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Mad Max

Herstellungsland:Australien (1979)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction
Alternativtitel:Interceptor
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,12 (132 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Die Welt in nicht allzu ferner Zukunft: Sadistische Motorradbanden ziehen mordend durch das Land. Max (Mel Gibson) gehört zu den Streifenpolizisten, die ständig in Kämpfe mit diesen Horden verwickelt werden. Als eines Tages seine Familie ermordet wird, sieht MAD MAX rot... (Warner DVD-Cover)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                               MAD MAX

Mad Max (1979) ist ein Klassiker des dystopischen (Action-)Kinos, der – trotz seines niedrigen Budgets von (je nach Quelle) 350. - 400.000 Dollar – nicht nur neue Maßstäbe für das Genre setzte und ein weltweiter Erfolg an den Kinokassen war, sondern auch die Namen George Miller (Regie) und Mel Gibson (Hauptdarsteller) auf der filmischen Weltkarte etablierte. Inspiriert zu diesem Meilenstein wurde der Australier Miller durch die Beobachtung mehrerer Autounfälle und seine Arbeit als Arzt in einer Notaufnahme, in der er viele Opfer von Verkehrsunfällen behandelte. Zusammen mit Produzent Byron Kennedy, den er 1971 kennenlernte, und Drehbuchautor James McCausland, mit dem er das Drehbuch des Films verfasste, schuf George Miller Mad Max. Die titelgebende Hauptrolle ging an den damals 23jährigen, unbekannten Mel Gibson, der beim Vorsprechen derart überzeugte, dass er den ursprünglichen Wunschkandidaten James Healey (Homicide, 1975 & 1976) ausstach. Weitere Rollen gingen an Joanne Samuel (Alison´s Birthday, 1981), Hugh Keays-Byrne (Mad Max – Fury Road, 2015), Steve Bisley (Silver City, 1984), Tim Burns (Now And Forever, 1983) und Vincent Gil (Ghosts...Of The Civil Dead, 1988). Gedreht wurde der Film innerhalb von zwölf (statt geplanten zehn) Wochen in Melbourne und Umgebung. Laut Miller wurde der Film im Guerilla Style gedreht, da man z.B. Straßen sperrte, ohne eine Drehgenehmigung zu haben. Später, als die Produktion von Mad Max bekannt wurde, erhielten Miller und Co. Unterstützung von der Victoria Police.

Mad Max führt uns – angekündigt von düsterer, unheilvoller Musik, die von Queen-Gitarrist Brian May stammt – in eine wenig erbauliche, nahe Zukunft. Motorisierten Banden, die die Bevölkerung terrorisieren, gehören die Autobahnen, die Polizei führt einen Kampf gegen Windmühlen. Nach der Ermordung seines Freundes Goose (Steve Bisley) quittiert der Polizist Max Rockatansky (Mel Gibson) den Dienst, doch ihm und seiner Familie ist keine Ruhe vergönnt. Nachdem seine Frau und sein Kind Opfer einer Motorradgang geworden sind, begibt sich Max auf einen blutigen Rachefeldzug…

Mad Max wird oft als Begründer des Endzeit-Films bezeichnet, der besonders in Italien viele Nachahmer fand, doch streng genommen ist George Millers bahnbrechendes Regiedebut kein wirklicher Endzeitfilm wie  z.B. der Nachfolger Mad Max II – Der Vollstrecker (1982), der im postapokalyptischen Zeitalter spielt. In Mad Max ist die zivilisierte Gesellschaft zwar in der Auflösung, aber immer noch (zumindest in Ansätzen) vorhanden – so gibt es z.B. immer noch eine Polizei, die versucht, das Verbrechen zu bekämpfen. Der wahre Endzeitfilm ist jedoch Mad Max II – Der Vollstrecker.

Aber gerade die Darstellung dieses immer mehr um sich greifenden Verfalls der gesellschaftlichen Ordnung macht Mad Max so interessant. Zum einen zeigt George Millers erster Streifen um Max Rockatansky die Verbrechen der Motorradgangs, wie z.B. den Überfall auf ein Pärchen. Auch wenn hier überwiegend die Zerstörung eines Autos gezeigt wird und sich die Kamera wegbewegt, als die Frau aus dem Wagen gezerrt wird, um mit an hundertprozentiger Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vergewaltigt zu werden, wird dieser grauenhafte Gewaltakt nicht explizit gezeigt … diese verstörende Andeutung aber reicht völlig aus. Diese Szene zeigt außerdem, wie einige andere auch, dass nichts und niemand sicher ist. Jede( r ) kann jederzeit Opfer eines Gewaltverbrechens werden, da potenzielle Täter an jeder Ecke lauern und ohne Gnade oder Rücksicht auf Frauen und Kinder zuschlagen. Und auch wenn diese Täter mitunter skurille Kostüme oder lächerliche Sonnenbrillen in Herzform tragen, sollte man sich von diesen Outfits nicht täuschen lassen. Das Gefühl der Ohnmacht gegenüber diesen Gangs wird dadurch gesteigert, dass sie von der Justiz nichts zu befürchten haben, da sie von windigen Anwälten unter lächerlichen Vorwänden wieder in die Freiheit geführt werden, womit sich Mad Max in die Reihe von in den Siebzigerjahren so populären Selbstjustiz-Filmen wie Dirty Harry (1971) oder Ein Mann Sieht Rot (1974) eingliedert. Diese von willkürlicher Bedrohung geprägte, dunkle Atmosphäre ist ein gewaltiger Pluspunkt des Films, die zusätzlich durch die Dramaturgie des Films befeuert wird. So besteht Mad Max nicht nur aus Bildern voller Schrott und Gewalt, sondern auch aus harmonischen Szenen mit Max Rockatanskys Familie, so dass der für seine Rachetour ausschlaggebende Angriff auf seine Familie umso bitterer wirkt … auch wenn diese Szene allzu grausame Details ausspart, reicht das, was man zu sehen bekommt, aus, um schockierend zu wirken und jegliche Art von Vergeltung gutzuheißen.

Aber auch die Seite der Polizei wird nicht ausgespart und statt einer kompletten Verherrlichung des allein auf weiter Flur kämpfenden Polizeiapparats werden hier sogar leise kritische Untertöne deutlich, was ebenfalls zur Qualität des Films beiträgt. So wird bei der auftaktgebenden Verfolgungsjagd in Mad Max deutlich, dass sich die Polizei mitunter genauso rücksichtslos verhält wie die Verbrecher, die sie jagt. Und auch Max Rockatansy muss sich eingestehen, dass er nur einen Schritt davon entfernt ist, die Jagd auf Highway-Gangster zu sehr zu genießen.

Neben der Story-Prämisse sind es auch die Actionszenen, die Mad Max sehenswert und zu einem Genre-Meilenstein machen. Auch wenn George Miller diesbezüglich seine Stärken erst in dem deutlich teureren Mad Max II – Der Vollstrecker richtig ausspielen konnte, zeigt bereits die 1979er Low Budget-Produktion rasende, auf nichts und niemanden Rücksicht nehmende Verfolgungsjagden … auch wenn sich Kleinkinder auf der Fahrbahn befinden, wird nicht gebremst. Durch die Kameraführung, den rasanten Schnitt und ungewöhnliche, blitzschnelle Nahaufnahmen (z.B. von weit aufgerissenen Augen – ein Stilmittel, das auch für den zweiten Teil übernommen wurde) schafft George Miller – zusammen mit einer Gruppe von weder Tod noch Teufel fürchtenden Stuntmen – originell auf Film gebannte Actionszenen, die auch heute noch bestehen können. So manche „bombastische“, mit deutlich erkennbaren CGI-Effekten vollgestopfte Actionszene aus aktuellen Blockbustern mit (bis zu) dreistelligem Millionenbudget wirkt im Vergleich zu den Karambolagen (man denke nur an die Sequenz mit dem Campingwagen) aus Mad Max geradezu lächerlich, da Miller und Co. mit nur wenig Geld, dafür aber ohne Computertechnik auskommen mussten.

Aber nicht nur die furiosen Actionszenen sind erwähnenswert, sondern auch die berühmt-berüchtigte Handsägen-Szene, von der mir wirklich jeder erzählt hat, der Mad Max je gesehen hat, und die die Macher eines gewissen, momentan achtteiligen modernen Horrorfilm-Franchises beeinflusst haben dürfte.

Mel Gibson war erst 23 Jahre jung, als er Mad Max spielte, weshalb es nicht verwundert, dass er bis dahin nur wenig Erfahrung als Schauspieler gesammelt hatte. So wirkt Gibson in der einen oder anderen Szene noch ein wenig hölzern, was man unter Umständen aber auch als Authentizität bezeichnen kann, da der von Gibson gespielte Max Rockatansky kein Supercop, sondern eher ein Jedermann und Familienvater ist, so dass die Unerfahrenheit des späteren Superstars der Rolle noch ein wenig zugute kommt. Als eiskalter Rächer dagegen wirkt Mel Gibson schon hier überzeugend. Die bessere Darstellung bietet dagegen Hugh Keays-Byrne als Gangführer Toecutter, der über ein enorm bedrohliches Charisma verfügt, und zudem (schauspielerisch) über die Gabe verfügt, andere überzeugend zu grausamen Gewalttaten anzustiften. Im Grunde ist er der bedrohlichste Mad Max-Schurke. Zwar wirkt Humungus, sein „Nachfolger“ in Mad Max II – Der Vollstrecker – aufgrund seines Äußeren eine Spur gruseliger, aber Keays-Byrne wirkt deutlich realistischer, da man einem Verbrecher wie ihm tagtäglich begegnen könnte.

Aber nicht nur die beiden Hauptdarsteller sind gewichtige Argumente für eine (erneute) Sichtung von Mad Max. Steve Bisley spielt die Rolle von Max´ Kumpel Goose dermaßen sympathisch, dass der grausame Angriff auf sein Leben doppelt schwer wiegt. Auch die Wut auf die Justiz bringt der australische Schauspieler glaubhaft rüber. Joanne Samuel wurde als Max Rockatanskys Ehefrau ebenfalls gut gecastet: Sie ist nicht nur hübsch, sondern verfügt auch über Selbstbewusstsein, so dass sie sich von Toecutter und seinen Schergen nicht so einfach einschüchtern lässt. Der Zuschauer kann leicht eine Bindung zu ihr aufbauen, so dass der Angriff auf sie umso erschreckender wirkt. Vincent Gil steht als „The Nightrider“ (nicht zu verwechseln mit Knight Rider David Hasselhoff) stellvertretend für all die durchgeknallten, unberechenbaren und grausamen Schurken, die das Mad Max-Universum bevölkern.

Trotz seiner hervorragenden Qualitäten und seiner Vorreiterrolle hat Mad Max auch winzig kleine Schwächen. So ist z.B. die Dramaturgie etwas ungleichmäßig gewichtet. Der Rachanteil an der Handlung, der z.B. vom Trailer als zentral herausgestellt wurde, fällt (auch ohne diesen Hinweis aus der Werbung) etwas klein und vor allem hastig aus, so als hätte man ihn „nachgeschoben“ … hier hätte man Max´ Vergeltungsaktion ruhig noch etwas mehr Platz einräumen können, bzw. sollen. Auch die Gewichtung der Verfolgungsjagden könnte den einen oder anderen Zuschauer stören. Während der Beginn des Films voller rasanter Schauwerte steckt, dauert es (fast) bis zum Ende, bis der Film mit ähnlichen Action/Crash-Szenen aufwarten kann.

Das sind aber letztlich Kleinigkeiten. Mad Max ist trotzdem ein hervorragender und spannender futuristischer Actionfilm, geprägt von einer düsteren Atmosphäre und versehen mit einigen spektakulären Verfolgungsjagden, die neue Maßstäbe setzten. Außerdem zeigt sich Mel Gibson hier in seiner ersten Paraderolle. Das Publikum war jedenfalls begeistert und ließ insgesamt ca. 100 Millionen Dollar an den internationalen Kinokassen, so dass drei Jahre später die erste Fortsetzung folgte.

9/10
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Kommentare

22.09.2019 13:24 Uhr - FordFairlane
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Schönes Kritik zu einem sehenswerten aber auch ziemlich stark eingerosteten Film. Der Film wirkt teilweise in einigen Szenen unfreiwillig komisch. Besonders in den Szene mit dem Knight Rider und dem Oberbösewicht. Die Selbstjustizdramatik nutzt der Film auch nicht gerade aus, daher habe ich mich schon damaös über die Indizierunh gewundert, denn man sieht hier nichts.

Ich bin einer der wenigen der "Mad Max" etwas zwiegespalten sieht, denn einerseits ist er unterhalsam aber andererseits in der heutigen Zeit nichts besonderes mehr.
"Mad Max 2 - Der Vollstrecker" hingegen ist für mich der wahre Mad Max Film und einfach ein toller Film.

22.09.2019 13:30 Uhr - sonyericssohn
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Ich kann mich bis heute nicht mit dieser Reihe anfreunden. Weiß auch ned warum, aber die zündet bei mir einfach nicht.
Trotzdem fein verfasst Puni !

22.09.2019 13:54 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Leute!

@Ford:
Dass Du bei "Mad Max" zwiegespalten bist, kann ich durchaus nachvollziehen...so hätte auch ich gern einen längeren, dramatischeren Selbstjustiz/Rache-Part gesehen.

@Sony:
Schade, dass die Reihe bei Dir nicht zündet. Teil 2 ist in meinen Augen ein echtes Meisterwerk. Aber so verschieden sind die Geschmäcker ;-).

22.09.2019 17:08 Uhr - Knochentrocken
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Ein 1A Film. Finde nicht, dass der eingerostet ist. Er blüht sogar nochmal extra auf!
Ich muss mir die Trilogie mal wieder geben. ^^
Für mich auch ne 9/10. Da hat der zweite schon die 10/10

22.09.2019 20:03 Uhr - TheRealAsh
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Tolle und echt informative Rezi. Ich liebe den 1. Teil auch unglaublich, aber Teil 2 ist tatsächlich noch besser. Die Reihe ist einfach super, und das wurde von "Fury Road" sogar noch übertroffen. Da soll doch glaube wieder mal was kommen, oder irre ich mich da?

22.09.2019 20:43 Uhr - Pratt
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Tolles Review, toller Film, der Nachfolger war noch besser!!! Echte Stunts & Karambolagen übertreffen in meinen Augen die heutigen CGI-Tricks der um Welten, wenn man bedenkt mit welchen Mitteln G. Miller hier gedreht hat, WOW!!!

22.09.2019 20:43 Uhr - TheMovieStar
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Der Film ist super, wie das Review auch, ein Klassiker.

22.09.2019 21:31 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Euer zahlreiches Feedback, Leute!

@Ash:
Ja, ich hab´ auch mal gelesen, dass da was Neues kommen soll. Ist aber schon länger her und wurde bisher nicht weiter bestätigt.

@Pratt:
Ich denke, dass sich die heutigen Actionfilmregisseure/produzenten ruhig mal wieder auf echte Stunts konzentrieren sollten, anstatt Kollege Computer die Arbeit machen zu lassen. Was Miller und Co. im ersten Teil geleistet haben, ist schon toll, aber mit Teil 2 hat man sich noch mal gesteigert.

23.09.2019 13:37 Uhr - Kable Tillman
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Schließe mich deinem, nebenbei erwähnt beeindruckendem und hochinformativem, Review an. Mad Max ist ein Klassiker, den man sich immer noch sehr gut geben kann, auch wenn der Zahn der Zeit schon ein wenig an ihm genagt hat. Von mir bekäme er eine 8/10.

23.09.2019 22:05 Uhr - leichenwurm
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Spitzen Review Punisher. Wertungstechnisch sind wir auch fast gleichauf. Für mich ne 10, da er die Initialzündung für ein ganzes Genre war, auch wenn die Fortsetzung natürlich noch kräftig eins draufgelegt hat.

23.09.2019 23:45 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für die netten Worte!

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