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Flucht aus L.A.

(Originaltitel: Escape from L.A.)
Herstellungsland:USA (1996)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction,
Thriller
Alternativtitel:Klapperschlange 2, Die
John Carpenter's Escape from L.A.
Los Angeles 2013
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,94 (24 Stimmen) Details
inhalt:
Der Mann mit der Augenklappe ist zurück: Snake Plissken, genannt die "Klapperschlange". Kurt Russell und die Filmemacher John Carpenter und Debra Hill haben sich wieder zusammen getan, um jetzt in L.A.'s Big Orange genauso zu verfahren wie damals am Big Apple in "Die Klapperschlange - Flucht aus New York". Diesmal allerdings mit noch härteren, futuristischen Thrill- und Action-Parts.

Im Jahr 2013 erreicht Snake Plissken (Kurt Russell) das von einem gewaltigen Erdbeben der Stärke 9,6 zerstörte L.A. Sein Job: In der verwüsteten Stadt die gestohlenen Datenträger einer globalen Vernichtungswaffe unschädlich zumachen. Eine Wahnsinnsmission, bei der Plissken zusammen mit Freunden, Feinden und teuflischen Gegnern (u. a. Stacy Keach, Steve Buscemi, Peter Fonda, George Corraface, Cliff Robertson, Pam Grier) Los Angeles komplett aufräumt.
eine kritik von chollo:

Hatte ich bei dem Review zu "Escape from New York" noch geschrieben das sich sich ein aufstrebendes Talent im Regiefach namens John Carpenter gerade auf dem (vorläufigen) Höhepunkt seiner Schaffensphase befand, haben wir es zum Zeitpunkt der Entstehung von "Escape from L.A." mit dem genauen Gegenteil zu tun. Nach Auftragsarbeiten ("Jagd auf einen Unsichtbaren"), künstlerisch ambitionierten aber finanziell erfolglosen Werken ("Die Mächte des Wahnsinns") und missratenen Fehlschüssen ("Das Dorf der Verdammten") taumelte der Master seinem unrühmlichen Ende entgegen. Durch Fürsprache seines Buddy's Kurt Russell und der Abkehr von alten Überzeugungen, nun doch eine Fortsetzung zu einem seiner Filme zu drehen, schaffte es der gute John doch noch einmal satte 50 Mill. USD für ein Werk unter seiner Leitung zusammenzukratzen. Der daraus resultierte Output, welchen Carpenter selbst gegenüber seines "Escape from New York" präferiert, kann in seiner Gesamtheit und in Anbetracht der Fähigkeiten der Beteiligten aber leider abermals nur als misslungen betrachtet werden.

Anfangen tut das alles zuerst einmal mit dem Setting. Hatte ich bei "New York" noch von der atemberaubenden Atmosphäre geschwärmt die diese Örtlichkeit ausstrahlt, schafft es der Regisseur zu keiner Sekunde diese auch nur annähernd in das nicht minder interessante Setting von Los Angeles zu verlagern. Neben schlecht gemachten CGI- Panoramen und dem unausgegorenen Details im Setdesign, lässt sich der Master auch noch dazu herab ganze Einstellungen aus erfolgreicheren Filmen zu kopieren. Siehe brennenden Schriftzug auf den Hollywood Hills und das dazu passende Gegenstück in "Demolition Man". Los Angeles wirkt hier nicht bedrohlich oder bizarr, wie es Carpenter eventuell auch im Sinn hatte, es wirkt vielmehr wie eine billige Plastik- Spielwiese für die unbedarfte Vorschulklasse. Das Ende des Films dann auf dem Hof des Walt Disney Resorts stattfinden zu lassen wirkt im Auge des Verantwortlichen vielleicht konsequent/ gar intelligent, ist in Wirklichkeit aber nur der hilflose Versuch dieses Imitat eines Klassikers doch noch der erfahrenen Kundschaft schmackhaft zu machen.

Kurt Russell als Snake Plissken hat seinen Fummel von damals zwar in die Mottenkiste geschickt und ein (vermeintlich) zeitgemäßeres Lack und Leder Gewand angelegt, seine Attitude bleibt aber die gleiche. Mit Anfang Dreißig war er damit noch der Heuler und gewissenermaßen auch authentisch, mit Beginn der Fünfziger wirkt es aber etwas aufgesetzt. Auch das Plissken sich abermals für Dumm verkaufen und in Regierungsangelegenheiten einspannen lässt, trägt nicht gerade zum Sympathie- Faktor bei. George Corraface als Che Guevara und Isaac Hayes für Arme ist dem Overacting verfallen und wirkt in der Rolle des Hauptantagonisten einfach unglaubwürdig. Peter Fondas Auftritt als gealteter Surferboy als peinlich zu bezeichnen wäre noch untertrieben und Stacy Keach als Bösewicht auf Regierungsseite zeichnet seine Figur einfach viel zu glatt und oberflächlich um wirklich zu überzeugen. Die beste Performance als Nebendarsteller bieten da noch Steve Buscemi und Bruce Campell. Erstere hat die Rolle einzig angenommen um eines seiner eigenen Projekte zu verwirklichen, letzterer hat einen Cameo von ca. 2 Minuten und ist zudem noch unter 5 cm Make-up verborgen. Ich denke das spricht Bände. Und Pam Grier als Hershe, oh bitte?!

Am Auffälligsten und ärgerlichsten sind aber die völlig missratenen Special Effekte. Das verantwortliche Studio Buena Vista rechtfertigte sich im Nachhinein mit der Aussage, in diesem Bereich eben noch keine Erfahrung gehabt zu haben. Ok?! Dann frage ich mich aber ob dieses "Groß"- Projekt von immerhin 50 Mill. USD überhaupt von fähigen Leuten überwacht wurde. Im Jahre 1996 war dieser Betrag keine Kleinigkeit und man sollte doch glauben das ein solcher Aspekt bei einer Sci- Fi Dystopie besondere Beachtung erfährt. Nichts dergleichen, wirklich unterirdisch was man hier zu sehen bekommt. Es reicht schon wenn man die Reise unseres Helden zum Bestimmungsort gegenüber "Escape from New York" und "Escape from L.A." vergleicht. Ein überzeugenderes Argument Practical Effects schlechter CGI vorzuziehen gibt es wohl nicht.

Die Härten haben auch nochmal im Vergleich zu seinem Vorbild deutlich abgenommen. Diese Facette war zwar schon bei "New York" kein qualitätsminderndes Merkmal, doch muten die fröhlichen Schießbuden Einlagen der Protagonisten via Gleiter gegen Ende eher einer schlechten Szene Carpenter's "Ghosts of Mars" entliehen als dass sie für Stimmung sorgen. Doch nicht alles ist schlecht bei "Escape from L.A." Carpenter hatte offensichtlich eine konkrete Idee für seine Fortsetzung was Stil und Aufmachung angeht, nur hapert es bei der Umsetzung gewaltig. Auch die Idee seinen ganzen Film eher als eine Hommage statt einer gewöhnlichen Fortsetzung zu sehen fehlt es nicht an Substanz, besonders da sich die künstliche Scheinwelt von Hollywood bzw. Los Angeles dafür förmlich anbietet. Aber auch hier muss man sagen wirkt es in der Gesamtheit einfach zu inkonsequent und nicht zu Ende gedacht.

Die Quittung erhielt Carpenter dann als seine "Neuinterpretation" sang und klanglos an den Kinokassen unterging und auch der allgemeinen Meinung nach nicht im entferntesten an sein Original heranreichte. Einem Zufall ist es zu verdanken das "Escape from L.A." nicht der Sargnagel zu John Carpenters Karriere war. 2 Jahre später wurde er kurzerhand die Notlösung auf dem Regiestuhl für ein Projekt Namens "Vampires", welches seiner angeschlagenen Vita wieder einen dezenten Aufschub gab. Sein hier besprochenes Werk ist in seiner Gesamtheit meiner Meinung nach aber einfach zu fade und füllt nicht im geringsten die großen Fußstapfen aus, in die es steigen wollte.

5/10
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Kommentare

23.09.2019 16:12 Uhr - FordFairlane
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Eine sehr innformative Kritik, die ging runter wie Öl dank der tollen Nebeninfornationen zum Film.

Interessanterweise war es bei mir so, dass ich "Flucht aus L.A." lange vor "Die Klapperschlange" gesehen habe und ich den Film auf dem Sender Premiere sehr genossen habe.
Ich fand ihn richtig gut und den Charakter Plissken saucool.
Irgendwann Anfang 2000er habe ich mir das erste mal "Die Klapperschlange" und plötzlich fand ich "Flucht aus L.A" zwar als immer noch recht nett, doch von der Machart ziemlich durchwachsen.

Die Klapperschlanhe - 8.5 von 10
Flucht aus L.A. - 6.0 von 10

23.09.2019 21:59 Uhr - leichenwurm
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Autsch... das liest sich ja fast schon eher wie ne 3 ;-)) ! Ich mag den, trotz aller unübersehbaren Schwächen trotzdem ganz gern, was vor allem natürlich an Kurt Russel und der Figur Snake Plissken liegt. Der selbstironische Tonfall hat ebenfalls seinen Reiz, auch wenn das Erscheinungsbild des Films natürlich oft von den miserablen Effekten gestört wird. Ich wär hier so bei ner 7.

23.09.2019 22:34 Uhr - Punisher77
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Tolle Kritik ... steht Deinem "Klapperschlange"-Review in nichts nach.
Bei der Bewertung gehe ich mit. Das, was Dich an dem Film geärgert hat, hat mir auch schwer im Magen gelegen. Nur Kurt Russels Performance finde ich ganz cool.
Hoffentlich kommt keiner auf die Idee, doch noch `nen dritten Teil zu drehen...

23.09.2019 23:24 Uhr - Pratt
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Schönes Review, bei der Bewertung gehe ich nicht mit, fand den schon immer gut, ich habe den damals sogar schon im Kino gesehen, übrigens war der gute Kurt noch nicht in den 50er sondern "erst" 45 und zu Beginn des Films trägt er sogar nochmal die alten Klamotten. Die Special Effects ziehen den schon etwas runter aber K. Russell (vorallem auf englisch) und die ganzen Nebendarsteller reichen mir noch für'ne knappe 8, vorallem das Ende fand ich gut.

23.09.2019 23:52 Uhr - CHOLLO
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Auch hier für eure Kommentare herzlichen Dank!
Danke für die Info Pratt. Jemand 45 jährigen fälschlicherweise ne 5 vorne an die Lenzen zu heften hätte im realen Leben wohl ne Tracht Prügel nach sich gezogen;)

24.09.2019 21:02 Uhr - cecil b
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Carpenter wurde irgendwann mehr oder weniger die künstlerische Freiheit entzogen. Er meinte, wenn er in den letzten Jahrzehnten mit seinen eigentlichen Ideen auf die Produzenten zukommen würde, sie würden nicht zu lassen, diese zu verfilmen.

Deinen Reviews fehlt es jedenfalls nicht an Qualität, Chollo! :)

29.09.2019 12:23 Uhr - CHOLLO
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Auch dir nochmal vielen Lieben Dank Cecil!
Von seinem Mentor hört man sich ein Lob immer gerne an:))

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