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Laughing Vampire
Level 5
XP 339
Eintrag: 12.01.2020

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Scent of a Spell

(Originaltitel: Mashō no kaori)
Herstellungsland:Japan (1985)
Genre:Drama, Erotik/Sex, Mystery
Alternativtitel:Masho no kaori

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (1 Stimme) Details
eine kritik von laughing vampire:

(Disclaimer: Wie immer schreibe ich japanische Namen in der korrekten Reihenfolge mit dem Familiennamen voran, also nicht verwirren lassen.)

Bereits 1981 hatte Regisseur Ikeda Toshiharu für „Tenshi no harawata: Akai inga“ („Angel Guts: Red Porno“) mit dem damaligen Comic- und Drehbuchautor und späteren Filmregisseur Ishii Takashi kollaboriert. Ikeda, der bei Nikkatsu als Softporno-Regisseur begonnen hatte und für seine radikalen Beiträge bekannt war, mit denen er die Grenzen der japanischen Zensurvorschriften ausgelotet hatte, verließ das Studio anschließend, um sich in der neu gegründeten, unabhängigen „Director’s Company“ kreativ austoben zu können. Dort entstand in Zusammenarbeit mit der „Art Theater Guild“ (ATG) etwa der Kultfilm „Ningyo densetsu“ („Mermaid Legend“) von 1984, der in den letzten Jahren auch dank dem Internet im In- und Ausland viele Fans gewinnen konnte und von Ikeda selbst als sein Meisterwerk gesehen wurde – 2010 nahm er sich nach Jahren der Depression und des Alkoholismus an einem Drehort jenes Films tragischerweise das Leben.

„Akai inga“ war nur eine von insgesamt vier Kollaborationen mit Ishii – oder fünf, wenn man „Jokōsei: Tenshi no harawata“ von 1978 dazuzählt, der unter der Regie von Sone Chūsei entstanden war und zu welchem Ikeda das Drehbuch geschrieben hatte. Ishii war an jenem Film zwar nicht direkt beteiligt, lieferte allerdings die Comic-Vorlage. Insbesondere „Shiryō no wana“ („Evil Dead Trap“) von 1988, ein astreiner Splatter-Horrorfilm, dürfte nicht zuletzt vielen Besuchern dieser Seite ein Begriff sein, und 1993 entstand mit „Chigireta ai no satsujin“ ein weiterer Thriller über Mord und Totschlag, der bei uns als „Evil Dead Trap 3: Broken Heart Killer“ vermarktet wurde. Wenn man es allerdings genau nimmt, sind sowohl „Shiryō no wana“ wie auch „Chigireta ai no satsujin“ weitere Bestandteile der „Tenshi no harawata“-Serie. Die einzige Gemeinsamkeit hierbei sind nämlich die Namen der Hauptfiguren, Nami und Tetsurō, und diese tauchen in Ishiis kreativem Schaffen – Comics, Drehbüchern, Filmen – bis heute regelmäßig auf.

Dazwischen also 1985 „Mashō no kaori“ („Der Duft des Teuflischen“), gemäß IMDB auf Englisch „Scent of a Spell“, obwohl niemals außerhalb Japans veröffentlicht. Auch hierbei handelt es sich um einen „Director’s Company“-Film, der allerdings wieder wie bereits „Tenshi no harawata“ für Nikkatsus „Roman Porno“-Reihe produziert wurde. Das bedeutet zunächst einmal: Neunzig Minuten Laufzeit und viel Sex. Und mit letzterem kennen sich die beiden Monomanen Ikeda und Ishii natürlich hervorragend aus. Sex, gerne auch uneinvernehmlich und roh, ist da stets ein zentraler Bestandteil, und besonders Ishii trieb diese Fixierung in Werken wie „Amai muchi“ („Sweet Whip“, 2013) dermaßen auf die Spitze, daß im Falle einer deutschen Veröffentlichung wahrscheinlich noch eine Extra-Kategorie über „bundesweit beschlagnahmt“ erfunden werden müßte. In „Mashō no kaori“ dient der Sex allerdings der Figurenzeichnung, ist dabei auch tatsächlich erotisch, wenn man sich nicht von den üblichen Weichzeichnern und offensichtlichen Patches über den Geschlechtsorganen ablenken läßt. Eine Eigenheit von Ikedas Schaffen und der „Roman Porno“-Filme generell ist nämlich der extrem holprige Schnitt, und wenn man sich Frame für Frame durch die Sexszenen arbeitet, fällt sofort auf, daß die Weichzeichner nicht nur der Zensur dienen, sondern auch verbergen, daß die Schauspieler darunter nicht wirklich nackt sind. Ja, ich habe das gemacht. Natürlich bin ich danach sofort in die Kirche gerannt und habe gebeichtet, also alles gut.

Zur Handlung: Esaka (Johnny Ōkura) ist seit zwei Jahren geschieden. Wenn er nicht mit Arbeit beschäftigt ist, trifft er sich mit seinen Freunden in Billard-Clubs und betrinkt sich. Schließlich trifft er an einem regnerischen Nachmittag auf die mysteriöse Akiko (Amachi Mari), die sich von einer Brücke stürzt. Er schwimmt ihr nach und rettet ihr das Leben, woraufhin sie bei ihm einzieht. Akiko gesteht ihm, daß sie furchtbare Angst vor ihrem Noch-Ehemann in Osaka hat, der sie immer verprügelt und ausgenutzt habe. Sie werden ein Paar. Als schließlich ein Bekannter Esakas brutal ermordet wird und sich herausstellt, daß dieser sich kurz vor seinem Tod mit einer Akiko getroffen hat, schöpft er Verdacht und geht dem Hintergrund seiner Geliebten nach. Was ist Lüge, was ist Wahrheit? Sagt sie ihm die Wahrheit, oder ist sie womöglich eine wahnsinnige Killerin?

Obwohl der Film auf einem Roman zu basieren scheint, handelt es sich um eine typische Ishii-Geschichte, die man nur leicht variiert auch in Filmen wie „Love Hotel“ aus dem selben Jahr (Regie: Sōmai Shinji) oder seinem eigenen „Nūdo no yoru“ von 1993 findet. Ishii ist besessen vom Archetyp der „Femme fatale“, der mysteriösen, unheilbringenden Frau – dies so sehr, daß er sogar seine eigene Produktionsfirma danach benannte. (Ishiis offizielle Homepage findet sich unter der bezeichnenden URL fun.femmefatale.jp.) Die hiesige Femme fatale, Akiko, fällt also wie eine Naturgewalt in das Leben von Jedermann Esaka ein; letzterer ist dabei stellvertretend für viele Männer in den japanischen Achtzigerjahren, die in Zeiten des Neoliberalismus irgendwie auf der Strecke geblieben sind und ein einsames Dasein zwischen Büro und Einzimmerwohnung fristen. Sie erweckt seine Leidenschaft und holt ihn damit zurück ins Leben, aber wie so oft kommt nicht alles umsonst. Zwischen den ausgedehnten Sexszenen geht Esaka daher ihrer Vorgeschichte nach, entdeckt Unschönes, stellt sie, und am Ende gibt es dann noch einen typischen Ishii-Plottwist, den ich hier zwar nicht verraten möchte, den man aber trotzdem bereits kilometerweit riechen kann. Nur so viel: Die letzte Szene spielt im neonbeleuchteten Regen auf dem Dach eines Hochhauses.

„Mashō no kaori“ lebt letzten Endes hauptsächlich von seiner Atmosphäre. Entweder kann man mit dieser Art von Film etwas anfangen oder nicht. Daß ich mir die japanische Bluray für eine Unmenge an Geld importiert habe, bedeutet natürlich, daß ich es kann, und daß ich allgemein ein riesiger Fan von Ikedas und Ishiis Werk bin. Man weiß hier einfach immer, was einen erwartet. Das Grundgerüst insbesondere bei Ishii ist, von Ausnahmen wie „Shiryō no wana“ und „Gonin“ (1995) abgesehen, immer dasselbe, und ich kenne keinen anderen Künstler, der ein derartig einheitliches, qualitativ stabiles Gesamtkunstwerk vorweisen kann, das trotzdem nicht langweilig oder ausgelutscht wird. Zumal er immer wieder leichte Variationen reinbringt. Selbst ein Ozu Yasujirō brauchte zwei Jahrzehnte, um seinen Stil zu finden, während Ishii den bereits mit seinem Comic-Debüt gefunden hatte. Ikeda wiederum hatte durchaus einige Tiefpunkte in seiner Karriere, so drehte er auch immer wieder mal völlig unsehbare Direct-to-Video-Produktionen. Aber auch er konnte sich immer wieder aus seinen Schaffenskrisen retten: „Kagi“ („The Key“) von 1997 ist meiner Meinung nach die schönste Verfilmung des selbst von Tinto Brass adaptierten Tanizaki-Romans und erst noch eines der frühesten Beispiele von unzensierter weiblicher Nacktheit in einem japanischen Film. Dies ist bis heute nur eingeschränkt möglich. Sein letzter Film „Aki fukaki“ von 2008 ist ein würdevoller Abschied und handelt von einem Mann, der sich in eine Frau verliebt, die an Brustkrebs leidet und der dennoch verhindern möchte, daß sie sich die Brüste amputiert. Eine schwarze Komödie, die wie auch „Mashō no kaori“ letzten Endes die gestörte Kommunikation zwischen Mann und Frau thematisiert.

Natürlich bin selbst ich nicht jeden Tag in der Stimmung für einen solchen Film. Aber wenn ich es bin, wenn ich Regen, Neonlichter und Zigarettenrauch in anonymen Bars japanischer Großstädte zwischen 23 und 5 Uhr und die nackten Körper mysteriöser einsamer Frauen sehen möchte, weiß ich immer, an wen ich mich wenden muß. Es bleibt nur zu wünschen, daß diese einzigartigen Filme irgendwann auch einmal westlichen Zuschauern ohne Fremdsprachenkenntnisse zugänglich sein werden, denn Untertitel scheinen wie so oft keine zu existieren.

8/10
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Kommentare

12.01.2020 23:07 Uhr - dicker Hund
2x
User-Level von dicker Hund 14
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.430
Vorzüglich geschriebene Vorstellung eines Exoten. Sehr interessant zu lesen, unterhaltsam obendrein. Nur schade, dass die Titelauswahl für Veröffentlichungen aus Übersee so wenig mit einer verlässlichen Qualitätsauslese zu tun hat...

13.01.2020 01:24 Uhr - Laughing Vampire
1x
DB-Helfer
User-Level von Laughing Vampire 5
Erfahrungspunkte von Laughing Vampire 339
12.01.2020 23:07 Uhr schrieb dicker Hund
Vorzüglich geschriebene Vorstellung eines Exoten. Sehr interessant zu lesen, unterhaltsam obendrein. Nur schade, dass die Titelauswahl für Veröffentlichungen aus Übersee so wenig mit einer verlässlichen Qualitätsauslese zu tun hat...

Vielen Dank!! :) Und sehr wahre Worte.

13.01.2020 09:39 Uhr - Chímaira
1x
User-Level von Chímaira 11
Erfahrungspunkte von Chímaira 1.829
Sehr umfangreich und mit Hintergrundinfos bereichert. Leider wird der Film wahrscheinlich nie mit deutschen/englischen UT erscheinen. Einen Eindruck liefert zum Glück Deine Kritik ;)

14.01.2020 17:57 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von cecil b 6.036
Die Hintergründe stehen im Vordergrund, aber, uninteressant ist das für Geneigte ja nicht. Besonders daher, da es sich ja eher um eine Nische in der Filmwelt handelt. Und man kriegt ja auch einen Eindruck vom Film, was eine Review ja hergeben muss.

Gonin kenne ich, aber der scheint sich ja eher von dem üblichen Schaffen zu unterscheiden. Dieses ist nun für mich interessant. :)

15.01.2020 02:00 Uhr - Laughing Vampire
DB-Helfer
User-Level von Laughing Vampire 5
Erfahrungspunkte von Laughing Vampire 339
Vielen Dank euch beiden!!

@Cecil: Ja, da ich ja eher selten dazu komme, Kritiken zu schreiben (gerne würde ich wie andere User hier mal eine ganze Filmreihe behandeln), wollte ich in erster Linie die Filmemacher und den Kontext vorstellen. Eben auch, weil es sehr an Infos mangelt und es gerade zu dem Film glaube ich keine einzige nicht-japanische Kritik gab -- der Film an sich ist ja eher eine Routinearbeit von Ishii/Ikeda, wenngleich sehenswert. :)
Bei Ishii sind die drei "Gonin"-Filme (ein dritter Teil erschien 2015 und ist bislang sein letzter Film, angeblich arbeitet er aber an einer Fortsetzung namens "Seven") und "Kuro no tenshi (Black Angel)" eher Ausnahmen. Hat sicherlich auch mit dem Budget zu tun. Wenn du mal seine anderen Arbeiten entdecken möchtest, empfehle ich dir als Einstieg "Nūdo no yoru (A Night in Nude)" und dessen Fortsetzung, die ich vielleicht demnächst vorstellen werde. Dazwischen aber wieder mal ein Verriß, habe diesbezüglich schon etwas im Kopf.

15.01.2020 20:03 Uhr - cecil b
DB-Co-Admin
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15.01.2020 02:00 Uhr schrieb Laughing Vampire
Vielen Dank euch beiden!!

@Cecil: Ja, da ich ja eher selten dazu komme, Kritiken zu schreiben (gerne würde ich wie andere User hier mal eine ganze Filmreihe behandeln), wollte ich in erster Linie die Filmemacher und den Kontext vorstellen. Eben auch, weil es sehr an Infos mangelt und es gerade zu dem Film glaube ich keine einzige nicht-japanische Kritik gab -- der Film an sich ist ja eher eine Routinearbeit von Ishii/Ikeda, wenngleich sehenswert. :)
Bei Ishii sind die drei "Gonin"-Filme (ein dritter Teil erschien 2015 und ist bislang sein letzter Film, angeblich arbeitet er aber an einer Fortsetzung namens "Seven") und "Kuro no tenshi (Black Angel)" eher Ausnahmen. Hat sicherlich auch mit dem Budget zu tun. Wenn du mal seine anderen Arbeiten entdecken möchtest, empfehle ich dir als Einstieg "Nūdo no yoru (A Night in Nude)" und dessen Fortsetzung, die ich vielleicht demnächst vorstellen werde. Dazwischen aber wieder mal ein Verriß, habe diesbezüglich schon etwas im Kopf.


Man kann definitiv dankbar dafür sein, dass du diese ungewöhnlichen Filme und ihre Macher hier besprichst, immer her damit, mit deinen lesenswerten Reviews! Danke für den Tipp! Den Gonin, den ich gesehen habe, ist älter. Ich glaube, auf dem Cover bekam einer ein Schwert auf/in die Rübe. Lange her. Gerade noch nach Covern geschaut. 1 und 2 kenne ich. Aber, zu lang ists her.

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