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The Green Inferno

Herstellungsland:USA (2013)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,02 (64 Stimmen) Details
inhalt:
Für eine Gruppe Studenten und junger Öko-Aktivisten beginnt das Hilfsprojekt am Amazonas mit einer Katastrophe, als ihr Flugzeug tief im dichten Dschungel Perus abstürzt. Auf der Suche nach Hilfe, müssen sich die Überlebenden notgedrungen auf den Weg durch den unwirtlichen und vor zahlreichen Gefahren gespickten Urwald machen. Eine Belastungsprobe, die jeden Einzelnen der jungen Leute an physischen und psychischen Grenzen bringt. Als sie nach endlosen Strapazen endlich auf einen Stamm einheimischer Indianer treffen, glauben sie zunächst gerettet zu sein. Doch die Erleichterung währt nur kurz: Erst jetzt bemerken sie, dass sie einer Horde Kannibalen in die Arme gelaufen sind, die es auf Menschenfleisch abgesehen hat. Eine Flucht aus dieser Hölle scheint unmöglich ...
eine kritik von dicker hund:

Was wurde nicht schon alles zu "The Green Inferno" geschrieben, den Eli Roth sechs Jahre nach seiner Fortsetzung zu "Hostel" fertigstellte. Das Echo war ziemlich durchwachsen, auch hier auf "Schnittberichte.com". An sich ist das kein Wunder, kann man einen nordamerikanischen Dschungelkannibalenfilm von 2013 doch sowohl für aus dem Ort, als auch für aus der Zeit gefallen halten. Skeptisch stimmt zudem die Erwachsenenfreigabe der FSK für einen Beitrag, der im Abspann seine Huldigung an die Italo-Pulp-Vorlagen aus dem knochennagenden Urwaldhopsertum durch eine Art Best-of-Aufzählung offensichtlich gestaltet und hierdurch einen gewissen Empfehlungscharkakter für mehrere beschlagnahmte Titel wie "Cannibal Holocaust" oder "Die weiße Göttin der Kannibalen" erkennen lässt. Handelt es sich daher schon zwangsläufig um weichgespülten Mainstream, der viel zu hohe Erwartungen weckt, die dann zwangsläufig enttäuscht werden?

Nun, in einer Hinsicht muss dieser Vorwurf bestätigt werden. Denn von dem Sleaze an der Stiefelküste ist man nun einmal meilenweit entfernt. Rituale der Ureinwohner, die Sexualbezug zu den in Mitleidenschaft gezogenen Studentinnen aufweisen, lassen die westliche Kleidung der gefangenen Damen wie selbstverständlich an Ort und Stelle, meistens jedenfalls (3/10). Daneben versuchen potentielle Ekelmomente mit Fäkalien nicht einmal, mit Effekten zu beeindrucken. In einem anderen vielkritisierten Punkt ist dagegen Differenzierung gefragt. Der einmalig auftauchende Kifferhumor (5/10) kommt bar jeder Logik zustande und lässt verschämt den Kopf schütteln. Es gibt daneben jedoch sehr galantes Augenzwinkern zu vermelden, das sich in Fußnoten zum wenig jugendfreien Kino niederschlägt, die jenseits von beiläufig gezeigten Plakaten und Schriftzügen vor allem darin liegen, dass die Szenenästhetik der Aushängeschilder des italienischen Kannibalenfilms mal mehr und mal weniger versteckt auftaucht. Für Liebhaber ist diese Technik eine wahre Fundgrube an Insidern.

Alles andere ist in "Green Inferno" mindestens vorbehaltlos gut gelungen. Sein Herzstück sind sicherlich die drastischen Goreeinlagen zur Mitte hin (Gewalt 7/10), einschließlich explizitem Kannibalismus, dessen Praktizierung nach dem Ableben der Opfer ziemlich unappetitlich Fortgang nimmt (Horror 7/10). Da verzeiht man schnell, dass die Reise hin zu dem rauschenden, schlammbraunen Fluss in der schwülen Wildnis eine halbe Stunde der Spielzeit in Anspruch nimmt. Bis dahin ist ohnehin Kurzweil angesagt, was den charismatischen Darstellern zu verdanken ist. Sky Ferreira ("Baby Driver") als hübsche blonde Jüdin Kaycee mit Schlafentzugrändern unter den Augen glänzt als Skeptikerin, die ihrer Freundin Justine (intensiv: Lorenza Izzo) die Sympathien für die Protestler auszureden versucht.

"Du, Dein Aktivismus ist dermaßen uncool."

Ariel Levy glaubt man sofort, dass seine sexy Leitfigur der sozialen Bewegung Alejandro zu mobilisieren versteht, während mit Jonah (Aaron Burns) ein pummeliger Sympathieträger mit von der Partie ist. Gelangt die Gruppe schließlich in die titelgebende grüne Hölle, veredeln die Buschtrommeln den pathetisch konnotierten Score, zu dem imposante Vogelperspektiven im natürlichen Biotop des leuchtend bemalten Indio-Stammes zu bestaunen sind. Trotz des thematisierten Handy-Einsatzes der Regenwaldschützer wurde glücklicherweise auf das Gewackel von Handkameras verzichtet, so dass die Optik zum Besten gehört, was in dieser Kategorie zu finden ist. Als i-Tüpfelchen gibt Eli Roth sogar wieder einen dezenten Denkanstoß mit auf den Weg, indem er die mögliche Ambivalenz jugendlicher Rebellion aufzeigt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die kleine Filmperle "The Green Inferno" vollkommen würdig in die problematischen Fußstapfen ihrer Erblasser voller Tiersnuff und dramaturgischer Schwächen tritt (7/10 Punkten). Den Sexismus und die Tierquälerei hat Roth nicht übernommen, was indes auch unnötig gewesen wäre. Ein grober Ausrutscher auf Marihuana macht einen ähnlichen Fehler wie das Reboot zu "Freitag, der 13.", indem er sich an die Zielgruppe der stumpfen Kinogänger richtet, die nur gut finden, was ihrer Droge möglichst grenzdebil kichernden Zuspruch gibt. Der Rest funktioniert souverän, bei manchen Bildkompositionen aus Dickicht und Körpermalerei sowie den Blutstößen Nicoteros sogar ganz ausgezeichnet. In diesem an Sondermüll nicht armen Subgenre zählt der US-Beitrag des "Cabin Fever"-Schöpfers damit letztlich zur Auslese.

 

7/10
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Kommentare

12.01.2020 15:22 Uhr - sonyericssohn
1x
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Puh, mich hat der nicht unbedingt erreicht. Liegt vielleicht daran, daß ich Roth als Regisseur und seine Filme generell zu merkwürdig finde.

Lesenswerte Kritik aber wieder !

12.01.2020 16:43 Uhr - Lukas
1x
Charismatische Darsteller?! Ernsthaft? ;-) Bei den strunzdummen Flitzpiepen war ich um jeden froh, der von den Kannibalen dahingerafft wurde. ;-) Ne, der Film war echt nix, gab 4,5/10 von mir.
Die Review hier ist aber deutlich angenehmer zu lesen als der Film zu betrachten. ;-)

12.01.2020 16:46 Uhr - leichenwurm
1x
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Hi... ! Jau... ich fand den auch in Ordnung. Wertungstechnisch gehe ich da voll und ganz mit ;-) ! Dein Review hab ich gern gelesen... toll formuliert und inhaltlich stimme ich dir komplett zu... spitze ! Neben dem überaschend drastischen Gewalteinlagen, fand ich besonders die phasenweise wirklich authentische Atmosphäre bemerkenswert, die durch die originalschauplätze und der zusammenarbeit mit einem echten Eingeborenenstamm eingefangen wurde.

12.01.2020 19:54 Uhr - dicker Hund
3x
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Danke für Eure Beiträge zu diesem nun wirklich nicht zu selten rezensierten Film.

@Sony
Roth können viele nicht besonders leiden. Manche Kritik lässt sich hören, Vieles finde ich aber auch übertrieben.

@Lukas
Dass die Figuren - wie stets in diesem Subgenre - eher oberflächlich gezeichnet sind, steht der Ausstrahlung ihrer Mimen meines Erachtens nicht von vornherein entgegen.

@Leichenwurm
Dein ebenfalls gelungenes Review gehört übrigens zu jenen, die ich vorab noch einmal zur Inspiration gelesen habe.

12.01.2020 20:39 Uhr - Fratze
1x
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Stimme deiner Kritik in allen Punkten vorbehaltlos zu. Lediglich in der Gesamtwertung bin ich ein Pünktchen drunter, da mir die von dir angesprochenen Punkte - der fehlende Sleaze, die unnötige Prüderie, der etwas deplatzierte Kifferhumor etc. - in Relation zur Haben-Seite doch etwas zu sehr ins Gewicht fielen. Die lange Hinführung zum "eigentlichen" Geschehen fand ich hingegen gar nicht Mal sooo schlimm. Hätte hier und da gestrafft werden können, ja... hat aber auch nicht wirklich was ausgemacht.

Womit ich auch gänzlich bei dir bin, ist die Ansicht, dass "Green Inferno" im Vergleich zu so einigen schundigeren Vertretern des Kannibalenfilms noch ganz gut weg kommt. Paradebeispiel ist da m.E. der von dir erwähnte "Mountain of the Cannibal God", den weder Stacey Keach noch Ursula Andress retten konnten. Selten solch geballte Langeweile erlebt.

Alles in allem Mal wieder eine runde Sache, deine Vorstellung. Vielen Dank für die Lektüre ^^

12.01.2020 23:48 Uhr - BedtimeStory
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Die Review ist sehr gut (um)geschrieben, Danke !

Der von mir verfasste Text, enthält ein paar Spoiler:

Eigentlich verstehe ich viele der Kannibalen-Klassiker Anspielungen im Film, den Humor in "the Green Inferno" fand ich allerdings oftmals unpassend, wie zB der Durchfall im Käfig, nimmt einfach einiges an Atmo.

Das der Film uncut mit einer FSK 18 durchgewunken wurde, verblüfft mich noch immer, denn mMn bewegt sich die Gewalt eher im SPIO/JK bzw. ungeprüften Import Rahmen.

Die im Film auftauchenden Menschenfresser, sind hingegen wenig furchteinflößend. Ich werfe mal die, Dank Leichen-Bong, bekifften Kannibalen in den Raum... *facepalm*

Fand hier sogar die Maya in Apocalypto authentisch- wie bedrohlicher, richtige Spannung kommt im Film eigentlich nie auf.
Vielleicht hätte Eli Roth den Film, samt Story, einfach etwas Ernsthafter inszenieren sollen, denn hier liegt der Hund begraben.

In der Summe, auch wegen der mMn eher schwachen Darsteller, vergebe ich 5,5/10 Story-Punkte, so verbleibt für mich eine (leider) ausgelassene Chance...

13.01.2020 07:27 Uhr - TheMovieStar
1x
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Den kannte ich noch gar nicht den Film, ist spurlos an mir vorbeigegangen, ob ich ihn mir ansehen werde, weiß ich noch nicht. Dein Review ist klasse und gibt einen guten Vorgeschmack auf das was einen erwartet.

13.01.2020 12:19 Uhr - Mr.Tourette
1x
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12.01.2020 15:22 Uhr schrieb sonyericssohn
Puh, mich hat der nicht unbedingt erreicht. Liegt vielleicht daran, daß ich Roth als Regisseur und seine Filme generell zu merkwürdig finde.


Schließe mich deiner Meinung an. Ich kann Mr. Roth als Regisseur nicht viel abgewinnen. Den Hostel Hype habe ich nie verstanden. Aber "Green Inferno" fällt unter das Korn, dass das blinde Huhn findet. Kein Meisterwerk, aber immerhin ansehbar, was in meinen Augen schone eine große Auszeichnung für Roth ist.

Wie schon öfters geschrieben, würde ich mich freuen, wenn er den Grindhousetrailer zu "Thanksgiving" in einen Film verwandeln würde. Das könnte auch was werden.

Immer solide und ein Leseschmaus sind die Ergüsse vom unserem beleibten Wau-Wau! :D

14.01.2020 18:02 Uhr - cecil b
1x
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Lesenswerte Kritik.

Der "grobe Ausrutscher auf Marihuana" hatte mich in etwa dazu gebracht, den Film 'auszuschalten'. Diese 'Witze' am Anfang haben mich dazu veranlasst, keine mögliche souveräne Entwicklung zuzulassen. ;)


18.01.2020 02:48 Uhr - hudeley
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Sehr schöne Review, die mich prächtig unterhalten hat!

Weiterhin teile ich inhaltlich alle Punkte mit Dir. Nahezu zu unrecht gehasst, ist der Film eine schöne Hommage an die teils wirklich ruckeligen, italienischen Kandidaten. Der Marihuana Plot ist natürlich mehr als nur Banane, aber ich konnte ihn als gewollt trashig-ironischen Bruch abhaken. Auch an den anderen Filmchen von Herrn Roth habe ich wenig auszusetzen - zwar nie wirklich perfekt, aber in meinem Empfinden weit weg von den miesen Bewertungen, die er oftmals einfährt.

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