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Psycho II

Herstellungsland:USA (1983)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Psycho 2
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,29 (22 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nach 22 Jahren in einer Anstalt für kriminelle Geisteskranke kehrt Norman Bates in sein Motel zurück. Aber er ist nicht der Einzige. Die Schwester seines früheren Opfers glaubt nicht an dessen Genesung. Als das Morden von Neuem beginnt, scheint die Sachlage klar... (Universal Pictures-Internetseite)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                                    PSYCHO II

Mit Psycho (1960) schuf Alfred Hitchcock, der Master Of Suspense, nicht nur einen Meilenstein innerhalb seiner eigenen Karriere, sondern auch einen der größten Klassiker der Filmgeschichte, der für viele Fans, Kritiker und Filmwissenschaftler der Vater sowohl des Psychothrillers als auch des Slashermovies ist. Die berühmte Duschmordszene gehört zu den berühmtesten Momenten des Films, der unzählige Male imitiert und auch parodiert wurde. Jede Filmbestenliste und jede Filmsammlung wäre unvollständig ohne dieses Meisterwerk, das ganz für sich steht und eine Geschichte erzählt, die keiner Fortsetzung bedarf. Und doch wagte man es, im Jahr 1983 – 23 Jahre nach Hitchcocks Film – einen zweiten Psycho-Film in die Kinos zu bringen …

Diesmal griff man – im Gegensatz zum Original – nicht auf eine literarische Vorlage von Robert Bloch zurück. Dieser hatte zwar einen Roman mit dem Titel Psycho II geschrieben, doch der war eher parodistisch angelegt, weshalb er für eine filmische Fortsetzung ungeeignet war. Deshalb heuerten Universal Studios Tom Holland an, der für sein Die Klasse Von 1984-Skript (1982) bekannt war und später Drehbücher zu Genrefilmen wie Fright Night (1985) und Chucky, Die Mörderpuppe (1988) verfassen sollte. Das Drehbuch war auch der Grund, warum Anthony Perkins, der Hauptdarsteller des Originals, zusagte, noch einmal in die Rolle des Norman Bates zu schlüpfen – er hatte dieses Angebot zuvor abgelehnt. Neben Perkins tauchte noch ein Mitglied der Original-Psycho-Besetzung in dem Sequel auf: Vera Miles, die ihre Rolle der Lila Crane, bzw. Loomis wieder aufnahm. Weitere Rollen übernahmen Robert Loggia (1930-2015 / Das Messer, 1985), Meg Tilly (Agnes – Engel Im Feuer, 1985), Dennis Franz (Stirb Langsam II, 1990), Hugh Gillin (1925-2004 / Zurück In Die Zukunft III, 1990) und Claudia Bryar (1918-2011 / I Was A Teenage Frankenstein, 1957). Auf dem Regiestuhl nahm Richard Franklin (1948-2007 / Patrick, 1978) Platz. Bevor man mit den Dreharbeiten begann, wandte man sich an Hilton A. Green, Hitchcocks Regieassistenten bei Psycho und fragte ihn, ob er Interesse habe, Psycho II zu produzieren. Dieser befürchtete aber, dass Hitchcock, der 1980 verstorben war, eine Fortsetzung abgelehnt hätte, weshalb er sich an dessen Tochter Patricia wandte, die dem Projekt quasi ihren Segen gab, da sie glaubte, ihr Vater hätte die Fortsetzung geliebt. Man tat also alles Mögliche, um ein gelungenes Sequel auf die Beine zu stellen. So konnten die Dreharbeiten, die in den Universal Studios in Kalifornien stattfanden, beginnen. Das Bates House aus dem Jahr 1960 stand zwar noch, musste aber renoviert werden. Verschiedene Requisiten aus dem Original kamen ebenfalls zum Einsatz. Eine kleine Verbeugung vor Alfred Hitchcock hat man ebenfalls in die Fortsetzung eingebaut – in einer Szene ist der Schatten des Meisters zu sehen, bevor das Licht gelöscht wird.

22 Jahre nach den Ereignissen in Psycho wird Norman Bates (Anthony Perkins) aus der Haft in einer Psychiatrie entlassen. Das sieht natürlich nicht jeder gern: Lila Loomis (Vera Miles), deren Schwester von Bates ermordet wurde, protestiert – unterstützt von einer Petition - gegen dessen Freilassung. Bates will sich einfach nur ein neues Leben aufbauen...der Job in einem Fast Food-Restaurant scheint der erste Schritt zu sein. Die Rückkehr zum seit Jahren unbewohnten Haus und dem Bates Motel mag dagegen keine wirklich weise Entscheidung zu sein. Und schon bald erhält Norman Bates mysteriöse Nachrichten und anonyme Anrufe. Ist „Mutter“ zurück oder spielt ihm jemand einen bösen Streich?

Wenn es Filme gibt, die man auf keinen Fall fortsetzen sollte, dann gehört Alfred Hitchcocks Psycho definitiv dazu. Aber Psycho II ist, auch wenn er nicht an das brillante Original herankommt, ein gelungenes Beispiel dafür, dass die Macher der Fortsetzung keine Chance hatten, sie aber dennoch nutzten … Psycho II ist – auch wenn es kaum jemand erwartet haben dürfte – eine so gelungene Fortsetzung, weil sie mehrere interessante Facetten aufweist anstatt nur das Erfolgsrezept des ersten Teils einfach zu reproduzieren.

So wirft der Film die Frage auf, wie man mit geistesgestörten Mördern umgehen soll, was gleich zu Beginn des Films thematisiert wird. Wie soll man mit jemandem verfahren, der grausam gemordet hat, aber 22 Jahre lang in Haft war und somit seine Schuld gegenüber der Gesellschaft bezahlt hat? Sind Mörder wie Norman Bates überhaupt in der Lage, ein normales Leben zu führen? Dies sind Fragen, die Psycho II aufwirft und damit (vielleicht) zum Nachdenken anregen, was ein Pluspunkt des Films ist. Somit wird von Anfang an klar, dass Psycho II bewusst andere Wege gehen will als Alfred Hitchcocks Original. Außerdem hebt sich das Sequel damit von den vielen Slashermovies ab, die damals groß in Mode waren, und von denen Psycho II sogar ein wenig beeinflusst wurde, aber dazu später mehr.

Trotz dieses durchaus interessanten Denkanstoßes, liegt das Hauptaugenmerk von Franklins Film freilich nicht auf dem Aspekt der Resozialisierung geistesgestörter Krimineller, sondern auf Spannung, die sich aus der Frage ergibt, ob „Mutter“ tatsächlich noch da ist, oder ob jemand Bates einen üblen Streich spielt, um ihn in den Wahnsinn und damit wieder in die geschlossene Psychiatrie zu treiben. Unterstützt von Tom Hollands Drehbuch gelingt es Regisseur Franklin, den Zuschauer fast zwei Stunden lang in Atem zu halten. Die Handlung weist mehrere überraschende Wendungen auf, so dass – auch wenn das Sequel nicht die durchgängige Spannung des ersten Teils erreicht – man das Ende des Films, bzw. die Beantwortung der oben genannten Frage kaum erwarten kann. Über das, was letztlich als Auflösung serviert wird, kann man durchaus geteilter Meinung sein und möglicherweise wird nicht jeder Filmfan mit dem Psycho II-Finale zufrieden sein. Aber der Weg dahin ist zweifellos spannend.

Auch hinsichtlich seiner Besetzung ist Psycho II sehenswert. Anthony Perkins brilliert einmal mehr in der Rolle des Norman Bates und es gelingt ihm, die Rolle des entlassenen Mörders, der einfach nur in Ruhe und Frieden leben will und krampfhaft darum bemüht ist, „normal“ zu bleiben, so glaubhaft zu spielen, dass die Sympathien des Publikums definitiv auf seiner Seite sind. Im Kontrast dazu steht Vera Miles in der Rolle der Lila Loomis. Als Hinterbliebene eines Bates-Opfers sollte das Publikum eigentlich auf ihrer Seite sein, aber Miles spielt ihre Rolle derart biestig und rachsüchtig, dass man Bates geradezu vor ihr in Schutz nehmen möchte.

Auch die anderen Rollen wurden gut besetzt. Meg Tilly kann in der Rolle der Kellnerin Mary, die Bates´ Beschützerinstinkt weckt, ebenso punkten wie Dennis Franz es in der Rolle von Bates´ schmierigem, stellvertretenden „Managers“ tut. Robert Loggia und Claudia Bryar spielen ihre Rollen dagegen eher solide, aber trotzdem nicht schlecht. Besser schlägt sich dagegen allerdings Hugh Gillin in der Rolle des Sheriff John Hunt, der in seiner Rolle ziemlich authentisch wirkt.

Als die Fortsetzung entstand, spielte das Slashermovie eine gewichtige Rolle im Horrorfilm, so dass man (minimale) Einflüsse dieses Genres auch in Psycho II wiederfindet. So sind die Morde ein wenig blutiger ausgefallen und zwei Opfer einer Attacke sind junge Leute, die das tun, was im Slashermovie als höchst unmoralisch angesehen und – im besten Fall – mit einer rasch durchgeschnittenen Kehle quittiert wird. Die Gewaltszenen in Psycho II haben – neben einem minimal höheren Blutzoll – zwar nicht die inszenatorische Wucht der Duschmordszene im ersten Teil und der eine oder andere Effekt ist etwas durchschaubar, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Schließlich kann man nicht von jedem Regisseur erwarten, dass er etwas so Denkwürdiges wie Hitchcocks Mordszene unter der Brause hinbekommt. Die Slashermovie-Einflüsse sollten in Psycho III noch ausgebaut werden.

Auch wenn Psycho II sich deutlich vom ersten Teil abhebt, haben die Macher des Films trotzdem genug von dem eingebaut, was man heute als Fan-Service bezeichnet, was hier keineswegs negativ gemeint ist. So hat man für die Fortsetzung nicht nur Darsteller aus dem Original angeheuert, sondern auch Markenzeichen wie die ausgestopften Vögel oder das aus dem ersten Teil bekannte Guckloch übernommen. Außerdem präsentiert Franklin Hitchcocks berühmten Dolly Zoom in Psycho II, der auch im Original zum Zug kommt.

Psycho II kommt nicht an seinen Vorgänger heran. Normalerweise kann man bei dem Versuch, einen derartigen Klassiker adäquat weiterzuerzählen, einfach nur krachend scheitern. Richard Franklin, Tom Holland, Anthony Perkins und Co. haben mit Psycho II den Gegenbeweis angetreten, denn dieser Film ist zwar kein Klassiker der Filmgeschichte, aber dennoch eine spannende, gut gelungene und sehenswerte Fortsetzung und das ist deutlich mehr als man erwarten durfte. Das Publikum zeigte sich recht angetan von Psycho II, so dass der für fünf Millionen Dollar produzierte Film ordentliche 34 Millionen einbrachte, weshalb man kurze Zeit später Psycho III in die Lichtspielhäuser brachte.

8/10
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Kommentare

05.06.2021 10:46 Uhr - leichenwurm
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Mein lieber Scholli... ähm Puni ;-)) ! Eine fantastisch zu lesende Kritik. "Psycho 2" ist wirklich ein Paradebeispiel, für eine (zu) späte, aber trotzdem gelungene Fortsetzung. Und das trotz der riesigen Fussstapfen, die es hier auszufüllen galt. Aber, die Macher haben sich hier vortrefflich aus der Affäre gezogen. Ohne sich zu weit vom Vorgänger zu entfernen, aber trotzdem mit genug eigenen Ideen im Gepäck, gelingt das Kunststück aus "Psycho 2" ein ganz eigenes Ding zu machen... wär hier auch bei ner stabilen 8 ... :-) !

05.06.2021 10:58 Uhr - cecil b
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"Aber Psycho II ist, auch wenn er nicht an das brillante Original herankommt, ein gelungenes Beispiel dafür, dass die Macher der Fortsetzung keine Chance hatten, sie aber dennoch nutzten … Psycho II ist – auch wenn es kaum jemand erwartet haben dürfte – eine so gelungene Fortsetzung, weil sie mehrere interessante Facetten aufweist anstatt nur das Erfolgsrezept des ersten Teils einfach zu reproduzieren."

Exakt!
8 Punkte? Ja! Überraschenderweise geht das mit dem Gemetzel gut auf. Die Qualität deiner Review ist wie gehabt vortrefflich.

05.06.2021 11:12 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Eure netten Worte. Schön, dass wir da auf einer Wellenlänge liegen.

05.06.2021 12:07 Uhr - Intofilms
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Sehr gut, Puni! Alles vollkommen richtig, was du sagst. 8 Punkte auch von mir. ;)

05.06.2021 13:00 Uhr - Punisher77
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Danke Dir!

05.06.2021 14:35 Uhr - TheMovieStar
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Wie immer top geschrieben Puni! Hab den Film schon länger nicht mehr gesehen, würde von der Erinnerung mit deiner Wertung her mitgehen. Saubere Arbeit!

05.06.2021 15:02 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, MovieStar.

05.06.2021 23:31 Uhr - CHOLLO
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Schöne Besprechung Punisher!
Finde den auch ziemlich stark, bei ner 8 bin ich dabei..
Bin mal gespannt wie Teil 3 und 4 bei dir wegkommen.

06.06.2021 17:02 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Chollo.
Teil 3 hab ich bereits gesehen und das dazugehörige Review ist fertig. Teil 4 habe ich noch vor mir. Bin gespannt.

08.06.2021 15:05 Uhr - prince akim
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Dank deiner sehr informativen und interessanten Review bin ich da jetzt echt neugierig auf den Film geworden. Den werde ich mir auf meiner "ZuSehenListe" unbedingt notieren und bei Gelegenheit ( vermutlich dann mal im Herbst/Winter ) zulegen. Kenne den Film eigentlich nur aus einer früheren, uralten "Cinema"-Ausgabe aus meiner Jugendzeit und da waren andere Filme einfach wichtiger, auch wegen des Alters damals ... ;-)

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