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TheRealAsh
Level 9
XP 1.272
Eintrag: 26.09.2019

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Luz

Herstellungsland:Deutschland (2018)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Horror, Liebe/Romantik, Thriller,
Mystery

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,25 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Regnerische Nacht. Luz, eine junge Taxifahrerin, schleppt sich benommen in die erleuchtete Tür einer heruntergekommenen Polizeidienststelle. In einem Nachtlokal verwickelt die verführerische Nora den Polizeipsychotherapeuten Dr. Rossini in ein Gespräch. Nora ist eine alte Schulkameradin von Luz und im Verlaufe des Abends erzählt sie von Luz rebellischer Vergangenheit auf einer chilenischen Mädchenschule. Nora ist von einem dämonischen Wesen besessen. Das Wesen, das von Nora Besitz ergriffen hat, sehnt sich nach der Frau, die es liebt. Luz. Gehorsam macht das Mädchen Nora Dr. Rossini betrunken und das Wesen bemächtigt sich des ahnungslosen Arztes. Unter Aufsicht seiner Kollegen, der Kommissarin Bertillon und ihrem Übersetzer Olarte versetzt Dr. Rossini die verwirrte Luz in einen Hypnosezustand. Unter Hypnose exerziert Luz die Geschehnisse kurz vor ihrer Ankunft im Polizeikommissariat durch. Doch das Wesen, das unbemerkt in Dr. Rossini steckt, will mehr. Allmählich nimmt es Einfluss auf Luz Erinnerungsspiel und legt dabei längst verdrängtes wieder frei.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

Selten sieht man einen Film wie diesen, der den Vergleich zu internationalen Kunstfilmprojekten nicht zu scheuen braucht, wie Luz. Das Genre dieses surrealen Anti-Films an den sprichwörtlichen Grenzen des Erzählens ist sicher nicht leicht zu finden, wenn es das überhaupt gibt. Ich für meinen Teil musste an die Cine-Poems von Jean-Luc Godard denken oder auch die streng durchkomponierten Strukturexperimente von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet. Etwas aktueller könnte man vielleicht noch Yorgos Lanthimos mit Dogtooth oder Alpen und einem Schuss Berberian Sound Studio von Peter Strickland nennen.

Aber all das ist Luz nicht. Luz ist wie das Licht, der Strom oder der Schein aus dem spanischstämmigen Titel, ein flackerndes Stück Zelluloid, das alles kann, aber keine Einordnung bieten. Einen Plot zu erzählen fällt schwer. Oberflächlich könnte es die Geschichte der Taxifahrerin Luz sein, die eine nächtliche Kundin mitnimmt, welche wiederum von einem (vielleicht) Serienmörder ermordet wird, um schließlich in einem Polizeiverhör die traumatische Nacht zu rekonstruieren, um wiederum nur zu bemerken, dass - ganz wie im klassischen Giallo - der Mörder immer derjenige ist, den man schon zu Beginn vermutete und den man am Ende sofort wieder vergisst, weil es nicht darauf ankommt, wer der Mörder ist, sondern es auf das Spiel ankommt, das zwischen Katz und Maus von sich geht.

Ich weiß, das hört sich alles wirklich ganz seltsam an und das ist es auch. Beim Stichwort Giallo kann man feststellen, dass Luz (wieder vielleicht) ein Meta-Giallo (oder auch Neo-Giallo / Post-Giallo, um es mit den differenzierten Kategorien von Marcus Stiglegger einzuordnen, vielleicht sogar ein Mondo-Giallo nach dem Ende des Erzählens) ist, der wiederum so tut, als sei er die Inszenierung einer posttraumatischen Belastungsstörung, die sich längst jenseits der Umrandungen des Menschen verloren hat, völlig dekompensiert ist, ohne Ich-Grenzen, im unendlichen Jetzt und der ewigen Paranoia verloren, wer Ich nun ist, weil Ich ja immer ein Anderer ist.

Ja, Luz ist eine Art dekonstruierter Giallo, der aus Sparsamkeitsgründen seine eigene Inszenierung vorwegnimmt und sich über das Theater wiederum dem Film nähert, bei dem das gute alte 16-mm-Kodak-Film-Material mit grobem Korn und Kratzern, Staub und Lagerspuren von längst vergangenen Zeiten kündet, als das Bahnhofskino noch Schund sein musste, obwohl es immer schon viel mehr Kunst war, als viele Filme des Mittelwegs, der bekanntlich in Gefahr und größter Not den Tod bringt, um mal ein altes 68er-Bonmot des Spätbarock aufzugreifen.

Für mich ist Luz eines der mutigsten und radikalsten Filmexperimente aus deutschen Landen in den letzten Jahren, der nicht von ungefähr mit der Unterstützung von Filmhochschulen entstanden ist, wo Freiheit sich hoffentlich noch gegen den reinen Konsum wenden darf, solange es noch möglich ist, sondern auch der wohl seltsamste, eigenwilligste und widerstrebendste Film seit langem.

Müsste ich Vergleiche ziehen, würde ich vielleicht A Thought of Ecstasy von RP Kahl oder Der Nachtmahr von AKIZ bemühen, lasse das aber gleich wieder sein. Von der Charakterzeichnung und den Figuren, wie insgesamt von der Stimmung könnte man Jörg Buttgereit begrüßen, mit der Düsternis von Schramm oder Der Todesking. Aber lassen wir das. Bedenkt man es recht, haben wir so viele geniale deutsche Filmemacher, dass man gar nicht versteht, warum sich viele immer über den nichtvorhandenen deutschen Film beklagen müssen.

Luz hat klasse Schauspieler, eine minutiöse Kamera, einen von Simon Waskow unglaublich abwechslungsreich komponierten Soundtrack und mit Tilman Singer einen unbedingt fördernswerten und absolut spannenden Regisseur, wie die beiden Kurzfilme El Fin Del Mundo oder The Events At Mr. Yamamoto's Alpine Residence zusätzlich beweisen. Der eigens gedrehte Splish-Cola-Werbespot verwirrte mich aus der Ferne im Röhrenfernseher kurzzeitig so sehr, dass ich tatsächlich dachte, ich hätte diese Werbung früher einmal gesehen, als wäre es real, alles immanent.

Kurzum, wenn ich Filme machen würde, würden sie so aussehen wie Luz: eigenwillig, widerspenstig und irgendwie verrückt. Zur Veröffentlichung von Bildstörung gibt es nichts hinzuzufügen, als: vom Allerfeinsten und danke für den Mut.

Luz ist für mich jetzt schon ein klassisches Meisterwerk des ungesehenen deutschen Autoren-Films, das sicher den wenigsten gefallen wird.

Oder, um es etwas mehr auf den Punkt zu bringen, wer Mandy nicht mochte, wird Luz hassen.

Pech!

10/10
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Kommentare

26.09.2019 23:10 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 14
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.139
Dein Review erfüllt mich mit ehrfürchtiger Perplexität, lieber Ash, und scheint dadurch die Wirkung des Films zu transportieren.

🙂

26.09.2019 23:14 Uhr - Gorno
1x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Gorno 2.664
Das klingt so verdammt interessant! Danke für den Tipp!

27.09.2019 08:02 Uhr - Lukas
1x
Aufgrund der Spoilerwarnung bin ich jetzt nur grob drübergeflogen, aber dieses besondere Stück deutsches Kino muss ich auch unbedingt noch sehen! Hoffentlich werden auch einige Leute, denen der Film noch nichts sagt, durch dieses Review zur Sichtung inspiriert!

27.09.2019 10:21 Uhr - Ghostfacelooker
1x
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Hab ganz vergessen wie poetisch theatralisch deine Reviews manchmal in ihrer Perfektion wirken, wie jemand der einen Stein übers Wasser flitzen lassen will und denn dann aber nur die Form und Vielfalt der Wellen interessieren^^^^^^
Da ich Mandy nicht mag, könnte dieser was für mich sein

27.09.2019 17:46 Uhr - TheRealAsh
1x
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Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.272
@dickerHund: das freut mich wirklich sehr, ich dank dir herzlich!

@Gorno: gerne:-)

@Lukas: das hoffe ich auch, bin gespannt, wie er dir gefällt

@Ghostfacelooker: auch dir ein herzliches Dankeschön, ich habe mich dieses Mal extra ein wenig an dir orientiert, da ich mich auch mal emotionaler nähern wollte:-)

27.09.2019 19:01 Uhr - The Machinist
1x
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Da ich den selber die Tage noch schauen werde, studiere ich die Kritik an dieser Stelle noch nicht. Die 10/10 steigert meine Vorfreude jedoch enorm.
Ich werde zu ''Luz'' womöglich auch noch einen Text verfassen.


28.09.2019 00:32 Uhr - TheRealAsh
1x
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Na, da hoffe ich doch schwer drauf, bin schon gespannt:D

28.09.2019 02:36 Uhr - Ghostfacelooker
1x
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:))))))))))) ich glaub dir kein Wort^^^^^^ aber danke

28.09.2019 14:08 Uhr - g-hot77
2x
User-Level von g-hot77 12
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Die reinste Prosa, RESPEKT! Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dem deutschen Film viel zu selten eine Chance gebe. Doch nach "Schneeflöckchen" frag ich mich dann wieder, warum eigentlich. Mit deiner Rezension hast du auf jeden Fall dafür gesorgt, dass dieser Film ganz oben auf die viel zu lange Liste rutscht. Danke!

28.09.2019 19:05 Uhr - Dr.Ro Stoned
2x
Hi.
Vielen Dank für den super Tip!
Hört sich sehr interessant an!
Da ich Mandy höchstnoten gebe, werd ich mal die Augen aufhalten.

Lg

12.10.2019 18:33 Uhr - joecool69
1x
Ja, beim Cola Spot dachte ich auch, gibts diese nur in Spanien? Oder doch nur ein kleiner Scherz vom Regi? Klasse beobachtet von dir Ash!
Ich fühlte mich zeitweise wie bei Lynch und das war gut. Enorm was auch die Musik und die irre Akustik im Allgemeinen ausgemacht hat, ich war so fasziniert wie bei nem neuen Lynch. Auch schön das man da so viel hinein deuten kann um am Ende doch an Sich zu zweifeln ob ich den überhaupt verstanden habe.
9 von 10 Luz(e) von mir.

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