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Battle Royale 2 - Requiem

(Originaltitel: Batoru rowaiaru II: Chinkonka)
Herstellungsland:Japan (2003)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Drama, Krieg, Science-Fiction,
Thriller
Alternativtitel:Batoru rowaiaru II: Rekuiemu
Battle Royale II
Battle Royale II: Requiem
Battle Royale II: Revenge
Battle Royale II: Survival Program
Battle Royal - BR 2: Survival Program
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,27 (53 Stimmen) Details
inhalt:
Drei Jahre nach der ersten "Battle Royale" ist der Überlebende Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara) ein international bekannter Terrorist, der allen Erwachsenen den Krieg erklärt hat. Sein Ziel: Die Abschaffung des BR-Gesetzes, das es der Regierung ermöglicht, Kinder und Jugendliche für perverse Spiele um Leben und Tod mediengerecht zu missbrauchen. Nanaharas Terrorgruppe "The Wild Seven" verübte bereits eine Reihe von opferreichen Anschlägen. Die Regierung reagiert mit einem neuen Programm namens "Battle Royale 2" und schickt 42 Schüler, die Nanahara und seine Schar in ihrer Inselfestung angreifen sollen. Nur wenige von ihnen überleben die ersten Hinterhalte der Terroristen, bevor Nanahara erkennt, dass es sich um Jugendliche handelt, die sein früheres Schicksal teilen. Er befreit sie von den explosiven Halsbändern und überzeugt sie, gemeinsamen gegen die Erwachsenen und das BR-Gesetz vorzugehen. Als die Regierung die Insel stürmen lässt, stoßen die Soldaten auf erbitterten Widerstand der Terroristen und einiger Schüler ...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von laughing vampire:

„Ich... liebe dich!“ – „Versprich mir einfach, daß du zurückkommst, ja?“ – „J... ja!!“ (Fünf Minuten später: Wird blutig weggeballert und nicht mehr erwähnt.)

„Battle Royale 2“ gehört zusammen mit seinem großartigen Vorgänger zu den Filmen, die sich bereits seit Ewigkeiten in meiner DVD-Sammlung befinden und denen ich im Lauf der Jahre immer wieder mal eine Chance gegeben habe, um mich zu vergewissern, ob sie wirklich so sind, wie ich sie in Erinnerung hatte. In diesem Fall kann ich nun nach der Sichtung von Capelights neuer Bluray sagen: Es hat sich überhaupt nichts verändert. Auch nicht durch meine über das letzte Jahrzehnt angeeigneten Japanischkenntnisse, wodurch ich die Dialoge im Original auch ohne Untertitel verstehe. Nein, auch im Original klingt es genauso bescheuert, wenn Takeuchi Riki (als Takeuchi Riki) völlig aus dem Nichts in viel zu kurzer Sportkleidung auftaucht und sagt: „Mit euch Rugby zu spielen war immer mein Traum“ (「俺、お前らと一緒にラグビーをやるのは、夢だったんだけどな」). Nur um anschließend in Zeitlupe durch den Raum zu hechten, sodaß sein Bomben-Halsband kurz vor dem Aufprall detoniert. Wieso??

Die Handlung? Nanahara Shûya ist nun der Anführer einer Terroristengruppe namens „Wild Seven“ (wohl eine Anspielung auf die Zigarettenmarke „Mild Seven“, die heute „Mevius“ heißt und womöglich eine Analogie zur Popularität der Marke „Peace“ bei linksradikalen Studenten in Japan um 1970), und führt einen Guerillakrieg gegen die „Erwachsenen“. Er hat sich mit seinen Anhängern auf einer kleinen Insel verschanzt, und anstatt die verdammte Insel und den Terroristen-Stützpunkt einfach mal kurz wegzubomben, hält es die hiesige fiktionale Faschismus-Version der japanischen (und amerikanischen?) Regierung für eine schlaue Idee, einfach das „BR“-Programm umzufunktionieren und ein paar völlig untrainierte Neuntklässler aus einer Versagerschule aus purem Sadismus quasi als militärische Einheit auf die Störenfriede zu hetzen. Damit nicht genug. Sie werden in Zweiergrüppchen aufgeteilt, und stirbt einer, explodiert beim Partner das aus dem Vorgänger bekannte Bombenhalsband. Als dann doch echte Soldaten auf die Insel geschickt werden, weil sich die Schüler erwartungsgemäß mit den Terroristen verbünden, geht das Gemetzel fröhlich weiter. Und natürlich gelingt einer Kerngruppe dann sogar die Flucht nach Afghanistan, weil halt. WIESO????

Der Plot dieses Films ist so dermaßen hirnrissig, daß sich danach vermutlich sogar „Star Wars Episode I: The Phantom Menace“ dramaturgisch durchdacht und inhaltlich kohärent anfühlen dürfte. Die ganze Rahmenhandlung ergibt hinten und vorne keinen Sinn, die vermutlich ziemlich interessante politische Lage Japans wird überhaupt nicht näher beleuchtet, und sobald man sich mal an einen Charakter gewöhnt hat, stirbt dieser auch bereits. Der Bodycount des Films dürfte insbesondere in der verlängerten „Revenge“-Fassung (satte zweieinhalb Stunden!) zu den höchsten der Filmgeschichte zählen, und wenn nicht gerade Schüler und scharenweise Soldaten niedergeballert werden, erfolgen pathetische (und zwar wirklich pathetische) Monologe über „Kämpfen“, „Freundschaft“, „Krieg“ und „Frieden“, die jeder echte 15-Jährige interessanter hingebracht hätte.

Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, was in Fukasaku Kentas Kopf vorgegangen ist, als er dieses Drehbuch geschrieben hat. Klar: Sein Vater, der legendäre Fukasaku Kinji, der hier noch eine einzige Szene inszenieren konnte (Kitano Takeshi im Zimmer seiner Filmtochter), ist während der Produktion an Krebs gestorben, und der Sohn übernahm das Projekt vermutlich in einer persönlich belastenden Zeit. Daß er Talent hat, konnte er ja bereits mit dem Drehbuch des Vorgängers und einigen weiteren sehenswerten Filmen nach „BR2“ beweisen. Aber das hier wirkt am Ende trotzdem wie die pseudo-tiefsinnige Alkoholismus-Phantasie eines Alt-Revoluzzers, der insgeheim eingesehen hat, wie sinnlos das damals eigentlich war, aber völlig in der Nostalgie feststeckt. Und Kenta ist Jahrgang 1972. Oder ist das alles doch auf dem Mist des verstorbenen Vaters gewachsen, dessen sehr lange Filmographie auch nicht mit bizarren Einträgen geizt?

Der angebliche Anti-Amerikanismus dieses Films wurde ja schon oft behandelt. „El Salvador! Peru! Bosnien! Vietnam! Jugoslawien! (Moment, war Bosnien nicht ein Teil Jugoslawiens? Egal!) Nordkorea! China! Afghanistan!“ Das seien alles die armen Opfer der amerikanischen Bombenangriffe seit dem Zweiten Weltkrieg (Moment, ist das jetzt eine alternative Timeline, oder spielt das in der nahen Zukunft?), wo acht Millionen Menschen umgekommen seien. (Moment, die 50 Millionen, die allein in Maos China umgekommen sind, sind... Ach, egal, einfach nicht nachdenken. Aber Moment, warum wird mir das überhaupt von Takeuchi Rikis Figur erzählt, der zu dem Zeitpunkt ja noch ein Teil des Staatsapparats ist?) Im Intro werden dann erst einmal schön ein paar Hochhäuser 9/11-mäßig von den Terroristen gesprengt. (Moment, warum eigentlich? Keine Ahnung, der Film geht nie auf die Details ein.) Und in einer völlig hirnweichen Szene mit Riki und dem über Videotelephon eingeschalteten „Ministerpräsidenten“ Japans, dargestellt vom legendären Tsugawa Masahiko (= Makino Masahiko) macht der sich innerlich durch Nanaharas pathetische Vorträge bereits wandelnde „Lehrer“ plötzlich Bemerkungen über die amerikanische Besatzung (Moment, warum wird ein jähzorniger und pillenfressender Versager-Lehrer einer Versagerschule überhaupt... Ach, egal, einfach nicht nachdenken).

Und am Ende sind alle in Afghanistan, weil dort die Kinder lachen, obwohl sie seit 20 Jahren nur Krieg kennen. (Moment, das wäre dann aber gleich wie in der echten Welt um das Jahr 2000. Also doch eine alternative Timeline? Warum gibt es dann überhaupt Krieg in Afghanistan?) Ja, ja, total antiamerikanisch. Ich bin mir sicher, jeder Japaner, der den Film sieht, wird innerlich vor Wut schäumen und sich auch eine AK-47 besorgen und sich einer Terroristenzelle anschließen. Gähn. Es ist einerseits natürlich interessant, daß gerade eine japanische Mainstream-Filmproduktion kurz nach 9/11 so plakativ Stellung gegen den US-Militarismus bezieht. Aber es werden ja weder Alternativen geboten, noch wird hier auf tatsächliche oder fiktive Hintergründe eingegangen. Am Ende ist das nur Pose. Da hatte der Vorgänger viel mehr zu sagen, der mich als 14-Jähriger wirklich zum Nachdenken über Diktaturen, Staatswillkür und den Sinn des Lebens generell bewegte und dies heute noch tut.

Aber das klingt hier alles viel negativer, als es eigentlich sollte. Denn „Battle Royale 2“ macht gerade wegen seiner absoluten Hirnrissigkeit einfach höllisch Spaß. Dem Film geht die Munition genauso wenig aus wie den Figuren, und vor allem Takeuchi Rikis Auftritt ist dermaßen BESCHEUERT, daß einem bei der Erstsichtung vermutlich völlig die Worte fehlen dürften. Wie er augenrollend und pillenfressend in seinem Trenchcoat durch den Film kaspert und dann völlig unmotiviert auf die Seite der Terroristen wechselt und bis zu seinem hirnlosen Rugby-Suizid einer der „Guten“ wird ist einfach einmalig. Als wäre der Begriff „Overacting“ nur für ihn erfunden worden. Dabei sollte man den guten Riki nicht unterschätzen: Bevor er Mitte der 90er zum Action-Darsteller wurde, spielte er sogar Dandys mit Wuschelfrisur. Aber hier ist er psychotischer als je zuvor. (Getoppt hat er diesen Auftritt erst zehn Jahre später in Sono Sions „Tokyo Tribe“.) Die restlichen Schauspieler spielen mit derart viel Pathos, daß der Gegensatz um so unterhaltsamer ist. Gerade der milchgesichtige, feingliedrige Fujiwara Tatsuya als Pseudo-Taliban Nanahara... Mann Mann Mann.

Man wird hier einfach völlig ratlos zurückgelassen. Und daher lohnt sich „Battle Royale 2“ am Ende doch, denn so einen Film gibt es nur einmal. Die Bluray von Capelight ist daher sicher keine schlechte Idee für ein Weihnachtsgeschenk an sich selbst. Am besten zusammen mit einem Rugby-Ball! Der Film spielt ja auch an und um Weihnachten, also perfekt. Das einzige Manko sind die Untertitel, die wohl von der Synchronspur abgeschrieben wurden (klassische „Dubtitles“) und sich nicht selten mit dem japanischen Originalton beißen, auch wenn es bedeutungsmäßig keine große Rolle spielt. Da hätte man sich auf jeden Fall mehr Mühe geben können. Aber sonst? Beide Fassungen auf Bluray in einer hübschen Aufmachung. Fast wie bei einem guten Film.

6/10
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Kommentare

21.12.2019 07:18 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 15
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.624
Tolle Besprechung und dann auch noch aufs Zehntel genau mit meiner Bewertung übereinstimmend. Da lacht der Vampir in mir.

🙂

21.12.2019 08:30 Uhr - sonyericssohn
1x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 19
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 7.903
Beim ersten Mal war ich überwältigt ! Ein Wahnsinn was da ablief. Die zweite Sichtung war dann umso ernüchternder. Und die Fragezeichen in und um meinen Kopf immer mehr. Heute bekäm der auch nur noch 5 magere Points.


21.12.2019 10:04 Uhr - DriesVanHegen
1x
User-Level von DriesVanHegen 5
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 369
Deckt sich ziemlich mit meiner Meinung, einzig mit dem Unterschied, dass ich das Werk im Zuge der neuen Capelight Releases erstmals sehen konnte.
Ich war stellenweise irritiert, stellenweise verzweifelt, aber doch die gesamte Laufzeit über grotesk gut unterhalten.
Ich persönlich halte BR ja auch schon für ziemlich aufgesetzt und trashig, der sich dabei aber trotzdem noch ein klitzekleines bisschen für ein paar wenige Figuren begeistern kann. Bei BR II wird ja aber quasi ab Sekunde 1 der Bodycount gepusht. Emotionalisierung und Mitfiebern sind hier für die Katz, bei dem Tempo in dem Figuren verheizt werden oder innerhalb von Sekunden gleich dutzendweise Schüler flambiert werden.
Zwar fallen die CGI-Effekte immer mal störend in's Auge, unterstreichen aber den überzeichneten Charakter. Ich weiß nur nicht, ob es überhaupt die Absicht war, einen Comic zu inszenieren oder doch einen harten Kriegsactioner.

Trotzdem: Wenigstens Riki und sein finaler Touchdown sind wohl Dinge nach Gusto "must be seen to be believed".

Danke übrigens für die schöne Trivia mit der Zigarettenmarke!

21.12.2019 14:58 Uhr - Laughing Vampire
1x
DB-Helfer
User-Level von Laughing Vampire 5
Erfahrungspunkte von Laughing Vampire 339
21.12.2019 07:18 Uhr schrieb dicker Hund
Da lacht der Vampir in mir.

Ich stelle mir gerade einen zum Vampir gewordenen Mops vor, der dann ständig beim Herrchen um Blutwürste betteln muß! :)

Danke fürs Feedback an alle.

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