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Joker

Herstellungsland:USA, Kanada (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Comicverfilmung, Drama, Krimi,
Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,47 (38 Stimmen) Details
inhalt:
Regisseur Todd Phillips’ „Joker“ widmet sich dem ikonischen Erzfeind und ist eine originale, eigenständige fiktive Story, die noch nie zuvor auf der Leinwand zu sehen war. Phillips’ Studie über Arthur Fleck, unvergesslich porträtiert von Joaquin Phoenix, zeigt einen Mann, der darum kämpft, seinen Weg in Gothams zerrütteter Gesellschaft zu finden. Während man ihn tagsüber als Clown anheuern kann, strebt Arthur nachts danach, ein Stand-up-Comedian zu sein … doch am Ende scheint der Scherz immer auf seine Kosten zu gehen. Eine düstere Charakterstudie, in der Arthur – gefangen in einer Abwärtsspirale aus Gleichgültigkeit und Grausamkeit – eine Fehlentscheidung trifft, die zu einer Kettenreaktion von eskalierenden Ereignissen führt.
eine kritik von kable tillman:

Joker… The King of Cruelty

Ursprünglich wollte Warner Bros. keinen geringeren als Martin Scorsese auf dem Regiestuhl und Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle für deren neue Verfilmung des Joker-Mythos haben. Aufgrund seiner Verpflichtung mit Netflix zu „The Irishman“ lehnte Scorsese ab, während DiCaprio an Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ gebunden war. Stattdessen übernahm der bisher nur im Komödienbereich aufgefallene Todd Phillips („Hangover“-Trilogie) die Regie bei dem 55.000.000$ teuren Projekt „Joker“ und Charaktermime Joaquin Phoenix die Titelrolle. Und damit wären die Konflikte rund um die Verwirklichung dieser aufsehenerregenden Comic-Verfilmung noch lange nicht abgeschlossen, denn Warner Bros. favorisierte anfangs ein PG-13-Rating für „Joker“. Todd Phillips setzte schlussendlich, dem Filmgott sei Dank, sich und seine Vision durch und die Origin-Story um Batmans populärsten Erzfeind bekam ein hartes R-Rating und hierzulande überraschend eine FSK-16 Freigabe, was anhand der gezeigten Gewalt und dem Kontext, in welcher sie steht, einem kleinen Wunder gleichkommt. Dies darf in Zukunft gerne öfter passieren. An den Kinokassen ist „Joker“, trotz der Sorgen Warner Bros. und der gespaltenen Kritiken zwischen „Meisterwerk“ und „Vorzeitigem Verlassen des Kinosaals“, mit mittlerweile über 849.000.000$ weltweitem Einspielergebnis ein voller Erfolg. Doch wie gut ist Todd Phillips die Porträtierung des Superschurken von Gotham City gelungen?

Wir schreiben das Jahr 1981 in Gotham City, der DC-Version von New York. Die Geschichte von Todd Phillips „Joker“ erleben wir einzig und allein durch die Augen von Arthur Fleck (Joaquin Phoenix, „Inherent Vice“, „Her“). Fleck, ein Mittvierziger, der noch bei seiner Mutter Penny (Frances Conroy, „American Horror Story“) lebt, ist von Beruf Clown, hat jedoch den Traum eines Tages ein gefeierter Stand-Up-Comedian zu werden und wie sein großes Vorbild Murray Franklin (Robert De Niro, „Taxi Driver“, „King of Comedy“) Millionen von Zuschauern vor den TV-Bildschirmen zu begeistern. Leider stehen ihm dabei einige Hürden im Weg. Zum einen hat er kein Talent dafür seine Mitmenschen zum Lachen zu bringen. Seine vermeintlichen Witze, welche er in einem Buch notiert immer mit sich herumträgt, sind aus seiner Depression entsprungene Hilfeschreie nach Aufmerksamkeit und keineswegs komisch. Außerdem ist er durch eine neurologische Krankheit geplagt, die in den unpassendsten Situationen bei ihm Lachanfälle verursacht.  Arthur Fleck kämpft um diesen Traum und gegen seine Depressionen, doch eine Reihe unglücklicher Ereignisse löst in seinem Leben eine verhängnisvolle Abwärtsspirale aus, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint.

Sprechen wir als erstes über den Elefanten im Raum: Joaquin Phoenix Performance als Joker im titelgebenden Film ist nicht nur herausragend, sondern die beste schauspielerische Leistung, welche ich dieses Jahr im Kino erleben durfte. Wenn nicht er den Oscar als bester Hauptdarsteller im kommenden Jahr erhalten sollte, wer dann? Ich wüsste keinen geeigneteren Kandidaten. Seine Energie ist ansteckend, die Wucht seiner Mimik, seiner Gestik und seiner Blicke ist atemberaubend. Vor den Augen der Zuschauer wird Joaquin Phoenix über 120 Minuten lang peu à peu zum geisteskranken Bösewicht Joker, er spielt ihn nicht nur wie der in „Suicide Squad“ noch an der Rolle gescheiterte Jared Leto. Joaquin Phoenix, der für die Rolle des Arthur Flecks 24 kg abnahm, präsentiert Method Acting in beängstigender Perfektion. Eine 10 von 10 für seine Darstellung hat sich der in Puerto Rico geborene Schauspiel-Avantgardist damit redlich verdient. Auch in den Nebenrollen brillieren Zazie Beetz als Arthur Flecks Nachbarin Sophie Dumond, Robert De Niro als Late-Night-Talker Murray Franklin, Fraces Conroy als Arthurs Mutter Penny Fleck sowie Glenn Fleshler und Leigh Gill als Arthurs (Ex-)Kollegen Randall und Gary. Nicht unerwähnt darf der ins Mark gehend düstere Score der Isländerin Hildur Guðnadóttir (u.a. „Sicario 2“ und die Serie „Chernobyl“), die mit tiefen Streichern (Guðnadóttir selbst ist Cellistin) den Zuschauer in die dunkle, depressive Welt des Protagonisten zieht. In meinen Augen und Ohren ebenfalls ein Oscarkandidat. Einige Szenen werden zudem noch mit melancholischen, in ihrem Einsatz ironisch wirkenden Musikklassikern unterlegt wie „Smile“ von Jimmy Durante, „White Room“ von Cream, „That’s Life“ und „Send In The Clowns“ von Frank Sinatra, „Rock ‘n‘ Roll (Part II)“ von Gary Glitter und noch vielen weiteren. Von Ausstattung über Szenenbild bis hin zur großartigen Kamera-Arbeit von Lawrence Sher (Godzilla II: King of the Monsters) – Todd Phillips „Joker“ ist ein Atmosphäre-Monster und ein Hingucker, wie man sie heutzutage nicht mehr alle Tage im Kino vorfindet.

Wer jedoch aufgrund meiner Bewertung dieses Review angeklickt hat und diese Zeilen liest, wird mit Sicherheit 1 und 1 zusammenzählen und wissen, dass irgendwo ein fauler Apfel in diesem Korb voller Lobeshymnen und Superlativen für „Joker“ versteckt sein muss. Dieser faule Apfel, überspitzt formuliert, ist in meinen Augen Regisseur und Drehbuchautor Todd Phillips, wobei er Letzteres in Kooperation mit Scott Silver („The Fighter“) absolvierte. Nichts auszusetzen habe ich an der eindringlichen Charakterstudie in „Joker“, die die verschiedenen Eigenheiten soziopathischer Neigungen realistisch und eindrucksvoll dem Zuschauer vor Augen führt. Jedoch an der generellen Armut an Eigenständigkeit, die Todd Phillips in zermürbenden zwei Stunden Laufzeit offenbart, die sich für mich wie drei Stunden angefühlt haben. Sein „Joker“ ist ein „Best of New Hollywood“, wobei insbesondere Martin Scorseses „Taxi Driver“ Pate gestanden haben dürfte, gemixt mit Nicolas Winding Refn. Stylische Zeitlupen, mal mit hypnotischen Klängen unterlegt, wie z.B. in „Drive“, mal mit Musikklassikern, wie z.B. in Zack Snyders unterschätzten Meisterwerk „Watchmen“, hat man in der Historie des Films schon hundertfach gesehen. Einziger Unterschied in „Joker“: Joaquin Phoenix tanzt dazu, seinen ganzen Körper wild verrenkend. Ja, Joaquin Phoenix ist absolut großartig in jeder dieser Szenen, aber allein die Tatsache, dass sie im Verlaufe des Films mehrfach wiederholt werden, zeigen die geistige Bankrotterklärung Todd Phillips daran, ein einzigartiges Meisterwerk zu schaffen, wie es seinen großen Vorbildern mit ihren Filmen einst gelang. Zwischen unvergesslichen Szenen, wie jener, in welcher Arthur Fleck den Kühlschrank ausräumt, um sich selbst reinzusetzen, repetiert Todd Phillips gewisse Versatzstücke grotesk häufig, wie „Arthur tanzt in Zeitlupe zu Musik“, „Arthur rennt komisch vor jemanden/etwas weg oder hinterher“, „Arthur schminkt sich zum Clown“, „Arthur stalkt/beobachtet andere Menschen“, „Arthur verhält sich seltsam in Gegenwart von Kindern“ und viele mehr. Zwar ergeben diese bewusst ausladend inszenierten Szenen Sinn, vor allem als man tiefer in die Psyche und Vergangenheit des Arthur Flecks eindringt, andererseits verlieren sie nach jeder Wiederholung an Wirkung. Es überrascht einen nicht mehr, im Gegenteil. Man langweilt sich. Es dauert etwa den halben Film, bis der Plot an Fahrt aufnimmt und gleichzeitig wird aus dem Psychogramm einer geschundenen Seele mehr und mehr eine Comic-Verfilmung über den DC-Bösewicht Joker. Was daran schlecht ist fragt ihr euch?

Arthur Fleck ist der einzige Anker des Zuschauers. Die Identifikationsfigur, mit welcher man mitfiebern will. Alle anderen Figuren spielen nur Nebenrollen im Film und bekommen kaum mehr als 5 Minuten Screentime. Ihre Schicksale interessieren den Zuschauer demnach genauso wenig wie den Joker, der mehr und mehr aus Arthur Fleck herausbricht. Ist Arthur anfangs noch ein schüchterner, immerzu freundlicher und ehrlicher Sonderling, der sich lediglich aufgrund seiner neurologischen Störung am Rande der Gesellschaft wiederfindet und mit dem der Zuschauer Sympathien aufbaut, wird er mehr und mehr zum manipulativen, empathielosen Soziopathen und Narzissten (ich empfehle hierbei sich über den Begriff der „Dark Triad“, zu Deutsch „Dunklen Triade“, schlauzumachen), der es genießt im Mittelpunkt zu stehen und der Gesellschaft, der er die Schuld an seinem leidvollen Leben gibt, seine grässlich bemalte Fratze als ihr Spiegelbild entgegenzustrecken. Doch nicht die Gesellschaft ist daran schuld, was ihm widerfahren ist, sondern einzelne Personen und nicht zuletzt auch er selbst. Und so wird aus dem Vigilanten, der nur seine eigene Haut retten wollte, mehr und mehr ein psychopathischer Mörder, der aus niederen Gründen tötet, wie verletztem Stolz, mit dem zumindest ich mich überhaupt nicht mehr identifizieren konnte oder wollte. Die Darstellung des Jokers ist perfekt, aber schlussendlich verstand ich, wieso es einen Gegenpol wie den Batman geben muss, wie 2008 in „The Dark Knight“, weil der Joker allein nicht als Hauptfigur eines zwei Stunden Spielfilms funktioniert. Erst recht nicht als sowas wie ein Anti-Held, wie Todd Phillips ihn beweihräuchernd darzustellen versuchte. Das Endergebnis in „Joker“ ist zäh, schwermütig, anstrengend und ich war froh, als der Film endlich vorbei war.

Nein liebe Leser, ich bin trotz seiner grandiosen Optik, der wunderschönen Musik und des atemberaubenden Schauspiels kein Fan von Todd Phillips „Joker“. Und dabei ist Joaquin Phoenix Leistung nichts anderes als von einem anderen Stern und zum Niederknien. Ich denke auch immer noch gerne an viele Songs und Szenen des Films schwelgend zurück. Aber 120 Minuten dieses düstere, und im Endeffekt spannungsarme Porträt eines Böswichts zu verfolgen, war keine unterhaltsame Erfahrung und nichts, was ich unbedingt ein zweites Mal sehen möchte. Die vermehrt im letzten Drittel auftretenden, leider vorhersehbaren Twists, retten „Joker“ auch nicht. Auch die harten Gewaltausbrüche nicht, denn jene sah man so oder so ähnlich ebenso oft genug in anderen, besseren Filmen und die Opfer des Clowns waren einem komplett egal. Von den zahlreichen Logiklücken und Ungereimtheiten des Films will ich gar nicht erst anfangen. Dennoch attestiere ich Todd Phillips „Joker“ einen gewissen Charme und potenziellen Kultstatus zu, insbesondere wegen der makellosen Darstellung durch Joaquin Phoenix, der Songs und dem Flair. Und jeder Filminteressierte und selbsternannte Cineast sollte ins nächstgelegene Kino pilgern und sich sein eigenes Urteil zu “Joker“ bilden. Die Treppenstufen, auf welchen der Joker seinen Freudentanz zu „Rock ‘n‘ Roll (Part II)“ von Gary Glitter zum Besten gibt, kann man bei Google Maps bereits als „Joker Stairs“ finden. Seinen Platz in der Popkultur hat der Clown von Gotham also sicher. Der Joker wäre stolz, wenn er das sehen könnte.       

Qualitätswertung: 8 von 10 Punkten
Unterhaltungswertung: 5 von 10 Punkten
Gesamtwertung: 6,5 von 10 Punkten

Und ich spare mir diesmal die Schlusspointe, bevor sie bei mir die gleichen Folgen hat wie in „Joker“.

Bis zum nächsten Review!

Hochachtungsvoll euer Kable Tillman

6/10
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Kommentare

28.10.2019 07:48 Uhr - TheMovieStar
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Ein wirklich tolles Review, dass du hier rausgehauen hast, Kable. Ich finde, dass du bei deinen Reviews neben deiner hervorragenden Artikulierung auch immer das richtige Gespür hast für die optimale Aufteilung von objektiven, informativen Inhalten und deiner subjektiven Meinung, dass gefällt mir sehr gut!

Zum Film kann ich noch nichts sagen, ich habe ihn noch nicht gesehen. Der Trailer der im Kino lief, konnte mich nicht anfixen, mal sehen vielleicht bilde ich mir bei Gelegenheit aber trotzdem meine eigene Meinung von dem Film.

28.10.2019 08:16 Uhr - Dissection78
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Gerade Deine eher nüchterne Bewertung macht "Joker" für mich interessant. Das fixt mich in der Tat noch mehr an als irgendwelche Jubelarien. 'Düster' und 'keine unterhaltsame Erfahrung'? - ich denke, der Film wird durchaus was für mich sein. Auf sowas stehe ich. Dafür kann ich mit den meisten anderen Comicadaptionen nicht viel anfangen. Ausnahmen wie "Watchmen", "X-Men: First Class", "The Dark Knight" oder "Deadpool 2" bestätigen die Regel. "Logan" müsste ich mir wohl auch endlich mal geben.

Besten Dank für den... nun ja... 'Tipp' :)

28.10.2019 11:29 Uhr - Clemens
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Ich habe zu den bisherigen Reviews von "Joker" keine Kommentare hinterlassen - aufgrund dessen, dass du nicht in die üblichen Jobelorgien verfällst, Kable, tue ich es jedoch hierbei.

Vielleicht würde ich dem Film haarscharf noch 7/10 geben, aber zum größten Teil stimme ich dir in allen Belangen zu: "Joker" schlägt sich sehr wacker, verpasst aber den Einzug in die Champions League.

Phoenix agiert grandios; der Score rockt.

Aber wie du bereits geschrieben hast: Regisseur Phillips schafft es nicht, dem Film eine eigene oder künstlerisch vorzeigbare Note/Atmosphäre zu verpassen. Auch bei mir tauchten ständig Szenen aus "Taxi Driver", "Drive", "The King of Comedy" (kurios, dass De Niro in "Joker" am Start ist), ja selbst "Maniac" vor dem geistigen Auge auf. Und dann wäre da noch die unfreiwillig peinliche Komik (bei der Sache mit dem Türschloss hat sich der Saal leider vor Lachen gebogen...).
Ich werfe jetzt einfach mal die Theorie in den Raum: Mehr Indie und weniger Mainstream - und der Streifen hätte das Zeug zum Klassiker!

Mach weiter so, Kable!

28.10.2019 12:19 Uhr - The Machinist
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''Joker'' polarisiert, keine Frage.

Phoenix spielt gigantisch auf, der Film selbst wirkt zugegebenermaßen wie ein Zusammenschmiss aus bereits bekannten Geschichten, was mich jedoch nicht sonderlich gestört hat. Von mir gab's eine 8 von 10.

An der Kritik gefällt mir besonders, dass sie sich realistisch vom bisherigen Lob abhebt, denn ''Joker'' ist einfach ein Film der garnicht jedem gefallen möchte.

PS.: Schonmal ''A Beautiful Day'' mit Phoenix gesehen, der ist nämlich deutlich mehr Arthouse.

28.10.2019 12:19 Uhr - Ghostfacelooker
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Also wenn es je einen Oscar, in dem nicht Wettbewerbslastigem Genre unserer Review-Sparte gegeben hätte den jemand mehr verdient hätte, dann würde ich sagen, dein Review würde dies mit Bravur erfüllen, denn genau das, was ich in den Kommentaren schon befürchtet und leicht angedeutet hatte bestätigst du.
Dieser Film kann nicht nur Licht der derzeitigen Blockbuster-Ära sein.

Vor allem aber ist dieser Kommentar in sich von mir ernst gemeint, denn durch das Gelesene von dir, brachte er mich dazu diesen Film sehen zu wollen, (auch wenn dies dauern mag) ABER aus RESPEKT vor diesem Review werde ich zu diesem Film kein eigenes schreiben, da ich kaum glaube je etwas was ich darin sehen würde besser beschreiben zu können. Kein Scherz

28.10.2019 17:36 Uhr - Lukas
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Sehr interessantes und mit viel Mühe verfasstes Review, große Leistung! Mein Bauchgefühl sagt mir zwar, dass ich nach Sichtung des Films eher zu höheren Wertungsregionen tendieren werde, aber ich bin gespannt, ob ich die von dir genannten Kritikpunkte so wiederfinden werde.
Was die Orientierung an "Taxi Driver" und "King of Comedy" angeht, das hat Phillips ja in Interviews auch erzählt, dass das seine Inspirationsquellen waren. Da gibt es wahrscheinlich durchaus schlechtere Vorbilder, auch wenn ich den Wunsch nach mehr Eigenständigkeit schon nachvollziehen kann.
Dass der Film jetzt kein feel-good-movie ist, sondern den Zuschauer mitnimmt, anstrengt und teils ausgelaugt zurücklässt ist denke ich auch ganz bewusst und absichtlich so inszeniert worden.
Hoffentlich hast du beim nächsten Film mehr Spaß! ;-)

28.10.2019 20:00 Uhr - TheRealAsh
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Wirklich sehr dichtes und unglaublich informatives Review, dessen Wertung ich zwar nicht teile, aber verstehen kann. Ich halte es da ganz mit Dissection, da mir gerade das Frustrierende des Films unglaublich gut gefällt.

Das mit der Treppe ist auch crazy, erinnert mich ja an eine weitere weltbekannte Filmtreppe aus einem gewissen Exorzismus-Film;-)

Thumbs up jedenfalls for Kable!

28.10.2019 22:51 Uhr - Chímaira
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Tolle und nachvollziehbare Kritik :)

Obwohl ich mich mit der Figur des Arthur Fleck auch nicht identifizieren konnte, war es für mich ein Erlebnis, seinem Ausbruch beizuwohnen. Ich habe regelrecht mitgefiebert und freute mich letztendlich über die Inkarnation des Jokers 🤡

29.10.2019 00:10 Uhr - Kable Tillman
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Zunächst einmal bin ich absolut überwältigt von eurem Feedback. Vielen, vielen Dank dafür!

@Dissection78
Er könnte dir durchaus gefallen. Wie Clemens schon anmerkte, erinnert "Joker" phasenweise auch an "Maniac", ohne natürlich dessen grafische und sexuelle Gewalt zu erreichen, aber mit der Fokussierung auf den psychopathischen Mörder in eben jene Kerbe schlägt. Düster, abgefuckt und trotz seines Mainstreampublikums nichts für schwache Nerven.

@Clemens
Ich denke die Türschloss-Szene war bewusst eingesetzter, schwarzer Humor, jedenfalls mussten ich und der ganze Saal da auch lachen. Aber gerade deinen Vergleich zu "Maniac" unterschreibe ich absolut. Der ist mir auch in den Sinn gekommen. "Joker" ist ein Potpourri aus New Hollywood, Vigilantenfilmen dieser Zeit, etwas Terrorkino und Winding Refn. Mehr Eigenständigkeit wäre wunderbar gewesen. Dennoch habe ich auch zwischen 6 und 7 hin und her geschwankt und mich schlussendlich auf die 6,5 mit Tendenz nach unten entschieden. Aber ich schließe nicht aus, dass er mir nach mehrmaligem Sehen besser gefallen könnte, denn einige Szenen sind Todd Phillips und seinem Star einfach nur großartig gelungen.

@Lukas
Um nicht falsch verstanden zu werden, "Joker" ist beileibe kein schlechter Film und vielleicht wächst er mit mehrmaligem Sehen, wer weiß, aber während und direkt nach dem Kinoerlebnis war ich sehr ernüchtert von dem Endergebnis. Den ganzen Vorschusslorbeeren blind zu vertrauen, war definitiv ein Fehler von mir. Manche Twists habe ich meilenweit gegen den Wind riechen können. Wenn sie dann aufgelöst werden, zünden sie dementsprechend nicht wirklich. Aber jeder sollte sich ein eigenes Urteil zu "Joker" bilden und ins Kino gehen, dazu rufe ich auf. Einerseits, um solche extremen Filme zu unterstützen, weil wir Filmfans und Cineasten mehr davon gebrauchen können, und andererseits, weil "Joker", trotz seiner Schwächen, ein objektiv gesehen qualitativ hochwertiger Film ist, der wahnsinnig viele Menschen begeistert. "Joker" hat aktuell ein IMDb-Rating von 8,8 nach über 394.000 Stimmen, was schon etwas zu bedeuten hat.

@Machinist
Nein, habe ich leider noch nicht. Vielen Dank für den Tipp! :)

29.10.2019 16:54 Uhr - Punisher77
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Tolles Review; Kable!

Vieles von dem, was Du geschrieben hast, spiegelt auch meine Meinung wider. Ich war nach all dem Hype um den Film schon etwas enttäuscht. In einem Kommentar zu einem anderen "Joker"-Review habe ich geschrieben, dass ich dem Film eine 7-8/10 geben würde, aber je länger ich über den Film und Dein Review nachdenke, desto geringer wird die Punktzahl.

Ich finde auch, dass Phoenix absolut großartig spielt, aber trotzdem hat "Joker" Schwächen. Vielleicht schreibe ich irgendwann selbst ein Review, aber wohl erst nach einer Zweitsichtung.

08.11.2019 02:57 Uhr - spobob13
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@kable tillman
Finde dein Review sehr gut und auch sehr fair, denn trozdem dir der Film im Gesamtergebnis nicht so gut gefällt, hast du postiven Seiten bestens beschrieben. Finde ich sehr gut - das du z.B. auf Kamera und den Score eingegangen bist.

Die Bewertung eines Filmes ist immer subjektiv. Es gibt genügend hochdekorierte Filme die ich trotzdem nicht wirklich gut finde. An den Darstellern liegt es bei solchen Filmen eh nicht. Manchmal spricht mich die Thematik nicht an, oft gefällt mir der Stil nicht so. Auch gibt es Filme wo zwar beides passt, aber z.B. die Filmmusik in meinen Ohren eine Katastophe ist - was wohl für die Meisten eher nachrangig ist.
Und ja, auch Kamera und Schnitt können für mich einen eigentlich sehr gut Film viel schlechter aussehen lassen - als er sonst wäre.

Na jedenfalls, mach mal weiter so - mit ordentlich viel Infos drumherum wie bei deiner jetzigen Kritik. Werde ich immer gern lesen. ;-)

08.11.2019 19:17 Uhr - Kable Tillman
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@spobob13
Vielen Dank für dein Feedback. Hat mich gerade ganz überrascht, so spät noch eine Reaktion zu lesen. Ja, viele Details sind dem durchschnittlichen Kinobesucher ziemlich egal. Mir natürlich nicht. Aber trotzdem kann ich nicht zu jedem Film ein solches Review schreiben, denn die meisten geben nicht so viel Diskussionspotenzial her. Meistens reviewe ich B-Movies, deren Stories, Dialoge und Schauspielleistungen kaum mehr als einen Beschreibungssatz benötigen.

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