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Karate Kid

(Originaltitel: The Karate Kid)
Herstellungsland:USA (1984)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Martial Arts, Kinderfilm
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,80 (10 Stimmen) Details
inhalt:
Daniel Larusso (Ralph Maccio) ist umgezogen und fügt sich etwas schwer in seine neue Umgebung ein. Eine Nachts gerät er mit Schülern eines Dojos und deren Anführer Johnny Lawrence (William Zabka) aneinander, da sich Daniel an dessen Ex-Freundin rangemacht hat. Er wird verprügelt und von Mr. Miyagi (Pat Morita) gerettet. Dieser unterrichtet ihn, doch Daniel muss sich erst noch beweisen...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                           KARATE KID

1976 führte John G. Avildsen (1935-2017) Regie bei dem Boxerdrama Rocky – Die Chance Seines Lebens, das ein gewaltiger Erfolg an den Kinokassen war, seinen Hauptdarsteller und Drehbuchautoren Sylvester Stallone über Nacht zum Star machte und mit drei Oscars ausgezeichnet wurde – einen davon („Beste Regie“) durfte Avildsen selbst mit nach Hause nehmen. 1983 engagierten Columbia Pictures den Regisseur für die acht Millionen Dollar teure Produktion Karate Kid und baten Drehbuchautor Robert Mark Kamen (Lethal Weapon III – Die Profis Sind Zurück, 1992), etwas ähnliches wie Rocky zu schreiben. Kamen verfasste daraufhin ein autobiographisch angehauchtes Skript – wie die Hauptfigur in Karate Kid war auch Kamen im Teenageralter von einer Gruppe Rowdys zusammengeschlagen worden und lernte daraufhin Karate bei einem japanischen Meister. Die Rolle des Karate Kid ging an den damals 22jährigen Ralph Macchio (Die Outsider, 1983), der sich gegen Bewerber wie Robert Downey jr. (Iron Man, 2008), Charlie Sheen (Platoon, 1987), Nicolas Cage (The Rock – Fels Der Entscheidung, 1996) und Tom Cruise (Rain Man, 1988) durchsetzte. Die Rolle des Meisters übernahm – auf Kamens ausdrücklichen Wunsch hin  – Noriyuki “Pat“ Morita (1932 – 2005 / Happy Days, 1975-1983), die ursprünglich von Toshiro Mifune (1920-1997 / Yojimbo – Der Leibwächter, 1961) gespielt werden sollte. Weitere Parts wurden u.a. von Elisabeth Shue (Zurück In Die Zukunft II & III, 1989 & 1990), Randee Heller (The Ladies Club,1986), William Zabka (Shootfighter, 1992) und Martin Kove (Rambo II – Der Auftrag, 1985).

Der fünfzehnjährige Daniel LaRusso (Ralph Macchio) zieht mit seiner Mutter Lucille von Newark nach Los Angeles, wo sie einen neuen Job antritt. Während seine Mum der Zukunft in der neuen Heimat optimistisch entgegensieht, hat Daniel wenig Grund zur Freunde. Unter Gleichaltrigen findet er relativ schnell Anschluss und seine Mitschülerin Ali Mills (Elisabeth Shue) ist ihm mehr als nur sympathisch, aber genau deswegen wird er schnell zur Zielscheibe ihres Ex-Freundes Johnny Lawrence (William Zabka) und seiner Freunde, die bei dem rücksichtslosen Sensei John Kreese (Martin Kove) Karate trainieren. Als Daniel mal wieder von der Gang attackiert wird, geht Mr. Miyagi ( Noriyuki “Pat“ Morita), der etwas verschrobene Hausmeister seiner Wohnanlage, dazwischen …

Karate Kid hat tatsächlich etwas von Rocky; man könnte stellenweise schon von einer Teenagervariante des Stallone-Films sprechen. In beiden Filmen geht es um einen Underdog, auf dem alle rumhacken, der es aber – unter Anleitung eines charismatischen Mentors – zur Meisterschaft in einer Kampfsportart bringt und es damit allen zeigt. Die Musik stammt zudem von Rocky-Komponist Bill Conti, der zum Finale mal wieder einen schmissigen Pop/Rock-Song (You´re The Best) liefert, der sich auch gut auf dem Soundtrack eines Achtzigerjahre-Rocky-Soundtracks gemacht hätte. Aber vielleicht sollte man diese Parallele nicht zu stark überbewerten, zumal Stallone das Rad mit seinem Rocky-Drehbuch auch nicht neu erfunden hat. Trotzdem ist es interessant, Karate Kid aus dieser Perspektive zu betrachten, da es Kamen gelungen ist, den Stoff für die Teenager-Generation der Achtziger aufzubereiten; außerdem ist Karate Kid, ebenso wie Rocky, ein Film, der das Herz am rechten Fleck hat.

Avildsens hat Kamens Drehbuch in einen Film umgewandelt, der die typischen Erfahrungen und Sorgen vieler (nicht nur amerikanischer) Jugendlicher widerspiegeln dürfte: Der Umzug in eine neue Stadt, eine neue Schule, die erste Flamme, Ärger mit Schulhofbullies etc. Das As im Ärmel des Films ist die Besetzung der Hauptrollen mit Ralph Macchio und Pat Morita. Obwohl er zum Zeitpunkt der Dreharbeiten die Zwanzig bereits überschritten hatte, geht Macchio aufgrund seines jugendlichen Aussehens locker als 15 –16jähriger durch. In seinem Spiel gelingt es Macchio, die unterschiedlichsten Emotionen eines Heranwachsenden, von übertriebenem (gespieltem?) Selbstbewusstsein bis hin zu Unsicherheit und Wut glaubwürdig darzustellen. Allerdings wird er – wie alle anderen Besetzungsmitglieder des Films auch – vom sagenhaften Pat Morita übertrumpft. Mit der Rolle des etwas kauzigen, aber weisen Hausmeisters, der Macchios Daniel LaRusso unter seine Fittiche nimmt, hat sich der US-amerikanische Schauspieler mit japanischen Wurzeln für immer unsterblich gemacht und es ist nicht verwunderlich, dass Morita seinerzeit für einen Oscar und einen Golden Globe nominiert wurde. Allein wegen LaRussos und Miyagis (Ersatz-)Vater – und Sohn – Beziehung sollte man Karate Kid gesehen haben, zumal sie äußerst vielseitig ist. Sie hat durchaus ihre witzigen Momente, allerdings wird auch Raum für ruhige, ernsthafte Zwischentöne gelassen, z.B. in der Szene, in der sich Mr. Miyagi anlässlich seines Hochzeitstags betrinkt. Diese Szene gehört zu den Highlights von Karate Kid.

Ein wichtiges Anliegen des Films ist deutlich zu machen, dass Karate nicht einfach nur ein „Haudrauf-Sport“ ist, der auf die physische Vernichtung des Gegners abzielt, sondern eine Kampfkunst, die auch Werte für´s Leben vermittelt und die erst eingesetzt werden sollte, wenn es nicht mehr anders geht. Dieses Anliegen wird von Pat Morita ebenfalls glaubhaft verkörpert. Seinen Widerpart was Karate angeht, bildet Martin Kove, der den brutalen, skrupellosen Sensei John Kreese mit beängstigender Intensität spielt. Seine Auftritte zählen ebenfalls zu den Höhepunkten des Films und es ist bedauerlich, dass seine Rolle nicht größer ausgefallen ist. Ebenfalls punkten kann William Zabka als Kreeses nicht weniger arroganter Meisterschüler Johnny Lawrence, der hier LaRussos Erzfeind spielt, und das auf eine Art, dass man es liebt, Zabka/Lawrence zu hassen.

Da die Beziehung LaRusso und Miyagi in Verbund mit der Karate-Thematik noch nicht ausreicht, um das größtmögliche Publikum anzuziehen, bietet Karate Kid auch eine Lovestory, zumal das Verliebtsein ebenfalls Teil des Heranwachsens ist. Mit Elisabeth Shue hat man bei der Wahl von Ralph Macchios Filmpartnerin ein glückliches Händchen bewiesen, und die Tatsache, dass sie – im Gegensatz zu Daniel LaRusso – aus privilegierten Kreisen stammt, gibt dem Ganzen noch ein gewisses Romeo & Julia-Flair.

Das Karate in Karate Kid findet – abgesehen von den Trainingsszenen – hauptsächlich während der (etwa) letzten zwanzig Filmminuten statt. Wer beim Namen Avildsen an ein ausgedehntes Spektakel im Rocky-Stil denkt, der wird enttäuscht, da die Kämpfe während des Turniers (vom Schlusskampf abgesehen) allesamt recht kurz gehalten sind, und man auch nicht mit den spektakulären Choreographien und (besonders nicht) mit dem Gewaltpotenzial von „typischen“ Martial Arts-Filmen rechnen sollte. Trotzdem kommt bei den Turnierkämpfen keine Langeweile auf und die finale Konfrontation zwischen Daniel LaRusso und Johnny Lawrence versteht es dann doch, den Zuschauer zu packen und beim (absolut vorhersehbaren) Ende kann einem schon ein wenig warm ums Herz werden.

Wie bereits an der einen oder anderen Stelle angedeutet wurde, ist Karate Kid ein überdurchschnittlicher, sehenswerter Film, der völlig zurecht einen Nerv beim Publikum getroffen hat (Box Office: 91.1 Millionen Dollar bei Produktionskosten von acht Millionen), aber trotzdem ist er nicht ohne Fehl und Tadel. Dass der Plot des Films im Grunde nichts umwerfend Neues bietet und wie am Reißbrett konzipiert wirkt, ist dabei gar nicht so schlimm, aber man merkt Karate Kid schon an, dass man möglichst viele Aspekte in den Film packen wollte und sich dabei ein wenig verzettelt hat. So pendelt der Film mitunter etwas unentschlossen zwischen den Polen Mentor-Schüler-Beziehung, fernöstliche Kampfkunst und Liebesgeschichte hin und her. Es wirkt z.B. etwas befremdlich, wieviel Zeit Daniel damit verbringt, Ali für sich zu gewinnen, obwohl er sich auf ein Turnier vorbereiten muss, bei dem es nicht nur um seine und Mr. Miyagis Ehre geht, sondern auch um seine körperliche Unversehrtheit … und wie sagte schon Rocky Balboas Trainer Mickey, der ebenfalls kein Freund von Beziehungen zwischen seinem Schützling und dem weiblichen Geschlecht war: „Bumsen macht die Beine schlapp!“  Und das kann man sich doch nicht erlauben, wenn das Wichtigste beim Karate das Gleichgewicht ist…;-)

Das ist zwar ein Makel, aber keiner, der so gravierend ist, dass er dem Zuschauer das Vergnügen an Karate Kid ernsthaft verhageln könnte. Dafür ist der Film insgesamt zu unterhaltsam, die Hauptrollen sind zu stark besetzt und das Finale ist zu packend. Da das Publikum ähnlich dachte, bildete John G. Avildsens Karate Kid den Startschuss zu einem Franchise, das es bis heute auf vier Fortsetzungen (mit und ohne Ralph Macchio), ein Remake und ein Spin-Off in Form einer TV-Serie gebracht hat.

8-9/10

8/10
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Kommentare

27.06.2020 08:34 Uhr - sonyericssohn
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Mit dem auftragen, polieren hier konnte ich noch nie wirklich was anfangen. Bis heute nervt mich der viel zu lasche Endkampf bei dem ich immer denke "Warum nicht gleich so ?"
Auch Macchio ist mir einfach zu kindlich. Vielleicht bin ich unfair dem Film gegenüber, aber dann doch lieber zum 30sten Male Bloodsport :-D

Tolle Review aber in jedem Fall.

27.06.2020 12:55 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank!

Das mit dem "Warum nicht gleich so" hat mich eher bei dem zweiten Teil gestört. Und ja, der Endkampf hätte mehr Schmackes haben können, aber knüppelharte Martial Arts-Action hätte wahrscheinlich das angestrebte Rating für die angestrebte Zielgruppe vermasselt.

27.06.2020 13:26 Uhr - sonyericssohn
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Wahrscheinlich.
Ich weiß noch damals in der Schule als fast alle Mädels in der Bravo Ralphs Bilder anhimmelten. Bis die dann gefragt wurden ob sie wüssten worums im Film geht. Die Antwort war ernüchternd :-D
Ich muss mich jetzt aber outen und sagen daß ich den dritten ziemlich stark finde. Auch den mit Hilary mag ich...

27.06.2020 15:38 Uhr - cecil b
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Huch, eine Reise zurück in die Pubertät. Zeitlich gesehen, denn erst dann habe ich den Film sehr gerne gesehen.

Laut meiner Erinnerung fand ich das auch gut: "Ein wichtiges Anliegen des Films ist deutlich zu machen, dass Karate nicht einfach nur ein „Haudrauf-Sport“ ist, der auf die physische Vernichtung des Gegners abzielt, sondern eine Kampfkunst, die auch Werte für´s Leben vermittelt und die erst eingesetzt werden sollte, wenn es nicht mehr anders geht. Dieses Anliegen wird von Pat Morita ebenfalls glaubhaft verkörpert. "

Zwar sah ich zu dieser Zeit schon Stallone und Arnie, wie sie Fratzen-Geballer und Kugeln verpasst haben, und das fand ich toll, aber Karate Kid hat eben auch von etwas anderen erzählt, und da habe ich ganz anders sympathisiert. Fand ich auch toll.

Deine Review ist spitze wie immer, war ja klar. ;)

27.06.2020 23:30 Uhr - Punisher77
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@Sony:
Den dritten Teil habe ich auch als ganz gut in Erinnerung. Müsste ich noch mal gucken.

@Cecil:
Vielen Dank für das Lob und Deinen Kommentar. Ich denke auch, dass Arnie & Sly auf der einen und Karate Kid auf der anderen Seite gut zusammen gehen.

01.07.2020 09:20 Uhr - Draven273
Ach ja....die Jugend....die mir da wieder ins Gedächtnis kommt. Was hab ich diese Filme damals alle verschlungen.... Daher bekommt der bei mir einfach auch einen kleinen Bonus. Klar im Vergleich zu den richtigen Kloppern von damals, ne laue Nummer. Doch wie cecil b schon so schön sagte, finde ich auch die Art wie man hier versucht Kampfsport oder eben halt Karate rüberzubringen echt mal anders und gut. Dieses Gewalt ist keine Lösung Ding passt auch einfach. Und der Soundtrack zumindest am Ende hin und wieder auch die passende Stimmung verteilt. Teil 1 und da stimme ich hier mal mit in den Chor ein, ist neben meinem persönlichen Favorit Teil 3 der Beste der Reihe. Teil 2 hat es irgendwie ein wenig verpasst vorwärts zu kommen. Aber alles Geschmackssache. Schön zu lesen, toll beschrieben, vielen Dank :)

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