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TheRealAsh
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Eintrag: 17.09.2019

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Border

(Originaltitel: Gräns)
Herstellungsland:Schweden, Dänemark (2018)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Fantasy, Liebe/Romantik, Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,67 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Die Grenzbeamtin Tina ist eine bemerkenswerte Erscheinung. Ihr seltsam geschwollenes Gesicht, ihr bohrender Blick und ihre körperliche Kraft verleihen der jungen Frau etwas Animalisches. Tina hat zudem eine besondere Fähigkeit: Sie kann Angst, Scham und Wut anderer Menschen wittern. Ihr Talent macht sich der schwedische Grenzschutz erfolgreich zunutze, um Kriminelle aufzuspüren. Dennoch fühlt sich Tina seltsam fremd unter ihren Mitmenschen und lebt einsam und naturverbunden als Außenseiterin in den Wäldern. Doch dann begegnet sie Vore, der ihr auffallend ähnlich sieht und bei dem ihre Begabung an ihre Grenzen stößt. Tina ahnt, dass Vore etwas zu verbergen hat. Und doch, unbefangen, wild und erstaunlich frei, wirkt Vore ungemein anziehend auf sie. Tina spürt bei ihm eine Vertrautheit, die ihr bisher fremd war. Als die beiden sich näherkommen, offenbart Vore ihre mystische Herkunft. Aber dieses Wissen bringt nicht nur neue Freiheiten, sondern auch unbequeme Herausforderungen mit sich, denen sich Tina stellen muss.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

Von diesem Film zu sagen, er wäre außergewöhnlich, ist noch eine Untertreibung. Der iranisch-dänische Filmemacher Ali Abbasi (Shelley) hat mit Gräns, wie er im schwedischen Original heißt, ein Stück Phantastisches Kino geschaffen, wie ich es in der Form noch nie gesehen habe.

Mein Konflikt ist leider, dass ich von der Story eigentlich nichts verraten möchte, da man sich dieser märchenhaften Realität ganz unbedarft nähern sollte, ganz so, als erwarte man ein Kind, von dem man nicht erwartet hätte, dass es einen mit seiner Existenz überrascht.

Um mal die Rahmenbedingungen kurz abzuklären, wird in Border die Geschichte von Tina erzählt, die mit einem - wie ihr gesagt wurde - Chromosomdefekt zur Welt gekommen ist und nicht wie das Gros der Allgemeinheit aussieht, allerdings besondere Fähigkeiten bezüglich ihres Spür- und Geruchssinns entwickelt hat, mit dem sie sowohl Düfte, als auch menschliche Gefühle erkennen kann. Mit solchen Superkräften ausgestattet, landet man naturgemäß beim schwedischen Zoll, wo sie mit ihren Kollegen Alkoholschmuggler und sonstige Verbrecher an der Grenze von Dänemark und Schweden überführt. Als ein Mann mit kinderpornographischen Dateien von ihr gestellt werden kann, beginnt für sie sowohl die Beihilfe zur Aufklärung von Kinderschändern, als auch eine weitere Begegnung mit dem mysteriösen Vore, der so viel mit ihr gemeinsam zu haben scheint und doch so völlig anders ist. Er führt sie ein in eine Welt jenseits ihrer Grenzen, die sowohl sie, als auch der Zuschauer so noch nicht gesehen hat und es beginnt eine der seltsamsten Liebes-Verbrecher-Romanzen auf der Suche nach Identität und Integrität, die es je gab.

Border basiert auf der Kurzgeschichte Gräns des schwedischen Horrorautors John Ajvide Lindqvist, den manche vielleicht vom Vampir-Arthouse-Drama Let the Right One In von Thomas Alfredson oder seinem US-amerikanischen Remake kennen. Am Drehbuch wirkte neben Abbasi auch Lindqvist selbst und Isabella Eklöf mit, deren Regiedebut Holiday - wie bereits erörtert - ebenfalls sehr spannend ist. Ähnlich kreativ und stimmungsvoll webt die Filmversion von Border Lindqvists Vision in einen ruhigen Nordic-Noir mit Fantasyelementen ein, die auf den ersten Blick zunächst eigentlich gar nicht so phantastisch scheinen.

Dies liegt mitunter an der unglaublich überzeugenden Maske der Hauptdarsteller, die man gar nicht wiedererkennt. Die schwedische Schauspielerin Eva Melander, die bisher eher für Fernsehrollen in ihrem Heimatland bekannt zu sein scheint, bringt eine herausragende Leistung, von der sich jede Hollywood-Beauty ein eigenes Bild machen sollte. Ebenso wie der Finne Eero Milonoff, der eine bereits beachtliche Filmographie vorweisen kann. Ich ziehe meinen Hut vor diesen die Grenzen des Darstellerischen auslotenden Künstlern.

Wie gesagt, ich will nicht mehr verraten, da ich die zunächst etwas zähe und seltsame Stimmung und Atmosphäre dieses Films nicht schmälern möchte und die Gefühle, die einem beim ersten Sehen überkommen, nicht vorweg nehmen oder vor allem verfälschen will.

Eines möchte ich aber sagen, Border behandelt in seinem Kern sowohl den Missbrauch an Kindern, als auch den Missbrauch derer, die anders sind, als die Gesellschaft sie kennt oder haben möchte. Dies sollte man sich gerade beim aktuellen Thema des Trisomie-Tests für Schwangere unbedingt vor Augen führen. In diesem Sinn ist der Film einerseits ein Aufruf für mehr Inklusion und Toleranz, zugleich aber verfolgt er die unlösbare Frage dessen, wo natürliche und vom Menschen gemachte Grenzen liegen. Tina, wie ich sie hier noch nennen werde, wird aufgrund gesellschaftlicher Lügen und Verbrechen von ihrer wahren Identität schließlich völlig überflutet, sodass sie fast nicht anders kann, als sich ihrem Verführer hinzugeben, bis auf den einen Unterschied: sie will sich nicht dem Hass hingeben, sie behält das, was sie letztlich wirklich ausmacht: ihre Gefühle.

Gut, genug gesagt, Border ist zwar kein Superheldenfilm, aber Stan Lee hätte solch eine mythische Superheldin aus der skandinavischen Folklore sicher sympathisch gefunden, bei der es am Ende immer um die Liebe und Suche nach dem eigenen Ich in der Gesellschaft geht.

Schönheit liegt eben nicht nur im Auge es Betrachters.

9/10
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Kommentare

18.09.2019 08:19 Uhr - dicker Hund
1x
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Auf den war ich sowieso schon neugierig; jetzt erst recht!

18.09.2019 11:16 Uhr - The Machinist
1x
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Erfahrungspunkte von The Machinist 400
Ich auch.
Von Lindqvist habe ich ''So finster die Nacht'' gelesen, dass ''Border'' eine Buchverfilmung ist, wusste ich allerdings garnicht.
Geiler Tipp jedenfalls, der wird demnächst gekauft. Vielleicht ja zusammen mit ''Holiday''.

18.09.2019 12:23 Uhr - TheRealAsh
2x
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dank euch!

"Border" ist eine Kurzgeschichte von ihm, gibts sehr günstig fürs Kindle (1,49€) in einer Kurzgeschichtensammlung. Lohnt sich.

18.09.2019 18:37 Uhr - rosso_sangue
1x
Bei der Wertung bin ich gleich . Hat mich auch überrascht bzw überfallen der Film . Manchmal lohnt ein Blindkauf eben doch :-)

18.09.2019 23:12 Uhr - Intofilms
1x
Ich mag ja Filme, die ein wenig wunderlich sind, und "Border" würde mir bestimmt auch gefallen. 1A-Tipp und -Review, mein Kompliment! ;))

28.09.2019 14:11 Uhr - g-hot77
1x
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Den hab ich auch hier liegen, aber immer verschoben. Review habe ich lieber noch nicht gelesen. Aber bei deinem Geschmack bin ich mir immer ziemlich sicher und ob der 9 muss ich den also endlich mal vorziehen !!!

28.09.2019 19:38 Uhr - TheRealAsh
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Ich hatte den auch ne Weile rumliegen, weil mich das irgendwie nicht angesprochen hat, aber glaub mir, es lohnt sich, viel Spaß:-)

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