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Ad Astra - Zu den Sternen

(Originaltitel: Ad Astra)
Herstellungsland:USA (2019)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Drama, Science-Fiction,
Thriller, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,69 (13 Stimmen) Details
inhalt:
Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) reist an den äußersten Rand des Sonnensystems, um seinen vermissten Vater zu finden und ein Rätsel zu lösen, dass das Überleben auf unserem Planeten bedroht. Auf seiner Reise enthüllt er Geheimnisse, die die menschliche Existenz und unseren Platz im Universum in Frage stellen.
eine kritik von tschaka17:

Bewegend, faszinierend, erhaben.

Erhaben. Das erste Wort, welches mir direkt zu Ad Astra einfällt, ist erhaben. Schon während des Kinobesuches empfinde ich ein Gefühl, dessen Wortbedeutung unser Duden als „durch seine Großartigkeit feierlich stimmend“ definiert. Und genau dies tut einer der faszinierendsten Sciene-Fictioner des bisherigen Jahrzehnts. Majestätische Bilder, unterlegt mit einem hypnotisch anmutenden Soundtack, begleiten uns auf einer Reise durch menschliche Ängste, Sorgen und Hoffnungen.

Wie so oft in Space-Filmen gibt es einen zu erfüllenden Auftrag, welcher hier die Rettung des gesamten Sonnensystems beinhaltet. Sogenannte „Wellen“ sorgen für technische Ausfälle und Chaos auf der Erde, weswegen Major Roy McBride entsandt wird.  Ursache des Problems scheint nämlich sein Vater zu sein, der einst auf einer Mission im All verschwand. Aus diesem Grund ist Ad Astra eigentlich ein Vater-Sohn-Drama, welches lediglich in den Weiten des Kosmos angesiedelt ist. Wobei auch diese Bezeichnung zu beanstanden ist, denn die Reise zu den Sternen wird zu einer Reise durch die Menschheit und vor allem das eigene Selbst.

Schon zu Beginn spricht eine innere Stimme mit uns, fast wie unser eigenes Gewissen. Jene nachdenkliche Off-Voice des Protagonisten teilt immer dann ihre Gedanken mit dem Publikum, wenn andere Menschen in der Einsamkeit des Weltalls fehlen oder Dinge kritisch betrachtet werden müssen. Auf seiner Reise begleiten wir einen Mann, dem seine Passion wichtiger ist als die Liebe zu seiner eigenen Frau.  Einen Mann, dessen arbeitswütiger Vater als verschollener Held niemals eine Vaterfunktion übernehmen wollte. Einen Mann, der in der Ferne nach seiner eigenen Menschlichkeit sucht. „Ich bin keine Bedrohung!“, sagt er beim Entern einer Rakete, dennoch gewillt seine Mission unter allen Umständen zu erfüllen. All diese Stärke verdeckt jedoch nicht die menschliche Seite dieses Mannes, der mit seinen Gefühlen, Ängsten und Sorgen kämpft. Eines oder besser gesagt einer ragt dabei stets heraus: Der phänomenale Brad Pitt. Einer der ganz Großen liefert hier eine der besten – und für mich die beste – Performance seiner Karriere ab. Keine Frage, Tommy Lee Jones als vereinsamter Vater ist wirklich gut, aber Brad Pitt überstrahlt in dieser größtenteils Ein-Mann-Reise wahrlich alle!

Insgesamt stimmt Ad Astra eher nachdenklich und agiert weniger emotional als etwa ein Interstellar. Muss es auf dem Mond DHL und Subway geben? Müssen die Mondkrater von greller Neonwerbung erleuchtet werden? Die Gegner in dieser Zukunftsvision sind nicht jene unbekannten Gefahren des Weltalls, sondern dieselben wie auf unserer Erde: Die Menschen selbst. Roy McBride bezeichnet unsere Spezies als „Planetenfresser“ und angesichts von Ressourcenkrieg auf fremden Sternen lässt sich diese bittere Einschätzung nur teilen. Wäre es tatsächlich so gut außerirdisches Leben zu finden, wenn der Mensch solch ein Parasit in seiner Galaxie ist?

Trotz vieler Gedankenanstöße schaut sich Ad Astra aber keineswegs wie ein Moralapostel. Der Film zieht einen magisch in den Bann und der Zuschauer kann sich in der einzigartigen Inszenierung schlicht verlieren. Wundervolle Sets entführen uns in fremde Welten fernab des blauen Planeten. Im Verlauf der Reise betreten wir gigantische Raketen, tauschen grüne Wiesen gegen graue Mondwüsten und entdecken neue Stationen auf dem Mars und im All. Sind es oft die kleinen Details, welche Orte extrem authentisch und visionär erscheinen lassen, ist es hier die einfache und schnörkellose Gestaltung. Zwischendurch gönnt uns die Kamera in einem ihren langen, ruhigen Schwenks faszinierende Bilder der Galaxie und zeigt uns die Schönheit des Kosmos in ihrer vollsten Pracht.

In Kontrast dazu stehen die gut dosierten, sehr intensiven Actionsequenzen. Im freien Fall dreht und wendet sich die Kamera mit den Figuren, beim Start einer Rakete rappelt sie von links nach rechts und von oben nach unten. An Übersicht mangelt es uns dabei allerdings nie und schwebt Roy McBride schwerelos durch den Raum, fühlt man sich selbst etwas leichter. Eindeutiges Highlight ist für mich die Verfolgungsjagd auf dem Mond. Verschiedene Rover rasen durch das graue Nichts, Laserwaffen verursachen massiven Schaden und die Schwerelosigkeit gibt dem Ganzen eine völlig einzigartige Note. So etwas habe ich noch nie gesehen und ich liebe es! Regisseur James Gray beweist hier definitiv sein Können und streut weitere Leckerbissen in Form von cleveren Schattenspielen oder fein platzierten Rückblenden ein.

Spricht man bereits von der überwältigenden Bildsprache in Ad Astra, lassen sich besonders die Effekte nur loben, loben, loben. Absoluter Wahnsinn, was mit der Computertechnik heutzutage alles möglich ist! Ebenfalls grandios ist das Sounddesign, welches mit kräftigen Bässen daherkommt, die Off-Voice durch den eigenen Kopf schickt und genau in den richtigen Momenten auf Stille setzt. Der schon erwähnte hypnotische Soundtrack stellt dann wirklich die Kirsche auf der Sahne dar. Ich würde gerne mehr schreiben, aber so etwas kann man nur selbst erleben!

Einen Vergleich mit den größten Space-Meisterwerken der jüngeren Geschichte besteht Ad Astra mühelos. Für mich ist der Film „flawless“ – makellos. Diese Reise zu den Sternen möchte weder so unbeschwert unterhalsam sein wie Der Marsianer noch so tief emotional wie mein persönlicher Favorit Interstellar. Hier werden eigene Schwerpunkte gesetzt und dieser Science-Fictioner funktioniert genau deshalb so hervorragend, weil er weiß, was er kann, will und ist.

Ad Astra ist als faszinierende Erfahrung nur zu empfehlen! Seine Geschichte bedient so viele Ebenen, stimmt nachdenklich und begeistert mit einem galaktisch-grandiosen Brad Pitt in der Hauptrolle. Die Kombination aus Bild und Ton verschlägt einem wirklich den Atem, es ist wahrlich kaum zu beschreiben. Schaut diesen Film, schaut dieses Meisterwerk!

8,5/10 Sternen im Kosmos.

PS: Diese, auf solch eine Lobpreisung verhältnismäßig gering erscheinende Wertung, setzt sich in Bezug zu allen von mir bewerteten Filmen zusammen.

9/10
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Kommentare

23.09.2019 16:18 Uhr - sonyericssohn
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Liest sich wirklich interessant ! Da ich nicht der Kinogänger bin wird der erst im Heimkino sausen.
Aber stark verfasster Appetitanreger ! Danke dafür.

24.09.2019 05:10 Uhr - McGuinness
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Meine Güte, wirklich hervorragend rezensiert und das vor allen Dingen ohne zu viel zu verraten... Sehr gut !!!

Ich bin ja damals schon bei Danny Boyles " Sunshine " aus dem Staunen gar nicht mehr raus gekommen, da werde ich mir dieses Werk garantiert auch nicht entgehen lassen... Besonders im Kino 😃

24.09.2019 10:28 Uhr - Max Bailey
Eine fantastische Rezession die exakt mein Gefühl bei der Sichtung ausdrückt. Die kreierten Bilderwelten ziehen in Ihren Bann und stehen als Sinnbild für das Seelenleben der Figuren. Dabei steht die Sinnsuche des Protagonisten sowohl für sich selbst als auch für den Zustand unserer Gesellschaft. Phänomenales Kino welches unbedingt auf der großen Leinwand gesehen werden muss. Mich hat der Film zutiefst beeindruckt und hängt mir auch heute noch nach. Absolute Empfehlung. Danke Dir für die tolle und sehr lesenswerte Kritik.

24.09.2019 14:58 Uhr - Mucki1979
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Wunderbar formuliert!

Dein Review macht mir richtig Lust auf den Film, welcher offensichtlich eine gute Balance zwischen Tiefgang und Effekten aufzuweisen verspricht!

24.09.2019 17:50 Uhr - tschaka17
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Besten Dank an alle! :)

Hatte das Vergnügen ihn im Atmos-Saal zu sehen, das lohnt sich richtig! Also viel Spaß im Kino :D

@Max Bailey: Dann hat Ad Astra bei dir wohl ähnlich gewirkt wie bei mir, im Publikum kommt er ja aktuell eher gemischt an.

24.09.2019 18:48 Uhr - Max Bailey
Nach ca. 5 Minuten hat mich der Film in seinen Bann gezogen und nach ca. 20 Minuten war ich total geflasht. Du hast die Wirkung exakt so beschrieben wie ich es empfunden habe. Ich überlege sogar ihn nochmal im Kino zu sichten. Ich hatte lange kein so intensives Filmerlebnis.

24.09.2019 20:53 Uhr - cecil b
1x
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Meine Güte, schon die ersten Sätze haben mich überzeugt! Die Wirkung eines Films so auf eine Review zu übertragen, Hut ab, tschaka17!

24.09.2019 22:11 Uhr - TheRealAsh
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Das hört sich wirklich sehr gut an, ich muss mir auch unbedingt noch Zeit freischaufeln für einen Kinobesuch hierzu, vielleicht schaffe ich es ja morgen. Danke fürs Anfixen!

26.09.2019 08:23 Uhr - TheMovieStar
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Die Kritik ist super geschrieben, habe sie erst jetzt gelesen. Und ja die Kritik macht Lust auf den Film. Saubere Arbeit, weiter so!

27.09.2019 09:46 Uhr - tschaka17
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Danke, danke :D

@Max Bailey: Ich spiel auch mit dem Gedanken, ihn noch einmal im Kino zu sehen. Leider ist Ad Astra schon aus den großen Sälen bei uns raus - wirklich schade!

16.12.2019 02:09 Uhr - spobob13
Danke tschaka17.
Ich kann dir in vielem deiner schön geschrieben Rezension zustimmen. Alles in allem ein sehr ordentlicher Film der mit seinem Hauptdarsteller, Score, Bildern, Atmosphäre und auch der Story punktet. Aber manchmal ist bei zuviel Licht auch ein wenig Schatten, und so einiges hat mir nicht gefallen. Achtung: Gedämpfter Spoileralarm.
Hier mal drei Beispiele.

1. Wozu die Szene mit den mordlustigen Affen. Das man auf dem Mond noch eine Action-Szene reinquetschten mußte - und die ist wirklich gut, passt ja noch im Kontext, dass die Menscheit sich niemals ändern läßt. Aber die Affen-Szene hat man nur noch reingepolltert um den Actionanteil zu erhöhen. Die ist komplett sinnlos.

2. Die Rückkehr zum Schiff beim Planeten Neptun. Rototordrehbewegung ausgenutzt um zielgenau zum Raumschiff zu fliegen und eine Abdeckung als Schutzschild gegen Asterioden. Sowas passt ja cool in einen Marvel Superheldenfilm, aber weniger hierher. Die Szene war echt nix, was haben sich die Produzenten bloss dabei gedacht?

3. Mir fehlt am Ende auch ein wenig der Aha-Effekt. Bei den Rückblenden hat man ganz schwer das Solaris Remake kopiert, aber zum Ende gibt es nur ... ach sag ich es frei raus Hausmannskost!

Aber alles in allem ein sehr, sehr guter Genre Film. Aber Interstellar (mein Favorit, und auch deiner), Gravity, Solaris finde ich schon ein Stück besser. "Der Marsianer" mag ich raushalten. Ein toller Film - funktioniert aber komplett anders.

Na jedenfalls, mach weiter so tschaka17. Werde deine Kritiken immer gerne lesen :-)

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