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Punisher77
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Eintrag: 16.11.2019

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In a Valley of Violence

Herstellungsland:USA (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Western

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (1 Stimme) Details
inhalt:
Texas, 1890: Paul (Ethan Hawke) ist unterwegs nach Mexiko. In der gottverlassenen Stadt Denton - von ihren zwielichtigen Bewohnern nur "Valley of Violence" genannt - trifft der Outlaw auf den berüchtigten Bandenführer Gilly. Die beiden geraten aneinander und es kommt zum Kampf. Weil er der Sohn des gnadenlosen Sheriffs (John Travolta) ist, lehnt sich kaum jemand gegen Gilly auf, doch Paul lässt sich nicht einschüchtern und stellt sich ihm als hartnäckiger Gegner in den Weg. Die Situation eskaliert und löst eine unberechenbare Kettenreaktion aus. Auf beiden Seiten wird der Ruf nach blutiger Rache immer lauter. Als dann auch noch ein grausames Geheimnis aus Pauls Vergangenheit ans Licht kommt, ist das Gemetzel nicht mehr zu stoppen ...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                  IN A VALLEY OF VIOLENCE

Wenn der Name der Produktionsfirma Blumhouse Productions fällt, denkt man meistens zuerst an Filmreihen wie Paranormal Activity, Insidious oder The Purge, und so mancher Filmfan verzieht angewidert das Gesicht. Was dabei aber gern übersehen wird, ist, dass das Studio auch andere Werke in seinem Portfolio hat, wie z.B. die Dramen Whiplash (2014) und BlacKkKlansman (2018), mit denen man sich auch bei diversen hochkarätigen Filmpreisverleihungen positionieren konnte. Und auch der Western In A Valley Of Violence gehört sicher nicht zu den Filmen, die man von Jason Blum und Co. erwartet hätte. Inszeniert, geschrieben und geschnitten wurde der 2016er Western von Ti West, der sich bisher mit Horrorfilmen wie The House Of The Devil (2009), Cabin Fever 2 (2009) und The Innkeepers – Hotel Des Schreckens (2011) einen Namen gemacht hatte. Mit Ethan Hawke (Die Glorreichen Sieben, 2016) und John Travolta (Face/Off – Im Körper Des Feindes, 1997) hatte er zwei bekannte Darsteller an Bord und weitere Rollen wurden u.a. an James Ransone (Sinister 2, 2015), Taissa Farmiga (The Mule, 2018) und Karen Gillan (Guardians Of The Galaxy 2, 2017) vergeben.

Paul (Ethan Hawke) ist – in Begleitung seiner Hündin Abbie – auf der Reise nach Mexiko und landet auf seinem Weg in dem gottverlassenen Kaff Denton, in dem der großmäulige Gilly (James Ransone) und dessen Vater Marshal Clyde Martin (John Travolta) das Sagen haben. Kaum angekommen, wird Paul von Gilly provoziert, worauf sich dieser eine kräftige Maulschelle einfängt. Der pragmatisch denkende Marshal lässt Paul ziehen, aber sein Sohn sinnt auf Rache und tötet Pauls Hündin. Mächtig großer Fehler …

In A Valley Of Violence versteht es z.B. - im Gegensatz zu John Wick – mit der Erwartungshaltung des Publikums zu spielen. Dass sich ein Priester nach nur wenigen Momenten als gar nicht mal so gottesfürchtig und integer entpuppt, macht quasi Hoffnungen auf eine Art amerikanischen Italowestern, in dem die moralischen Standards ebenso ausgehebelt werden wie in den Spaghettiwestern. Die im Stil der Dollar- Filme (1964-1966) präsentierte Credit-Sequenz und die Bilder vom einsamen Ethan Hawke wie er in die Quasi-Geisterstadt reitet, wecken Erinnerungen an Clint Eastwoods „Mann ohne Namen“. Und auch wenn sich Hawke anfangs so präsentiert, stattet ihn Wests Drehbuch mit deutlich mehr Hintergrund aus und hebt ihn dadurch vom Gros den des Öfteren ziemlich eindimensionalen Rächerfiguren des Westerns ab. Mit Hawke hat man den richtigen Mann für diese Rolle gefunden. Gleiches gilt für John Travolta, der hier in die Rolle des Marshals Clyde Martin schlüpft. Auch wenn der Ex-Pulp Fiction-Star hier nicht von Anfang an dabei ist und eher eine Nebenrolle spielt, kann er in der Rolle des kriegsversehrten Gesetzeshüters richtig punkten und zeigen, dass er immer noch in der Lage ist, einem Film Klasse zu verleihen … schade, dass Mr. Travolta bei der Wahl seiner Rollen seit Jahren so fahrlässig ist. In A Valley Of Violence präsentiert ihn und Ethan Hawke jedenfalls in bestechender Form und schon wegen der Teilnahme dieser beiden Schauspieler sollte man den Streifen ruhig auf seine Watchlist packen.

Ein weiterer Pluspunkt des Films ist Ti Wests Regiestil. Von einem Regisseur, dessen Fokus bisher hauptsächlich auf Horrorstreifen lag, kann man nicht unbedingt erwarten, dass er auch in der Lage ist, einen packenden, stimmigen Western zu inszenieren. Dabei pflegt West einen eher ruhigen Inszenierstil, dem Hektik fremd ist und der den Darstellern genug Zeit lässt, ohne Schnittgewitter ihre Dialoge aufzusagen und/oder die Schießeisen zu ziehen und zu bedienen. Trotzdem ist In A Valley Of Violence alles andere als langweilig, da West es versteht, nicht nur Handlungsszenen so zu inszenieren, dass man nicht mal annähernd auf die Idee kommt, auf die Uhr, bzw. den Timer des DVD/Blu Ray-Players zu schauen, sondern auch an den richtigen Stellen die Spannungsschrauben anzieht – der Showdown ist zudem wirklich spannend geraten. Außerdem hat Ti West In A Valley Of Violence mit einigen deftigen Gewaltspitzen versehen, die den Film zwar nicht in „Keine Jugendfreigabe – bzw. Spio/JK-Sphären rücken, aber die raue, harte Atmosphäre des Films unterstreichen.

Die Figuren abseits von Paul und Marshal Clyde Martin sind dagegen nicht ganz so scharf gezeichnet, sondern teilweise etwas klischeehaft, was vor allem für die Frauenrollen gilt. So spielt Taissa Farmiga die deutlich jüngere Bewunderin des Helden, was ein wenig an die von Sidney Penn dargestellte Megan Wheeler in Clint Eastwoods Pale Rider – Der Namenlose Reiter (1985) erinnert, was Farmiga aber durchaus überzeugend macht. Ihre (Film)Schwester Karen Gillan agiert dagegen etwas nervig, wenn sie ihren Freund/Versorger anhimmelt oder losheult, als sie auf einen fehlenden Zahn angesprochen wird. Ebenfalls nicht ohne Kritik über die Zielgerade kommt James Ransone als Schurke Gilly Martin. Eigentlich hat man auch hier den richtigen Darsteller für ein derartiges Großmaul gefunden, allerdings übertreibt Ransone gelegentlich und gleitet dann und wann ins Overacting ab.

Ein kleiner Makel sind zum Teil auch die Kulissen des Films, wie z.B. die „Stadt“ Denton. In einer Szene behauptet John Travoltas Marshal Martin, dass die Stadt einen Anführer brauche. Aber wen soll dieser Anführer regieren, mag man sich fragen, wenn man sich Denton und seine Bewohner ansieht. Im Vergleich zu dem In A Valley Of Violence-Schauplatz wirkt das Dorf in Sergio Leones Für Eine Hanndvoll Dollar (1964) wie eine aus allen Nähten platzende Millionenstadt. Denton besteht quasi aus einem Hotel, einem Saloon, einem Gemischtwarenladen und jeder Menge Häuser mit zugenagelten Fenstern. Und die „Bevölkerung“ setzt sich zusammen aus den bisher genannten Figuren, den Deputies, einem Wirt und dem Gemischtwarenhändler. Da ist in der Tat jede Menge Führung nötig …

Aber das sind letztlich kleine Minuspunkte. In der Summe ist In A Valley Of Violence ein weit überdurchschnittlicher, sehenswerter moderner Western, der Fans des Genres ans Herz gelegt sei. Aber auch Filmfans, die – wie ich – keine Hardcore-Westernfans sind, können ruhig mal `nen Blick riskieren.

8/10
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Kommentare

17.11.2019 09:16 Uhr - Gorno
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Super Kritik zu einem Film den ich ebenfalls sehr mochte! Gerade bock auf einen Rewatch bekommen, danke :D

17.11.2019 10:11 Uhr - Punisher77
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Punisher77 3.220
Ich habe zu danken :-).

17.11.2019 10:13 Uhr - Pentegrin
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Klingt interessant, merke ich mir vor.
Schöne Kritik! :)

17.11.2019 12:54 Uhr - TheRealAsh
User-Level von TheRealAsh 9
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Uff, der ist mir irgendwie wohl entgangen, grade bei Travolta und Hawke, weiß ich gar nicht wie das passiert ist. Danke für die gekonnte Vorstellung, muss ich sehen.

17.11.2019 16:48 Uhr - der neue1067
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Ich hatte den Mal auf Amazon Prime angefangen zu gucken und nach ca. 20 Minuten abgebrochen weil der so genannte Funke nicht überspringen wollte.
Nachdem ich dein Review gelesen habe werde ich aber nochmal einen Versuch wagen.

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