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Lola rennt

Herstellungsland:Deutschland (1998)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Action, Drama, Krimi
Alternativtitel:Run Lola Run
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,63 (8 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Berlin. Jetzt. Lola und Manni sind ein Liebespaar. Manni jobt als halbkrimineller Geldkurier für einen Autoschieber. Doch heute vermasselt er es gründlich. Die 100.000 Mark, die er in der U-Bahn liegen läßt, will sein Boss wiederhaben... und zwar in 20 Minuten oder Manni ist ein toter Mann. In totaler Panik ruft er Lola an. Nur 20 Minuten Zeit, um 100.000 Mark zu besorgen. Nur 20 Minuten Zeit, Mannis Leben zu retten. Da kommt Lola eine Idee. Und Lola rennt... (Laser Paradise DVD Cover)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von kaiser soze:

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„Franka, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Dich. Die Gute ist, Du kriegst die Hauptrolle, die Schlechte, Du darfst jetzt sieben Wochen lang Deine Haar nicht waschen...“  so oder so ähnlich stelle ich mir übertrieben gesagt das Gespräch zwischen Regisseur Tom Tykwer und Franka Potente vor - aber der Reihe nach.

1895 veröffentlichte H. G. Wells seinen SciFi-Roman Die Zeitmaschine (OT: The Time Machine), der zumindest soweit mir bekannt erstmals Zeitreisen konkret thematisierte. Filmtechnisch gilt der gleichnamige Film von 1960 als (eine der) erste(n) Verfilmungen und viele weitere Filme spannen die Idee um zeitliche Komponenten weiter. 1981 erschien der polnische Film Der Zufall möglicherweise (OT: Przypadek), in dem Hauptdarsteller Witke (Boguslaw Linda) drei lebensverändernde Varianten durchspielt. Dieses Grundkonzept übernahm der deutsche Drehbuchautor Tom Tykwer, der mittlerweile für Filme, wie u.a. Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders (2006) und Cloud Atlas (2012 - sehr guter Fillm! Warum? Darum!), bekannt ist und schrieb das Drehbuch zu

Lola rennt

(1998), bei dem er auch Regie führte.

Im Film selbst hat Hauptdarstellerin Lola (Franka Potente) 20 Minuten Zeit 100.000 DM (ja, DM, damals war die Welt noch in Ordnung ;-D ) zu beschaffen, damit Ihr Freund Manni (Moritz Bleibtreu) nicht ermordet wird. Da Ihr zuvor der Roller geklaut wurde, muss Sie rennen. Drei Szenarien werden durchgespielt, die immer die Grundidee haben, dass Lola zu ihrem Vater in die Bank will. Direkt am Anfang, beim Weg durchs Treppenhaus, wird sie mal mehr, mal weniger aufgehalten, sodass sie zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten an einigen Stellen ankommt, was zu verschiedene Folgen (Unfall oder eben keine Unfall, sie erreicht Ihren Vater oder verpasst ihn knapp usw.) hat - Stichwort: Schmetterlingseffekt, wodurch ich immer an Chaos (2005) sowie Butterfly Effect (2004) denken muss. Jede Episode hat einige Konstanten. Dazwischen gibt es Zwischensequenzen, die mir eher nicht gefallen, aber diese sind kurz, also verkraftbar.

„Lola, gehst Du einkaufen? Ich brauche Shampoo.“

Stilistisch sowie bzgl. der schauspielerischen Leistung ist Lola rennt absolute klasse. Die animierten / gezeichneten TV-Version der laufenden Lola zu Beginn jeder Episode sind eine nette Übertragung und zeigen direkt - gepaart mit der Mutter, die stilecht im aus heutiger Sicht Retro-Wohnzimmer schon morgens Jack Daniels süppelt - was einem dem filmüber erwarten wird. Aber auch etwa die Farbgebung, dass die Farbe Rot (Lolas Haare, zahlreiche Autos, Telefon) überwiegend bzw. auffallend oft in Lolas Szenen und die Farbe Gelb (Telefonzelle, Supermarkt, Straßenbahn) hauptsächlich in Mannis Szenen gezeigt wird, ist geschockt eingesetzt. Ein besonderes Augenmerk wurde aber auf die Abfolge und zeitliche Einteilung gelegt. Manni & Lola haben 20 Minuten Zeit, das Geld zu beschaffen, Lola setzt im Casino (dritte Variante) auf die 20 und 20 Minuten entspricht der Laufzeit der ersten sowie letzten Episode. Nebenbei gibt anfangs der „Märchenonkel der Nation“ Hans Paetsch den Erzähler. Dass das Budget von 3,5 Millionen DM knapp verdreifacht werden konnte, ist für mich absolut nachvollziehbar.

„Tja, jeder hat mal n schlechten Tag.“

Lola rennt avancierte zu einem der international bekanntesten, (neueren) deutschen Filme. Hierdurch wurde nicht nur Franka Potentes Karriere, etwa in Die Bourne Identität (2002) ermöglicht, sondern führte auch zu einer wahren Reihe von Anspielungen in diversen Serien. Die bekannteste dürfte die Kultserie Die Simpsons (seit 1989) sein - Staffel 12, Folge 18 Trilogie derselben Geschichte - aber auch in Buffy - Im Bann der Dämonen (1997 bis 2003), Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI (1993 bis 2018), Scrubs - Die Anfänger (2001 bis 2010), Dawson's Creek (1998 bis 2003) sowie SMILF (seit 2017) u.v.m. gibt es Anekdoten. Dabei nimmt Lola rennt, deren rote Haare mitunter an Pumuckl erinnern, etwa mit Lolas glasbrechenden Schreien selber Bezug auf Die Blechtrommel (1979) und u.a. die Spiralen dürften auf Hitchcocks Vertigo - Aus dem Reich der Toten (1958) bezogen sein. Im Krankenwagen (dirtte Variante) hängt eine Notiz mit dem Datum 23.5.98; ich gehe mal davon aus, dass dies eher eine Anspielung an den Geburtstag des Regisseurs sein soll, denn an den im selben Jahr erschienenen 23 - Nichts ist so, wie es scheint (1998).

„Was ist denn in der Tüte da?“

Um letztendlich noch einmal auf das fiktive, eingangs gelistete Zitat zurück zu kommen: Während der Dreharbeiten konnte Franka Potente ihre Haare sieben Wochen lang nicht waschen, da die rote Haarfarbe sehr wasserempfindlich war und mit jeder Wäsche heller geworden wäre. Wieso man 'einfach' nachfärben konnte, entzieht sich dann allerdings doch meinem Wissen. Was ich hingegen weiß, ist dass das Moped, welches in der dritten Variante den Unfall mit dem BMW (die drei Kanten) hat, das gestohlene Moped Lolas sein soll und der Film auch in diesem Punkt abgerundet / abgeschlossen endet.

So oder ist Lola rennt einer der besten deutschen Filme, die ich kenne und muss sich keinesfalls vor irgendwelchen US-Produktionen verstecken, egal ob in Punkto Schauspieler, Dreh, Stil, Spannung, Handlung, usw. Kleine Abzüge gibts für besagte Zwischensequenzen, die mir nicht gefallen, aber ansonsten top:

9 bis 9,5 von 10 Punkte

 

9/10
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Kommentare

25.12.2019 22:46 Uhr - Rullep
User-Level von Rullep 2
Erfahrungspunkte von Rullep 93
Schöne Review! Kann ich nur unterschreiben.

Schade, das “Lola rennt“ ein wahrer Exot guter deutscher Produktionen ist. In Punkto: “Wie macht man aus einer simplen Grundidee so viel wie möglich“, ist der Streifen absolut Klasse. Er ist so angenehm untypisch für einen deutschen Film und dennoch spielt er Mitten in Berlin. Schauspielerisch eine perfekte Auswahl und daneben mit den sehr schrägen und gelungenen “Und dann...?“-Schnappschüssen richtig erfrischend anders.

Mach weiter so!

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