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Funless
Level 2
XP 49
Eintrag: 12.10.2019

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Joker

Herstellungsland:USA, Kanada (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Comicverfilmung, Drama, Krimi,
Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,42 (26 Stimmen) Details
inhalt:
Regisseur Todd Phillips’ „Joker“ widmet sich dem ikonischen Erzfeind und ist eine originale, eigenständige fiktive Story, die noch nie zuvor auf der Leinwand zu sehen war. Phillips’ Studie über Arthur Fleck, unvergesslich porträtiert von Joaquin Phoenix, zeigt einen Mann, der darum kämpft, seinen Weg in Gothams zerrütteter Gesellschaft zu finden. Während man ihn tagsüber als Clown anheuern kann, strebt Arthur nachts danach, ein Stand-up-Comedian zu sein … doch am Ende scheint der Scherz immer auf seine Kosten zu gehen. Eine düstere Charakterstudie, in der Arthur – gefangen in einer Abwärtsspirale aus Gleichgültigkeit und Grausamkeit – eine Fehlentscheidung trifft, die zu einer Kettenreaktion von eskalierenden Ereignissen führt.
eine kritik von funless:

Einleitung

"Wieviel Leid kann ein Mensch ertragen bevor er darunter zusammenbricht?"

Unwillkürlich stellt man sich diese Frage bei der Sichtung des Films Joker. Allerdings nicht während des gesamten Films, denn was Todd Phillips mit seiner Regiearbeit und Joaquin Phoenix mit seiner Perfomance in etwas über 120 Minuten Laufzeit gelingt ist eine emotionale Achterbahnfahrt bei der audiovisuellen Begleitung des titelgebenden Protagonisten Arthur Fleck auf seinem Weg zu Batmans wohl bekanntesten Antagonisten.

Es ist zudem keine leichte Aufgabe über diesen Film vollkommen spoilerfrei zu schreiben, erst recht nicht wenn diese Zeilen von jemanden geschrieben werden der seit über 40 Jahren ein bekennender Comic Fanboy ist und im Jahre 1986 einen seiner unvergesslichen Comic Höhepunkte erlebte als er das erste Heft der vierteiligen Miniserie The Dark Knight Returns von Frank Miller in seinen Händen hielt und seitdem ein glühender Verehrer dieses "neuen" Batman ist. Dennoch wird nachfolgend auf jegliche Spoiler verzichtet (auch wenn es noch so schwer ist), weil dieser Film es tatsächlich wert ist völlig unvoreingenommen geschaut zu werden. An dieser Stelle sei zudem angemerkt, dass die im Vorfeld von Warner veröffentlichten Trailer nichts aber auch wirklich absolut gar nichts über den eigentlichen Film verraten. Eine Tugend die bei zukünftigen Filmen Schule machen sollte, doch das ist ein anderes Thema.

Des weiteren sei noch angemerkt, dass diese äußerst subjektiv geschriebene Review (gibt es überhaupt objektive Film Reviews?) von jemanden stammt, der Ang Lees Hulk zu den besten Comic Verfilmungen überhaupt zählt. Ebenso hielt der Verfasser dieser Zeilen die Performance von Heath Ledger als Joker in Christopher Nolans The Dark Knight für unerreicht, versuchte dennoch bei der Sichtung des Films keine Vergleiche zwischen Phoenix und Ledger zu ziehen, was zugegebener Maßen über den ganzen Film hinweg nicht so ganz gelingt, da hier (und der Verfasser unterstellt hier sogar bewusst) einige Sequenzen mit den selben Kamereinstellungen wie bei The Dark Knight aufgenommen wurden. Doch eines sei hier vorweggenommen: Joaquin Phoenix lässt Heath Ledger in einer bravourösen Weise vergessen ohne dabei Ledgers (nach wie vor außerordentliche) Leistung zu schmälern.

Der Film

Was das Setting und das Produktionsdesign betrifft wird gleich ab der ersten Sekunde klargestellt, dass hier nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde. Der Film spielt im Jahr 1981 und dieses 1981 ist so perfekt inszeniert, dass man nicht einen Film aus dem Jahr 2019 schaut der im Jahr 1981 spielt, sondern dass man das Gefühl hat, dass man im Jahr 2019 einen Film schaut der im Jahr 1981 gedreht wurde. Selbstverständlich trägt die analoge 70mm Aufführung (auf dessen sich der Verfasser bezieht) ihren Teil dazu bei. Es kann natürlich sein, dass dieser Retro Effekt bei einer 2K/4K DCP Aufführung etwas abgeschwächter daherkommen vermag.  Nichtsdestotrotz kann festgehalten werden, dass die Zeitreise nahezu perfekt gelang. Weshalb nahezu? Die Ausleuchtung der ansonsten perfekten Kameraarbeit wurde sichtlich mit 2019'er Technik realisiert, denn das was hier mit sog. "practical lightning" zur Ausleuchtung gemacht wurde wäre nämlich im Jahr 1981 nicht möglich gewesen.

Joaquin Phoenix offenbart sich hier als die Inkarnation des Method Acting, denn nicht eine einzige Sekunde des Films ist seine Darstellung Unglaubwürdig und ebenso schafft er bei seiner Charakterzeichnung während des Films es immer wieder ins Extreme ohne dabei jedoch ins Overacting abzudriften. Selbst Robert De Niro, einer der Pioniere des Method Actings, wird (ohne zu übertreiben) von Phoenix an die Wand gespielt. Nun könnte man Todd Phillips unterstellen, dass er mit Joker für Phoenix die Bühne für eine One-Man-Show bereitet hat, doch wäre das zu oberflächlich geurteilt, denn der komplette Cast ist (in Anbetracht der Story über die in dieser Review nicht ausführlicher geschrieben wird) bis in die kleinste Nebenrolle perekt besetzt mit genügend darstellerischem Raum um diesen Film eben nicht in eine selbstverliebte Phoenix One-Man-Show verkommen zu lassen und ermöglicht so der gewollten Immersion ihre Entfaltung.

Apropros Immersion: ab der ersten Sekunde des Films wird der Zuschauer zum ohnmächtigen Beobachter, zum Begleiter Flecks mit zu jedem Zeitpunkt dem selben Informationsgehalt wie der Protagonist und jede Wendung der Geschichte, jeder Twist (und davon gibt es einige) erlebt der Zuschauer mit selben Wucht wie Arthur Fleck auf der Leinwand. Ebenfalls wähnt man sich als besagter Begleiter von Anfang an sicher die Katharsis von Arthur Fleck zu beobachten um am Ende jedoch festzustellen, dass genau diese Katharsis schon bereits seit langem abgeschlossen war, was den eigentlichen Schockmoment ausmacht und zu den Stärken dieses Films gehört.

Bei der o.g. 120 minütigen emotionalen Achterbahnfahrt fühlt man zunächst Mitleid mit Fleck, gefolgt von Verständnis und Zustimmung doch dann wandelt es sich zur Verwunderung, dann zum Entsetzen, danach zur Schockstarre bis hin zur Fassungslosigkeit und der Verfasser dieser Zeilen verließ das Kino mit einem Gefühl der Leere (denn es kann bedenkenlos verraten werden, dass es kein Happy End gibt), die bisher nur Terry Gilliam mit Twelve Monkeys und David Fincher mit Se7en zu erreichen vermochten.

Fazit

In vielen Reviews wird Joker gerne mit Scorseses Taxi Driver und King Of Comedy verglichen, doch diese Vergleiche gehen aus der Sicht des Verfassers nicht tief genug. Oberflächlich betrachtet sieht man einige Parallelen zu den zwei o.g. Filmen die auch vollkommen berechtigt sind da hier ähnliche Elemente herangezogen werden, doch in der Tiefe kann (und sollte) dieser Film eher im Kontext mit David Finchers Fightclub betrachtet werden. Darüber hinaus kursieren Meldungen, dass die Zuschauer ob der Düsternis des Films das Kino in Scharen vorzeitig verlassen würden. Nun, es kann gesagt werden, dass der Film definitiv nichts für zartbesaitete Gemüter ist und das liegt nicht an expliziten Gewaltdarstellungen (diese sind äußerst rar gesät, gar nicht mal so explizit wie von vielen vermutet und einigen erhofft aber vielleicht auch gerade deswegen umso wuchtiger), sondern an der gesamten Atmosphäre des Films. Flecks innerliches Monster brodelt unter der Oberfläche, der Score des Films trägt zudem an den genau richtigen Stellen seinen Teil dazu bei, doch während der ausverkauften Aufführung die der Verfasser beiwohnte zur Prime Time am Freitag Abend in einem der größten Kinos von Berlin verlies niemand vorzeitig die Vorstellung. Diese Beobachtung ist natürlich nicht repräsentativ aber dass Zuschauer den Film "scharenweise" vorzeitig verlassen ist dennoch schwer nachvollziehbar.

Alles in Allem ist Joker nicht nur ein gelungener, beziehungsweise meisterlicher Film an sich, sondern gehört tatsächlich in die gleiche Liga der Comicverfilmungen wie Ang Lees Hulk. So genial wie Lee bei Hulk den Fokus auf das zentrale Thema der Wut setzt, wird bei Joker ebenso trefflich wie genial auf das zentrale Thema des Wahnsinns mit (fast) all seinen zerstörerischen Facetten fokussiert.

Es wurde in dieser Review mit so einigen an Superlativen umhergeworfen, doch hat dieser Film aus Sicht des Verfassers diese auch verdient. Somit erhält Joker eine wohlverdiente 9 von 10 Punkten. 

Zum Abschluss sei noch die bereits bekannte Tatsache erwähnt, dass Joker nicht Teil des DC Extended Universe ist und das ist auch gut so, denn allen diesbezüglichen Unkenrufern zum Trotz schafft dieser Film eine Brücke in ein (bekanntes) Batman Universum wie es keinem DCEU Film bisher gelungen ist. Das heißt: schaut man sich diesen Film als Fan völlig unvoreingenommen an, dann wird man ganz am Schluß des Films (nein es gibt keine Post-Credit Szene) als Fan genau dafür belohnt!

Mehr kann und wird hier aber nicht verraten. 

9/10
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Kommentare

12.10.2019 02:52 Uhr - TheRealAsh
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.272
Dein Fazit finde ich ganz hervorragend, schön besprochen:-)

Krass finde ich schon, dass die Wertungen entweder 9-10 oder 1 sind, das ist schon bezeichnend, mal schauen wie's weitergeht;-)

12.10.2019 03:28 Uhr - Funless
1x
User-Level von Funless 2
Erfahrungspunkte von Funless 49
Danke für die Blumen. Deine Review finde ich auch sehr trefflich verfasst.

Und bzgl. der unterschiedlichen Bewertungen finde ich schon, dass dieser Film (absichtlich) polarisiert. Entweder man mag ihn oder man findet ihn komplett blöde. Und das finde ich von Warner nicht nur mutig, sondern sogar vorbildlich denn dieser Film ist nicht nur beim Setting 80'er Jahre, sondern folgt auch der Prämisse des Hollywoods der 70'er, 80'er und (Teile der) 90'er Jahre als man noch im Mainstream keine Scheu hatte auf den ersten Blick unbequeme Filme zu machen, die sich aber dann als Filmperlen herausstellten mit angemessenen, respektive erfolgreichen Box Office Ergebnissen.

Es bleibt wirklich zu hoffen, dass zum Einem Joker gute Einspielergebnisse erzielen wird und dass noch weitere Filme dieser Art folgen werden.

12.10.2019 03:39 Uhr - TheRealAsh
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.272
Da hast du absolut recht, ich finde das mit der Polarisierung einfach recht krass, aber so ist es halt. Mein Kinoerlebnis war ja im ganzen Saal - inklusive Applaus - wirklich außergewöhnlich und ich glaube auch, ähnlich wie du, dass der Film viele verschiedene Zuschauer anspricht.

Ich schau mir den auch nochmal im Kino an;-)

13.10.2019 15:37 Uhr - Mario
SB.com-Autor
User-Level von Mario 8
Erfahrungspunkte von Mario 877
Schöne und trotzdem spoilerfreie Review. Hab den Film gestern gesehen und kann dir nur zustimmen. Toll geschrieben ^^

15.10.2019 09:29 Uhr - Funless
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Erfahrungspunkte von Funless 49
Danke für dein Feedback.

17.10.2019 01:14 Uhr - UncleBens
User-Level von UncleBens 4
Erfahrungspunkte von UncleBens 267
Schmackhafte Rezi zu einem vermutlichen Sternegericht! Auch wenn Ledgers Joker vermutlich nicht mehr erreichbar ist, bin ich auf Phoenix´Joker sehr gespannt! Jener seitens Jared Leto empfand ich mehr als Lachnummer, da mir dieser als Gangsterboss in Suicide Squad vor km und nicht als psychisch kranker Freak. Drum: "Joker" hyped mich!

24.10.2019 02:22 Uhr - spobob13
@funless
Gut geschriebene Kritik. Aber wofür ziehst du dann noch einen Punkt ab, wen du selbst nur Lob zum Film hast. Ich persönlich finde, mit dem was da abgeliefert wurde, beschreibt selbst eine 10er Wertung das nicht ausreichend. Klar ist das alles Geschmackssache. Und wenn ich jetzt Fan von lustigen Filmen wäre, ich wüßte auch nicht wie man eine klasse Komödie und den Joker in einem Ranking gegenüberstellen sollte. Aber wen man den Joker als Film ganz emotionslos in eine Schublade oder Genre steckt , z.B. Charkterstudie oder Arthouse Kino , welcher Film war da wirklich um Längen besser, um hier nicht die Maximalwertung zu vergeben?

09.11.2019 19:08 Uhr - Funless
User-Level von Funless 2
Erfahrungspunkte von Funless 49
Hi spobop13,

zuerst danke für die Blumen und sorry für meine verspätete Antwort, hab‘ deinen Kommentar jetzt erst gesehen.

Weshalb der Film von mir bei aller geschriebenen Begeisterung keine 10 von 10 bekommen hat liegt ganz einfach daran, dass er dennoch für mich persönlich nicht alle Voraussetzungen einer 10‘er Bewertung erfüllt wobei es allerdings nur wenige Filme gibt die ich mit einer 10 von 10 bewerten würde. Filme die ich mit 9 von 10 bewerte sind somit schon so gut wie „perfekt“ (wie gesagt, das gilt alles für mich persönlich) und eigentlich mit der 10‘er Wertung von anderen Reviewern gleichzusetzen.

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