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Mad Max: Jenseits der Donnerkuppel

Originaltitel: Mad Max: Beyond Thunderdome

Herstellungsland:Australien (1985)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction
Alternativtitel:Mad Max 3
Mad Max III
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,14 (76 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Unter der Donnerkuppel von Bartertown bricht Mad Max bei einem erbarmungslosen Zweikampf ein ehernes Gesetz: Er schenkt dem Besiegten das Leben. Wütend lässt Aunty Entity, Herscherin der Gesetzlosen, ihn in die Wüste verbannen. Doch Mad Max kehrt zurück. Härter und explosiver als je zuvor.
Die Regisseure George Miller und George Ogilvie inszenierten ein technisch perfektes Endzeitspektakel mit mitreißenden Kampfszenen und der unvergleichlichen Verfolgungsjagd mit apokalyptischen Fahrzeugen. Zum dritten Mal dabei: Mel Gibson ("Fletcher's Visionen", "Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf") als Titelheld Mad Max. (Warner DVD-Cover)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                        MAD MAX - JENSEITS DER DONNERKUPPEL

Mit Mad Max (1979) und Mad Max II – Der Vollstrecker (1982) hatte Regisseur George Miller zwei Meilensteine des Action/Science-Fiction-Films erschaffen, die große Erfolge an den internationalen Kinokassen waren. Kein Wunder also, dass drei Jahre später ein weiteres Sequel folgte. Und diesmal wollte man hoch hinaus … während der erste Teil noch eine Low Budget-Produktion war und der zweite Teil ein Budget von vier Millionen Dollar hatte, stattete man Miller diesmal mit 10 Millionen Dollar aus. Da dieser befürchtete, dass ihm der Aufwand dieser Produktion über den Kopf wachsen könnte, zumal er noch um den im Alter von 33 Jahren bei einem Helikopterunfall verstorbenen Mad Max-Produzenten Byron Kennedy trauerte, bat er seinen Kumpel George Ogilvie (The Dismissal, 1983) um Hilfe. Die beiden drehten Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel, der Kennedy gewidmet ist, u.a. in der Minenstadt von Coober Pedy und in den Blue Mountains. Mel Gibson war wieder in der Rolle des Max Rockatansky zu sehen; weitere Mitglieder der Besetzung waren Bruce Spence (Mad Max II – Der Vollstrecker, 1982), Angelo Rossitto (1908-1991 / Freaks, 1932), Helen Buday (Im Schatten Der Cobra, 1989) sowie Angry Anderson, Sänger der legendären australischen Hardrock-Band Rose Tattoo. Den größten Besetzungscoup landeten die Macher des Films mit der Verpflichtung der Sängerin Tina Turner, die auch zwei Songs zum Soundtrack des Films beisteuerte. Die restliche Musik stammt diesmal nicht von Brian May, sondern von Maurice Jarr (1924-2009 / Topaz, 1969).

Max Rockatansky (Mel Gibson) streift immer noch durch die Gegend, bis ihm unterwegs sein Fahrzeug und sein gesamter Besitz gestohlen werden. Er vermutete beides in der Siedlung Bartertown, wo mit allem gehandelt wird.Aunty Entity (Tina Turner), die Gründerin von Bartertown, macht Max ein Angebot. Er bekommt ein Fahrzeug und Methan, das Benzin als Treibstoff abgelöst hat, wenn er dafür den kleinwüchsigen Master (Angelo Rossitto) ausschaltet, der für die Energieversorgung von Bartertown zuständig ist und Entity quasi in der Hand hat. Der Haken an der Sache – Master bildet eine Einheit mit Blaster (Paul Larsson – Der Höllentrip, 1980), einem schier unbesiegbaren, muskelbepackten Hünen …

Wenn ein Film (und dann auch noch eine Fortsetzung von zwei erfolgreichen Vorgängern) ein zweistelliges Millionenbudget bewilligt bekommt, muss das nicht immer ein gutes Zeichen sein. Und auch wenn Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel zur Zeit seiner Veröffentlichung durchaus Kritikerlob ernten konnte, beklagten sich andere Filmjournalisten/Fans (oft aus der Retrospektive) darüber, dass man Mad Max einen viel zu leichten Ton verpasst und ihn „Hollywood-ized“ habe. Das ist unübersehbar und ein gewichtiger Grund dafür, dass Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel (für mich) der schwächste Teil der Reihe ist.

Schon der Beginn des Films irritiert etwas. Während die ersten beiden Teile mit düsterer, unheilschwangerer Musik begannen, die bereits reichlich Endzeitstimmung verbreitete, und die folgenden apokalyptischen Szenarien voller geschrotteter Fahrzeuge und roher Gewalt schon mal akustisch andeutete, bekommt man hier einen recht entspannten Tina Turner-Song zu hören. Da kann ja keine Weltuntergangsstimmung aufkommen! Und auch der dem Song folgende Film ist viel leichter und bunter als man es vom Mad Max-Franchise gewohnt ist, was ein großes Manko ist. Denn auch wenn die Idee mit der Gesellschaft, wie sie in Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel dargestellt wird (dazu später mehr), nicht schlecht ist, wird dieses Konzept nicht vollständig ausgeschöpft. Die durchgängig bedrohliche, dunkle Atmosphäre, die die beiden Vorgänger auszeichnete und so gut machte, fehlt hier fast vollständig. Dafür haben George Miller und sein Co-Autor Terry Hayes der zweiten Hälfte von Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel eine äußerst kitschige Erlösergeschichte um einen Stamm von Kindern und Jugendlichen verpasst, die besser zu einem familienfreundlichen Abenteuerfilm und weniger zu einem postapokalyptischen Actionspektakel passt, so dass es zu der einen oder anderen Geduldsprobe für den Zuschauer kommt. Besonders nervig ist die Szene, in der die Geschichte des Stamms - „unterstützt“ von einer Art Choreographie und ständiger Wiederholung der Sätze – erzählt wird. Und auch sonst muss man bei der einen oder anderen Szene mit den kindlichen und jugendlichen Darstellern eine Menge Geduld aufbringen. Gleiches gilt für den im ersten Filmdrittel ständig krakeelenden Master.

Wäre alles nicht so schlimm, wenn man dafür mit rasanten, halsbrecherischen Verfolgungsjagden mit extravaganten Fahrzeugen entschädigt würde, die ebenfalls zu den Markenzeichen der ersten beiden Teile gehören. Aber auch diesbezüglich ist Schmalhans Küchenmeister. Erst der Showdown bietet das, wonach wohl die meisten Fans des Franchises gelechzt haben dürften, auch wenn er nicht an die Qualität des Mad Max II-Finales heranreicht. In diesem Zusammenhang wahrscheinlich unnötig zu erwähnen, dass auch die Gewalt deutlich heruntergeschraubt wurde. Pustete Max im Vorgänger einem Widersacher noch mit der abgesägten Flinte die Birne weg, belässt er es hier bei dessen Kopfschmuck oder schlägt ihn KO.

Aber Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel hat auch seine guten Momente. So ist es begrüßenswert, dass sich die Strippenzieher des Streifens erneut um Weiterentwicklung bemüht haben. Während Mad Max eine Gesellschaft zeigt, die aus den Fugen gerät, und Mad Max II uns mitten in die Postapokalypse führte, zeigt Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel am Beispiel von Bartertown, die dank des erhöhten Budgets äußerst aufwändig und detailreich gestaltet wurde, dass sich die Menschheit langsam wieder berappelt. Hier zeigen sich Grundzüge der Zivilisation, es wird Handel betrieben, es gibt eine Art Gesetzgebung und ein Waffenverbot, so dass man nicht befürchten muss, an der nächsten Ecke die Kehle durchgeschnitten zu bekommen. Man hätte mit dieser Idee so viel machen können, denkt man sich … was hätte Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel für ein Film werden können, wenn diese fragile Gesellschaftsform mit einer äußeren oder inneren Bedrohung konfrontiert worden wäre anstatt Max nach etwa vierzig Minuten aus der Stadt zu jagen? Bis dahin bekommt man einige starke Szenen zu sehen, wie z.B. Max´ „Vorstellungsgespräch“ und den Kampf in der Donnerkuppel, eine wirklich einfallsreiche, spektakuläre Szene. Leider ist die nächste erwähnenswerte Actionszene erst die finale Verfolgungsjagd, und auch wenn der Mad Max II-Showdown deutlich besser und vor allem entfesselter war (Wo war die sekundenbruchteilkurze Großaufnahme der aus den Höhlen quellenden Augen?), ist diese Actionsequenz spektakulär und einfallsreich und wartet mit dem einen oder anderen gelungenen Stunt auf. Und trotzdem muss man es an dieser Stelle sagen – auch George Miller scheint man als Regisseur gebremst zu haben, oder sein Buddy Ogilvie hat bei dieser Sequenz zu viel Verantwortung bekommen, aber irgendwie fehlt auch hier der inszenatorische Wahnsinn, den George Millers Karambolagen auszeichnete … die Choreographie der Crash-Szenen wirkt deutlich konventioneller als in den vorigen Teilen.

Mel Gibson bietet eine passable Vorstellung, nur hat man das Gefühl, dass er – auch wenn er seit dem ersten Mad Max-Film schauspielerisch dazugelernt hat – in den beiden Vorgänger engagierter aufgetreten ist. Auch Bruce Spence agiert in Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel deutlich zurückhaltender und deswegen auch weniger erinnerungswürdig. Tina Turner hat einige nette Auftritte und macht das beste aus ihrer Rolle, was auch für Angry Anderson gilt, der hier einen quasi unkaputtbaren Handlanger spielt, der später eher zu einer Art Running Gag mutiert. Helen Buday spielt die Rolle der Anführerin Savannah Nix recht gut, doch dafür muss man den im ersten Filmdrittel aufgrund seiner bereits erwähnten, polternden Art erst mal aushalten muss.

Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel ist ein äußerst mittelmäßiges Sequel mit vielen vertanen Chancen. Einige starke Momente können nicht darüber hinwegtäuschen, dass man – höchstwahrscheinlich aufgrund des höheren Budgets – vieles von dem über Bord geworfen hat, was die ersten beiden Teile so gut (aber auch so düster) gemacht hat, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Die Rechnung ging nur bedingt auf, da Mad Max – Jenseits Der Donnerkuppel ein bestenfalls moderates Einspielergebnis an den Kinokassen erzielte. So mussten dreißig (!) Jahre vergehen, bis ein weiterer Mad Max-Film in die Kinos kam. Allerdings ohne Mel Gibson …

4-5/10

5/10
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Kommentare

24.09.2019 18:18 Uhr - CHOLLO
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Eine Mammut- und Qualität's Arbeit allerersten Ranges deine Reviews zur Mad Max Trilogy!! Ich gehe mit dir mit das der zweite wohl der beste der Reihe ist, aber nur knapp hinter Teil 1. Was diesen hier angeht finde ich ihn nicht ganz so mäßig wie du, aber recht gebe ich dir trotzdem dass der dritte wohl der "glatteste" der Aussie Dustopie ist. Sehr schön:)

24.09.2019 20:32 Uhr - Ghostfacelooker
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Schließe mich an. Tolle Arbeit die Trilogie!!!!

24.09.2019 20:44 Uhr - cecil b
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Moderator
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Großartige Arbeit, werter Herr! WOW! Was du da alles mit eingebracht hast.

Ich mochte Thunderdome ^^^^, aber, ich kann die Wertung bestens nachvollziehen. Ist auch lange her, dass ich mir den gegeben habe.

24.09.2019 23:09 Uhr - FordFairlane
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Wie auch schon die anderen beiden Reviews, ist das hier auch wieder eine tolle Kritik.

Das komische an diesem Film ist, das von der Inszenierung bis zum Soundtrack der Streifen ordentliche Qualität abliefert. Nur leider wirkt der Film nicht wie ein Max Mad Film. Dieser komische PG 13 Streifen ist bedeutungslos. Das hört sich schlimm an, doch ich finde es eher traurig. Frage mich immer noch was dieser Film sollte. Eine bessere Story, Gewalt und mehr Action hätten den Film gerettet.

24.09.2019 23:47 Uhr - Pratt
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Schönes Review, den Film würde ich aber deutlich besser ansiedeln, ist aber auch schon etliche Jahre her seit ich den zuletzt gesehen habe.

P.S. Die Soundtracks zu den Mad Max Filmen stammt nicht von Queen Gitaristen Brian May, sondern von einem australischen Komponisten (leider verstorben) gleichen Namens.
https://www.imdb.com/name/nm0006189/

25.09.2019 08:09 Uhr - TheMovieStar
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Für mich auch der schwächste Mad Max Teil mit Mel Gibson, wobei dein Review wieder erste Sahne ist. Danke hierfür.

25.09.2019 14:05 Uhr - leichenwurm
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Unterschrieben... spiegelt genau meine Meinung zu dieser vergeigten Fortsetzung wieder. Klasse geschrieben Punisher !

25.09.2019 22:18 Uhr - Punisher77
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@Alle: Vielen Dank für Eure zahlreichen netten Kommentare.

@Pratt:
Danke für den Hinweis, hab´s korrigiert. Da habe ich wohl nicht gründlich genug recherchiert. Ich dachte halt, es gebe im Musikgeschäft nur einen Brian May und da Rockmusiker ja schon an dem einen oder anderen Soundtrack mitgearbeitet haben, bin ich einfach vom Queen-Gitarristen ausgegangen. Wieder was gelernt :-).

26.09.2019 13:30 Uhr - JasonXtreme
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Super Rezi, würde ich ziemlich beipflichten. Ich mag den zwar durchaus, aber mit den beiden ersten teilen hat das Ganze hier nichts mehr wirklich zu tun.

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