nachfolgend das Zitat der Red Hot Chili Peppers auf "Californication").

Da von der jungen Generation der Grunge ja bekanntlich wiederentdeckt wurde, als die Musik von Mama und Papa, ist es jetzt endlich Zeit, dass auch TOOL nach ihrer 13-jährigen Albumpause aus der Versenkung kommen und Killeralben wie "Undertow" mit Überkrachern wie Sober, "Ænima" mit Stinkfist, "Lateralus" mit The Grudge oder "10.000 Days" mit Jambi den heute 13-jährigen in die Gehörgänge pusten.

Klar sind das alte Männer, aber für mich waren Pink Floyd damals auch alte Männer und der Vergleich ist vielleicht gar nicht so schlecht: TOOL sprengen ähnlich wie Pink Floyd die Grenzen der Musik und werden doch mit jedem Hören tiefer und setzen sich fest in den unbewussten Gängen unseres Gehirns, wo sie unerwartet wieder hervorplatzen, gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet.

Nun ist es nach langem Hin und Her also endlich da, das neue TOOL-Album mit dem hermetischen Titel "Fear Inoculum", was ich mal frei mit der Angst vor Infektionen (oder Impfungen) jeglicher Art übersetze und sich zwischen der Angst vor dem Fremden oder dem Unbekannten sicher erweitern lassen kann, betrachtet man sich das momentane Weltklima, sowohl geologisch, als auch biologisch, technologisch, sozial und kulturell.

Und ja, es ist wieder ein musikalischer Brocken von besonderer Durchschlagskraft geworden, ein schwarzer Monolith (Grüße an Kubrick und 2001: Odyssee im Weltraum seien hierbei erlaubt). Die CD-Ausgabe dauert 80 Minuten, während die digitale Version noch ein bisschen länger geht, wir haben 7 vollständige Songs mit ein paar Versatz- oder Ambientstücken, wieder mal eine hochwertige und außergewöhnliche (wenn auch leider sauteure) CD-Verpackung und vor allem haben wir den TOOL-Sound durch und durch.

Ja, sie sind zurück!

Der Titeltrack Fear Inoculum lässt keine Versprechen offen und führt uns in die komplexe Soundwelt dieser Ausnahmeband ein. Textlich kann man sich durchaus politisch mit den Plänen vor der Infizierungsangst eines gewissen Präsidenten der USA und einer Mauer zu Mexiko beschäftigen, wie darüber hinaus mit einem alten TOOL-Thema, das sich um den unbedingten Aufruf zum freien Denken dreht. Wie im Live-Album "Salival" Drogenpapst Timothy Leary mit dem Satz "Think for yourself, question authority..." in einem ewig währenden Mantra zitiert wird, klagt der Titeltrack eine unbenannte Nemesis als Betrügerin an, die uns mit ihrer Gehirnwäsche der Furcht alle daran hindert uns selbst zu entdecken und unsere Individualität zu leben. Ein "allegorisches Klagelied", wie die Lyrics selbst bezeugen.

Dies mutet natürlich immer etwas esoterisch an, aber TOOL meinen es gut. So zeigen sie in Pneuma einen im Wechsel ruhig verspielten und im Chorus dann wieder enorm wuchtigen (heavy) Song, der sich mit dem Atem beschäftigt und abermals auf die Erweiterung von Geist und Körper pocht.

Wem das etwas zu ätherisch ist, der kann sich im Zwischenstück der digitalen Album-Version etwas ausruhen und zum vorigen Song einen cinematischen Bezug mit dem Electronic-Stück Litanie contre la Peur gönnnen, das sich auf Frank Herberts Dune bezieht und darin auf die Bene Gesserit und ihre Litany against fear, eine Art Anti-Gebet, oder besser eine Zauberformel zur Beschwörung, um sich in gefährlichen Situationen zu beruhigen oder zu ermutigen (je nachdem).

Invincible ist wiederum ein geerdeter Kriecher, der sich textlich mit dem Kampf und der Unverwundbarkeit beschäftigt und vielleicht etwas archaisch daherkommt, im Hintergrund allerdings ebenfalls eine körperliche Verbindung herstellt. Manowar darf man hier definitiv nicht erwarten, aber einen textlichen Bezug zum Konquistador Ponce de León (manchen bekannt als Figur aus Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten). Im ebenfalls auf der digitalen Version daherkommenden Legion Inoculant wird wiederum das Hauptthema aus Fear Inoculum zitiert, was mich letztlich dazu bringt, dass mir die noch epischere Länge der digitalen Version besser gefällt, da sie runder ist. Der runde CD-ling andererseits bietet leider nicht mehr als 80 Minuten und zeigt damit wiederum wunderbar die Knappheit des Mediums. Ich muss sagen, dass ich seit langer Zeit nicht mehr so viel Spaß hatte mit einer Compact Disc, vor allem da ich eigentlich immer Vinyl bevorzuge.

Mit Descending wechselt vom Vorstück das Wasser- und Wellenrauschen des Ambient- und Industrialmusikers Brian Williams (aka Lustmord) über in ein sanftes Songgerüst, von dem ich sagen muss, dass es nicht nur als Mittelstück einen der Höhepunkte des Albums bildet, sondern auch mein persönlicher Favorit ist. Textlich ist es wiederum - man ahnt es schon - spiritistisch, ein Abstieg in unsere elementare Körperlichkeit und Psyche - oder Seele?

Culling Voices geht dann vielleicht in die etwas realeren Gefilde des Bewusstseins und könnte sich fragen, ob die vielen Stimmen, die das poetische Ich der Texte hört, nicht doch Halluzinationen sind, Bewusstseinsbruchstücke, psychopathologische Versatzstücke der Vergangenheit, zerschnittene Erinnerungen. Es sollte hier erwähnt werden, wie verdammt grandios Maynard James Keanan vor allem auch in stilleren Passagen singt. Seine Stimme ist wirklich außergewöhnlich und einzigartig.

Chocolate Chip Trip kommt anschließend nicht ganz wie Die Eier Von Satan vom Album "Ænima" daher, in dem ein Rezept für Haschkekse auf Deutsch (!) dargeboten wurde, aber überzeugt als Schlagzeugsolo des neuen Jahrtausends in seinem psychedelisch-elektronischen Gewand vollends und erinnert mich an die gute alte Zeit, als zum Beispiel auf den Alben von Iron Maiden Drum-Solos wie von Nicko McBrain noch zelebriert wurden. Auch Danny Carey ist ein exzeptioneller Schlagwerker, wie es keinen Zweiten gibt.

7empest (sprich Tempest) ist nun der heimliche Superhit des Albums und das Endstück. 7empest ist eine Kampfansage und eine Abrechnung nicht nur mit einer fraglichen Politik, sondern auch mit der Zerstörung des Planeten und des Menschseins in einem. 7empest ist der brachiale Kracher, auf den viele TOOL-Fans lange gewartet haben, ein verschachteltes Kunstwerk, bei dem man während der Überbrückung zum nächsten Album zehren kann. Und ähnlich wie Shakespeares persönlichstes Stück The Tempest kommt 7empest daher als inselartiges Stück Musik, über das der sprichwörtliche Sturm der Verbannung hinwegzieht und all die Mythen und Geister heraufbeschwört, aus denen sich nicht nur TOOL nährt.

Zum Abschluss gibt es dann auf der digitalen Version noch das Ambient-Stück Mockingbeat, in dem man sich von diesem zuvor gebotenen Monster an Sound langsam in die Stille des Lebens zurückverabschieden kann.

Man merkt schon, "Fear Inoculum" braucht wie jedes TOOL-Album Zeit, um sich in die Gehörgänge zu winden. So 20 Durchläufe sollte man sich schon mal einprogrammieren, ruhig nebenher und immer wieder, bis man endlich ankommt und drin ist. Das Package ist mit seinem installierten Bildschirm und dem Lautsprecher, wie auch dem Lyric-Booklet toll gelungen, allerdings einfach zu teuer und wirklich nur für TOOL-Fans zu empfehlen.

Der im Package visuell dargebotene Song Recusant Ad Infinitum ist auch ein Ambientstück, das im Mittelteil sehr orchestral daherkommt und wirklich zu gefallen weiß. Der Kurzfilm (oder ist das noch ein Videoclip?) erzählt die in der Gesamtverpackung aufgemachte Geschichte eines Doppeltorsos mit Bischofsmitra, der in der Körperhälfte seltsam verdreht ist und jeweils acht Arme hat, sodass ich persönlich an eine Art Tausendfüßler denken musste. Dieser schwirrt durch Raum, Zeit und Psyche zwischen Tausend Augen und unendlichen Weiten. Ein kleineres Augenmonster beobachtet oder verfolgt ihn, so ganz klar war mir das aber nicht. Visuell auf jeden Fall ähnlich gut wie das Video zu Schism oder die alten Videos, die man jedem Filmfan ans Herz legen muss, erinnern sie doch in ihrer Animationskunst an die Quay Brothers oder an Jan Svankmajer.

Genug gesagt. "Fear Inoculum" ist ein geniales Album - Punkt, Komma, Strich. Neulinge sollten allerdings zum Download oder einer später erscheinenden Normal-CD-Version greifen.

Enden wir mit Frank Herbert:

"I must not fear.
Fear is the mind-killer.
Fear is the little-death that brings total obliteration.
I will face my fear.
I will permit it to pass over me and through me.
And when it has gone past I will turn the inner eye to see its path.
Where the fear has gone there will be nothing.
Only I will remain."

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Kommentare

09.09.2019 07:41 Uhr - TheMovieStar
2x
User-Level von TheMovieStar 5
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 301
Ein Review zu einem Musikalbum? Warum nicht! Es ist auf jeden Fall gut geschrieben! Die Band kenne ich leider nicht, obwohl ich eigentlich vieles in Richtung Rock/Metal gehört habe.

09.09.2019 18:58 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.247
Danke für deine Rückmeldung, scheint ja auch nicht so gut anzukommen;-)

Keine Ahnung wie alt du bist, aber TOOL haben seit 13 Jahren nichts mehr rausgebracht, von daher gabs vielleicht keine Überschneidung. Versuch auf youtube einfach mal "Sober" oder "Stinkfist", das sind klasse Songs

09.09.2019 19:43 Uhr - Trust no.1
3x
Hi TheRealAsh. Sehr gute Review zu einer unglaublich geilen Band. Tool mag man oder nicht. Dazwischen gibt es eigentlich nix. Mich hat Lateralus zum ersten mal so richtig umgehauen. Ein Song, aus dem man 3 machen könnte. Und im Juni hab ich sie, nach 2006, wieder mal bei Rock im Park gesehen. Ein wahnsinns Erlebnis!

09.09.2019 22:48 Uhr - TheRealAsh
3x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.247
Vielen Dank! Immer schön auf andere TOOL-Fans zu treffen und ja, du hast recht, entweder - oder. Lateralus ist auch absoluter Hammer, da stimme ich dir zu. Auf ein Live-Erlebnis spekuliere ich ja auch mal demnächst, muss man schnell zugreifen, wenn es soweit ist, nicht nur Keanan, sondern alle sind so eine Wucht auf der Bühne.

10.09.2019 07:23 Uhr - Trust no.1
2x
Es gibt ja Gerüchte, das sie im nächsten Frühjahr hier wieder unterwegs sein sollen. Mal sehen. Und ja, live absoluter Hammer. Wie sie es halt schaffen live genauso wie auf ihren Platten zu performen ist schon sehr sehr geil.

10.09.2019 13:06 Uhr - Clemens
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Eine Kritik auf Schnittberichte zu einem Musikalbum - dazu noch von einer meiner absoluten Lieblingsbands??!! Na aber, immer her damit!

Klasse Arbeit, Ash! Ich kann mich zum Großteil deiner Meinung anschließen! FEAR INOCULUM ist kein neues LATERALUS, aber kann die enorm großen Erwartungen, die sich nach dreizehn Jahren angehäuft haben voll und ganz erfüllen. Auch für mich persönlich ist ´7empest´ der Über-Kracher - das Teil klingt wie Vivaldi auf Ecstasy!

Vielleicht hättest du hier und da noch ein Wort über die Protagonisten verlieren können. Danny trommelt zwar sowieso in seiner eigenen Welt (mit Kollias, Haacke und Dailor bester Drummer der Gegenwart), aber auch Maynard singt - obwohl er recht wenig Einsätze hat - zum Dahinschmelzen.
Schade nur, dass Justins Bass ein wenig undifferenziert klingt. Der Typ ist sooo talentiert - den hätte man im Mix noch ein wenig mehr Raum gestatten können.

Das bringt mich auch gleich zu den wenigen Kritikpunkten: Der Sound (keine Sorge, ich habe das Album im gebührend druckvollen & lauten Gewand gehört) und wie bereits angesprochen besonders der Bass, hat noch deutlich Luft nach oben. Das kann eine Maschinerie wie Tool gewiss besser. Und das Cover... naja...

Nur noch eine kleine Randinfo: Ich hatte das Vergnügen, Tool im Juni beim einzigen Deutschland-Hallen-Gig in Berlin live erleben zu dürfen. An alle Musikliebhaber da draußen: Ich habe schon vieles gehört und gesehen, aber dieses Quartett hebt ein Konzerterlebnis akustisch UND visuell auf ein neues Level! Versprochen!
Ach ja, lasst die dämlichen Handys am besten gleich daheim; es patroullierte tatsächlich eine Art Smartphone-Security, die u.a. ein Mädel neben mir, die das Handy für gefühlt zehn Sekunden (!) gezückt hatte, achtkantig rauswarf - und den meckernden Freund gleich mit!

10.09.2019 13:18 Uhr - Trust no.1
2x
@Clemens; zu den letzten absätzen, genau so und nicht anders❗

10.09.2019 15:19 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.247
Danke Clemens, Vivaldi auf Ecstasy ist wirklich eine ganz hervorragende Beschreibung und mit Kollias, Haake und Dailor gehe ich mit, dein Musikgeschmack ist wirklich hervorragend;-)

Hätte gerne noch mehr zu den Mannen geschrieben, aber habe mich gegen Ende dann eingegrenzt, da es eh schon zu lang ist.

Mit dem Sound hast du sicher recht und mit Chancellor auch, aber das Package ist schon wieder geil.

Und du glücklicher, da wäre ich auch gerne dabei gewesen, wie gesagt, ich speckuliere auf eine ordentliche Europa-Tour, hoffen wir das Beste:D

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