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Hollow Man - Unsichtbare Gefahr

(Originaltitel: Hollow Man)
Herstellungsland:USA, Deutschland (2000)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Science-Fiction, Thriller
Alternativtitel:Hollow Man - L'homme sans ombre
Invisible
Uomo senza ombra, L'
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,91 (64 Stimmen) Details
inhalt:
Der brillante und ehrgeizige Wissenschaftler Sebastian Caine (Kevin Bacon) und sein Team haben im Auftrag des Pentagon eine Substanz entwickelt, die es vermag, Menschen unsichtbar zu machen. Caine, berauscht von seiner Entdeckung, ignoriert alle Risiken und startet einen gefährlichen Selbstversuch. Der wissenschaftliche Durchbruch gelingt! Caine wird vor den Augen seiner Kollegen unsichtbar. Doch das Experiment bleibt nicht ohne Nebenwirkungen: Die Droge macht extrem gewalttätig, der Wissenschaftler wird zu einer todbringenden Gefahr für seine Umgebung. Verzweifelt versuchen Caines Kollegen Linda (Elisabeth Shue) und Matthew (Josh Brolin) ein Gegenmittel zu entwickeln, das den Unsichtbaren in Schach hält. Caine jedoch findet Gefallen an seiner neuen Macht und beginnt, in seinen Kollegen eine unmittelbare Bedrohung für sein Leben zu sehen, die er bekämpfen muss...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

"Hollow Man" wird wohl eher nicht das Aushängeschild sein, welches man auf alle Zeiten mit dem Namen Paul Verhoeven verbinden wird. Dafür sind die Schatten von aufreizenden Klassikern wie "Total Recall", "Robocop" und "Starship Troopers" einfach zu lang. Doch auch wenn nicht alle Werke Verhoevens ganz großes Kino für aller Tage gewitzter Dunkelheit sind, so sind seine Streifen zumindest immer interessant, abseitig und stets darauf bedacht, geltende Grenzen nicht nur auszuloten, sondern sie auch um gewisse Nuancen gekonnt zu durchbrechen und zu überhöhen. Sowohl "Türkische Früchte", "Showgirls", "Flesh and Blood" und der aufregende "Basic Instinct" sind, in einem ganz eigenen Glanz, fruchtbar überrollendes Kino. Auch der bösartig schelmische "Hollow Man", der den klassischen Slasher und eine triebhaft simple Allmachtsfantasie mit dem Body-Horror auf Verhoevens ganz eigene Weise vermengt, hat toxische, verrohende und wider der Vernunft wütende Reize, die überraschend kurzweilig unterhalten. Dabei könnte man, wenn es sich denn gar nicht vermeiden ließe, dem sarkastisch unsympathischen Film ankreiden, dass er seine Thematik in moralischer Hinsicht nicht ganz aus- bzw. überreizt und auch die an schlechte Teenie-Schmonzetten erinnernde Dynamik unter den Hauptfiguren nur fahl dahinköchelt - eine in ihren Grundzügen leidliche Eifersuchtsparabel ist und bleibt eben eine leidliche Eifersuchtsparabel. Was soll's ¯_(ツ)_/¯

Diese Stiche werden letztlich auch nicht schlechter und teils sogar erträglicher abgehandelt, als in entfernt vergleichbaren Filmen. Halb so schlimm, wenn auch nicht mal annährend Silber, Gold oder gar Platin.

In weiten Teilen der ersten Hälfte erinnert die Geschichte um den brillanten und egozentrischen Wissenschaftler Sebastian Caine (Kevin Bacon), der durch einen heiklen Selbstversuch permanent unsichtbar wird und damit nach und nach die dunklen Seiten dieses aufkratzenden Segens auslebt, an den fiebrigen Cronenberg-Klassiker "Die Fliege" von 1986 - nur eben ohne diese wohltuend gesunde Empathie für seine unnahbar herablassende Hauptfigur. Darüber hinaus schmerzen die weitgehend blass gedachten und schal interpretierten Nebenfiguren anbei. "Hollow Man" kann als eine Art matter und grober Spiegel zur Fliege betrachtet werden, auch wenn man tatsächlich weniger sieht, als in der todtraurigen und zeitlosen Abwärtsspirale von Regisseur Cronenberg. Verhoeven erreicht dahingehend auch niemals die Tiefe, Ausweglosigkeit und Tragik von "Die Fliege", was vielleicht auch so beabsichtigt war. "Hollow Man" ist grober, explosiver und trashiger, aber eben leider nicht so pulsierend oder lustvoll, und schreckt leider nicht vor einem mäßig verhunzten Finale zurück. Es ist schade, dass das bereitwillige Böse hier nicht triumphiert, denn all das, was "Hollow Man" von gängigen Slashern abhebt, reißt er gen Ende mit Schema F auf 08 15-Schienen wieder ein, so effektvoll und bisweilen reißerisch diese auch in visueller Hinsicht gestaltet sind. Bis zum generischen Standard am Schluss macht "Hollow Man" sehr viel richtig und bietet dem fies aufspielenden Kevin Bacon und den nach wie vor sehr gelungenen CGI-Effekten eine kreativ zwinkernde Bühne. Die gekonnten Versteckspielchen mit dem unsichtbaren Kevin Bacon wirken auch fast zwanzig Jahre nach Kinostart unheimlich, bedrohlich und ruchlos, wenn auch hier und da selbstzweckhaft. Selbst im Detail lässt "Hollow Man" in dieser Disziplin kaum Flächen für negative Kritik zu, auch wenn die Kosten bei den wenigen Schauplätzen im Gegenzug wohl so klein wie möglich gehalten wurden. Zum Großteil agiert "Hollow Man" in einem fade ausgestatteten Labor ohne Konturen und die riskanten Ausflüge nach draußen spielen sich zumeist ohne beeindruckende Spitzen hinsichtlich der Kulisse ab. 

"Hollow Man" ist vielleicht nicht das Aushängeschild für Verhoevens Gesamtwerk - dafür fallen zu viele zeitgenössisch plumpe Kompromisse auf (ist der Soundtrack abseits des soliden Scores mal schlecht oder was?), aber die klaffend triefenden Schnitte und die mitunter sehr ansehnlichen Hiebe unterhalb, die einen nur langsam verenden lassen, bleiben dennoch über. Durchsichtig widerwärtiges, nicht immer günstig aufgehelltes und zuweilen ziemlich geiles Grauen. Eben doch ein echter Verhoeven.

7/10
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Kommentare

06.11.2019 00:22 Uhr - Kable Tillman
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Dein Review ist von der Wortwahl und den Formulierungen ein absoluter Genuss, Applaus dafür. Den Film selbst fand ich ehrlich gesagt immer ziemlich gut. Ich bin verwundert darüber, wie unbefriedigend seine allgemeine Reputation ist. In "Hollow Man" steckt immer noch, wie du so treffend sagst, ein echter Verhoeven.

06.11.2019 06:38 Uhr - dicker Hund
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Ausgezeichnet geschrieben, gerne mehr davon. Der Unsichtbare ist für mich auch ein Ungesichteter. Nun glaube ich zu wissen, dass das nicht so bleiben muss.

06.11.2019 09:42 Uhr - Mucki1979
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Inhaltlich gehe ich mit der Beschreibung und meinen Vorrednern definitiv mit.

Wobei ich dem Film bereits aufgrund der seinerzeit bahnbrechenden Effekte noch ein Pünktchen mehr spendiere. Die Storyline war natürlich weniger das Gelbe vom Ei.

06.11.2019 16:22 Uhr - Lukas
Sehr schöne Kritik zu einem Film, der leider nicht mit Verhoevens großen Werken mithalten kann. Insgesamt nicht fies genug weiß er aber zumindest ordentlich zu unterhalten, wenn auch der Showdown wie beschrieben echt nicht das Gelbe vom Ei ist.

06.11.2019 19:50 Uhr - McGuinness
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Starke Kritik zu einem starken Film... 8 Punkte bekommt der von mir auf jeden Fall.

Ich mag Kevin Bacon in der Rolle des Fieslings... Fand ihn bereits in " Sleepers " schon schauspielerisch klasse, der verkörperte Charakter hingegen war echt widerlich.
Hier in " Hollow Man " weiß er mir erneut gut zu gefallen.
Besonders die Szene mit dem Kippspiegel und der heißen Nachbarin fand ich schon ziemlich aufregend und irgendwie beneidete ich ihn für seine Unsichtbarkeit... All die herrlichen Versuchungen.
Wer könnte da schon widerstehen ?! ☺️

06.11.2019 20:42 Uhr - Mucki1979
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06.11.2019 19:50 Uhr schrieb McGuinness
Starke Kritik zu einem starken Film... 8 Punkte bekommt der von mir auf jeden Fall.

Ich mag Kevin Bacon in der Rolle des Fieslings... Fand ihn bereits in " Sleepers " schon schauspielerisch klasse, der verkörperte Charakter hingegen war echt widerlich.
Hier in " Hollow Man " weiß er mir erneut gut zu gefallen.
Besonders die Szene mit dem Kippspiegel und der heißen Nachbarin fand ich schon ziemlich aufregend und irgendwie beneidete ich ihn für seine Unsichtbarkeit... All die herrlichen Versuchungen.
Wer könnte da schon widerstehen ?! ☺️


Gut auf den Punkt gebracht! Ich vermute, dass genau dieser Aspekt die Essenz des Films bildet, die Verhoeven zum Ausdruck bringen wollte. Unsichtbarkeit = endlose (?) Machtposition....

07.11.2019 05:30 Uhr - McGuinness
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@Mucki1979

Danke dir, Mucki 😉

Ich denke schon, dass diese quasi grenzenlosen Möglichkeiten, insbesondere unter dem Aspekt bei seinem Tun nicht erwischt zu werden, die dunkle Seite / Triebe in uns Menschen hervorrufen würden.

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