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VelvetK
Level 3
XP 113
Eintrag: 11.11.2019

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Vice - Der zweite Mann

(Originaltitel: Vice)
Herstellungsland:USA (2018)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Biographie, Drama, Komödie
Alternativtitel:Backseat
Cheney

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,50 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Es ist eine schier unglaubliche Geschichte, wie ein unscheinbarer Washington-Insider still und leise zum einflussreichsten Mann wurde - als Vize-Präsident von George W. Bush. Acht Jahre zog Dick Cheney die Fäden unter Bush und beeinflusste reihenweise Regierungsentscheidungen massgeblich mit. Sein Weg vom CEO eines Grossunternehmens zur Nummer 2 und sein politisches Vermächtnis wurden nun filmisch aufbereitet - mit einem Christian Bale in gewohnter Höchstform.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

Ich habe "Vice - Der zweite Mann", von Autor und Regisseur Adam McKay, in den letzten Monaten vergleichsweise oft gesehen. Mal in der deutschen Synchro und mal im Originalton. Dann allein und ein anderes Mal mit Bekannten und Freunden, die diesen Film ziemlich gemischt aufnahmen. Auch die vielen, oftmals sehr ausführlichen Kommentare und Kritiken habe ich in den letzten Monaten nach und nach gelesen und eines steht fest: der selbstbewusste (oder wahlweise großkotzige) Adam McKay hat - trotz seiner klaren und nicht immer fairen Positionierung - den richtigen Stachel ziemlich giftig in weitläufiges Nest gestochen, was man so nur wenigen Filmemachern anrechnen kann. Als ich einst aus dem Kino wandelte, strafte ich "Vice" ungerechterweise ab, weil ich McKays mitunter flapsig vorgetragene Sichtweisen dieser irrwitzig-dramatischen Kaskaden nicht in Gänze teile. Das mag noch so gut, wenn auch auf eine einseitige Sichtweise herunter gebrochen, recherchiert sein, aber ein eigenartiger Nebengeschmack blieb und bleibt. Der Fokus McKays schält sich immer in Cheneys eiskalt handelnder Person, was letztlich nur eine ganz kleine Kerbe auf einer Seite einer sehr großen Medaille namens Amerika ist. Dabei macht es sich Adam McKay keineswegs einfach mit seinem ziemlich fetzigen Film über einen der verschwiegensten Männer der Politikgeschichte. Einerseits ist die aalglatt täuschende Person Richard Bruce "Dick" Cheney (Christian Bale), der 46. - und wohl mächtigste - Vizepräsident der Vereinigten Staaten unter Präsident George W. Bush, nur wenig bekömmlich als solches und andererseits spaltet die temporeiche und ziemlich überspitzte Regie, was ambitioniert und abwechslungsreich daherkommt.

"Die folgende Geschichte beruht auf wahren Ereignissen. Oder so wahr es geht, da Dick Cheney zu den verschlossensten Politikern der Welt zählt. Wir haben uns aber scheiß Mühe gegeben."

Scheiß Mühe gegeben? Oh, ja! An diese, dem Thema nicht gerade förderlichen Ausdrucksformen des aus dem Off kommentierenden Erzählers Kurt (Jesse Plemons), sollte man schon einen Bären gefressen haben, sonst erklingt der ansonsten meisterlich verwobene und eingängig vorgetragene Film in einigen Spitzen unnötig platt, was angesichts vieler genialer Ideen, scheinkomplexen Verknüpfungen und großartigen Spielereien ziemlich schade ist. Die inszenatorischen Kniffe McKays, kein gewöhnliches Biopic im klassischen Sinne zu meistern, sind über weite Strecken des Filmes erfrischend, auch wenn viele zwischenmenschliche Begegnungen im Film wohl nur zusammengereimter Humbug sind - die Gespräche zwischen Cheney und Bush Jr. sind schon ziemlich unverhohlen und affig geraten, trotz der schneidend drunter gelegten Metapher, in der Cheney in Zwischenschnitten beim Angeln Köder wirft und geduldig auf seine 'Fische' wartet. Neben vielen schrägen Ansätzen, bricht und bohrt auch der Erzähler dieser ungewöhnlichen Story, dessen Schicksal eng mit dem von Cheney verbunden ist, altgediente Pfade auf und vermengt in gut abgewogenen Teilen den klassischen Spielfilm und die Herangehensweise an eine Dokumentation. Dazu noch ein paar randvolle Messbecher Ironie und Zynismus samt 'auf Teufel komm raus'-Trump-Bashing, ein verdammt gut getimter Einsatz 'vierte Wand', und fertig ist ein ziemlich markantes und in jedem Fall hängen bleibendes Gesöff namens "Vice". Der hochinteressante und intensiv gezeichnete Werdegang dieses einst so mittelmäßigen und dem Alkohol nicht abgeneigten Studenten Cheney, zu einem der mächtigsten, aber vornehmlich im Hintergrund agierenden Männer dieser Sphären, wird von Adam McKay arglistig ins Celluloid gefasst. McKay wirft einfach alles in den Topf. Machthunger, klassisch angehauchtes Drama, ein aufatmender Abspann nach 49 Minuten, flott aufgeschlüsselten Politkram, mal hingebungsvolles und mal ziemlich abgefahrenes Darstellerkino, audiovisuell niemals langweilige Taschenspielertricks mitsamt verhöhnender Beleherungen, hilflos eingeflochtene, aber amüsante Shakespeare-Momente, ausgefeiltes und berauschendes Dialogkino, unpassend passendes Gelächter, kraftvoll ins Bild und durch die Lautsprecher platzende Action- und Foltersequenzen und ein immerzu forderndes Spiel aus unterschiedlichen Schnittmontagen und analogen Filmtechniken - ein Blick ins Bonusmaterial lohnt ebenfalls, denn dort verstecken sich noch mehr wahnsinnige Szenen. McKay verzichtet jedoch konsequent auf Momente einer lästigen Dauerbetroffenheit, was seinen Film noch herber aus der Schale gleiten lässt. Das klingt nach einem dramaturgisch überfrachteten Wirrwarr sondergleichen, doch McKay schafft es mit sicherer Hand, dass die vielen Stilmittel und Überhöhungen als fintenreiche Einheit klaffen und nässen - der Spielball der Macht.

"Fürchte den schweigsamen Mann. Denn wo andere reden, beobachtet er. Und wo andere agieren, schmiedet er Pläne. Und wenn sie sich endlich ausruhen...schlägt er zu." - Anonym

Ein unfassbar hölzernes Zitat, nicht? Gesehen in "Vice".

Christian Bale und seine perfekte Verwandlung in Cheney haben einen großen Anteil an der unangenehm bellenden Wirkung des Films. Zu Recht könnte man jetzt wieder damit anfangen, dass das hier nur fürstlich entlohntes Fasching oder eine pointierte Mimikry-Maskerade ist, aber im gleichen Atemzug muss man Bale auch zugestehen, dass er der aktuell ungekrönte König dieser oft verachteten Disziplin ist. Schade, dass er den Oscar für den besten Hauptdarsteller dem staksigen Rami Malek, dessen vager Ähnlichkeit zu Freddie Mercury und einer albernen Zahnprothese überlassen musste. Bale überragt seine nur dezente Maske und die extra angefressenen Speckröllchen in jedem Moment. Allein der oft verbissene, trügerisch verkniffene Blick und Bales tief angelegte Stimme sind ein Hochgenuss - das handwerklich beeindruckende Imitat ist Platin, auch weil vieles im Stillen, lediglich mit Blicken und einer sparsamen Gestik im Raum voran weilt, während sich der Erzähler immer zum rechten Zeitpunkt aus dem Licht am Ende des Tunnels meldet. Wer sich danach mal ein Video mit dem echten Cheney anschaut und auch weiter forscht, sollte aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Die Nebendarsteller agieren okay, ohne wirklich zu glänzen. Amy Adams (in der undankbaren Rolle von Dicks Frau Lynne) wird wohl noch ewig einem Goldjungen hinterherrennen, Steve Carell (als Donald Rumsfeld) und Sam Rockwell (als George W. Bush) liefern eine ungebremste Farce ohne Hemmungen im roten Drehzahlbereich ab und Erzähler Plemons treibt die Handlung mit gut gesetzten Knoten und Stichen voran - "Vice" ist ganz klar auf Bale ausgerichtet, während sich der Rest des Casts lediglich anschmiegt. Genau wie die Herangehensweise und Darstellung der Indizien, ist auch die Riege an Auftritten geprägt von irritierenden Kontrasten und sitzenden Tiefschlägen. 

Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Zuschauer - welche McKay am Anfang des Filmes ohnehin für dumm verkauft und aus dem Stand weg verachtet - nicht einmal anzweifeln, ob das nun alles wahr ist oder nicht, ob McKay sich hiermit nicht einseitig und reichlich hässlich verhebt. Doch McKay wäre nicht McKay, würde er seine Sicht der Dinge nicht mit einem Anstrich einfärben, welcher polarisiert. Eben ganz so, wie in seinem mit dem Oscar prämierten over the top-Schauerstück "The Big Short", bei dem er sich auch schon scheiß viel Mühe gegeben hat, das Ergebnis aber irgendwie doch nur stets bemüht war. Den berechtigten Vorwurf muss sich McKay gefallen lassen, auch wenn die beiden Werke mehr trennt als eint. "Vice" geht mit Cheney hart ins Gericht, vergleicht ihn sogar mit der Marvel-Comicfigur >>Galactus<<, dem Weltenzerstörer und Planetenfresser, und lässt dabei andere gruselige Gestalten und teigig auftretende Strippenzieher der letzten Jahrzehnte völlig (!) außen vor, ganz so, als wäre Dick Cheney das ultimative und alleinige Böse. McKay lässt Zuckerbrot und Peitsche bisweilen im Stakkato auf das Publikum los und entscheidet sich gegen eine sachlich neutrale Beobachtung. "Vice - Der zweite Mann" ist kein fades Abklappern herausstechender Stationen eines brisanten Lebens, sondern ein ziemlich gerissener und außergewöhnlicher Film, der den zweiten Mann im Staat als vermeintlich ersten stilisiert. 

McKays Ergüsse ohne genaue Hinterfragung abzufeiern ist genauso schal und billig, wie ihn mit Verachtung abzustrafen - das MHD dieses Filmes ist noch weit hin. "Vice" als lächerlich überhebliche Groteske abzulehnen, nur weil man des Machers Ausformulierungen nicht anerkennt, würde einen schlicht um ein zeitlos aufheulendes Ausrufezeichen der lautstark behauptenden Meinungsmache bringen. "Vice" ist kein gefälliger, angenehmer oder schöner Film, aber deswegen nicht minder sehenswert. Selten war ein Jahrmarktgeschrei so grell, wie in "Vice". McKay tut so, als beherrsche er hiermit die ganze Wahrheit und spaltet damit nach einem ganz alten und trotzigen Rezept. Seltsam faszinierend.

7/10
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Kommentare

12.11.2019 08:05 Uhr - dicker Hund
User-Level von dicker Hund 14
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.181
Einmal mehr eine absolut einseitige 10 für die Schreibe. Dafür, dass mich der Film nur vage interessiert, war das eine verblüffend kurzweilige Lektüre. Top!

12.11.2019 09:40 Uhr - Pentegrin
User-Level von Pentegrin 2
Erfahrungspunkte von Pentegrin 84
Eine tolle Kritik, sieben Punkte würde der von mir auch bekommen.

12.11.2019 10:10 Uhr - Lukas
Messerscharf analysiert und mehr als elegant ausformuliert, top Kritik! :)
Sehe das insgesamt recht ähnlich, Vice ist ein sehr ambivalentes Werk, bei dem spätestens im letzten Drittel die Objektivität mehr oder weniger flöten geht und das Ganze zu einer fast offenen Anklage wird. Man muss sich aber denke ich auch vor Augen halten, dass das Zielpublikum des Films in erster Linie doch ein US-amerikanisches sein dürfte, und (auch wenn ich hier etwas Klischees bemühen muss) dort kommt man mit subtil-zurückhaltender Kritik oft nicht so weit und muss sich deshalb auch mal des Marktschreiertums bedienen. Ob dann der Zweck immer die Mittel heilt, diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.
Ich persönlich würde trotz des etwas faden Nachgeschmacks, den der Schlussakt hinterlässt, sogar zu einer 8/10 greifen.

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